Vorstellung philippinischer Städte

Marawi City — Geschichte, Belagerung 2017 und die Lage heute

Marawi (offiziell: Islamic City of Marawi) ist die Hauptstadt der Provinz Lanao del Sur am Ufer des Lake Lanao. Die Stadt ist das kulturelle Zentrum der Maranao, eines muslimischen Volkes mit reichen künstlerischen Traditionen (Torogan-Häuser, Okir-Schnitzereien, das Darangən-Epos, Kulintang-Musik) und einer eigenen Identität im südlichen Mindanao. Die Maranao-Kultur und religiösen Institutionen prägen Stadtbild und Alltagsleben.

Anmerkung: Mein einziger Besuch in der Stadt Marawi war Anfang des Jahres 1984.

Sechs Jahre nach der Belagerung von Marawi City

Kurz zur Geschichte

Marawi hieß früher Dansalan und war seit langem regionales Zentrum am Seeufer. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt als politisches und wirtschaftliches Zentrum der Region Lanao; seit 2000er Jahren ist Marawi außerdem ein Schlüsselort im längeren Moro-Konflikt zwischen staatlichen Kräften und verschiedenen islamistischen/Rebellengruppen.

Die schwere Auseinandersetzung 2017 — die Belagerung von Marawi

Im Mai 2017 begannen bewaffnete Gruppen unter Führung der Maute-Brüder und Verbündeten (teilweise mit Bezug zu ISIS/IS-Netzwerken) eine groß angelegte Operation in Marawi. Die Kämpfe entwickelten sich zu einer monatelangen, intensiven Urban-Schlacht (23. Mai bis 23. Oktober 2017), in die reguläre Armeeeinheiten, Spezialeinheiten, Luftstreitkräfte und die Polizei involviert waren. Die Militanten besetzten zentrale Gebäude (u. a. Universitätsgebäude, städtische Einrichtungen) und verbreiteten Terror in Teilen der Stadt; die Regierung erklärte schließlich die Befreiung der Stadt Ende Oktober 2017.

Wirkung und Opfer: Die Kämpfe forderten hunderte Tote und führten zur umfangreichsten Binnenvertreibung in der jüngeren philippinischen Geschichte — nach verschiedenen Schätzungen wurden mehrere hunderttausend Menschen vertrieben. Gebäude, Stadtviertel und kulturelle Stätten (inkl. Moscheen und Schulen) wurden massiv zerstört; die urbane Kampfweise, Einschläge durch Luftangriffe und Haus-für-Haus-Operationen hinterließen weite Teile der Innenstadt als Trümmerfeld.

Humanitäre Folgen und Gefahren danach


Bildnachweis: https://www.nbcnews.com/

Die unmittelbare humanitäre Krise umfasste Massenvertreibung, humanitäre Notlagen in Übergangsunterkünften, den Zerfall lokaler Infrastruktur (Wasser, Strom, Gesundheit) und die psychologische Traumatisierung einer großen Zahl Rückkehrwilliger. In den Jahren nach 2017 blieb die Räumung von Gefahrenzonen (inkl. blindgängiger Munitionsrückstände) eine zentrale Hürde für eine sichere Rückkehr.

Wiederaufbau und Rehabilitation — Stand heute


Bildnachweis: https://www.pna.gov.ph/

Der Wiederaufbau von Marawi ist ein mehrjähriges, komplexes Projekt mit nationalen und internationalen Gebern sowie speziellen Task Forces. Offizielle Programme (Task Force Bangon Marawi und später eingerichtete Behörden) haben Wiederaufbauprojekte für Wohnsiedlungen, Infrastruktur, Schulen und Wirtschaftsförderung gestartet. Laut verfügbaren Berichten waren bereits mehrere Jahrzehnte nach dem Konflikt große Flächen wiederaufgebaut; es gibt aber weiterhin Bereiche mit langsamer Rückkehr, komplizierten Eigentumsfragen und Infrastruktur-Lücken. Im Dezember 2024 wurde eine neue Regierungsstelle (Office of the Presidential Adviser for Marawi Rehabilitation and Development, OPAMRD) geschaffen, um Rehabilitation und Entwicklung künftig zu koordinieren.

Wirtschaftlich berichteten lokale Behörden und staatliche Stellen 2024 über Anzeichen der Erholung: Registrierung von Immobilien, Wiederaufnahme von Handelstätigkeiten und Rückkehr kleinerer Unternehmen in Teilen der Stadt. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Wiederaufbau überall abgeschlossen wäre — viele Familien haben weiterhin Anspruchs-/Entschädigungsfragen, und öffentliche Dienste müssen lokal noch stabilisiert werden.

Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft heute


Bildnachweis: https://mirror.pia.gov.ph/

  • Kultur: Die Maranao-Kultur bleibt lebendig — traditionelle Musik (Kulintang), Tänze, Weberei und Holzmetall-Handwerk sind nach wie vor zentral für Identität und lokales Prestige. Feste und kulturelle Programme werden genutzt, um Gemeinschaft und Heilungsprozesse zu stärken.
  • Wirtschaft: Wirtschaftliche Aktivitäten basieren zunehmend wieder auf Handel, kleinen und mittleren Betrieben, Fischerei (Lake Lanao) und Dienstleistungen. Hilfeprojekte (öffentliche Wohnungen, Infrastruktur) zusammen mit privaten Investitionen treiben schrittweise eine wirtschaftliche Belebung voran; dennoch sind Arbeitslosigkeit, Kapitalmangel und Marktzugang für Rückkehrer weiterhin Probleme.
  • Soziales: Viele Rückkehrende müssen verlorenes Eigentum, Dokumentation und traumatische Erlebnisse bewältigen. Programme zur psychosozialen Unterstützung, zur Landrechtsklärung und zur Förderung lokaler Wirtschaft sind entscheidend, damit Rückkehr nachhaltig wird.

Herausforderungen und offene Fragen

  1. Vollständige Räumung und Sicherheit: Blindgänger und nicht detonierte Sprengsätze verzögern Flächenfreigabe.
  2. Eigentumsrechte: Nach Zerstörung vieler Häuser sind Land- und Eigentumsstreitigkeiten nicht immer gelöst.
  3. Sozio-ökonomische Integration: Zur nachhaltigen Wiederaufbau-Ökonomie braucht es Investitionen, Arbeitsplätze und Zugang zu Krediten.
  4. Versöhnung und Governance: Politische Stabilität, partizipative Planung und Einbeziehung lokaler Führungen sind nötig, damit Projekte kulturell sensibel und akzeptiert sind.


Bildnachweis: https://www.aljazeera.com/

Fazit

Marawi ist ein Ort mit reicher maranaoter Tradition, der durch die Belagerung 2017 schwere Zerstörung erlitt. Seitdem läuft ein mühsamer Prozess von Reintegration, Reparatur und Wiederaufbau, der Fortschritte verzeichnet, aber weiterhin vor beträchtlichen praktischen, sozialen und politischen Herausforderungen steht. Die Situation ändert sich schrittweise: Einige Teile der Stadt leben wieder auf, kulturelles Leben und Handel erholen sich, doch Vollendung und nachhaltige Stabilität brauchen noch Zeit, Ressourcen und kontinuierliche, lokal eingebundene Anstrengungen.

4 „Gefällt mir“