Das deutsche Ausländergesetz ist ja in den letzten Jahren durchaus etwas weltoffener geworden, und es besteht mittlerweile - neben der Bewerbung für ein Studium - auch die Möglichkeit für einen philippinischer Staatsbürger grundsätzlich für eine duale Berufsausbildung nach Deutschland einzureisen, entweder mit
Visum zur Aufnahme einer bereits gefundenen Berufsausbildung nach § 16a AufenthG, oder
Visum zur Ausbildungsplatzsuche nach § 17 Abs. 1 AufenthG, wenn noch kein Ausbildungsplatz vorliegt.
Der praktisch bessere Weg wäre sicher über einen konkreten Ausbildungsplatz in Deutschland, also regelmäßig einen unterschriebenen Ausbildungsvertrag bzw. eine Zusage eines Ausbildungsbetriebs. Das Visum kann dann für eine betriebliche oder schulische Berufsausbildung erteilt werden. Die KI nennt folgende Voraussetzungen:
Nachweis eines konkreten betrieblichen oder schulischen Ausbildungsplatzes in Deutschland
Deutschkenntnisse: In der Regel B1 GER, sofern die Bildungseinrichtung die Sprachkenntnisse nicht selbst geprüft hat oder kein vorbereitender Deutschkurs absolviert wird
Lebensunterhalt: Muss gesichert sein; bei betrieblicher Ausbildung kann die Ausbildungsvergütung genügen
BA-Zustimmung: Bei betrieblicher Ausbildung wird die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit im Visumverfahren intern eingeholt
Nach dem Gesetz hört sich das ja alles recht praktikabel an (die Deutsch Ausbildung wäre natürlich vorab zu finanzieren). Aber gibt es denn irgendwelche praktischen Erfahrungen von Foristen zu diesem Thema oder ist es alles nur Theorie?? Insbesondere ist ja die deutsche Botschaft nicht gerade für eine hilfreiche Unterstützung zur Gewinnung von Fachkräften bekannt, sondern verhindert ja eher solche Möglichkeiten.
Während meines letzten Krankenhausaufenthalts konnte ich mit einigen Pflegeschülerinnen sprechen, die genau diesen Weg gewählt haben. Sie sagten alle, dass der Visaprozess recht unproblematisch war (Zusage des Arbeitgeber sowie Deutsch Zertifikat waren natürlich vorhanden). Filipinas waren nicht dabei. Die jungen Frauen kamen aus Marokko, Indien und Madagaskar.
wenn ich mich recht entsinne kann evtl @diogenes was aus Erfahrung sagen oder täusche ich mich da ?
Generell funktioniert das schon habe ich auch schon öfter gelesen. Die Botschaft „hilft“ da nicht sondern man muss schon die Voraussetzungen aufbringen.
Visum zur Ausbildungssuche soll besser sein, da ein Visim für eine Ausbildung mit Vertrag direkt erst genau ab dem Tag des Ausbikdungsbeginnes gilt.
Problem ist eben: man muss mind bis b1 auf den Phils lernen und man braucht einen „Sponsor“ der eine VE abgibt.. also für eine mittellose Filipina alleine quasi unmöglich.
Andererseits hat gerade wieder ne Cousine von der Frau eines Kumpels ein Visum zum Sprachkus bekommen relativ problemlos musste nur a1 auf den Phils lernen.
Aber auch hier man braucht halt jemand der die VE abgibt. Problem bei Sprachkurs Visum ist regelmässig dass man kaum einen Kurs findet welcher bei Nichterteilung des Visums die Kosten erstattet.
@Prof
Die Voraussetzungen sind sehr gut auf der Webseite der Botschaft beschrieben, daher keine KI notwenrig
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Aussage korrekt ist. Wie sollte das in der Praxis funktionieren? Der oder die Auszubildende hat nach Einreise Einiges zu erledigen. Anmeldung, Aufenthaltstitel beantragen, Konto eröffnen, Wohnungssuche und usw. Das kann unmöglich am Beginn der Ausbildung erledigt werden. Ich finde allerdings keine konkrete Angabe. wie früh die Einreise zulässig ist.
Die KI sagt mir Folgendes:
Mit einem Visum zur Berufsausbildung ist die Einreise nach Deutschland grundsätzlich möglich, sobald das nationale Visum (meist D-Visum) erteilt wurde. Die Einreise erfolgt typischerweise kurz vor Beginn des Arbeitsvertrags oder des Deutschkurses, oft 3 bis 6 Monate im Voraus gültig.
Ich habe leider nur ein paar Erfahrungen mit der Anerkennung beruflicher Abschlüsse (da sind dann ggf. Aufstockungskurse erforderlich) und Au Pair Aufenthalten aber nicht wie man hier als Filipino einen Ausbildungsplatz einschließlich des erforderlichen Visums bekommt.
Ich glaube, das Hauptproblem sind eher die Phil. Behörden und nicht die deutsche Seite, hier kann man ein entsprechendes Visum bei Erfüllung der Voraussetzungen (Sponsor mit VE ist natürlich erforderlich) sicherlich problemlos erhalten. Aber alles, was in Richtung Arbeitsmigration geht (incl. bezahlter Berufsausbildung) will der phil. Staat kontrollieren und reglementieren - er fürchtet nichts mehr als den freien Personenverkehr; es könnten ihm dann doch Einnahmen wegbrechen.
Daher wird ohne Zustimmung des Department of Migrant Workers (DMW) m.E. keine legale Ausreise für eine bezahlte Berufsausbildung in Deutschland möglich sein. Das ist auch sicher einer der Gründe, warum es so wenig praktische Erfahrungsberichte von Usern gib! Der Umweg über ein Sprachkurs Visum scheint mir daher die zielführende Lösung zu sein!
ja wobei dieser Hinweis nur beim Visum zur Ausbildung steht und nicht zur Suche.
Aber ja abklären sollte man es trotzdem. Vor allem ist der Hinweis meine ich relativ neu auf der Webseite
„Nach Erhalt des Visums müssen Sie eine Ausreiseerlaubnis einholen. Sie benötigen dafür eine Beglaubigung der Übersetzung Ihres Ausbildungsvertrages ins Englische durch die Philippinische Botschaft oder Konsulate in Deutschland. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die Philippinische Botschaft in Berlin. Die Deutsche Botschaft Manila kann Sie bezüglich der philippinischen Ausreisegenehmigung nicht unterstützen.“
Diese „Ausreiseerlaubnis“ ist nichts weiter als eine staatliche Gängelung bzw. faktische Blockade durch das DMW. Denn das phil. System basiert auf diversen staatlichen Zwangsabgaben für den Export ihrer Arbeitskräfte (OFWs), die bei Direktanwerbung gefährdet wären:
Zunächst mal die Placement Fees für die Vermittlung über eine lizenzierte philippinische Recruitment Agency - sicher der lukrativste Part und gestaffelt nach der „Wertigkeit“ des Ziellandes.
DMW-Processing Fees für die Erlaubniserteilung
Monatliche Beiträge der OFWs für Pag-IBIG, PhilHealth und SSS.
Eine Arbeitssuche durch Eigeninitiative (Direct Hire) ist in diesem System nicht erwünscht und ist daher stark reguliert, weil Direktanwerbung grundsätzlich verboten bzw. nur mit Ausnahme/Clearance zulässig ist. Für solche Fälle gibt es einen eigenen Direct Hire Process und folgende Unterlagen werden z.B. gefordet:
Reisepass mit mindestens einem Jahr Gültigkeit
gültiges Arbeitsvisum, Entry Permit oder Work Permit
Employment Contract oder Offer of Employment, verifiziert durch POLO/MWO oder, je nach Land, durch Botschaft/Konsulat/Apostille-Verfahren
Arbeitgeberprofil / Business License / Commercial Registration
ggf. POLO/MWO Endorsement Letter zur Ausnahme vom Direct-Hire-Verbot
zusätzliche landes- oder berufsspezifische Unterlagen
Das ganze Verfahren gleicht einer „Sippenhaft“ für philippinische Arbeitskräfte, die quasi gezwungen werden über offizielle phil. Recruitment Agenturen gegen hohe Zwangsabgaben ihre ausländischen, in der Regel befristeten Tätigkeiten zu suchen.
Man muss es sich nur einmal praktisch vorstellen:
Ein Filipino hat einen Berufsausbildungsplatz in Deutschland gefunden, die notwendigen Deutschkurse bereits absolviert und das Visum der DBM bekommen.
Die Ausreise kann jedoch jederzeit am Flughafen blockiert werden, da die notwendige Ausreiseerlaubnis nicht vorliegt.
Aufgrund der Unwägbarkeiten der philippinischen Administration und der Pflicht, über staatliche Agenturen gehen zu müssen, machen die Ausbildungssuche auf Eigeninitiative ja überhaupt keinen Sinn für einen motivierten jungen Menschen! Es bleiben also nur Umwegkonstruktionen (über Touristen- oder Sprachkurs-Visum) und damit aus Sicht des philippinischen Rechts an sich illegale Wege der Ausreise nach Deutschland für den Beginn einer Berufsberufsausbildung. Eigentlich unglaubliche Zustände!
So ähnlich passiert: die Person hatte einen Arbeitsvertrag, Visum (keine Deutschkenntnisse erforderlich da highly skilled professional) und alles war fertig, da das aber ohne Agentur ging, gab es keine Ausreiseerlaubnis und es musste eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden.
ja die DBM schreibt ja sogar dass eine Ausreiseerlaubnis erforderlich ist. Die Frage ist wie schwierig ist es diese zu bekommen für eine Ausbildung.
Ich meine ich zu erinnern dass dieser Punkt vor 1-2 Jahren noch nicht da stand und man in einem anderen Forum der Mejnugn war dass diese auch nicht erforderlich ist, da es „Ausbildung“ in dem Sinne auf den Phils nicjt gibt.
Also scheint sich ja was geändert zu haben. Wenn es recht einfsch ist dann ist es ja kein Problem..
Nebenbei nicht vergessen: Auch wenn man verheiratet ist braucht die Filippina eine Erkaubnis aka CFO Zertifikat.. Das kann sehr easy sein, wenn der D Partner z.b. aber schon geschieden ist aber auch im Einzelfall unerwartet komploziert werden wenn man dann das Scheidungsurteil des D Partners übersetzt haben will z.b.
Man kann sich natürlich „aufregen“ über dieses Gesetz- aber es ist nunmal ein Phil Gesetz was man mE respektieren sollte
Was mich eher interessieren würde warum will ein „junger motivierter Pinoy“ unbedingt nach D um eine Berufsausbildung zu machen ? Wie kommt man gerade auf D ..
Na gut, es geht konkret um unseren Enkel, die Oma und die Tante leben bereits in Deutschland - insofern wäre eine soziale Einbindung bereits vorhanden
Warum sollte eine duale Berufsausbildung in D inklusive der Vorteile des deutschen Sozialsystems so abwegig sein ? In den Philippinen gibt es jedenfalls keine Berufsausbildung mit laufender Gehaltszahlung, KV-Absicherung, etc. Von der Qualität der Ausbildung mal ganz abgesehen. In D suchen die Betriebe wg. der Überalterung händeringend nach Nachwuchs; in den Philippinen gibt es eine große Jugendarbeitslosigkeit, keinerlei finanzielle oder soziale Absicherungssysteme.
Dein Einwand klingt ja so, als ob die deutsche Ausbildung überhaupt keine Qualität hätte, obwohl uns alle Welt um die duale Berufsausbildung beneidet! Oder meinst du Deutschland wäre schon im wirtschaftlichen Niedergang begriffen? Noch ist Deutschland mit seinem BIP die drittstärkste Wirtschaftskraft weltweit, auch wenn es derzeit etwas schwächelt. Die Philippinen liegen übrigens im globalen BIP Ranking auf Platz 35, nur um mal den Unterschied zu Deutschland klarzumachen.
Was mich aber auch wundert, ist, dass es hier offenbar überhaupt keine Foristen gibt, bei denen philippinische Familienmitglieder in Deutschland studieren oder eine Ausbildung absolviert haben. Das Forum scheint nur auf Heiratsthemen fokussiert zu sein, wo aber die philippinische Familie besser in den PHP bleiben sollte oder Abwanderung in die Philippinen aufgrund der dortigen günstigeren Lebenshaltungskosten. Deutschland scheint als Ausdbildungsstandort oder Arbeitsmarkt für die deutsch-philippinische Familien in diesem Forum jedenfalls keine Rolle zu spielen.
In dem Fall unseres Enkels ist natürlich die familiäre Anbindung ein wichtiger Punkt. Dazu gibt es ja auch Filipinos, die die soziale Absicherung in Deutschland schätzen.
@wumk Ach so, dann seid ihr diesen Weg schon konkret gegangen und für welchen Ausbildungsberuf konkret? Hat euer Enkel dann vorab in den Philippinen im Goethe-Institut den Deutschkurs absolviert? Und wie habt ihr die Ausreise-Genehmigung durch das DMW geschafft?