Teil 2: Die Evakuierung nach Maskat
Am Vortag unserer Evakuierung wurden wir von der Airline kontaktiert und gefragt, ob wir an einer Heimreise über Oman interessiert wären. Da meine Frau von den Ereignissen bereits sehr mitgenommen war, stimmte ich dem Angebot zu.
Treffpunkt war die Creek-Metro-Station in Dubai um 5:30 Uhr, Abfahrt war um 6:00 Uhr morgens geplant. Mit dem Taxi machten wir uns um 5 Uhr auf den Weg. Am Treffpunkt befanden sich bei unserer Ankunft viele Menschen. Bald darauf fuhren vier Busse vor, und eine Begleitperson der Airline war anwesend.
Es wurden alle Pässe fotografiert, eine Anforderung des Außenministeriums. Da es eine Weile lang mehr Köpfe als Pässe gab, musste mehrmals nachgezählt werden. Dies dauerte bis nach 7 Uhr morgens.
Die Begleitperson erklärte den Ablauf des Transports nach Maskat und teilte uns mit, dass die Passage der beiden Ländergrenzen eher schwierig werden würde. Sie bat uns, Geduld mitzubringen und vor allem, die Gruppe immer zusammenzuhalten.
Ein Blogger, der der Meinung war, dass man alles auf Video festhalten müsse, wurde zurechtgewiesen.
So ging es im Konvoi der Busse zur Grenze, was eher unspektakulär verlief.
Die Begleitperson ermahnte uns noch einmal, dass es ab der Grenze schwieriger werden würde. Diese Bedeutung sollten wir später verstehen lernen.
An der emiratischen Grenze war die Fahrt mit diesen Bussen dann zu Ende. Alle Passagiere stiegen aus und gingen mit ihren Koffern zur Ausreisekontrolle der Vereinigten Emirate. Die Busse kehrten nach Dubai zurück. Während wir in der Sonne warteten, sahen wir, wie Taxis vorfuhren, ihre Passagiere aussteigen und sich ebenfalls auf den Weg zur Passkontrolle machten. Es gab aber auch Grenzgänger in Limousinen; sie wurden durchgewunken. Meistens waren es hochpreisige SUVs.
Der Blogger fing wieder an, sein Unwesen zu treiben. Diesmal legte ich mich persönlich mit ihm an.
Irgendwann hatten wir den Exit-Stempel im Pass, unser Gepäck war durchleuchtet worden und wir mussten in einen gemieteten Shuttlebus zwischen den Grenzen einsteigen. Die Busse wurden von der Begleitperson bezahlt und uns wurde immer wieder ans Herz gelegt, beieinander zu bleiben.
Die ein bis zwei Kilometer dauerten länger, da sich nun vieles staute. Nun ging es in die Einreisekontrolle des Sultanats Oman. Wieder mussten wir warten, diesmal im Bus oder sonst wo. Hier wurde eher Dienst nach Vorschrift gemacht, es dauerte wieder länger. Dabei kamen mir die ersten Vergleiche mit Flüchtlingen an unseren Grenzen in den Sinn. Irgendwann hatte ich einen Einreisestempel im Pass und ging zu einem Bus zurück, der dritte auf der Fahrt.
Auf dem Weg kamen mir einige Flüchtlinge in gelben Hemden entgegen. Unter ihnen waren Piloten. Es handelte sich um die gestrandete Crew einer Cebu-Pacific-Maschine. Wir redeten kurz mit ihnen. Auch sie waren von der Schließung von DXB überrascht worden. Sie waren auf dem Weg nach Muscat, um einen Rückholflug zu erreichen.
Im neuen Bus wurden wieder alle eingeladen und ich dachte, dass wir es nun geschafft hätten. Fehlanzeige.
Jetzt ging es zum nächsten Kontrollpunkt, wo das Gepäck kontrolliert werden musste. Also wurde wieder alles ausgeladen. Es ging in die Kontrolle: Männlein rechts in der Reihe, Weiblein mit Kindern links in der Reihe.
Irgendwann war auch das geschafft und alles wurde wieder eingeladen. Mein Arm schmerzte vom Kofferschleppen und Ein- und Ausladen, was die Passagiere immer selbst machten. Da die vier Busse im Konvoi Muscat erreichen sollten, musste die Abfertigung der vier Busse abgewartet werden. Dies war notwendig, weil am Vortag ein Bus „verloren“ gegangen war, d. h. er kam zu spät am Flughafen an. Der Flieger musste seinen zugewiesenen Slot einhalten; die Passagiere dieses Busses blieben zurück und mussten in Muscat in einem Hotel untergebracht werden.
Nach dem letzten Kontrollpunkt warteten auf einem Parkplatz im Oman Taxis auf Fußgänger, also diejenigen, die von den Dubai-Taxis vorher ausgeladen wurden. Wie die Leute zu diesen Taxis zu diesem Parkplatz gekommen waren, blieb mir ein Rätsel.
Nach Stunden an der Grenze waren wir endlich durch. Hinter uns warteten mindestens ein Dutzend weitere Busse auf ihre Abfertigung.
Der Oman lag nun vor uns, nach drei Buswechseln, dem Ein- und Ausladen des Gepäcks und dem Sammeln von Stempeln.
An vielen Steinen und Sand an den Straßenrändern und einer kargen Landschaft vorbei erreichten wir gegen 18 Uhr den Flughafen von Maskat. Seit der Abfahrt im Hotel waren wir nun 13 Stunden unterwegs, und das für eine Strecke, die man normalerweise in unter fünf Stunden schafft.
Wir dachten, dass nun der schwierigste Teil hinter uns läge. Mir taten die Familien mit Kleinkindern leid, aber auch einige Senioren waren gezeichnet. Leider waren die Strapazen noch nicht vorbei.