Ich verstehe meine persönlichen Charity Aktivitäten auch bewusst ein Stück weit als Alternative zu den von Dir genannten Spendenaufrufen und Katastrophenkampagnen. Mit den großen Hilfsorganisationen kann und will ich auch gar nicht konkurrieren.
Unsere „Beneficiaries“ kenne ich i.d.R. persönlich. Dass regelmäßige Unterstützungen auch Abhängigkeiten und ggf. auch Erwartungshaltungen erzeugt, ist ein bekanntes Dilemma, dem man sich natürlich stellen muss. Und natürlich sollte Hilfe am besten immer Hilfe zur Selbsthilfe sein und sich im besten Fall selbst überflüssig machen. Manchmal ist es nur leichter gesagt als getan:
Ich habe z.B. eine single-mom, die einen für philippinische Verhältnisse durchaus ordentlich bezahlten call-center job hat (wie so oft, i.d.R. reine Nachtschicht, da ihre „Kunden“ größtenteils in den USA sitzen). Trotzdem reicht es am Ende des Tages nicht, um sich, ihre drei Kinder und die bettlägerige Mutter zu versorgen. Hinzu kommt, dass sie aufgrund eigener gesundheitlicher Probleme, Diabetes und noch ein paar anderen Krankheiten, ab und zu auch mal arbeitsunfähig ist. Neben der bekannten „no work no pay“ Realität führt dies im worst case auch mal dazu, dass sie ihren job verliert und sich einen neuen suchen muss.
Ein anderer Fall betrifft eine Familie, bei der der Mann versucht seine Frau und zwei Kinder als Peanutsverkäufer über Wasser zu halten. Er hat einen kleinen fahrbaren Stand und steht durchaus an einem guten Platz aber das Ganze reicht trotzdem „hinten und vorne“ nicht und es ist schwierig mit ihm an einer Alternative zu arbeiten, zumal die Aufgabe des Standplatzes ein Problem wäre, wenn es mit dem alternativen Job dann doch nicht klappt.
Wieder ganz anders gelagert sind die Fälle unserer beiden schwerstbehinderten „special children“, denen wir helfen. Im einen Fall geht es um ein Kind mit Encephalocele, dessen single-mom aufgrund der erforderlichen 24/7 Rundumbetreuung nicht arbeiten gehen kann. Der andere Fall betrifft ein Hydrocephalus Kind, bei dem wir die Kosten für die lebensnotwendigen Medikamente übernommen haben und die einkommensschwache Familie damit entlasten.
Z.T. bekommen unsere „Beneficiaries“ auch Zuwendungen aus mehreren Quellen, was ich aber in aller Regel weiss und wenn das vor dem Hintergrund der Gesamtumstände nachvollziehbar ist, habe ich da auch kein Problem mit, im Gegenteil.
Was ich in dem Zusammenhang allerdings echt übel finde ist, dass es mehrere „christliche“ Hilfsorganisationen, z.T. von irgendwelchen vermeintlichen Celebrities initiiert gibt, bei denen die Hilfeempfänger auf Social Media geradezu betteln, den Initiator lobpreisen und an sonsten mehrmals am Tag „Hosanna“ schreiben müssen, nur damit sie mal mit 500,- oder 1000,- Pesos bedacht werden…