Wie mir auf den Philippinen mein Helfer-Syndrom ausgetrieben wurde

Wie mir auf den Philippinen mein Helfer-Syndrom ausgetrieben wurde

Ein persönlicher Erfahrungsbericht

Vorweg: Alles, was ich hier schreibe, ist meine persönliche Meinung, entstanden aus jahrzehntelangen Erfahrungen auf den Philippinen. Ich respektiere jeden, der anders empfindet, der noch helfen möchte, der das alles nicht sehen kann oder will. Hilfe an sich ist nichts Schlechtes – wir helfen selbst, vor allem innerhalb der eigenen Familie, wo es mehr als genug Bedarf gibt, der längst nicht immer gedeckt werden kann.

Als ich 1976 das erste Mal auf die Philippinen kam – und auch in den ersten Jahren nach meiner Auswanderung – wurde ich durch die Brutalität des Alltags regelrecht wachgerüttelt. Dinge, die für mich als Mitteleuropäer kaum vorstellbar waren, gehörten hier zum normalen Straßenbild.

Ein Erlebnis hat sich besonders eingebrannt:
Ein weinendes Kleinkind saß auf einer Pappe an einer extrem engen Stelle des Gehwegs. Jeder Fußgänger musste dort vorbei. Manche warfen ein paar Münzen auf die Pappe. Ich war erschüttert. Ein paar Meter weiter stand ein Polizist. Ich sprach ihn an, versuchte ihm zu erklären, dass hier eingegriffen werden müsse, dass Behörden informiert werden sollten. Er sah mich an, als käme ich von einem anderen Planeten. Der Polizist erklärte mir, dass der Vater oder die Mutter irgendwo ganz in der Nähe ist und das Kind beobachtet, um gleich die Almosen einzusammeln.

Einige Monate später, später Vormittag, Markt. Mehrere uniformierte, bewaffnete Polizisten luden mich spontan auf ein Bier ein. Mein Trauzeuge war Kommandant dieser Polizeiwache, also ließ ich mich breitschlagen. Kurz darauf kam eine Frau mit einem Baby auf dem Arm an unseren Tisch und fragte mich ganz offen, ob ich ihr das Kind abkaufen wolle – sie brauche dringend Geld. Ich hielt es zunächst für einen schlechten Scherz. Die Polizisten bestätigten mir nüchtern, dass sie die Frau kennen und dass sie es vollkommen ernst meinte.

Solche Zusammenstöße mit meiner europäischen Mentalität gab es viele. Erst über Jahre passte sich mein Denken langsam an die Realität eines Dritte-Welt-Landes an. Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft und Verantwortungsgefühl waren mir durch Erziehung und Schule anerzogen worden – hier funktionierten sie oft nicht so, wie ich es erwartet hatte.

Viele Jahre später kam ein guter Freund auf mich zu, tätig im deutschen Pflegedienst. Er wollte in Deutschland einen gemeinnützigen Verein gründen, ich sollte auf den Philippinen schauen, wo Hilfe nötig wäre.

In der entfernten Familie meiner Frau lebte ein kleines Mädchen, das ohne Speiseröhre geboren worden war. Nach Gesprächen mit den Eltern, dem Hausarzt und einem Arzt in einem Krankenhaus in Manila wurde eine Operation mit 30.000 Euro veranschlagt. Bis das Geld zusammenkäme, übernahm ich monatlich die laufenden Kosten für Essen, Hygieneartikel und Ähnliches. Wenige Monate später fand sich in Deutschland eine Organisation, die bereit war, den gesamten Betrag zu übernehmen. Der einzige, der sich gegen die Operation aussprach, war der Hausarzt – seine Bedenken wurden beiseitegeschoben.

Das Geld wurde nach Manila überwiesen. Zusätzlich sammelte ich Geld für den Flug von Mutter und Tochter von Cagayan de Oro nach Manila. Am Abreisetag brachte ich sie selbst zum Flughafen.

Was ich jetzt schildere, erfuhr ich erst viel später von der Mutter und anderen Verwandten:
In Manila wurden Mutter und Kind von drei katholischen Priestern in einem Mitsubishi Montero Sport abgeholt. Man wollte sie in ein Haus bringen, das täglich über 4.000 Peso kosten sollte. Die Mutter konnte sich dem entziehen und kam stattdessen bei Verwandten unter.

So viel zur Unterstützung durch die katholische Kirche.

Hinzu kam die philippinische Mentalität, mit der wir nicht gerechnet hatten. Der Ehemann war entsetzt, dass für ihn kein Flug gebucht worden war. Die Familie war arme Kleinbauern in Mindanao. Also verkaufte er seinen Wasserbüffel – im Grunde alles, was sie an Wert besaßen – und reiste mit dem Schiff seiner Frau und seinem Kind hinterher. Seine Begründung: Sie könnten ja von einem anderen Mann angesprochen werden.

Wie es kommen musste – und wie der Hausarzt es vorausgesagt hatte – starb das Mädchen wenige Monate später.

Eine andere Geschichte, die ich selbst nicht miterlebt habe, aber um 2005 über ein kleines Forum erfuhr:
Auf der Insel Daram sollte für ein Dorf eine Schule gebaut werden. Alles lief gut, bis es um den Kauf der Baumaterialien ging. Der Barangay-Captain bestand darauf, dass sämtliches Material ausschließlich über ihn bezogen werde, zu überteuerten Preisen. Als sich der Helfer weigerte, eskalierte die Situation. Er musste die Insel schließlich bei Nacht und Nebel verlassen, weil sein Leben nicht mehr sicher war.

Ein weiterer Fall ereignete sich kurz nach der Geschichte mit dem Mädchen:
Eine Syrerin kontaktierte mich über das Forum. Ihre Nichte wollte nach bestandenem Abitur auf die Philippinen, ausgerechnet nach Cagayan de Oro, um sich einer deutschen Organisation anzuschließen, die mit Straßenkindern und Kindern im Gefängnis arbeitete. Sie fragte mich, ob ich während ihres Aufenthalts ein Auge auf sie haben könne.

Die junge Frau suchte sich ein Zimmer in unmittelbarer Nähe der Organisation – in Barangay 17, der wohl kriminalitätsbelastetsten Straße der Stadt. Sie wurde vorab gewarnt, bestand aber darauf. Die Polizei behielt sie während ihres Aufenthalts im Blick, sie war also relativ sicher. Erstaunt stellte sie jedoch fest, dass man sie dort am liebsten wieder losgeworden wäre. Der deutsche Betreiber war nicht vor Ort. Am Ende stellte sich heraus, dass die Kinder, die dort täglich verköstigt wurden, überwiegend die Kinder der Angestellten der Organisation waren.

Ein weiteres Schlüsselerlebnis hatte ich 2011 nach dem Tropensturm Sendong, der große Teile von Cagayan de Oro zerstörte und über tausend Menschen das Leben kostete. Am Morgen danach suchten wir in Barangay Tibasak die Schwester meiner Frau und ihre Familie. Das Wasser war bereits zurückgegangen, die Straße wieder befahrbar. Überall Schlamm, Trümmer – und entlang der Kapellen lagen notdürftig abgedeckte Tote, mit Planen oder Bananenblättern. Weinende Angehörige erkannten ihre Verstorbenen.

Ich stand hinten auf unserem Multicab, als ich das Fahrzeug des Erzbischofs von Cagayan de Oro erkannte. Er hielt nicht bei den Kapellen an. Er fuhr weiter zu einem Sammelplatz, wo alles für eine Messe vorbereitet war, um die Überlebenden zu segnen.
Verzeiht mir die Offenheit: Segnungen mit Wasser und Worten kosten nichts. Essenspakete und Trinkwasser hatten andere Organisationen dabei.

All das hat meine Überzeugung gefestigt, dass sich die Philippinen sehr wohl selbst helfen könnten – wenn man es denn wollte. Stattdessen nutzen große Teile der Bevölkerung, aber auch staatliche Strukturen, die Hilfsbereitschaft von Ausländern aus. Weil die ja so gerne helfen.

Bestärkt wurde ich darin im letzten Jahr zufällig in Dumaguete City. Die Stadtverwaltung veranstaltete ihre Weihnachtsfeier: Tische und Stühle für rund 2.000 Personen, Bühne, Verstärkeranlage, fein gedeckte Tische, teilweise mit vergoldetem Besteck. Jede Abteilung bekam ein Spanferkel. Bei einer Tombola wurden Motorräder, E-Scooter, Großraumkühlschränke, Klimaanlagen, Karaokeanlagen, Gaskocher und mehr verlost.

Teile davon sind in meinem Video zur Vorweihnachtszeit in Dumaguete zu sehen (ab Minute 11:19, ohne diese Bewertung):

Kein Wunder, dass Ladenbesitzer, Marktstände und Kleinbetriebe diesem Treiben mit gerunzelter Stirn zusehen – sie müssen im Dezember ein 13. Monatsgehalt zahlen, im Januar Steuern und neue Gewerbeerlaubnisse. Und jene Menschen, die gar keinen Job haben, stehen fassungslos daneben.

Das alles hat mir über die Jahre mein Helfer-Syndrom gründlich ausgetrieben.

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Das kann ich komplett unterschreiben, weil ich sehr ähnliche Erfahrungen gemacht habe.
An einer Barangayparty „mussten“ wir mal teilnehmen, weil wir nach einer ordentlich und einwandfreien Dienstleistung eingeladen waren. Natürlich war eine Spende zum Fressgelage obligatorisch.
Und draußen vorm Zaun drückten sich die armen die Nasen platt. (Sind die darum so breit?)
Die damaligen GTZ besuchte ich in einer armen Provinz. Ein feudales Haus am Strand, ein großer Garagenschuppen mit zahllosen brandneuen japanischen Geländewagen und bis auf ein paar Caretaker niemand da. Die wären in Deutschland im Urlaub. Alle gleichzeitig?
Im armen Zweig der Verwandten, andere Zweige gibt es gar nicht, ist es nicht besser.
Im deutschen Kopf die Hilfe zur Selbsthilfe, ist nur Geld versickert, ohne eine einzige Anschaffung zum Broterwerb.
Ehemals gut verdienende weitläufige Verwandte fragen immer wieder nach Unterstützung. Ich frage zurück, wo denn die Rücklagen aus den fetten Jahren sind?
Gerade möchte eine Cousine, am Ende ihres Berufslebens von uns gern ein billiges Lot für Ihren berufstätigen Sohn kaufen.
Mit dem Lebensgefährten sind es also 3 arbeitende Personen.
Das Geld für eine kleine Anzahlung, für diesen Jahreswechsel versprochen, haben sie nicht zusammen bekommen. Aber nächstes Jahr ganz bestimmt…
Für ein Familientreffen auf eine andere Insel fliegen war aber problemlos möglich.
Und so geht das seit über 30 Jahren.
Von mir gibt es daher keinen Centavo ohne Gegenleistung und 95% der Verwandten will ich nie wieder sehen und das wissen die auch.

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ich muss echt lachen, wenn ich im TV in D. die derzeitige Diskussionen sehe.
Die Deutschen sind alle inzwischen faul und verwöhnt, und müssen mehr arbeiten, am besten bis kurz vor dem Tod, um im globalen Wettbewerb wieder bestehen zu können.
Das sollte mal jemand auf den Phils von sich geben, den würden sie in Stücke reißen.

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Hilfe macht die Frau. Weil sie a) die Schmarotzer alle abfahren lässt dass die wissen was los ist, und b) auch weiss was und wie angemessen ist.

Es gibt Familienzweige, da arbeitet die Hälfte im Nahen Osten als OFW mit dicken Häusern und dicken Karren, aber die Mama hat trotzdem nix zu essen im Haus. Da wird dann in strategisch grosser Runde verkündet, dass sie jederzeit bei uns am Tisch willkommen ist – was sie auch ist. Zack war plötzlich das Einkaufen (und bezahlen) organisiert und jede Woche etwas Kohle für Palengke am Start. Die betroffenen Kandidaten merken nicht viel, aber das haben sie mitbekommen.

Anderer Familienzweig: „Ate unser Meralco ist abgeschaltet“. Auf die Frage warum kommt raus, dass sie im Monat mehr verbraucht haben als wir (ich weiss immer noch nicht wie sie das hinbekommen haben) und nach der dritten unbezahlten Rechnung der Strom abgeschaltet wurde. Es hat natürlich niemand nach der ersten Rechnung untersucht, warum die so hoch ist. Die wurden geblockt auf allen Kanälen weil sie dreimal am Tag versucht haben Kontakt aufzunehmen. Es kam dann wer vorbei (und wollte die Anfahrt bezahlt haben). Der Person wurde das Versäumnis nachdrücklich aufgezeigt, unsere Meralco-Rechnung gezeigt und darauf hingewiesen dass bitte nicht weiter genervt werden soll, wir haben keine Zeit für solchen Scheiss (und auch nicht für „gemeinsame Unternehmungen“), wir müssen arbeiten. Wenn sie wen finden der Meralco sponsort, dann sollen sie den bitte vorbeischicken, vielleicht haben wir dann wieder mehr Zeit.

Wieder andere: „Die Kinder brauchen Zeug für die Schule. Kannst Du 5000 PHP schicken?“. Antwort: „Schick mir ne Liste was die brauchen, ich kaufe denen das“. Und so ward es getan. War nicht im Sinne der Anfrage, aber zumindest hatten die Kinder sicher Schulmaterial. Da helfen wir auch weiterhin, denn die Kinder sollen nicht übermässig an der Dummheit und Unfähigkeit ihrer Eltern leiden müssen. Als dann ein Kind „ganz schlimmen Ausschlag hatte“ bat die Frau um Bilder, dass sie es einem Arzt zeigen und die Medikamente bestellen kann. „Oh wir haben kein Viber“. „Dann nimm doch die Nummer auf der Du vor drei Wochen Deine Kinder Sprachnachrichten schicken lassen hast wie sehr ihr grad Kohle braucht“. Spontanheilung.

Das war alles so mehr oder weniger in einem Jahr. Seitdem ist Ruhe (ausser Fragen nach Schulsachen aber das ist OK). Stellt sich nämlich raus: nicht immer ist der Reis alle, wenn Geld für Reis gebraucht wird (who woulda thunk).

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Ich denke fast alle, die sich schon länger im Land aufgehalten haben und über Partner oder Partnerin familiäre Bindungen haben, kennen ähnliche Geschichten.
Mit reinen Schnorrern hatten wir relativ selten zu tun. Aber natürlich immer mal wieder mit Fragen nach Hilfe.
Den Kontakt zur engen Familie (außer meiner Stieftocher samt Kindern, den anderen Enkeln und einer Tante meiner Frau (war in unserer Philippinen-Zeit sozusagen die Ersatzoma für meine Tochter)) habe ich aus gutem Grund schon vor über 20 Jahren abgebrochen.

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auch wenn ichdie Stories aus den obigen Beiträgen genau so kenne, hier mal ein positives Beispiel! Die Schwester meiner Frau bat uns um Hile, war so September rum, Arztrechnung und sie bat um 60k. Ich wußte ja daß sie hart arbeitet, sie hat gesagt sie will es ab Januar abstottern, 5000 jedes monat! Ok, hab ihr die Kohle gegeben. Pünktlich Anfang Januar waren 5000 auf meinem Konto, ohne vorher anzufragen. Hab dann den Rest erlassen. Der Schwester helfe ich immer wenn Not am Manne ist. Geht auch anders :smiley:

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Jaja, das ist die billigste Ausrede. Bei der Mutter meiner Frau ist meist die ganze Schar an Enkelkindern und oft auch deren Eltern aufgetaucht und „brauchen, ach so dringend, Geld für Reis“.
Inzwischen versuchen wir (die wir immer wieder Sack um Sack Reis sponsern) der -naja, inzwischen schon ‚alten Dame‘, 90 war sie schon- einzutrichtern, wenn Reis gebraucht wird, kann man ja eine Schale abfüllen. Aber, wie Du es richtig benennst, geht es ja meist um „Kohle“. Und die wird bei Schwiegermama eben auch schneller alle, als der Monat um ist.

Tita, kannst du mir mal x-tausend Piso leihen, wir brauchen…
Mit leihen ist dann die philippinische Version gemeint. Rückzahlung vielleicht am „Sankt-Nimmerleins-Tag“.
Inzwischen bin ich (bis auf wenige gerechtfertigte Ausgaben z.B.im medizinischen Bereich) zum Anhänger der Comik-Figur „Verleihnix“ aus „Asterix&Obelix“ mutiert. Und meine Frau nähert sich mir langsam an.

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Schön, dass es auch solch positive Ausnahmen gibt.:grin:

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Kannst Du mir mal erklären wieso Philippinos die im Ausland für einen Hungerlohn arbeiten dicke Karren und Häuser kaufen können ? Da bist Du wohl einem Märchen auf dem Leim gegangen. Am besten verdienen noch die Angestellten bei Reedereien, etwa 60k im Monat. Davon wird niemand reich. In Dubai etc. gibt es max. 20k. Und nicht zu vergessen, das soziale Familienleben durch die lange Abwesenheit im Ausland leidet darunter. Kinder sehen ihre Väter / Mütter über Monate nicht. Das ist der Preis. Dazu kommt der Druck durch die Familie Geld abzuliefern. Das möchte sicher niemand von uns selbst erleben. Ich gebe der Familie Geld für alles wichtige, wie z.B. Schulsachen, Arztbesuche etc.. Der 50 kg Sack Reis ist auch dabei für 2k. Ich habe auch öfter Anfragen der Family. Neue Projekte (Tilapiazucht) und natürlich ist immer jemand krank. Da muss man abwägen. Das Geld das ich gebe ist für mich dann abgeschrieben.
Noch eine Story zum Schluss. Die Schwester meiner Frau hat sich bei einem Kredithai 40k für was auch immer geborgt. Zinssatz 20% für 4 Monate! Der hat hat dann ihre ATM Bankcard einkassiert. Jetzt hat sie mich gefragt ob ich ihr nicht 40k leihen kann ,damit sie ihre Karte zurückbekommt. Ich kam ins Grübeln, das macht ja alles keinen Sinn. Also habe ich ihr 10k „geborgt“ im Wissen das ich diese wahrscheinlich nie wieder sehe. So ist es halt. Geld regiert die Welt.

I habe ja eine kleine private Charity auf den Philippinen, was bedeutet, dass ich eine kleine Hand voll Families und Single moms etwa zur Hälfte aus eigener Tasche und zur anderen Hälfte mit Hilfe von Freunden hier im deutschsprachigen Raum (überwiegend aber nicht ausschließlich aus meinem Freimaurerumfeld) regelmäßig unterstütze. - Das summiert sich so auf ein paar hundert Euro im Monat insgesamt.

Entstanden ist das Ganze spontan als Emergency Hilfe gegen den „Lock-Down“ zu CoVid Zeiten für unsere Golf-Daddies und hat sich danach in eine etwas andere Richtung entwickelt. Auf die Dauer habe ich mich dann - auch aus Zeit- bzw „verwaltungsökonomischen“ Gründen dazu entschieden lieber eine vergleichsweise kleine Gruppe regelmäßig und mit vergleichsweise großen Donations zu unterstützen als eine große Gruppe mit vergleichsweise Kleinbeträgen. Trotzdem ist alles natürlich im für mich überschaubaren Bereich und jeder muss für sich wissen, ob und wie er helfen möchte.

Was ich z.B. inzwischen generell auch nicht mehr tue, ist Geld zu verleihen (und das nicht nur im Rahmen meiner Charity sondern auch z.B. im Kreis von friends & family), warum auch immer funktioniert das auf den Philippinen einfach nicht. Dann helfe ich lieber im Bewusstsein, dass ausgegebenes Geld tatsächlich „weg“ ist. Auch dort verbleibt natürlich das Problem die Bedürftigkeit der Empfänger und ggf. die Sinnhaftigkeit der Verwendung zu prüfen.

Das ganze Thema ist und bleibt zugegeben komplex. Ich bin nach wie vor der Meinung, das „etwas zu tun“ besser ist als „nichts zu tun“ und bin natürlich auch schon mal ausgenützt worden (und vielleicht auch öfter als ich es weiss) aber umgekehrt entwickelt man über die Zeit natürlich nicht nur ein „Gefühl“ sonder auch ein gewisse „Expertise“. Ich kann auch verstehen, wenn das dazu führt, dass man - trotz des unbestreitbaren großen sozialen Leids, auf das man in den Philippinen allendhalben trifft, lieber nichts mehr gibt.

Auch das ist eine sehr persönliche Entscheidung, die jeder für sich treffen muss. Für mich ergibt es wie gesagt nach wie vor Sinn ohne dass ich blauäugig wäre.Manchmal sage ich spaßeshalber, was andere z.B. an Kirchensteuer bezahlen, stecke ich lieber in direkte Nächstenliebe/Philanthropie. :slight_smile:

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Danke für die Aufklärung, dann habe ich das wohl geträumt.

Es gibt – auch wenn das vielleicht schwer zu glauben ist – tatsächlich Filipinos, die im Ausland andere Jobs haben als Maid oder Koch, und dort tatsächlich in der Lage sind mehr als eine Schale Reis im Monat zu kaufen.

Das sage ich mal meiner Anwalts-Freundin, damit sie endlich mal ein bisschen Schmott verdient. Sie wird das sicher gern gegen das aktuelle Leben (Partner in einer Kanzlei in Abu Dhabi) eintauschen.

Das stimmt sehr oft, allerdings in dem Fall auch nicht. Die von mir oben beschriebenen Teile der Familie leben im Ausland als Familie zusammen. Ein Kind hat sich dagegen entschieden, im Ausland zu leben aufgrund der persönlichen Situation, will aber auch sonst nicht so viel mit den anderen zu tun haben. Ändert nix dran, dass die Mama daheim hockt und nix zu futtern hat.

Aber der Thread heisst ja nicht: „Wie ich mein Geld wieder zurückbekam“ :smiley:

Die Frau macht das übrigens sehr geschickt, wenn sie mal Geld verleiht sagt sie dass es meins ist. Dann kann sie über Bande Druck aufbauen und sagen „der braucht seine Kohle wieder“. Funktioniert soweit sehr gut (in den seltenen Fällen, in denen sie das macht). Weiss ja keiner dass sie die längste Zeit ein weitaus höheres Einkommen als ich hatte. Wobei, das war im Ausland, vielleicht habe ich das nur geträumt.

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Man kann das auch ausweiten: „bedingungslose Hilfe“. Ob das immer so hilfreich ist, weiss ich nicht. Es ist mir lieber, in bestimmten Fällen zu helfen – dann vielleicht auch mit etwas mehr – als eine Wahrnehmung zu etablieren, dass jeden Monat ohne Aufwand irgendwo Kohle herkommt. Da ist die Bedingungslosigkeit auch einfacher. Aber auch hier viel Grauzone.

Bei der Bedürftigkeit wirst Du immer welche haben, die es nicht nötig haben aber trotzdem was abgreifen wollen weil es was umsonst gibt. Das ist aber nicht auf die Philippinen beschränkt :wink: die Leute sind nur einfallsreicher.

Oh Edit weil ich das mit Single Moms grad noch gelesen habe: ein weiteres Positivbeispiel: Single Mom mit 5 Kindern (Mann ist gestorben), reisst sich den Arsch auf (Nachtschicht im BPO-Job, tags Kindererziehung), verdient auch ganz brauchbar für hiesige Verhältnisse, aber es reicht halt trotzdem manchmal nicht. Wenn sie um Hilfe fragt gibt es keine Gegenfragen, denn dann brennt schon die Hütte – sie will es wirklich alleine schaffen und niemandem etwas schuldig sein.

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Ein Cousin ist als Musiker mit Tochter durch Nah- und Fernost getingelt und hat sehr gut verdient damit.
Nach Ende der Zeit aus Altersgründen musste dann das Haus in Zentralbacolod (teuer) verkauft werden und man lebt nun in Mindanao Provinz in einer Sub, ohne Tochter, die ist in Singapur geblieben, als Edelhu…
Voll Gold und Klunker wie ein Weihnachtsbaum.

Ein anderer Cousin hat in Dubai einen großen Blumenladen gemanagt und ist dann zu einer Fastfoodkette gewechselt. Verdient mehr, als ein Handwerker in Deutschland.

Mein Nachbar, Seemann, kauft alle 2 Jahre einen neuen Toyota Hybrid, hat alles voll PV getackert mit Speicher und auch sonst alles schön gemacht. Frau und ein Kind zu Hause. Er war 2 Monate da und ist gerade wieder weg.
Sehr netter Mensch. Leider nur wenig gesehen dies Jahr.

Die Zahl der fetten SUV und Trucks ist in den letzten Jahren extrem gestiegen.
Grundstückpreise liegen derzeit bei 12-15k qm unbebaut und werden auch verkauft.
Es ist viel Geld da.
Meine Hilfe ist also gar nicht nötig.
Gelegentliche Anfragen Konter ich mit der Gegenfrage, wer mir hilft, angesichts meinen fortschreitenden Alters und der Gesundheitskosten.
Ende des Gesprächs.

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Da bist Du wohl einem Märchen auf den Leim gegangen. In Dubai gibt es maximal 20k.

:smiley: :smiley: :smiley:

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Ergänzung zu meinem Beitrag – worum es mir eigentlich ging

Nach den vielen Kommentaren habe ich den Eindruck, dass ich missverstanden wurde. Die meisten Reaktionen drehen sich um Familienhilfe – also um Unterstützung innerhalb der philippinischen Familie, freiwillige Hilfeleistungen oder Bitten um Unterstützung aus dem Verwandtenkreis.

Darum ging es mir aber nur am Rande.

Natürlich hilft man seiner engsten Familie. Das tun wir auch. Unsere Unterstützung beschränkt sich allerdings ganz bewusst auf die unmittelbare Familie meiner Frau – ihre Kinder, also meine Stiefkinder, sowie deren Kinder und Enkel. Meine Frau ist das älteste von zehn Kindern, acht leben noch. Aus dem Leben der übrigen Verwandtschaft haben wir uns zurückgezogen. Das ist eine bewusste Entscheidung.

Was ich in meinem ursprünglichen Beitrag meinte, ist etwas anderes:
Unser – oft angeborener oder anerzogener – Helferkomplex. Dieses reflexhafte Bedürfnis, bei Katastrophen, Spendenaufrufen oder Berichten über „arme Menschen“ sofort zum Geldbeutel zu greifen. Genau darauf zielten meine Beispiele ab.

Beim Fall des kleinen Mädchens ging es nicht um Familienhilfe, sondern um ein internationales Spendenprojekt. Und dort tauchten plötzlich Akteure auf, die vor allem die 30.000 Euro im Blick hatten. Der Hausarzt, der sich als Einziger gegen die Operation stellte. Kirchenvertreter, die ein teures Haus für über 4.000 Peso pro Tag vermitteln wollten. Eine weitere Person aus dem medizinischen Umfeld, die plötzlich behauptete, Blutkonserven seien im Preis nicht enthalten. Es brauchte rund 24 Stunden internationaler Telefonate zwischen Arzt, Krankenhaus und Spendern in Deutschland, um das zu klären.

Da fragt man sich irgendwann: Wer hilft hier eigentlich wem – und wer verdient woran?

Ich wollte damit sagen, dass die Philippinen sehr wohl in vielen Bereichen in der Lage wären, sich selbst zu helfen, wenn man es nur wollte. Aber es ist eben einfacher, auf ausländische Spenden zu setzen. Ich erinnere nur an die offiziellen Spendenaufrufe der philippinischen Regierung nach der Yolanda-Katastrophe. Später wurde öffentlich, wie mit Teilen dieser Gelder umgegangen wurde. Danach waren die internationalen Hilfszahlungen bei weiteren Katastrophen merklich zurückhaltender.

Auch mein Beispiel mit der Weihnachtsfeier einer Stadtverwaltung sollte genau in diese Richtung gehen. Wenn für tausende Bedienstete Motorräder, E-Roller, Kühlschränke, Klimaanlagen und Spanferkel finanziert werden können, dann ist offensichtlich Geld vorhanden – nur eben nicht immer dort, wo es öffentlich als Mangel dargestellt wird.

Noch ein persönlicher Punkt:
Als ich als erster Ausländer in die Familie kam, gab es weder Wasser- noch Stromanschluss. Gewaschen wurde im Fluss, Licht kam aus Petromax-Lampen oder aus Kochöl mit Docht, gekühlt wurde mit einem Kerosin-Kühlschrank. Strom, Wasseranschluss, Ventilatoren, elektrischer Kühlschrank – all das habe ich damals eingerichtet. Und ja, ich habe anfangs auch regelmäßig den Kühlschrank gefüllt.

Ich habe also geholfen.

Ein Satz meiner Schwiegermutter macht mich heute fast stolz. Drei ihrer Töchter waren ebenfalls mit Ausländern verheiratet. Von diesen vier Beziehungen besteht heute nur noch eine – unsere. Sie sagte einmal:

„Aus allen Ehemännern meiner Töchter konnte ich etwas herauspressen, nur bei diesem Deutschen ist es mir nicht gelungen.“

Das heißt nicht, dass ich nie geholfen hätte. Es heißt nur, dass ich irgendwann Grenzen gezogen habe.

Und genau das ist mein Punkt:

Hilfe innerhalb der engsten Familie – ja.
Hilfe in der erweiterten Verwandtschaft – kaum.
Hilfe über Spendenaufrufe, Katastrophenkampagnen und sogenannte gemeinnützige Projekte – für mich heute nein.

Darum ging es mir.

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Das erinnert mich an das was ich letztes mal erlebte.
Ich auf dem Scooter, ein Pinoy kommt mit ausgestreckter Hand auf mich zu, dass ich ihm Geld geben soll, ich gebe nichts, er dreht um und steigt in einen riesengroßen SUV ein und fährt weg.
Betteln scheint bei manchen Pinoys irgendwie in der DNA verankert zu sein.
Resultat für uns, wir hatten früher problemlos Helfer bei uns gefunden, inzwischen, egal wie viel wir zahlen würden, nichts mehr.
Da gibts dann auch die Begründung z.B. Kinder, Verwandtschaft arbeiten inzwischen irgendwo im Ausland und überweisen jeden Monat genug Geld, man braucht nicht mehr zu arbeiten.

Habe auch einen Fall in der Familie, eine Tochter arbeitet in LA als Hotelmanagerin, hatten sie besucht als wir dort waren.
Die Mutter hatte sich bei meiner Frau beschwert, dass die Tochter zu wenig und unregelmäßig Geld zu ihr überweist, weil sie das Geld in den USA aus dem Fenster wirft, ein ungezügeltes Leben dort führen würde.
Wir haben da nix von gemerkt, das Leben in LA ist halt einfach schweineteuer.
Mutter wünscht sich, dass Trump ihre Tochter abschiebt, damit sie sie wieder unter Kontrolle hat und wo anders zum arbeiten hin schicken kann.
Für viele Pinoys sind Kids ein Geschäftsmodell.

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So manch einer mag es vielleicht aus den unterschiedlichsten Gründen nicht sehen, aber es gibt tatsächlich für Filipinos Jobs im Ausland, die gut bezahlt werden und nicht unter ‚Maid, Caregiver and Cook‘ fallen.

Ein gutes Beispiel ist ein australischer Freund unserer Familie hier in Dauin, der in einer der Nachbargemeinden lebt (wird durften dort vor einiger Zeit einen Jahreswechsel verbringen und ich durfte das Anwesen filmen:

Der fliegt mit seiner philippinischen Mannschaft einmal im Monat für zehn- bis vierzehn Tage in die unterschiedlichsten afrikanischen Länder, um dort Maschinerie im Bergbau zu warten. Der zahlt seinen philippinischen Arbeitern nicht nur Anreise, Unterkunft und Verpflegung, sondern auch ein Gehalt am Anfang von 8.000 Pesos am Tag.

Die Philippinen verlieren jährlich ihre gutausgebildeten Meterologen an die Golfstaaten, die sie mit guten Gehältern locken. Sicherlich gibt es da weitere Beispiele und nicht nur die ‚armen Schweine‘, die von irgendwelchen mafiaähnlichen Agenturen ‚überredet‘ werden.

Auch nicht alle Ausländer, die in eine philippinische Familie hineinheiraten, heiraten in eine arme Familie hinein. Ich persönlich habe da eher den ärmeren Teil des Clans erwischt, was ich aber trotzdem nicht bereut habe.

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Kann man sagen, dass die Hilfe, Spenden, Gelder aus dem Ausland eher schaden als nutzen, weil damit zu Faulheit erzogen wird und langfristig die Probleme wachsen?
Auch die arm-reich-Schere wird nicht kleiner, sondern eher größer, weil es nicht die Armen sind, die wissen, wie man was abzweigt.

Die Aussage ist wohl etwas überspitzt und verallgemeinernd, aber ich denke da ist schon Einiges dran.

Ich denke ein Tenor ist, dass sie vorrangig denen nutzen, denen es schon gut geht (siehe die Beispiele von @suroy-suroy mit der Unterbringung im Haus für 4kPHP). Auf der anderen Seite ist es natürlich schwer, speziell von Deutschland aus einzuschätzen was hilft und was nicht. Dort laufen im TV die Bilder von philippinischen Kindern, die über eine Müllkippe wandern, wo mich mein Kind gefragt hat ob das wirklich die Philippinen sind und wo denn das wäre… Man ist schon geneigt, der impliziten moralischen Verpflichtung nachzukommen, vom eigenen Wohlstand zum Wohle anderer was abzugeben. Vor Ort hat man dafür mehr Möglichkeiten, aus der Ferne gibt man Geld und hofft dass davon was ankommt.

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