„Some People Need Killing“ („Manche Menschen muss man töten“)

In diesem Jahr sind die Philippinen das Gastland bei der Frankfurter Buchmesse.

Neben literarischen Stimmen gibt es interessante Sachbücher zu entdecken. Herausragend ist das Werk von Patricia Evangelista.

Sie gilt als eine der wichtigsten Stimmen des philippinischen Journalismus. Über viele Jahre berichtete sie für die Website Rappler und internationale Medien über die Opfer des sogenannten „Drogenkriegs“, den der damalige Präsident Rodrigo Duterte ab 2016 entfesselte. Ihre Reportagen aus nächtlichen Hinterhöfen, von Polizeieinsätzen und Beerdigungen machten sie international bekannt – und zugleich zu einer Chronistin der Gewalt, die ihr Land geprägt hat.

Ein interessanter Artikel und Interview mit der Journalistin Patricia Evangelista ist gestern auf welt.de erschienen. Lesenswert.

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Wörtlich und sinngemäss übersetzt hiesse der Titel ja wohl:
„Manche Menschen brauchen das Töten“
Ansonsten müsste es heissen:
„Some people need to be killed.“
Und so wie sich Rody ja mehrfach öffentlich geäussert hat schien ihm Töten ja wirklich Freude zu bereiten.

Ja wortwörtlich hast du recht.
Allerdings ist der Deutsche Titel „Manche Menschen muss man töten“ - das wird wohl bewusst so gewählt worden sein und so habe ich es übernommen.

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Auch interessant die Tondatei im Link…

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Dieses Buch ist nicht nur eine Chronik des brutalen „Kriegs gegen die Drogen“, den Rodrigo Duterte als Präsident der Philippinen führte. Es ist keine Geschichte über den Machthaber eines fernen Inselstaats, der unter dem Applaus der Bevölkerung Tausende Menschen töten ließ, ohne Anklage, ohne rechtsstaatliches Verfahren.

Dieses Buch erzählt auch von gesellschaftlicher und sprachlicher Verrohung, die sich ausbreitet wie ein Feuer, und von den universalen Mechanismen des gewaltbereiten Populismus. Es handelt davon, wie leicht Rechtsstaat und Zivilität zerbrechen können. Es handelt deshalb von uns allen.

Eines der wichtigsten Bücher dieses Jahres

Die investigative Reporterin Patricia Evangelista hat vielfach Preise gewonnen. Die philippinische Vogue bezeichnete sie als Rockstar. Über ihre Geburt im Jahr 1985, wenige Monate vor dem Ende der Diktatur Ferdinand Marcos‘, schreibt sie: „Ich wurde in dem Jahr geboren, als die Demokratie auf die Philippinen zurückkehrte. Jetzt bin ich hier, um über ihren Tod zu berichten.“

Seit der Präsidentschaftswahl 2016 führte Evangelista ein akribisches Protokoll der Morde unter Duterte. Der erfüllte damit sein zentrales Wahlversprechen, einen rücksichtslosen Krieg gegen die Drogen führen zu wollen. Gegen Kartelle und Drogendealer. Gegen Abhängige. Gegen Angehörige, die im Weg standen. Gegen Unbeteiligte, die ein falsches Wort sagten. Gegen Journalisten, die kritisch berichteten. Gegen Menschenrechtsanwälte, die das Töten infrage stellten.

Er wolle die Drogenabhängigen abschlachten wie Hitler die Juden, hat Duterte einmal gesagt. Und zwar ebenso viele Millionen. Er entschied, wer es wert war, zu leben, und wer nicht. Große Teile der Bevölkerung waren einverstanden.

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Ex-Präsident der Philippinen Rodrigo Duterte vor dem Amtswappen.

Ihren Job beschreibt Evangelista so: an die Orte fahren, an denen Menschen gestorben waren. Mit den Überlebenden reden, wenn es welche gab. Details beobachten und notieren: die letzten Worte vor dem Tod; die Größe der blutbesudelten Turnschuhe; das Loch im Sofa, aus dem der kleine Sohn am nächsten Morgen die Kugeln pulte. Zurückfahren und den Text schreiben. Auf die nächste Katastrophe warten. „Ich wartete nie sehr lange.“

„Das Töten ging wie von selbst“

„Nach Dutertes Wahl ging das Töten wie von selbst“, erzählt ihr Simon, einer von Dutertes Anhängern, der gar keinen direkten Auftrag zum Töten brauchte. Meth-Konsumenten, Drogenkuriere, Diebe, gelegentlich mal einen untreuen Ehemann oder auch ein Mitglied der politischen Opposition. Er sei kein schlechter Mensch, wirklich nicht. Und dann formulierte Simon den Satz, der zum Buchtitel wurde: „Some People Need Killing.“ Manche Menschen müssen einfach getötet werden.

Und so wurde getötet: auf offener Straße, im Bett oder im Garten mit einem Kleinkind auf dem Arm. Menschen lagen in ihren Blutlachen, hinter Böschungen, in Containern. Manchen wurden die Augen ausgestochen, anderen die Schusswunden mit Klebeband zugeklebt, manche Leichen wurden mit Pappschild drapiert, Aufschrift: „Ich bin ein Drogenlord.“

Die Täter: Polizisten, Nachbarn, vermummte Gangs. Immer wieder riefen sie vor oder nach dem Mord, als wäre das eine Erklärung oder Rechtfertigung: „Wir sind Duterte“. Ein dumpfes Echo von Dutertes Spruch im Wahlkampf: „Ich bin die Todesschwadron.“

Minutiös und nüchtern hat Evangelista notiert, was sie zu fassen bekam. Sie trug Fakten und Details zusammen, gab denen, die der Präsident zu Nicht-Menschen erklärt hatte, ihre Namen und Gesichter zurück.

Menschen, die „verschwunden wurden“

Dass die Aufzählung selbst blutigster Details nie unnötig wirkt, nie obszön, ist Evangelistas großes Verdienst. Klug reflektiert sie, welche Rolle Sprache spielt und warum es ihr wichtig erscheint, die Alltäglichkeit des Tötens durch eine Alltäglichkeit der Sprache zu spiegeln. Wenn sie die Erkenntnis notiert, dass es schneller geht, einen Menschen zu töten, als diesen Satz aufzuschreiben. Wenn selbst scheinbar harmlose Worte entmenschlichen können, weil durch grammatikalische Verdrehungen aus Menschen, die gerade noch „verschwunden waren“, Menschen werden, die „verschwunden wurden“.

Der brutalen Sprache des Präsidenten setzt Evangelista wohlüberlegte Worte entgegen. Ihre eigene Sprache ist behutsam und sorgfältig, Worte und Sätze sind kurz. Emotionalen Vokabeln scheint sie ebenso zu misstrauen wie ausmalenden Formulierungen. Raum für Empathie findet sie immer. In Interviews beschreibt Evangelista, wie sie an ihren Texten arbeitet, diese ausdünnt, alles Überflüssige streicht. Zurück bleibt eine Sprache der Aufklärung.

Duterte wurde 2025 an den Strafgerichtshof in Den Haag ausgeliefert

Seit 2022 ist Duterte nicht mehr Präsident der Philippinen. Der Internationale Strafgerichtshof ermittelt wegen Mordes und wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Im Frühjahr 2025 wurde Duterte in Manila verhaftet und nach Den Haag ausgeliefert.

Die Sprache der Entmenschlichung, die Evangelista beschreibt, ist aber nicht verschwunden. Sie bleibt universal und ist seit Duterte weltweit noch lauter geworden. Dieses Buch hat deshalb eine große Gültigkeit über Dutertes Präsidentschaft und über die Philippinen hinaus.

Evangelista erzählt vom Zerbrechen von Zivilität und Rechtsstaatlichkeit, und von der Sprache, mit der dieses Zerbrechen einhergeht und wie rasch das passieren kann. „Some People Need Killing“ handelt deshalb von uns allen. Es ist eins der wichtigsten Bücher, die wir zurzeit lesen können.

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Ich habe mir das Buch heute als Ebook zugelegt. Jetzt muss ich nur noch Zeit zum Lesen finden.

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Frau Evangelista geht in ihrem Buch auf den Titel ein, eine Äußerung eines Täters.

Nach einer längeren Lesepause habe ich das Buch vor einigen Tagen fertig gelesen. Es ist absolut unfassbar, was da geschildert wird.

Ich habe mir jetzt das Buch „How to stand up to a dictator“ von Maria Ressa zugelegt. Gibt es auch als deutsche Übersetzung.

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Artikel Amnesty International


Sie gibt dem Grauen ein Gesicht

  • Von Annette Hug. Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» vom März 2026.

Die philippinische Journalistin Patricia Evangelista recherchierte zum «Krieg gegen die Drogen», den Ex-Präsident Rodrigo Duterte bis 2022 führte. In ihrem Buch beschreibt sie unbeschönigt dessen brutalen Folgen. Ein Porträt von Annette Hug.

Vor einem deutschen Publikum an der Frankfurter Buchmesse wirkt Patricia Evangelista zunächst cool. Doch dann dringt ihre Wut durch und es wird die Verletzlichkeit hinter der öffentlichen Person spürbar. Der «Krieg gegen Drogen » des ehemaligen philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte forderte tausende Todesopfer. Viele Personen, die angeblich Drogendelikte begangen hatten, wurden ohne Festnahme, Anklage oder Verurteilung regelrecht hingerichtet. Für all jene, deren Namen während der Mordkampagne hinter Zahlen verschwanden, hat Evangelista nun ein Buch geschrieben.

Unter «wissen wollen» verstand Patricia Evangelista: Hingehen und Fakten erhärten.

Die heute 40-jährige Patricia Evangelista hat sich bereits mit summarischen Hinrichtungen befasst, als noch Gloria Macapagal-Arroyo philippinische Präsidentin war (2001–2010). Die Journalistin wollte damals wissen, wie unter einer demokratisch gewählten, liberalen Präsidentin Praktiken fortdauern konnten, wie sie aus der Zeit der Diktatur unter Ferdinand Marcos Senior (1972 bis 1986) bekannt waren. Unter «wissen wollen» verstand sie: Hingehen und Fakten erhärten.

Normalerweise wurden und werden bei Morden in den Philippinen Fragen nach der Zugehörigkeit gestellt: Welcher politischen Bewegung gehört die getötete Person an? Geht es um einen Konflikt zwischen Familienclans? Doch Evangelistas Haltung war radikal anders: Sie ging im Schreiben über Morde davon aus, dass alle Menschen gleich sind. Sie müssen nicht besonders engagiert, nicht einmal besonders unschuldig gewesen sein: Vergehen müssen ordentlich untersucht und vor Gericht beurteilt werden. Und sie ist überzeugt: Die Polizei darf niemanden hinrichten.

Vom Juli 2016 bis Juni 2022 dauerte die Amtszeit von Rodrigo Duterte und damit dessen «Krieg gegen die Drogen». Über ihre nächtliche Tätigkeit als Reporterin während dieser Zeit schreibt Patricia Evangelista in «Some People Need Killing. Eine Geschichte der Morde in meinem Land». Es erzählt den Verlauf der Mordkampagne unter Präsident Duterte entlang markanter Ereignisse und durch Gespräche mit Angehörigen von Erschossenen, mit Polizisten und Milizionären, mit Fotograf innen, aber auch mit begeisterten Duterte-Wählerinnen. Seit 2025 liegt das teilweise in den USA geschriebene Buch auf Deutsch vor.

Das Buch bezieht seine Stärke aus den ehrlichen und beständigen Beziehungen mit den Menschen vor Ort, über die Evangelista schreibt. An der Frankfurter Buchmesse sprach Evangelista auf mehreren Podien. Wenn sie dabei ihren eigenen Text zur Seite legte und stattdessen Zeugnisse von erschossenen Journalist* innen aus Gaza vorlas, hatte sie das Publikum auf ihrer Seite. Aus eigener schmerzhafter Erfahrung wurde sie zur Expertin dafür, wie Gewaltregime die Pressefreiheit unterdrücken – im Extremfall gar durch Tötung von Reporter*innen.

Erleichterung für Überlebende

Am 14. März 2025 sass der ehemalige Präsident Rodrigo Duterte in Den Haag im Gefängnis und beantwortete über eine Videoverbindung Fragen des Gerichts. Zwei Tage zuvor war er von philippinischen Behörden verhaftet und dem Internationalen Strafgerichtshof ICC überstellt worden. Der Häftling wirkte geschwächt, fast schon erbärmlich. Seither verzögert seine Verteidigung das Verfahren mit Hinweisen auf die gesundheitliche Verfassung des Achtzigjährigen.

Nur schon die erste kurze Anhörung – live übertragen – war eine Erleichterung für die Überlebenden von Dutertes Politik: Dieser inzwischen alte Mann entscheidet nicht mehr über Leben und Tod seiner Untertanen. Seine Taten werden nun von drei Richterinnen aus Benin, Mexiko und Rumänien am ICC beurteilt – einem der Orte auf dieser Welt, wo Menschenrechtsverletzungen noch eingeklagt werden können.

Vor Gericht fällt Dutertes selbstgebauter Mythos, ein Rächer der Gerechten zu sein, in sich zusammen.

Vor Gericht fällt sein selbstgebauter Mythos, ein Rächer der Gerechten zu sein, in sich zusammen. Im Prozess, bewaffder ihm bevorsteht, soll anhand ausgewählter Fälle untersucht werden, ob und wie der Präsident über die philippinische Nationalpolizei PNP und beauftragte Bürgerwehren bzw. Todesschwadronen angebliche Drogensüchtige und -händler* innen töten liess. Fatou Bensouda, die Chefanklägerin des ICC, geht von 12 000 bis 20 000 Tötungen aus.

In ihrem Buch zeigt Patricia Evangelista auf, wie Duterte die Zahlen zum Ausmass der Drogenkrise wiederholt manipulierte. So behauptete Präsident Duterte bei Amtsantritt, im Land gäbe es über drei Millionen Drogenkonsument* innen. Regierungseigene Studien waren nur auf die Hälfte gekommen. Ein Beamter, der den Widerspruch kommentierte, wurde des Amtes enthoben. Schliesslich erklärte die Drogenbekämpfungsbehörde, ihre Schätzung beruhe auf öffentlich zugänglichen Zahlen der Vereinten Nationen. Sie hatten also eine internationale Durchschnittszahl auf die Philippinen heruntergerechnet, das ergab 3,4 Millionen. Aus dieser Zahl berechnete die Polizei dann eine Quote für einzelne Gemeinden. Polizeibehörden wurden daran gemessen, ob die Zahlen der Geständigen und Verdächtigen in ihrem Bereich den Vorgaben entsprachen. Ein autoritärer Präsident, der über Menschenrechte und religiöse Vorschriften lästerte, alles Bürokratische verabscheute und sich nur auf seinen Instinkt und eine höhere, göttliche Gerechtigkeit berief, hatte so eine krude Bürokratie des Tötens geschaffen.

Es ist erst ein Anfang

Patricia Evangelista sorgt dafür, dass der Impuls zum Wegschauen nicht siegt. Die Frauen und Männer, die in ihrem Buch zu Wort kommen, machen deutlich, wie Einverständnis und Mitläufertum zustande kommen und was zu erreichen ist, wenn sich einzelne Zeug* innen, Whistleblowerinnen aus bewaffneten Gruppen, Influencerinnen,Ärzt*innen und Anwältinnen dem allgemeinen Trend widersetzen. Wenn sie auf Fakten bestehen, obwohl sie damit ihr Leben aufs Spiel setzen, werden empfindliche Medienberichte und juristische Schritte gegen eine Tötungsmaschinerie möglich. Ihre Namen und Geschichten stehen für die Vision, dass das Recht auf Leben über jedem ‹höheren Zweck› steht.

2022 wurde Ferdinand Marcos Junior zum Präsidenten gewählt. Die sozial- liberale Opposition unterlag deutlich. Nachdem ein anfänglicher Pakt von Präsident Marcos Junior mit dem Duterte-Clan zerbrach, hat er Rodrigo Duterte nach Den Haag ausliefern lassen. Die polizeilichen Tötungen in Zusammenhang mit Drogendelikten sind zurückgegangen. Morde, auch an politischen Aktivist*innen, gehen aber weiter. Die Kontinuität der Straflosigkeit ist nicht gebrochen.

Evangelistas Buch macht deutlich, dass der Prozess gegen Rodrigo Duterte erst ein Anfang ist.

Evangelistas Buch macht deutlich, dass der Prozess gegen Rodrigo Duterte erst ein Anfang ist. Wie die philippinische Gesellschaft später damit zurande kommt, dass Listen von Zu-Tötenden durch örtliche Nachbarschafts-Komitees erstellt wurden und Denunziationen eine grosse Rolle spielten, steht auf einem anderen Blatt.

https://www.amnesty.ch/de/magazin-amnesty/2026/2026-1/sie-gibt-dem-grauen-ein-gesicht

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Ich hatte es schon weiter oben geschrieben. Das Buch ist harte Kost, aber absolut lesenswert.
„Some people need killing“ könnte man in diesem Zusammenhang auch so übersetzen: „manche Menschen brauchen es, zu töten“.

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das ist ein interessantes , aber undankbares thema weil die „fuer und wider“ interpretationen endlos sind . ich habe seiner amtszeit und davor in danao gelebt und sehr viel erlebt was in direktem zusammenhang mit den leuten stand die er vertreiben wollte . ich kann auch nach wunsch beispiele aufzaehlen die zeigen wie viele situationen eskalierten . ich habe freunde mit aehnlichen erlebnissen in davao und manila . ich will nur 2 nennen , beim ersten ist ein zeitraum ueber tage gemeint in denen die polizei im district danao dealer ausfindig machen wollten und es zu schiessereien kam , in diesen tagen hatte die polizei listen von adressen die aufgesucht wurden , bei einigen war ich mit sicherheitsabstand dabei , bei keinem dieser vorgaenge (auch bei denen wo ich nicht bei war) hat einer de polizisten angefangen zu schiessen , es war immer selbstschutz . ich habe auch zwei familien kennengelernt die 17 / 18 jaehrige boys hatten als dealer hatten und ein super leben von deren einkommen hatten , die waren in danao stadtbekannt , beide wurden bei dieser fahndung erschossen , man glaubt nicht was diese eltern nach dem tod ihrer soehne berichteten , das waren erschossene heilige mit einer erstaunlichen stimmgewalt nach deren toetung . mein sohn ging in der zeit vor dutertes wahl in die elementary und ich habe ihn gebracht und geholt weil kinder unter 16 jahren vor den schulen „opfer“ . suchten , das hoerte nach duts wahl schlagartig auf , wie so vieles andere auch . meine absicht ist es nicht eine lanze fuer dut zu brechen , nur das was in den medien so ueber grausame toetungen grassiert ist fuer mich reine geschaeftemacherei , mit buechern und engagement laesst sich gutes geld verdienen . . . . von allen oberhaeupten die sich bisher aus der philippinischen kasse bedienen konnten hat er das meiste positive erbracht , von allzu grauer vorzeit mal abgesehen

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Das mag so sein, geld verdirbt den charakter. Das entschuldigt aber nicht alles, und alles wird schon bei anklage gegen du nicht falsch sein.

Journalismus auf den Philippinen ist häufig ein harter und nicht selten gefährlicher Broterwerb. Ich vermag der Beurteilung, dass es sich bei der medialen Berichterstattung über Duterte Harry’s vermeintlichen „war on drugs“ in erster Linie um Geschäftemacherrei handelt daher nicht zu folgen.

Was konkret das Buch „Some people need killing“ betrifft, so wurde dies in der Tat - auch wenn es sich um eine emotionale und auch sehr persönliche Schilderung der Autorin handelt - wenn man so will „professionell“ geplant und international verlegt. Neben der „Reichweite“, welche die Autorin damit erzielen wollte, geht es dabei natürlich - wer will ihr dies verdenken - auch darum mit ihrer jahrelangen Arbeit und Recherche Geld zu verdienen.

Von den massenhaften „extrajudical killings“ konnte sich während der Duterte Präsidentschaft, jeder, der dies wollte aus der täglichen Berichterstattung praktisch aller auf den Philippinen verfügbaren Medien nicht nur in Wort, sondern auch in grausamen Bildern überzeugen.

Bei der juristischen Aufarbeit haben die Philippinen weitestgehend versagt, so dass nicht wenige, denen es gelegen kommt, so tun als hätte all dies nicht stattgefunden.

Ich kenne eigentlich nur den Kian delos Santos Fall (ein damals siebzehnjähriger Student, dem man in einer dunklen Ecke sein T-Shirt über den kopf gezogen und ihn brutal abgeknalll hat), der gerichtlich letztinstanzlich entschieden wurde und der mit der Bestätigung der lebenslangen Haft der drei beteiligten Polizisten durch den Supreme Court im Dezember vergangenen Jahres endete.

Eigentlich hätte es tausende solcher Verfahren geben müssen aber in der ganz überwiegenden Zahl der Fälle fanden noch nicht einmal ansatzweise rechsstaatlichen Standards entsprechende Ermittlungen statt.

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Das muss sich übrigens nicht ausschliessen. Und ich unterstelle auch nicht, dass da (anfangs) eine finstere Absicht dahinterstand, das war schon so ein „mit harter Hand regieren“-Versuch. Allerdings ist es wie mit allen Ein-Themen-Politikern: irgendwann ist jeder ein potentieller Kommunist / Drogendealer / Staatsfeind, man biegt sich das dann notfalls im Nachgang hin.

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Da widerspreche ich vehement. Duterte Harry wollte nicht innerhalb der Grenzen des Gesetzes mit „starker Hand“ regieren, sondern hat sich bereit in Davao als Bürgermeister selbst zum Gesetz erklärt. Dafür gibt es vielfältige Belege.

Dass er dabei in mancherlei Hinsicht auch bei Vorhaben erfolgreich gewesen sein mag (und dies auch im Bereich „law & order“), die sich noch im Bereich des rechtlich zulässigen Bewegt haben, mag durchaus so sein (oder auch nicht, ich war nie in Davao). Aber das berechtigt eben nicht, sich selber über das Gesetz zu stellen, weder als Bürgermeister, noch als Präsident und dies hat er eben getan und sich auch noch damit wiederholt gebrüstet.

Kaufmann, sein Anwalt in Den Haag versucht das nun - verständlicher Weise in seiner Rolle - herunterzuspielen aber die tausendfachen „extrajudical killings“ haben eben mit ausdrücklicher Billigung von Duterte Harry (und nach allem was wir bisher wissen, gabe es auch ein „reward system“) stattgefunden und dass der „Bato“ dela Rosa, der Polizeichef unter Duterte Harry und insofern zumindest „operationell“ Verantwortliche, trotz seines Senatsmandats seit geraumer Zeit „abgetaucht“ ist, hat sicherlich auch seinen Grund…

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es waer nett wenn du ein paar quellen zur erinnerung einstellen wuerdest

Siehe es mir bitte nach, wenn ich seinerzeit keine Linkliste angefertigt habe. Allerdings finden sich auch heute noch historische Artikel, wenn man etwa nach „extrajudical killings, war on drugs, pphilippines media coverage sucht“, vermutlich aufgrund meiner IP Adresse bekomme ich jedoch heute zumeist historische Artikel internationaler Medien angeboten. - Jeder, der damals aufmerksam die Medienlandschaft beobachtet hat, erinnert sich daran, dass das Thema seinerzeit in den philippinischen und z.T. auch internationalen Medien - wie bspw. der Kian delos Santos Fall - einen hohen Aufmerksamkeitswert besaß.

Eines der eindrucksvollsten Bilder für mich war die an eine Pieta erinnerde Szene einer Frau oder Mutter, die ihren ermordeten Mann oder Sohn im Arm hält und um ihn trauert, wärend auf dem Boden ein Pappkarton mit der Aufschrift „Pusher“ liegt.

Das Bild wurde in zahlreichen philippinischen aber auch internationalen Medien veröffentlicht. Man könnte auch sagen, „es ging um die Welt“ - wohl aufgrund seiner ikonografischen Aussagekraft.

Mehr als erschütternde und an Eindeutigkeit nicht zu übertreffende Bilder finden sich zudem z.B. in der Fotoreportage „they are slaughtering us like animals“

Auch in philippinischen Medien fanden sich seinerzeit zahlreiche mit ähnlichen Bildern versehene Berichte zumeist unter den Stichwörtern „war on drugs“, „extrajudical killings“ oder „operation Oplan Tokhang“.

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Wenn Journalismus der Hauptberuf ist, dann ist es doch absolut legitim, damit Geld zu verdienen.

Kannst Du Beispiele nennen? Mir fällt da eigentlich nur die finale Durchsetzung des Friedensabkommens mit der MILF ein.

vielleicht war es ein fehler meinerseits ueberhaupt meine meinung zu aeussern , fuer mich und mein dasein als expat ist er weit positiver als die leute zuvor , die bekannten und freunde die ich kenne wuerde ich als 60 / 40 produt schaetzen , das schwierige an diskussionen ist immer die perspektive , das politische interesse (was bei mir eher schwach ist) und wie man hier mit oder ohne familie lebt . bei themen die ich nur aus medien beurteilen kann komme ich zu anderen ergebnissen , bin ich involviert uberdecken eigene emotionen und ansichten aufgrund der erfahrung die ich bereits genannt hatte , das was mich in meinem , oder im leben meiner familie stoert oder bedroht hat vorrang . in diesem sinne sehe ich die anderen weniger bedeutent

das sollte dann aber auch stimmen und nicht auflagentraechtig manipuliert werden

Die Bandbreite des Journalismus ist so gross wie die Menschheit. Nicht jedes Medium muss oder kann die höchsten Qualitätsanforderungen erfüllen. Allerdings kannst Du entscheiden, welche Quellen Du nutzt. Und dann sind wir wieder schnell bei Bildung und Medienkompetenz. :nerd_face:

“vielleicht war es ein fehler meinerseits ueberhaupt meine meinung zu aeussern”

Nein, war es nicht. Auch wer Deine Meinung nicht teilt muss sie dennoch aushalten können. :face_with_monocle:

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Sorry, wenn ich etwas schreibe, was meiner Beurteilung der Situation entspricht, fragst Du mich nach Quellen und Du behauptest „apodiktisch“ dass es bei Berichten über den „war on drugs“ in erster Linie um Geschäftemacherei ging. Ich habe dem eine andere Position gegenüber gestellt und auch belegt.
Ich weiss auch dass es unter den Filipinos damals wie heute viele Duterte Fans gibt und ich habe Dir Deine Meinung, dass Duterte vieles richtig gemacht habe nicht abgesprochen.
Wenn Du Dich dem Entsetzen über die abertausende Opfer des war on drugs nicht anschließen möchtest, ist das doch komplett Deine Sache und niemand hat Dich dafür hier angegriffen.
Ich habe z.B. eine Bekannte, die - in Deutschland lebend - selber einen Sohn verloren hat und es hat niemanden interessiert. Auch deswegen habe ich vielleicht eine andere Wahrnehmung als Du.
Und es geht natürlich am Ende des Tages durchaus nicht nur um Meinung, sondern um die Ermittlung von Tatsachen, auch wenn sich solche Fragen in Foren wie diesem nur vergleichsweise oberflächlich streifen lassen.
Aber nochmal, es hat Dir hier niemand Deine Meinung abgesprochen oder in irgend einer Form darauf hin gewirkt, dass Du diese nicht äußern könntest. - Nur noch mal zur Klarstellung.