Vorstellung der philippinischen Provinzen

Lanao del Sur – Kultur, Natur und Wandel im muslimischen Herz Mindanaos


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Die Provinz Lanao del Sur liegt auf der südlichen philippinischen Insel Mindanao und gehört zur Bangsamoro Autonomous Region in Muslim Mindanao (BARMM). Sie ist geprägt von einer überwiegend muslimischen Bevölkerung, einer starken Maranao-Identität und einer Landschaft, die vom gewaltigen Lake Lanao dominiert wird. Trotz vieler Herausforderungen besitzt die Provinz ein reiches kulturelles Erbe, bedeutende Naturressourcen und ein wirtschaftliches Potenzial, das sich langsam entfaltet.

Kurzer historischer Überblick

Historisch war Lanao del Sur Teil des alten Sultanats von Lanao, das sich aus mehreren miteinander verbundenen Fürstentümern zusammensetzte. Die Region widersetzte sich lange sowohl der spanischen als auch später der amerikanischen Kolonialmacht. Der Islam spielte dabei eine zentrale Rolle als religiöse, kulturelle und politische Ordnung.
Erst im 20. Jahrhundert wurde Lanao in die philippinische Staatsstruktur integriert. 1959 entstand aus der Teilung der früheren Provinz Lanao die heutige Provinz Lanao del Sur. Politische Spannungen, Autonomiebestrebungen und bewaffnete Konflikte prägten über Jahrzehnte das Bild der Region.


Landschaft und touristische Möglichkeiten

Touristisch ist Lanao del Sur kaum erschlossen, bietet aber außergewöhnliche landschaftliche und kulturelle Reize:


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Lake Lanao

Der Lake Lanao ist einer der größten Seen der Philippinen und gilt als spirituelles Zentrum der Maranao. Er speist den Agus-Fluss, der für die Wasserkraftversorgung Mindanaos von zentraler Bedeutung ist. Die Umgebung des Sees ist grün, hügelig und teilweise noch sehr ursprünglich.

Wasserfälle und Natur

  • Maria Cristina Falls (teilweise in Lanao del Norte, aber kulturell eng verbunden)
  • Zahlreiche kleinere Wasserfälle und Flusssysteme im Landesinneren
  • Bergige Regionen mit guter Aussicht auf den See und umliegende Ebenen


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Marawi City

Die Provinzhauptstadt Marawi ist als „Islamic City of the Philippines“ bekannt. Moscheen prägen das Stadtbild, darunter die große Islamic Center Moschee. Marawi ist weniger touristisch im klassischen Sinne, bietet aber tiefe Einblicke in das urbane Leben der muslimischen Bevölkerung Mindanaos.

Tourismus beschränkt sich derzeit überwiegend auf Inlandstourismus, religiöse Besuche, Bildungsreisen und Familienbesuche aus anderen Teilen Mindanaos.


Kultur und Gesellschaft der Maranao

Die Kultur der Maranao ist eine der ausgeprägtesten und reichsten indigen-muslimischen Kulturen der Philippinen.

Traditionen und Kunst


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  • Okir-Schnitzkunst mit floralen und geometrischen Motiven
  • Aufwendig verzierte Häuser, traditionelle Kleidung und Schmuck
  • Bedeutende mündliche Überlieferungen wie das Epos Darangen, das zum UNESCO-Weltdokumentenerbe zählt

Religion und Alltagsleben

Der Islam bestimmt Alltag, Rechtsempfinden und gesellschaftliche Strukturen. Moscheen, Madrasas und religiöse Feste haben eine zentrale Rolle im Gemeinschaftsleben. Gleichzeitig existieren starke Familien- und Clanbindungen, die Politik und Wirtschaft maßgeblich beeinflussen.

Bildung


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In Marawi und Umgebung befinden sich mehrere Universitäten und Colleges, darunter die Mindanao State University, die Studierende aus vielen Teilen Mindanaos anzieht und eine wichtige Rolle im interkulturellen Austausch spielt.


Wirtschaftliche Grundlagen der Provinz

Die Wirtschaft von Lanao del Sur ist überwiegend agrarisch geprägt:

Landwirtschaft

  • Reis, Mais und Kokosnüsse
  • Gemüseanbau für regionale Märkte
  • Fischerei im Lake Lanao

Handel und Kleingewerbe

Viele Familien leben vom lokalen Handel, Märkten, Transportdiensten und kleinen Handwerksbetrieben. Besonders in Marawi ist der informelle Sektor stark ausgeprägt.

Energie und Ressourcen

Der Agus-Fluss mit seinen Wasserkraftwerken ist von nationaler Bedeutung. Die Provinz selbst profitiert davon jedoch bislang nur begrenzt, was immer wieder zu politischen Diskussionen führt.

Entwicklungshemmnisse

  • Unsichere Investitionsbedingungen
  • Schwache Infrastruktur außerhalb der Städte
  • Abhängigkeit von staatlichen Zuwendungen und Hilfsprogrammen


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Die heutige Situation in Lanao del Sur

Nach Jahrzehnten der Unsicherheit befindet sich Lanao del Sur in einer Phase des langsamen Wiederaufbaus und der Neuorientierung. Besonders der Wiederaufbau von Marawi nach den schweren Zerstörungen im Jahr 2017 ist ein zentrales Thema. Fortschritte sind sichtbar, verlaufen jedoch schleppend und unter großer öffentlicher Beobachtung.

Die Eingliederung in die Bangsamoro Autonomous Region hat neue politische Strukturen geschaffen und Hoffnungen auf mehr Selbstbestimmung geweckt. Gleichzeitig bleiben Herausforderungen bestehen: Armut, eingeschränkte wirtschaftliche Perspektiven, Sicherheitsfragen und das Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Institutionen.

Trotz allem zeigt sich in vielen Teilen der Provinz ein vorsichtiger Optimismus. Bildung, lokale Initiativen und kulturelles Selbstbewusstsein gelten als Schlüssel für eine stabilere Zukunft. Lanao del Sur bleibt damit eine der komplexesten, aber auch faszinierendsten Provinzen der Philippinen – reich an Identität, Geschichte und ungenutztem Potenzial.**

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