Teil 5: Mein Fazit
Nach einigen Tagen der Ruhe und Aufarbeitung der Ereignisse, in denen ich Interviews über die Rückflüge gehört und gelesen habe, ist für mich noch vieles unklar.
Aber:
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Ich hätte nie mit Unruhen in den Emiraten gerechnet. Ich wurde eines Besseren belehrt.
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Da unser Zimmer im Dusit Thani Hotel ins Landesinnere gerichtet war und etwas von der Küste entfernt lag, haben wir sehr wenig von den Angriffen mitbekommen. Nur einmal, als ich im Pool Bereich fotografiert habe, wurde ich Zeuge eines Drohnenabschusses in unmittelbarer Nähe. Das Hotel selbst hatte danach keine Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, alles lief wie immer, nichts war zu merken. Business as usual. Hätten unsere Smartphones keinen Alarm in der ersten Nacht ausgelöst, es wäre alles normal gewesen.
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Anders sah es bei Berichten der Mitreisenden auf der Evakuierungsfahrt aus. Sie erzählten von Übernachtungen in den Garagen der Hotels und von Hotelräumungen in der Dubai Marina.
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Das Marriott Hotel in Dubai, das als Sammelstelle für uns für die Evakuierung dienen sollte, wurde von den kontaktierten Kunden nur spärlich genutzt. Das war wahrscheinlich auch der Grund, warum jeder individuell per Taxi zur Sammelstelle fahren sollte. Obwohl ich dachte, dass dies nicht zielführend sein würde, war es doch die beste und schnellste Lösung. So konnte jeder die Sammelstelle innerhalb einer Stunde erreichen. Mit einem Sammelbus von Hotel zu Hotel wäre das in Dubai unmöglich gewesen. Da habe ich mich geirrt. Da wurde gute Arbeit geleistet.
Laut den Kontakten meiner Frau ist das Hotel nun Touristen-frei.
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Die Kommunikation zwischen der Airline, dem Außenministerium und den Passagieren kann insgesamt als gut bezeichnet werden. Es gab zwar einige Pannen, die in der außergewöhnlichen Situation aber verständlich waren. Es war halt Neuland. Man wird sicherlich seine Lehren daraus ziehen (müssen).
Da ich Kommunikationsprobleme hatte, stand das Außenministerium mit meiner Tochter in Verbindung, die wiederum mit uns über WLAN und WhatsApp kommunizierte.
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Der dritte Evakuierungsflug in den letzten Tagen, organisiert durch das Außenministerium, war genau der richtige für uns. Wir haben also alles richtig gemacht. Die vorherigen waren wesentlich chaotischer, als ich es von unserem Trip berichtet habe. Luxair stellt die Flüge nach Dubai meines Wissens nach erstmal bis auf Weiteres komplett ein, abgeholt hätten sie uns in DWC nicht.
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Bei den ersten Evakuierungen dauerte die Grenzüberquerung bis zu 16 Stunden (!). Dies zum Verlassen der Emirate und die Einreise in den Oman. Von gutem Willen und Verständnis für die Lage kann man da nicht wirklich reden. Der Kommentar unserer Regierung: Es waren Horrortrips, auch für die planenden Teams im Backoffice.
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Dank der intervenierenden Diplomaten aus Abu Dhabi wurde eine Wucherzollgebühr an den Grenzen abgeschafft. Die Passagiere wurden an den Grenzen zur Kasse gebeten (den genauen Betrag habe ich vergessen), sie mussten für ihre Aus- und Einreise zahlen. War es Korruption? Auch die Busse zwischen den Zollämtern mussten individuell bezahlt werden. Man kann sich vorstellen, dass nicht jeder diese Beträge sofort zur Hand hatte. Auch das wurde bei uns unterbunden. Und warum 3 verschiedene Busse auf ± 2 Kilometern?
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Wir selbst hatten mit unseren DU-Prepaid-eSIMs, gekauft in DU Dubai Mall, viele Probleme, da alle Touristen-SIMs immer deaktiviert werden, wenn man die VAE verlässt. Nur Bürger mit emiratischer ID kommen an dieser Plage vorbei, bekommen also dauerhaft gültige Sims. Bei unserer zweiten Einreise machte der DU Store einige Fehler bei der Aktivierung, sodass meine eSIM erst am Vorabend des Flugs (Tag 5) funktionierte. Aber auch nur teilweise, denn ich stellte fest, dass das Gerät entweder im Netz oder WLAN funktionierte, aber nie gleichzeitig. Da muss ich definitiv bei zukünftigen Reisen nachbessern und eine andere Kommunikationslösung finden. Noch einmal will ich uns und unseren Kindern diese Situation nicht zumuten.
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Die gesamte Evakuierung von Dubai nach Muscat sowie die Abwicklung der Flüge am Flughafen gibt mir zu denken. Werde ich den Mittleren Osten noch einmal besuchen? Nach diesem Erlebnis und der erlebten Organisation sicher so schnell nicht mehr.
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In Muscat hätte ich mir schon etwas mehr Aufenthalt als das chaotische Treiben am Flughafen gewünscht. Muscat ist das Gegenstück zu Dubai. Weniger Glitzer, mehr Kultur und Geschichte – dafür werde ich meine Frau aber so schnell nicht begeistern können.
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Aufgeschnappt habe ich aber auch, dass die Kosten nur teilweise bei der Airline / Staat hängen bleiben sollen. Für solche Fälle gibt es auch EU-Solidaritätsgelder. Von der Info, dass die VAE die Kosten für Touristen übernehmen sollen, habe ich außer in der Presse nie mehr was gehört.
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Hier die gesamten Themen der Evakuierung noch mal zusammengefasst: