Moment mal! – Verknüpfte Geschichten hinter der Linse

Die Geschichtensammlerin vom Fischstand

Eine fiktive Geschichte zu meinen Bildern von der „Frischbraterin” vom Markt von Dauin

In Dauin, einer kleinen Küstenstadt auf Negros Oriental, gab es eine junge Frau namens Alina, die jeden Abend mit ihrem simplen Holzkohlengrill am Straßenrand saß und Thunfische briet. Ihr Stand war winzig – nur ein rostiger Grill, etwas Holzkohle und ein wackliger Hocker – doch der Duft von gegrilltem Fisch zog die Menschen magisch an.

Alina hatte kein großes Schild, keine blinkenden Lichter, nur ihr Lächeln und die Kunst, die Fische perfekt zuzubereiten. Die Fischer brachten ihr die frischesten Thunfische direkt vom Boot, und sie wusste genau, wie lange jeder Spieß über der Glut bleiben musste, damit das Fleisch saftig blieb und die Haut knusprig wurde.

Eines Abends kam ein fremder Mann vorbei, ein Reisender, der von Insel zu Insel zog und Geschichten sammelte. Er setzte sich auf einen umgedrehten Korb, bestellte einen Fisch und beobachtete Alina, wie sie geschickt die Glut schürte.

„Warum verkaufst du nur Thunfisch?“, fragte er zwischen zwei Bissen.

Alina lachte. „Weil mein Großvater mir beigebracht hat, dass man eine Sache richtig gut machen soll, statt viele Dinge halb.“ Sie erzählte ihm von den Märkten, die sie als Kind besucht hatte – von den dampfenden Töpfen in Mambajao, wo sie einmal gegrillte Makrelen gegessen hatte, die so fettig waren, dass sie am nächsten Morgen, nach dem Toilettengang, noch die Fettaugen im oben auf dem Wasser schwammen.

Der Fremde grinste. „Das klingt nach einer guten Geschichte.“

„Alles hier ist eine Geschichte“, erwiderte Alina und deutete auf die Straße, wo Händler Obst feilboten, Kinder lachend zwischen Ständen hindurchliefen und alte Männer auf Holzkisten Schach spielten. „Der Markt lebt nicht nur von dem, was verkauft wird, sondern von denen, die ihn besuchen.“

Am nächsten Morgen war der Reisende verschwunden, doch auf Alinas Hocker lag ein kleines Notizbuch. Auf der ersten Seite stand: „Für die Frau, die aus Fisch Geschichten macht.“

Und so begann Alina, nicht nur Fische zu grillen, sondern auch die Geschichten der Menschen zu sammeln, die an ihrem Stand vorbeikamen. Denn sie wusste: Die besten Aromen findet man nicht nur im Essen, sondern in den Begegnungen drumherum.

Falls du magst, könntest du ja mal in die Videosammlung über philippinische Märkte hier im Forum schauen – vielleicht entdeckst du dort ja noch mehr solcher besonderen Marktgeschichten! :blush:

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