Mal eine ganz allgemeine Anmerkung zum Thema: Es ist ja keineswegs so, dass Duterte der Erfinder des Konzepts eines „war on drugs“ gewesen wäre, vielmehr gab es eine Reihe von Vorbildern, die alle letztendlich gescheitert sind.
Inzwischen fast vergessen ist der „war on drugs“ von Ronald Reagan in den USA, der letztendlich nicht zu einem geringeren sondern zu einem höheren Drogenkonsum geführt hat. Eine Zeitung, ich glaube, es war der „Economist“ (bin mir aber nicht mehr ganz sicher) schrieb später einmal nicht ohne bittere Ironie sinngemäß „das einzige, was am Ende der Amtszeit von Ronald Reagan in den USA billiger war als zu deren Beginn, war der Straßenpreis für Kokain“.
Ein anderes Bekanntes Beispiel ist der „war on drugs“ in Thailand unter Prime Minister Thaksin Shinawatra, 2003, der bis zu 3000 Todesopfer innerhalb eines Jahres gekostet haben soll. Das damals virulente Drogenproblem konnte dadurch freilich nicht gelöst werden.
Der Grund dafür, dass „wars on drugs“ nicht funktionieren, ist ein ökonomischer (und der Zusammenhang bzw. die Erkenntnis ist heute weitgehend unbestritten): Die „Nachfrage“ nach Drogen seitens der „Konsumenten“ ist - aufgrund der psychischen und/oder körperlichen Abhängigkeit - im Ökonomensprech in hohem Maße „preisunelastisch“. Mit anderen Worten, Drogenabhängige werden versuch jeden geforderten Preis zu bezahlen (was zu unerwünschten Nebeneffekten, insbesondere zur sog. „Beschaffungskriminalität“ führt).
Erhöht sich nun der Fahndungs- bzw. Ermittlungsdruck (und dabei muss es sich noch nicht einmal um einen erklärten „war on drugs“ handeln), so führt dies in erster Linie dazu, dass die „Risikoprämie“ und damit der Drogenpreis insgesamt steigt, was i.d.R. mit einer gewissen Zeitverzögerung in dem Maße zu einem größeren „Angebot“ (und z.T. neuen „Anbietern“) führt als der zusätzliche Profit ggf. höhere Beschlagnahmen von Drogenfunden überkompensiert. Ein weiterer negativer Effekt durch zusätzliche „Anbieter“ sind dann nicht selten sog. „Bandenkriege“ in denen es um die Aufteilung der jeweiligen „Reviere“ geht.
Ökonomisch ist dem (neben langfristigen Therapieangeboten) am wirksamsten - und gesellschaftlich unschädlichsten - nachzukommen, in dem nachweislich Drogenabhängigen entweder ein legalen Zugang zu Drogen ermöglicht bzw. diese mit Substitutionspräparaten wie z.B. Metadon versorgt werden. Denn wenn der Drogenabhängige nicht mehr den teuren „Stoff“ beim „Dealer“ kaufen muss, verliert das berüchtigte „Anfixen“ seine Attraktivität aus Sicht der „Anbieter“. Natürlich sind auch Substitutionsprogramm mit eigenen Problemen behaftet - etwa in der Frage geeigneter Abgabestellen, die dann wiederum zu Drogenschwerpunkten mit sekundäreffekten wie sozialer Verwahrlosung werden können.
Gleichwohl ist besteht weitgehend Konsens, dass die „Entkriminalisierung des Konsums“ - im Gleichlauf mit der Einstufung/Behandlung der Abhängigkeit als „Krankheit“ der sinnvollste Weg ist mit dem unmittelbaren Problem umzugehen. Ebenso unbestritten ist es, dass zumindest eine wesentliche Ursachen des Drogenkonsums in vielen Ländern (und mit Sicherheit auch in den Philippinen schlicht wirtschaftliche Perspektivlosigkeit und soziale Verzweifelung sind). - Daneben gibt es in vielen Ländern natürlich auch noch die sog. „Partydrogen-Szene“ aber das ist ursächlich ein anderes Thema und da wird dann i.d.R. auch nicht „Shabu“ konsumiert.
Just my two coins…
P.S.: Wen die ökonomische Sicht auf das Themas interessiert, dem sei das antiquarisch für ganz kleines Geld zu erwerbende, bereit 2000 erschienene Buch von Mathias Erlei, „Mit dem Markt gegen Drogen“ empfohlen.