Am 27. Dezember 1735 wurde die Stadt Baler in Aurora von einem Tsunami namens „Tromba Marina” getroffen
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Am 27. Dezember 1735 wurde die kleine Küstenstadt Baler in der heutigen Provinz Aurora auf den Philippinen von einem verheerenden Tsunami, der sogenannten „Tromba Marina“, getroffen. Dieses katastrophale Ereignis zerstörte große Teile der Stadt, insbesondere das Küstenviertel Sabang, und forderte zahlreiche Menschenleben. Die Plötzlichkeit der Katastrophe und das Fehlen jeglicher Vorwarnung prägten die Geschichte Balers nachhaltig.
Das Ereignis: Ein plötzlicher und verheerender Tsunami
Der Tsunami der Tromba Marina traf Baler am 27. Dezember 1735 gegen 2:00 Uhr morgens und überraschte die Bewohner der Stadt im Schlaf. Historische Berichte beschreiben das Ereignis als ein „unheimliches Phänomen“: Innerhalb einer Stunde verschlang eine gewaltige Flutwelle die Stadt. Das an der Küste gelegene Viertel Sabang wurde am schwersten zerstört, und eine unbekannte Anzahl von Einwohnern ertrank in den Fluten.
Besonders bemerkenswert an diesem Ereignis ist das Fehlen jeglicher Vorwarnung. Laut Aufzeichnungen der Gemeinde Baler war die Nacht klar und hell, ohne Anzeichen von Unwetter oder vorhergesagten Taifunen. Nahegelegene Städte wie Casiguran, Dipaculao und Dingalan, die an derselben Küste liegen, blieben unversehrt, was darauf hindeutet, dass der Tsunami ein lokales Phänomen war. Diese plötzliche und mysteriöse Natur des Ereignisses gibt Historikern und Forschern Rätsel auf, da die Ursache nicht eindeutig geklärt werden konnte.
Fray Jose de San Rafael, ein Franziskanerpater aus Casiguran, der Baler besuchte, lieferte einen eindringlichen Bericht über die Katastrophe. Von seinem Sakristan geweckt, der berichtete, dass sich das Kloster bewegte, eilte Fray Jose zum Fenster und sah, wie die See auf die Stadt zuraste. Sein Bericht, wie er in historischen Aufzeichnungen festgehalten ist, beschreibt, wie das Kloster von den Wellen fortgerissen wurde und bei Ebbe eine karge Landschaft voller Trümmer und Leichen zurückließ.
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Überlebende und ihr Zufluchtsort
Trotz der verheerenden Zerstörung gelang es einer kleinen Gruppe von Überlebenden, dem Tsunami zu entkommen, indem sie auf dem Ermita-Hügel, auch bekannt als Point Baja, dem nächstgelegenen hohen Punkt in Baler, Zuflucht suchten. Unter den Überlebenden befanden sich Mitglieder von sieben Familien: Angara, Bihasa (manchmal auch Bijasa geschrieben), Bitong, Carrasco, Ferreras, Lumasac und Poblete. Diese Familien, zusammen mit Pater Jose de San Rafael, schwammen oder kletterten auf den Hügel und bahnten sich ihren Weg durch die reißenden Fluten, um sich in Sicherheit zu bringen.
Das Überleben dieser Familien zeugt von ihrem schnellen Denken und ihrer Entschlossenheit. Der Lokalhistoriker Mariano Angara Quinones berichtete in einem Blogbeitrag von Manila and More, wie ein Priester aus Casiguran in der Nacht des 26. Dezember 1735 etwas Ungewöhnliches bemerkte und Alarm schlug. Dadurch rettete er möglicherweise Leben, indem er die Bewohner vor der drohenden Gefahr warnte. Es gibt jedoch keine Aufzeichnungen darüber, was nach dem Ereignis mit Fray Jose geschah, was seine Rolle in der Überlebensgeschichte umso rätselhafter macht.
Die Ursache: Ein historisches Rätsel
Die genaue Ursache des Tsunamis von Tromba Marina bleibt unklar, da historische Aufzeichnungen keine eindeutige Erklärung liefern. Einige Quellen vermuten, dass ein schwerer Sturm die Stadt traf und möglicherweise die gewaltige Welle auslöste. Andere Berichte, darunter jene der Gemeinde Baler, betonen jedoch das Fehlen typischer Sturmanzeichen wie Starkregen oder starker Winde, was diese Theorie infrage stellt. Die klaren und hellen Bedingungen in der Nacht des Ereignisses sowie die Tatsache, dass nahegelegene Küstenstädte nicht betroffen waren, lassen ein Seebeben oder eine andere seismische Aktivität als Ursache vermuten.
Tsunamis werden typischerweise durch seismische Ereignisse wie Erdbeben oder Vulkanausbrüche ausgelöst, die große Wassermengen verdrängen. Die Philippinen, die am Pazifischen Feuerring liegen, sind anfällig für solche Ereignisse. Da jedoch keine konkreten geologischen Aufzeichnungen aus dem Jahr 1735 vorliegen, bleibt die Ursache des Tsunamis von Baler weiterhin spekulativ. Die Tatsache, dass Baler nur lokal betroffen war und die umliegenden Ortschaften verschonte, trägt zusätzlich zum Rätsel bei und deutet auf ein sehr konzentriertes seismisches oder meteorologisches Ereignis hin.
Folgen und Umsiedlung
Der Tsunami legte Baler in Schutt und Asche. Die alte Siedlung, insbesondere Barrio Sabang, war unbewohnbar. Überlebende gründeten daraufhin eine neue Siedlung in Sitio Zabali, etwa 8 Kilometer westlich der Bucht von Baler auf 15°45’ nördlicher Breite. Dieser neue Ort, das heutige Stadtzentrum von Baler, wurde aufgrund seiner höheren Lage und größeren Entfernung von der Küste gewählt, um Schutz vor zukünftigen Tsunamis zu bieten. Die ursprüngliche Siedlung wurde in „Kinagunasan“ umbenannt, was so viel wie „ausgespült“ bedeutet und die vollständige Verwüstung durch die Welle widerspiegelt.
Die Umsiedlung markierte einen bedeutenden Wendepunkt in der Geschichte Balers: Die Stadt wurde wiederaufgebaut und an die neuen Gegebenheiten angepasst. Das Ereignis verdeutlichte auch die Verwundbarkeit von Küstengemeinden auf den Philippinen, einem Land, das aufgrund seiner geografischen Lage häufig von Naturkatastrophen betroffen ist.
Vermächtnis und Gedenken
Der Tsunami von Tromba Marina wird durch eine lebensgroße Skulptur am Fuße des Ermita-Hügels in Brgy. Quirino in der Gemeinde Maria Aurora in der Provinz Aurora gewürdigt. Die Skulptur zeigt eindrucksvoll Männer, Frauen und Kinder, die den Hügel erklimmen, während im Hintergrund turmhohe Wellen zu sehen sind. So wird die Verzweiflung und Widerstandskraft der Überlebenden eingefangen. Wie in den Quellen Wondering Wanderer und Manila and More beschrieben, ist die Skulptur sowohl ein historisches Denkmal als auch eine Touristenattraktion. Sie lädt Besucher dazu ein, über die Vergangenheit Balers nachzudenken und gleichzeitig ein Erinnerungsfoto zu machen.
Im Museo de Baler befindet sich zusätzlich ein Wandgemälde, das den Tsunami darstellt und die Erinnerung an das Ereignis bewahrt. Durch diese Gedenkstätten bleibt die Geschichte der Tromba Marina ein wesentlicher Bestandteil der kulturellen und historischen Identität Balers und Einwohner sowie Besucher werden an die Widerstandsfähigkeit der Stadt angesichts der Katastrophe erinnert.
Historischer Kontext: Die Geschichte Balers reicht bis vor den Tsunami von 1735 zurück. Die Stadt wurde im Jahr 1609 von Franziskanermissionaren unter der Leitung von Pater Blas Palomino gegründet. Bis zum Tsunami im Jahr 1735 war Baler eine kleine, aber wachsende Siedlung unter spanischer Kolonialverwaltung. Der Tsunami traf die Stadt in einer Zeit, in der sie ihre Infrastruktur noch ausbaute. Dazu gehörte die erste Kirche, die zwischen 1611 und 1616 von dem Franziskanerpater Juan Francisco de San Antonio errichtet wurde. Die Zerstörung durch die Tromba Marina unterbrach diesen Fortschritt, doch der anschließende Umzug nach Sitio Zabali legte den Grundstein für das heutige Baler.
Die Veranstaltung verdeutlicht auch die Herausforderungen, mit denen frühe Kolonialsiedlungen auf den Philippinen konfrontiert waren, wo Naturkatastrophen eine erhebliche Bedrohung darstellten. Das Überleben der Familien unterstreicht den unerschütterlichen menschlichen Geist im Angesicht von Widrigkeiten.
Fazit
Der Tsunami von Tromba Marina am 27. Dezember 1735 zählt zu den bedeutendsten Ereignissen in der Geschichte Balers – eine tragische Mahnung an die zerstörerische Kraft der Natur und die Widerstandsfähigkeit seiner Bevölkerung. Obwohl die genaue Ursache des Tsunamis bis heute ungeklärt ist, wirken seine Auswirkungen – die Verwüstung der Stadt, die erzwungene Umsiedlung und die bleibenden Denkmäler – bis heute nach. Die Geschichten der Überlebenden, die in mündlichen Überlieferungen und Gedenkkunst weitergegeben werden, zeugen eindrucksvoll von menschlicher Ausdauer und dem Wiederaufbau der Gemeinschaft. Auch heute noch ist Baler ein beliebtes Reiseziel für Surfer und Touristen. Die Skulptur von Tromba Marina und die Stadtgeschichte sorgen dafür, dass dieses katastrophale Ereignis niemals in Vergessenheit gerät.
Quellen und verwandte Inhalte
- Tromba Marina, https://manilaandmore.blogspot.com
- A Massive Tsunami Almost Wiped Out Baler In 1735 - The Philippines Today, https://thephilippinestoday.com
- History - Municipality of Baler, https://baler.gov.ph
- Tromba Marina and Ermita Hill - Baler, Aurora | WW Travel Blog, https://www.wonderingwanderer.com
- Baler, Aurora - Wikipedia, https://en.wikipedia.org
- Tsunamis in the Philippines, https://www.worlddata.info
- Olag Stories: The Catastrophe of December 27 - Batangbaler - Baler, Aurora Philippines, http://www.batangbaler.net