Die Philippinen tragen am meisten zur Plastikverschmutzung der Ozeane bei.
Mehr als über 350 Millionen Tonnen unsachgemäß entsorgten Plastikmülls werden in die Meere gespült.
Mehr als 75 % des weltweiten Plastikmülls in den Ozeanen stammt aus Asien, vor allem aufgrund langer Küstenlinien, hoher Niederschlagsmengen und unzureichender Abfallentsorgungsinfrastruktur.
Das tut einem wirklich in der Seele weh. Unvermögen daran etwas zu ändern allenthalben.
Ich hatte ganz am Anfang meiner Beteiligung in diesem Forum schon geschrieben : wäre ich nur 15-20 Jahre jünger - ich würde versuchen dabei zu helfen, eine Entsorgungsstruktur und -kultur mit aufzubauen. Ich glaube nämlich nicht daß es ALLEN egal ist.
Aber wo keine Struktur gegeben, was sollen die Menschen machen?? Also wird der Dreck und Abfall und Laub zusammengekratzt und verbrannt. Das gibt zusätzlich Feinstaub, CO² und giftige Gase…
Daß sich die Denke auch ändern kann, habe ich über die vielen Jahre, die ich Israel besucht habe, erleben können.
Auch dort sah es z.B. bei meiner ersten Studienreise 1997 auf den Straßen, in den Höfen und am Strand ähnlich aus, wie heute auf den Philippinen. Ich habe am Strand von Caesarea Maritima (unweit der Ausgrabungen des alten Herodes-Palasts) eine haushohe Wand aus Plastikmüll gesehen (1997). Offenbar aus dem Meer gefischter Abfall.
Zwei Jahre später mit meiner nächste Gruppe konnte ich schon Verbesserungen sehen.
In den Straßen wurden an zentralen Punkten der Städte große Metallkäfige mit Einwurfluken aufgestellt. Und: siehe da, sie wurden gut genutzt. Ein paar Jahre später sprach man über Israel als Musterbeispiel von Müllentsorgung…
Vielleicht finde ich bei meinem nächsten Aufenthalt dort (der dann sehr wahrscheinlich dauerhaft wird) ein paar Mitstreiter, mit denen ich zusammen bei den lokalen Behörden etwas erreichen kann.
Natürlich braucht es ein Grundstück, Manpower und Fahrzeuge u.a.m.
Aber, wie am Beispiel Israel gesehen:
wo ein Wille - da ein Weg.
Ich erinnere mich, in Makati und auch in Iloilo einige Müllfahrzeuge gesehen zu haben.
Das ist zwar auf die Gesamtheit nur der sprichwörtliche „Tropfen auf den heißen Stein“ - aber vielleicht doch ein Anknüpfungspunkt.
Gibt es denn aus anderen Regionen der Philippinen schon ein paar Erfahrungen beim Umgang mit dem Abfall?
Unbestritten ein trauriges Thema.
Ich kenne die Philippinen nun fast 30 Jahre. In dieser Zeit war leider der immer stärker zunehmende Trend zur Plastikverpackung zu erkennen. Als wir auf den Philippinen lebten, gab es Softdrinks so gut wie nur in Glasflaschen. Mittlerweile fast alles in Plastik. Sogar in Malls oder Läden wie 7Eleven werden alle möglichen Getränke in Plastikbechern verkauft. Plastiktüten im 7Eleven gibt es aber aus „Umweltschutzgründen“ nicht mehr. Das ist schon ziemlich paradox. Die in Südostasien bekannte und auch auf den Philippinen anzutreffende Unsitte, Getränke für „take away“ in Plastiktüten abzufüllen, werden hier die Meisten kennen. Ich befürchte, dass der Trend zu immer mehr Plastik kaum zu stoppen ist. Es sei denn die Regierung greift hart durch, was ich für sehr unwahrscheinlich halte.
In Borongan, Eastern Samar, wo wir zur Jahrtausenwende lebten, gab es regelmäßige Müllabholung. Allerdings nicht mit Müllfahrzeugen wie wir sie kennen, sondern die Abholung erfolgte mit normalen LKW, wo die Mülltüten bzw. Säcke von Hand aufgeladen wurden. Diese Art der Müllabholung sieht man auch heute noch. Das nächste Problem ist das i.d.R. nicht Vorhandensein sicherer Deponien. Meistens wird irgendwo ein Grundstück eingezeugt und dort dann der Müll abgeladen. Fürs Grundwasser aufgrund der Sickerwässer eine Katastrophe.
Was sich meiner Meinung nach gebessert hat, ist das hemmungslose Entsorgen von Plastikmüll auf Schiffen. In den 90ern konnten wir oft beobachten, dass die Passagiere oder auch die Mannschaft hemmungslos alles über Bord warfen. In den letzten Jahren sehe ich immer häufiger eher verantwortungsvollen Umgang mit Müll, also schlicht die Benutzung von Mülltonnen. Natürlich weiß man nicht, wo der Inhalt der Behältnisse später landet.
Das Verbrennen von Müll ist auf den Philippinen eigentlich illegal. Republic Act No. 9003 (Ecological Solid Waste Management Act) und Republic Act No. 8749 (Philippine Clean Air Act) regeln das. Aber halt nur in der Theorie. Was sollen die Menschen irgendwo am A… der Welt machen, wenn es keine Müllabholung gibt? Dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Ab ins Meer oder Verbrennen. Da ist Verbrennen vermutlich noch die bessere „Lösung“.
Wollte Grad sagen.. ich war ja auch über 4 Wochen dieses Jahr in einem Dorf nähe culasi. „Natürlich“ wird der Müll dort verbrannt. Wo soll er auch sonst hin?!.
Habe es als normal angesehen als ich dort war.
Jemanden der es ins Meer geworfen hat habe ich allerdings dort nicht gesehen
Als ich mit meiner Mahal auf Siquijor war, da sind wir jeden Morgen mit zwei großen Säcken über den Strand gelaufen und haben gesammelt, was über Nacht angeschwemmt worden war. Danach habe ich im Resort nachgefragt, wo wir die Säcke hinbringen können. Nach dem 2. Tag stand am nächsten Morgen vier leere Säcke vor unserer Unterkunft und ab dann jeden Tag.
Als wir abgereist sind, ist die Chefin zu uns gekommen und hat sich bedankt, das wir geholfen haben den Strand zu säubern.
Es wird (zumindest von den Betreibern der Resorts) wahrgenommen und hier und da sieht man auch andere Leute, die sammeln.
Andererseits war ich in La Union/Ilocos Sur und habe einen tollen Strand gesehen, der so zugemüllt war, dass ich wirklich fassungslos war (und ich habe wirklich schon viel gesehen).
Ich war zwei Tage in der Gegend und kam immer wieder an diesem Strand vorbei. Die Leute, die da surfen wollten, sind einfach durch den Müll „durchgewatet“ und nicht mal die Betreiber der Resorts haben etwas daran getan.
Nach meinem 1 Besuch der Manila Bay fragte jemand in einem Gespräch, wie es da wäre. Meine Antwort: „Wenn du ins Wasser fällst, dann stirbst du am Ekel, bevor du ertrinkst“
Nach der Aufräum-Aktion, die Duterte damals veranlasst hatte, habe ich die Bay (positiv) nicht wiedererkannt. Es geht, aber die Leute müssen motiviert werden. Von alleine kümmern sich nur sehr wenige.
Dazu käme natürlich die Aufklärung, damit die Leute nicht mehr alles in den Fluß werfen.
Ich könnte mir vorstellen, dass das bei dem ein oder anderen für etwas Verwunderung gesorgt hat. Irgendwie gibt es bei der Vermüllung unterschiedliche Wahrnehmungen. Manche Menschen empfinden dies anscheinend nicht als hässlich, ekelig oder wie sonst man das bezeichnen möchte.
Es gibt abgelegene Strände, wo niemand in der Nähe lebt und die Strände trotzdem zugemüllt sind, ursächlich durch angeschwemmten Unrat. Da fühlt sich niemand zuständig.
Das ist wohl leider so. An Stränden, an denen keine Resorts stehen, räumt niemand auf. Wer sollte das auch machen, wenn nicht gerade der Barangay oder eine Municipality einen „Cleaning-Up Drive“ oder Ähnliches ausruft. Dann gibt es oft aber hauptsächlich schöne Bilder für Facebook.
Das ist eigentlich schon lange Thema an Schulen, Aufklärungskampagnen ebenso. Warum das in vielen Gehirnen nicht ankommt, ist mir ein Rätsel. Aber wie weiter oben schon geschrieben, in manchen Bereichen gibt es durchaus Fortschritte. Man darf die Hoffnung nicht aufgeben.
Man muss natürlich fairerweise auch verstehen, dass in sehr armen Regionen, wo es für die meisten Menschen hauptsächlich darum geht, das Essen für den Tag auf den Tisch zu bekommen, das Einsammeln von (fremdem) Müll für die Leute nicht ganz vorne auf der Agenda steht.
Nun ja, die Damen die ich letztens höflich fragte ob sie es mögen im Müll zu leben hatten keinerlei Bewusstsein dafür, was jetzt das Problem ist. Und das ist was sich zutrug: vor dem grössten Haus auf dem grössten Grundstück bei uns in der „Subdivision“ hielt ein Auto an, eine Horde Lolas (wohnhaft in dem Haus + Gast) stieg aus und eine warf ihre leere Plastikflasche einfach auf die Strasse. Die ist nicht runtergefallen oder irgendwas, sondern wurde als allererstes aus dem Auto geworfen, noch bevor jemand ausgestiegen ist. Das Problem mit denen löst sich in naher Zukunft von selbst, aber so ein Mindset wird ja auch weitergegeben.
Die Laubverbrennung nervt mich auch wie Sau, aber das ist oft „Mückenbekämpfung“. Und wenn das Feuer einmal „brennt“… Du kriegst die Leute aus der Provinz, aber die Provinz nicht aus den Leuten.
Struktur gibt es hier, zweimal in der Woche kommt die Müllabfuhr und hinterher jedesmal die Fegerkolonne, denn beim Verladen des Mülls geht einiges „daneben“. Trotzdem sieht’s teilweise aus wie Sau. Liegt (auch) an den streunenden Hunden, die dann die Tonnen umwerfen um an Futter zu kommen…auch das Problem wird aktiv angegangen, aber wie alles dauert es seine Zeit.
Covered Court hat Mülltonnen, die meisten werfen ihr Zeug da auch rein. Dann fällt eine um (Hunde, Wind, whatever)… und der ganze Rotz verteilt sich. Und weil es den Leuten egal ist, hebt das auch niemand auf bis man selbst am Wachhäuschen anruft und die dann jemanden schicken. Das hat gegenüber „selbst aufheben“ den Vorteil, dass das Problem relativ zügig bei der HOA ankommt und die mögen keine Probleme – da wird also was passieren.
Ich habe letztens einen möglichen Grund dafür erfahren: Coca Cola (und andere) haben die Flaschen bepfandet. Damit kam niemand klar, das Prinzip war unbekannt. Zudem wurde es für den Shopkeeper problematisch: entweder Preis erhöhen, oder auf den Kosten sitzenbleiben. Also behält man die Flasche und füllt es stattdessen in Plastikbeutel. Problem „gelöst“.
Es ändert sich langsam. Die Resorts haben mehrere Probleme: der Strand ist „Allgemeingut“ (manchmal darf man da nachts nicht mehr drauf, nur die Anwohner), was einen erhöhten Mülleintrag zur Folge hat, es wird Müll vom Meer angeschwemmt und wenn die Nachbar-Resorts da nicht so hinterher sind auch vom Wind über den eigenen Abschnitt verteilt. Wir waren letztens in Pampanga in einem Resort, die haben sich wirklich Mühe gegeben mit Mülleimern und Leuten die den Strand abgeharkt haben und alles, und es sah trotzdem aus wie Sau.
Wo soll es sonst hin? Die Infrastruktur fehlt, und den Leuten die am Fluss leben ist es zum grössten Teil auch scheissegal, weil „heute“ alles ist was zählt. Warum sollen sie den Fluss sauberhalten? Bringt das Geld? Oder Essen auf den Tisch? Man müsste die gesamte Wohn- und Lebenssituation komplett entzerren und das ist unmöglich, bzw. dauert Jahrzehnte oder länger. Und mit den derzeitigen legislativen und exekutiven Instrumenten sowieso nicht.
Manila Bay, die Autobahn des Duterte (die „Dolomite Beach“ war eine wirklich erlesen dumme Idee) – aber kam das wirklich von der Regierung? Ich sehe immer wieder lokale „Cleaning Programs“, auch in den Schulen werden solche Tage veranstaltet, aber das sieht alles eher nach privaten / NGO-Initiativen aus.
Der eigene würde ja schon reichen, aber ich habe es ja auch schon geschrieben – es ist absolut nachvollziehbar warum das so ist. Es ist trotzdem furchtbar.
Generell leben viele, nicht nur arme Leute in anderen Zuständen als wir als „normal“ empfinden. Es sieht oft ein bisschen schmutzig oder ungepflegt aus, obwohl es das nicht ist. Ich würde das mal aufs Klima schieben, man muss schon echt Aufwand betreiben alles sauber und in Schuss zu halten. Die mangelnde Qualität vieler Erzeugnisse hilft da auch nicht.
Beim Müll scheint die Prämisse zu sein: „Hauptsache aus dem Haus“. Der Rest ist dann egal.
kann ich so aus Marias Sari-Sari-Store bestätigen.
Die Leute wollen kein Pfand bezahlen, da ja das Getränk dann teuerer wäre.
Das man das Pfand zurück bekommt, geht einfach nicht in die Schädel rein und na ja Mathematik (Flaschenpreis - Pfand = wirklicher Flaschenpreis) ist nicht gerade die Stärke der meisten hier.
Ich habe am Anfang auch den Leuten hier versucht das zu erklären - bekommst dein Pfand zurück, Preis hat sich nicht geändert. Wollte keiner - „in plastic please, sir“ war dann meistens die Antwort.
Auf Mactan gibt es einen Minimarkt mit Pfand auf alle Glasflaschen, Mülleimer davor und ein Käfig für Dosen und Plastikflaschen.
Es ist aber auch eine gehobene Wohngegend.
Müllabfuhr gibt es seit 20 Jahren.
Aber was nützt die Abfuhr, wenn der nächste Taifun bzw. Starkwind den ganzen Scheiß wieder verteilt?
Hier auf dem Dorf zieht nach dem Einbruch der Dunkelheit (wohlwissend, daß es verboten ist) immer noch regelmäßig beißender Rauch von verbranntem Plastik übers Land, obwohl es seit ein paar Monaten eine relativ zuverlässige (ein- bis zweimal die Woche… zweimal natürlich nur, wenn gerade keine Säcke in der Tonne sind…) Müllabfuhr gibt, wenn man sich bei der Dorfverwaltung für knapp 1.000 PHP Jahresgebühr eine Vignette gekauft hat…
Damit die Müllmänner nicht gleich (wie neulich beim Nachbarn) der Einfachheit halber die ganze Tonne aufladen oder streunende Hunde diese nicht umwerfen, habe ich sie mit Spanngurt an die Wand gedübelt, und wenn es richtig ‚kachelt‘, lässt sich zusätzlich noch der Deckel festzurren…
Das ist ja schon suuuuper-vorbildlich.
Gratulation, daß Du eine solch verständige Verwaltung dort hast.
Ich wünschte, wir könnten das auch auf unsere Insel, Guimaras - nicht wahr?- transferieren!