Teil 3: Am Flughafen in Maskat.
Wir erreichten den Flughafen gegen 18 Uhr, es wurde langsam dunkel. Nun galt es wieder, das Gepäck auszuladen. Ein Omaner, der anscheinend etwas zu sagen hatte, diskutierte mit der Reiseleiterin. Nach der erneuten Anweisung, die Gruppe unter keinen Umständen aus den Augen zu verlieren, leitete er uns über Lifte und Rolltreppen vor die Abflughalle. Dort sollten sich kleine Gruppen bilden und mindestens eine Person sollte immer erreichbar sein und auf das Gepäck der Gruppe aufpassen. Vorher wurden die Köpfe wieder abgezählt, um sicherzustellen, dass niemand verloren gegangen war oder über die Taxis an der Grenze dazugestoßen war.
An diesem Abend sollten sowohl ein ziviler Flieger als auch eine Militärmaschine die Gestrandeten der letzten beiden Tage abholen. Beide Maschinen waren aber noch nicht gelandet. Sie waren entweder noch in der Luft oder auf nordafrikanischen Flughäfen.
Der Grund, warum die Leute zusammenbleiben sollten, war, dass es sich nicht um reguläre Flüge handelte, es keine offiziellen Passagierlisten im Flughafensystem gab und die Flüge auch nicht auf den Anzeigetafeln zu finden waren.
Wir waren in einer Gruppe mit einer Muslima und zwei Briten. So passte halt jeder periodisch auf das Gepäck auf, während die anderen Toilettengänge machten oder Essen besorgten. Einige Passagiere waren leider bargeldlos oder nach der langen Anfahrt nicht gut drauf und erschöpft. Einem älteren deutschen Ehepaar erklärte ich, dass sie mit Kreditkarte Essen kaufen könnten; ansonsten würde ich ihnen Dirham leihen. Die Geschäfte akzeptierten aber auch die Währung der VAE. Meine Frau kaufte mit Wise ein, das Geld wurde dann von meinem Wise-Peso-Konto abgebucht. Unsere Reiseleiterin war nun auch auf Nahrungssuche, es war ihr vierter 16-Stunden-Tag.
Plötzlich tauchte die Flughafenleitung auf und es gab Ärger. Wir kampierten im Ankunftsbereich der First Class von Oman Air. Wir störten die potenten Kunden der Airline. Uns wurde befohlen, die Zone sofort zu verlassen, sonst würde die Flughafenpolizei die Räumung veranlassen, und drohten mit Schlimmerem. Natürlich konnten wir uns nicht unkontrolliert im Flughafen verteilen. Ein deutscher Unternehmer, das sich auf Geschäftsreise befand, verhandelte mit den Verantwortlichen und erreichte einen Aufschub von weiteren 30 Minuten, bis die Reiseleiterin auftauchte.
Nur ein Bild zeige ich hier
Glücklicherweise tauchte sie dann vor Ablauf der Frist auf, was uns weitere Unannehmlichkeiten ersparte.
Die Passagiere informierten sich auch gegenseitig über Telefonanrufe der Airline und des Auswärtigen Amtes. Da ging es hin und her, die Informationen wechselten im Minutentakt. Meine Frau hatte auch ein Problem: Sie war hungrig und es war ihr egal, dass ihr Smartphone komplett blockiert war. Durch SIM-Wechsel hing die Technik fest und dazu war ihr DU-Abo (VAE) deaktiviert worden. Erst hier in L konnte der Reparaturdienst das Smartphone zum Leben erwecken. Keine Ahnung was da passiert war.
Aufgrund der Lage habe ich einige Zeit im DU Store in Dubai verbracht, damit wenigstens mein Abo funktionierte. In den Emiraten werden SIM-Karten streng kontrolliert und mein Abo musste mehrmals mit Pass aktiviert werden (?) Von einer omanischen SIM sah ich ab, ich kannte den Zeitaufwand. In dieser Situation war mir das zu heikel. Ich kommunizierte dann lieber im Roaming, wenn es dann ging.
Es war inzwischen 22:00 Uhr und auch die Cebu-Pacific-Crew hatte es mittlerweile zum Flughafen geschafft. Wir wurden im Untergeschoss einquartiert und hatten dort leider mal wieder keinen Empfang mit unseren Smartphones. Der Kontakt mit der Familie war somit erschwert. Meine eSims funktionierten teilweise gar nicht mehr. Und wieder einmal hieß es warten. WLAN gab es nicht, zumindest konnte niemand es aktivieren. Man riet uns, die eSIM des Omans zu kaufen und nutzen.
Gegen Mitternacht musste ich auf die Toilette, die ich erst einmal in den Obergeschossen finden musste. Während meiner Abwesenheit kam Bewegung in die Gruppe: Der Luxair-Flieger war gelandet und die Passagiere der Maschine wurden von der Reiseleiterin aufgerufen. Ich war noch unterwegs. Meine Frau war in leichter Panik, aber ich erreichte die Gruppe noch rechtzeitig.
Nun ging es in die Abflughalle zum Check-in. Da es sich nicht um einen offiziellen Flug handelte, waren die noch geschlossenen Counter alle mit „Drop-off” gekennzeichnet. Das war fatal, denn nun wollten auch die regulären Passagiere ihre Koffer loswerden. Es kam zu einem leichten Durcheinander. Gut, dass die Schalter noch geschlossen waren.
Wieder war Warten angesagt, aber glücklicherweise wurden 60 Minuten vor der geplanten Abflugzeit zwei Schalter geöffnet. Es wurde Dienst nach Vorschrift gemacht, was zum Unmut aller führte. Die erstellte manuelle Passagierliste diente als Vorlage für den Check-in, was wiederum Probleme bereitete. Die Begleitpersonen mehrerer Gruppen vor Ort forderten mehrere zusätzliche offene Schalter, erhielten aber die abweisende Antwort, sie sollten sich an den zuständigen Supervisor wenden.
30 Minuten vor Abflugzeit waren wir durch und hatten unsere Boardingpässe in der Hand. Wir waren aber erst im ersten Drittel des Check-ins. Uns stand noch der Security-Check bevor. Auch dieser dauerte, und wir waren unter allen anderen Passagieren, darunter teilweise undisziplinierte Rückflieger aus allen Teilen der Welt.
Unser Gate war am Ende des Terminals, obwohl die meisten nahen Gates unbenutzt waren. Zehn Minuten vor dem Boarding erreichten wir das zugewiesene Gate.
Zu unserem Entsetzen fand dort gerade ein Boarding statt. Es handelte sich um einen Sonderflug nach Georgien. Mitten im Boarding war der Computer ausgefallen. Nun wurden alle Passagiere wieder aus der Boarding-Zone herausgerufen. Es musste ein manuelles Boarding der Maschine durchgeführt werden. Und das dauerte wieder. Die geplante Abflugzeit dieser Maschine war 17:00 Uhr.
Unter diesen Umständen wäre unsere Maschine auf dem Rückflug leer geblieben, aber zum Glück blieb sie am Boden. Die Passagiere der Luxair wurden alle zu einem anderen Gate umgeleitet. Aber auch das dauerte wieder. In der Zwischenzeit waren alle Passagiere mit einer Stunde Verspätung am Gate.
Am neuen Gate wusste man leider nicht direkt was von der Umbuchung, also wurde wild umher telefoniert, aber nur kurze Zeit. Dann endlich begann unser Boarding.
Die zweite Maschine traf erst Stunden später ein. Da es sich um ein multinationaler Militärflieger handelte, fehlten lange noch Start resp. Landeerlaubnis für die Mission. Die vorgesehenen Passagiere mussten weiterhin sehr geduldig sein.
Ich stelle mir mittlerweile ernsthaft die Frage, ob dieses Chaos keine Methode hatte:
- Die fast alleinigen Abflüge arabischer Flüge am Dubai DXB
- Die überlangen Wartezeiten am Zoll
- Das Chaos am Flughafen, das anscheinend nur Sonderflüge betraf.
Zumindest konnten wir nun in den Flieger, so gegen 3 Uhr nachts. Die Georgier waren fast am Ende ihres Boardings angekommen. Die Maschine der Enter Airline sollten wir später in Hurghada in Ägypten wieder begegnen.