Philippinen, das Land der Sonnenschirme, Hüte und Fächer

Aus dem Fundus von Wolfgang Bethge

Im Land der Sonnenschirme, Hüte und Fächer.

Dass das Sonnensymbol auch in der Flagge der Philippinen auftaucht, hat vermutlich einen tieferen, vielleicht nicht ganz klaren Grund.

Das Land ist nicht allein – wie Rizal in seinem Abschiedsgedicht „Mi Ultimo Adios“ betonte – „von der Sonne getragen“. Außerdem kann die Sonne so heiß brennen wie ein riesiges Bügeleisen. Gegen die negativen Folgen einer sengenden Sonne müssen Vorkehrungen getroffen werden. Hier einige unvollständige Anmerkungen zum Thema Sonnenschutz auf den Philippinen und wie die Menschen mit heißer, stehender Luft umgehen.

Sonnenschirme

Als erstes müssen wir Regenschirme erwähnen. Während sie in nördlichen Ländern meist als Schutz vor Regenschauern dienen, müssen Regenschirme auf den Philippinen in erster Linie als Sonnenschutz dienen. Besonders die philippinischen Damen bevorzugen eine helle Haut und mögen es nicht, als Bau- oder Straßenarbeiterin braun zu sein. Eine braune Hautfarbe ist für den sozialen Status nicht gerade förderlich.

Bei einem tropischen Sturm oder einem Taifun verliert ein Regenschirm allerdings seine Daseinsberechtigung. Bei einer unglücklichen Wendung oder Seitenwind besteht immer die Gefahr, dass sich der Schirm umstülpt.

Selbst in ärmeren Haushalten auf den Philippinen sind zahlreiche Sonnenschirme zu finden: Große, unter denen auch zwei Personen Platz finden oder kleinere, handlichere, etwa mit kurzem oder langem Stiel. Und meist findet man auch in der Ecke des Hauses Schirme mit kaputten Streben oder gerissener Bespannung.

Die Farben können alle Farbspektren des Kaleidoskops darstellen, obwohl aufgrund der besseren Sonnenreflexion hellere Farben empfohlen werden. Die Frage, welche Farbe eine schöne Frau haben sollte, kann Frauen stundenlang beschäftigen: Beige und Hellgrün, oder Gelb und Blau, Rot, Orange und Gelb oder doch Beige und Hellgrün? Ein kluger Mann sollte sich während solcher Beratungen zurückziehen.

Sonnenschirme bieten nicht nur Schutz vor starker Sonneneinstrahlung. Längere Varianten können auch als Spazierstock dienen. Man kann damit im Müll stochern oder schnell etwas in den Sand zeichnen.

Verfügt der Regenschirm zusätzlich über eine Metallspitze, eignet er sich auch gut als Schlag- oder Stichwaffe. Auch in den Kampfsportarten Escrima oder Arnis kommen Schirme als Waffen zum Einsatz. Besonders junge Frauen schätzen diese Art der Verwendung, da es in einer Situation aus Angst und Zittern manchmal sehr schwierig ist, das Pfefferspray oder andere Hilfsmittel in der Tasche zu finden.

Der Einsatz als Waffe ist allerdings eher das letzte Mittel. Ein anmutiger Payong-Tanz einer jungen Filipina mit herrlich bunten Sonnenschirmen vermittelt sicherlich ein friedlicheres Bild.

Bei Einbruch der Dunkelheit kann es schwierig sein, die auf philippinischen Bürgersteigen allgegenwärtigen Löcher, Krater, Kanten, Abbrüche und sonstigen Hindernisse zu erkennen. Kein Problem, wenn Sie einen Schirm mit integrierter Taschenlampe haben.

Auch ein Sonnenschirm ist gut als Kontaktmöglichkeit. Vielleicht haben Sie an einem heißen Tag schon einmal eine junge Dame ohne Sonnenschirm gesehen. Vielleicht probierst Du es ja mit folgendem Angebot: Haika. Sukob na” („Komm her – teile meinen Regenschirm“). Vielleicht hast du keinen Regenschirm, aber das Mädchen hat einen. Dann könntest du sie etwas frech fragen: „Darf ich deinen Regenschirm teilen?“ Wir wünschen Ihnen viel Erfolg.

Natürlich besteht auch auf den Philippinen das ständige Risiko eines Verlustes im Supermarkt, im Jeepney oder auf der Bank. Es ist eine Frage der Vorsorge, ob der Verlust auf nur einen Schirm pro Jahr beschränkt werden kann. Auch Sonnenschirme haben ihren Preis und einen kostenlosen mit Werbeaufdruck und Werbelogo zu bekommen ist manchmal schwer. In jüngerer Vergangenheit wurden Schirme mit Slogans auch als Propagandainstrumente eingesetzt, etwa für das „Stillen“. Wir hoffen, dass Ihnen ausgerechnet dieser dekorative Regenschirm, den Sie vielleicht für viel Geld auf einer Auktion philippinischer Künstler ersteigert haben, nicht verloren geht.

Manchmal ist es mit einem größeren Regenschirm schwierig, im dichten Passantenverkehr auf den Gehsteigen zu gehen. Vielleicht ist Ihre Höflichkeit auf die Probe gestellt: „Sie vor“, „Nach Ihnen, bitte“ oder „Nein, Sie zuerst“ sind in diesem Fall Standardsätze. Kollisionen bleiben nicht aus. Auch kann es passieren, dass Sie trotz aller Manöver Opfer einer riesigen Pfütze werden, wenn es dunkler ist und Sie Ihren Regenschirm nah an Ihr Gesicht halten. Manche bevorzugen daher einen (teilweise) transparenten Schirm, um eine bessere Sicht auf die Umgebung zu haben.

Bei wechselhaftem Wetter gibt es – neben den vielen Mischtypen – zwei Typen von Menschen, die dem Wetter grundsätzlich nicht über den Weg trauen. Meine philippinische Frau gehört zum

  • Typ I. Nur wenn hier in „Altdeutschland“ eine kleine Wolke am Himmel ist, greift sie nach ihrem Regenschirm, als wolle sie einen Regenschauer provozieren.

  • Typ II ist grundsätzlich resignierter. Personen dieser Klassifizierung wissen, dass wenn sie ihren Schirm mitnehmen, die Sonne vom Himmel lacht. Wenn sie aber keinen Schirm mitnehmen, dann wird es regnen. Angesichts solcher unvermeidlichen Fehleinschätzungen weigern sie sich ohnehin, einen Schirm mitzunehmen.

Hüte und Kopfbedeckungen

Regenschirme haben die unangenehme Eigenschaft, dass sie mit einer Hand gehalten werden müssen. Bei der Arbeit mit zwei Händen kann ein Schirmhut geeignet sein. Und mit dieser Bemerkung werden Kopfbedeckungen und Hüte zum Thema. Bei Kopfbedeckungen ist die Auswahl groß und in unserer Galerie können wir nur einige wenige präsentieren;

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Die Auswahl beginnt bei den von Fischern häufig getragenen Kopftüchern und setzt sich fort bei billigen Plastik-Mützen mit und ohne Kopfbedeckung oder Werbeaufschrift (B, C mit Nackenschutz). Mützen ohne umlaufende Krempe, wie beispielsweise das bekannte Barett, bieten kaum Schutz vor der Sonne. Wer auf ganz besondere Weise seine Solidarität mit den Bauern der südostasiatischen Länder zeigen möchte, wählt vielleicht einen Reisstrohhut (E), der sehr schnell eine bräunliche Farbe annimmt oder den konischen Bambushut mit Kinnband. Wer koloniale oder imperiale Ansichten noch nicht abgelegt hat, wird sich vielleicht für einen Tropenhelm (F) entscheiden. Auf den Philippinen sollte er jedoch nicht das japanische Kriegsmodell übernehmen. Tante Esmeralda findet, dass der Daisy-Hut (G) ihr steht. Auch ein Sombrero-Hut (H) ist gut geeignet. Der ehemalige Präsident der Deutschen Demokratischen Republik Honnecker bevorzugte bei seinen Reisen in die Tropen Panamahüte (I). Aufgrund der aufwendigen Verarbeitung können Panamahüte recht kostspielig sein. Strohhüte – hergestellt aus der Abaca-Pflanze, der Talipot-Palme, Reis- oder Toquilla-Stroh – sind grundsätzlich zu empfehlen, da sie luftdurchlässig sind und ausreichend Schutz vor Regen bieten.

Auf eine Mütze mit eingebauter Klimaanlage müssen wir noch warten.

Handfächer

Auf den Philippinen leiden die Menschen sehr oft unter der stagnierenden, heißen, feuchten Luft und würden ein Königreich für eine frische, kühle Brise hergeben. Wer über eine Klimaanlage oder einen elektrischen Ventilator verfügt, kann sich glücklich schätzen. Aber sie sind nicht überall verfügbar. Dann kann jede breitere, flache Oberfläche wie beispielsweise eine gefaltete Zeitung hilfreich sein. Ob eine gefaltete Zeitung allerdings genauso viel Frischluft erzeugt wie ein besserer Ventilator, ist fraglich.

Fächer haben eine lange historische Tradition. Schon die alten Ägypter fächelten ihren Herrschern mit riesigen Fächern frische Luft zu. Auch die Chinesen können auf eine lange Fan-Tradition zurückblicken. Sie entwickelten viele Ventilatortypen mit teilweise ausgefeilter Technik und wunderschönen Verzierungen. In Europa hatte der Fächer seine Blütezeit insbesondere im Zeitalter des Rokoko. Für die adeligen Damen dieser Zeit war es eine unverzichtbare Ausstattung. Heute sind Handfächer in den nördlichen Ländern „aus der Mode“. Wenn wir das richtig sehen, versucht lediglich der Modefan Karl Lagerfeld, seinen hohlen Worten durch das Wedeln mit einem Fächer mehr Gewicht zu verleihen.

Auf den Philippinen ist die Situation völlig anders. Handfächer, manchmal auch „Abanikos“ genannt, sind wie Besen in fast jedem Haushalt zu finden. Es wird auch von Männern verwendet. Das folgende Bild zeigt einige der Fans, die auf den Philippinen zu finden sind:

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Überall in der Provinz ist der einfache Fächertyp (A) zu finden. Meistens wird es aus der Buri-Palme hergestellt. Der Lolli-Fächer (B) passt in die moderne Werbewelt. Der Fan (C) ist für Kirchgänger und soll der Öffentlichkeit Glauben und Hingabe demonstrieren. Typ D zeigt einen dekorativeren Fächer. Dekorative Fächer sind mehr als ein Gebrauchsgegenstand, sie sind auch ein Statussymbol. Laken können aus Papier, Seide, Leder (sogar Schwanenhaut) bestehen und sind manchmal mit schimmernden Pailletten bestickt und mit Blumenmotiven bemalt. Auch die äußeren Deckstäbe, welche den Ventilator schützen, können dekoriert werden. Teure Edelvarianten zeigen gelegentlich ein Gestell aus Schildpatt, Horn, Perlmutt oder Elfenbein und vielleicht ziert ein Edelstein die Dornen.

Manchmal sieht man auf den Philippinen junge Tänzerinnen, die Kastagnetten und Handfächer in den Händen halten. Dank Jose Rizal hat der Fächer auch eine gewisse kulturelle Bedeutung erlangt. Maria Clara ist eine seiner Hauptfiguren im Roman „Noli me tangere“ und lange Zeit besaß das Frauenidol auf den Philippinen auch einen kostbaren Handfächer. Lassen Sie uns Jose Rizal kurz zitieren:

… sie zeigte ihre Liebe mit jener jungfräulichen Bescheidenheit, die nie etwas anderes als reine Gedanken hatte und die Bedeutung von falschem Erröten nicht kennt. Während sie ihr Gesicht mit einem Fächer bedeckte, wenn sie gehänselt wurde, lächelten ihre Augen immer noch über den Fächer… Alle starrten in Ekstase auf die Schönheit von Maria Clara und einige alte Frauen murmelten, während sie ihren Buyo kauten: „Sie sieht aus wie die Jungfrau!”.

Gegenüber ihrem Fächer bringt Maria Clara eine gewisse Verlegenheit zum Ausdruck. Auch auf den Philippinen soll es eine Fansprache geben. Wird das Kinn mit einem Fächer bedeckt, so soll dies ein Ausdruck von Bescheidenheit sein, während schnelle Fächerbewegungen Unbehagen signalisieren.

Wir wissen nicht, ob die Fan-Sprache, eine Art Geheimsprache in stärker regulierten Gesellschaften, auf den Philippinen diese Differenzierung und Entwicklungsstufe erreicht hat, die sie insbesondere im Europa des 18. Jahrhunderts hatte. Der Fächer am linken Ohr beispielsweise signalisierte damals „Lass mich nicht mehr stören“, das Gleiten des Fächers über die Wange war eine kokette Ausdrucksform für „Ich liebe dich“ und ein auf der Lippe liegender Fächer drückte die Bitte um eine Kuss .

Vielleicht probiert Ihr einfach mal aus, ob insbesondere die beiden letztgenannten Fan-Gesten noch funktionieren. Es kann sein, dass Ihr Partner die Bedeutung der Geste nicht kennt oder sie nicht verstehen möchte. Vielleicht sind Sie die Ursache.

Schlimmer kann es nur werden, wenn Ihr Partner auf Ihre einladenden Gesten mit einem aus der Kampfkunst Eskrima bekannten Abaniko-Schlag reagiert. Beim Abaniko-Schlag erhält der Gegner wie ein Fächer weniger harte, dafür aber sehr schnelle und präzise Schläge auf unterschiedliche Körperpartien. Bitte nicht fallen.

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Den Schirm habe ich nur beim ersten Besuch gehalten. Danach war Schuss. Meine Frau verwendet einen solchen auch nicht mehr und legt sich mittlerweile in die Sonne. :upside_down_face:

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Da ich ja meist einen Hut trage brauche ich den Schirm nie.
Mag ihn auch nicht - lach.

Maria hat immer einen dabei - ausser bei plötzlich einsetzendem Regen :rofl:

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Der Schirm ist das «Markenzeichen» meiner Frau. Den hat sie immer dabei, „Rain or Shine“ :slightly_smiling_face:. Was in den Philippinen Norm ist und kein Aufsehen erregt, ist jeweils in der Schweiz bei Sonnenschein offensichtlich Grund, Erstaunen zu erregen. Es ist schon vorgekommen, dass uns aus einem vorbeifahrenden PKW zugerufen wurde, dass ja gar nicht regne :smiley:. Vielfach fragen Kinder nach, warum der Schirm bei schönem Wetter offen sei.

Selber wurde mir bei meinem ersten Aufenthalt in den Tropen bewusst gemacht, dass ein Regenschirm bei heftigen Regenfällen nicht das gelbe vom Ei sei. Ich hatte einen solchen mitgebracht. Dies zum Ergötzen sowohl der Expats als auch der einheimischen Angestellten unserer Firma. Beim ersten tropischen Starkregen drängten sie mich, mich mit meinem Schirm zu ihrem Gaudi ins herunterprasselnde Nass zu stellen. Damit erhielt ich den Beweis geliefert, dass wohl ein Schirm unter solchen Umständen nicht den erwarteten Schutz bietet. Danach brauchte ich für lange Zeit keinen Schirm mehr in den Tropen :joy:.

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