Luneta National Park – Wo sich die Geschichte der Philippinen im Herzen Manilas versammelt
Wer Manila besucht, kommt an einem Ort kaum vorbei, der wie wenige andere Plätze mit der Geschichte der Philippinen verbunden ist: dem Rizal Park, allgemein noch immer Luneta oder Luneta Park genannt.
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Mit einer Fläche von rund 58 Hektar gehört die Anlage zu den bedeutendsten innerstädtischen Grünflächen Manilas. Doch die Luneta ist weit mehr als ein großer Park mit Rasenflächen, Bäumen, Blumenbeeten und Denkmälern. Hier verbinden sich spanische Kolonialgeschichte, die philippinische Unabhängigkeitsbewegung, die Erinnerung an José Rizal, die amerikanische Kolonialzeit, die Nachkriegsgeschichte und das heutige gesellschaftliche Leben der Hauptstadt.
Von Bagumbayan zur Luneta
Das Gebiet, auf dem sich heute der Rizal Park befindet, trug früher den Namen Bagumbayan. Nach Angaben der Intramuros-Administration befand sich hier vom 16. bis zum 18. Jahrhundert eine Siedlung der einheimischen Bevölkerung, bevor das Gebiet im Zuge der Errichtung des spanischen Manila verändert wurde.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Platz zu einer offenen Promenade außerhalb der Stadtmauern von Intramuros. Die wohlhabenderen Einwohner Manilas kamen hierher, um den Abend zu verbringen. Musik, gesellschaftliche Veranstaltungen und die breite Straße La Calzada machten das Gebiet zu einem beliebten Treffpunkt.
Die La Calzada in Manila war im Jahr 1869 mit den Champs-Élysées in Paris, dem Hyde Park in London und dem Maidan in Indien vergleichbar … Heute ist der Ort als Bonifacio Drive bekannt.
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Gleichzeitig besaß dieser Ort eine zweite, wesentlich düsterere Bedeutung. Die Spanier nutzten das Gelände auch als Hinrichtungsstätte für Rebellen und politische Gegner.
Der Name Luneta geht auf das spanische „Luneta“ beziehungsweise das französische Wort lunette zurück, das eine kleine, halbmondförmige Befestigungsanlage bezeichnet. Der Name blieb erhalten, obwohl sich die Funktion und das Erscheinungsbild des Gebietes im Laufe der Zeit grundlegend veränderten.
Der 30. Dezember 1896
Der entscheidende Moment in der Geschichte der Luneta ereignete sich am 30. Dezember 1896.
An diesem Tag wurde Dr. José Rizal hier von der spanischen Kolonialmacht hingerichtet.
Rizal war Arzt, Schriftsteller und einer der wichtigsten Intellektuellen der philippinischen Reformbewegung. Seine Romane Noli Me Tangere und El Filibusterismo hatten die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse unter der spanischen Herrschaft scharf kritisiert.
Rizal selbst war kein Anführer eines bewaffneten Aufstandes. Die spanischen Behörden verurteilten ihn jedoch wegen seiner angeblichen Beteiligung an der Rebellion. Seine Hinrichtung machte ihn für viele Filipinos zum Märtyrer und verlieh dem Ort, an dem er starb, eine außergewöhnliche nationale Bedeutung.
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Heute erinnert das Rizal-Monument an diese Ereignisse. Unter dem Denkmal befinden sich die sterblichen Überreste Rizals. Vor dem Monument steht außerdem der große Independence Flagpole.
Die Wachablösung am Rizal-Monument gehört bis heute zu den sichtbaren Zeremonien des Parks.
Aus Luneta wird Rizal Park
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Manila, die durch den Krieg schwer beschädigte Stadt wieder aufzubauen.
Auch die Luneta wurde neu gestaltet. Unter Bürgermeister Arsenio Lacson wurden zwischen 1952 und 1962 zahlreiche Maßnahmen zur Erneuerung Manilas eingeleitet. Nach seinem Tod wurde die Entwicklung des Parks fortgeführt.
1963 erließ Präsident Diosdado Macapagal die Executive Order No. 30 zur Einrichtung eines Komitees zur Entwicklung der Luneta, des Quezon Memorials und weiterer Nationalparks. Aus dieser Entwicklung ging schließlich der National Parks Development Committee (NPDC) hervor.
Zwischen 1963 und 1967 wurden nach Angaben des NPDC etwa 15 Millionen Pesos in verschiedene Entwicklungsprojekte investiert. Dazu gehörten neue Gartenanlagen, kulturelle Einrichtungen, Kunstbereiche und weitere Attraktionen.
Aus der historischen Luneta entstand damit zunehmend der heutige Rizal Park.
Ein Park mit vielen Gesichtern
Wer heute durch den Park geht, findet eine erstaunliche Mischung unterschiedlicher Anlagen.
Im zentralen Bereich stehen unter anderem:
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- das Rizal Monument
- der Independence Flagpole
- der Gomburza Marker
- der Noli Me Tangere Garden
- der Chinese Garden
- der Japanese Garden
- die Gallery of Heroes
- eine musikalische Tanzfontäne
- die Flower Clock
- das Rizal Park Open-Air Auditorium
- der Senior Citizen’s Garden
- Kanlungan ng Sining, ein Bereich für Künstler
- das NPDC Museum and Archive Gallery
- der Visitor’s Center.
Im westlichen Bereich liegen unter anderem der Quirino Grandstand, das Parade Ground, Burnham Green und die San Lorenzo Ruiz Plaza.
Damit ist Luneta nicht nur ein historischer Erinnerungsort. Es ist gleichzeitig Gartenanlage, Veranstaltungsort, Erholungsgebiet, kultureller Treffpunkt und öffentlicher Raum.
Der Quirino Grandstand
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Besonders bekannt ist der Quirino Grandstand am westlichen Ende des Parks.
Die große Freifläche davor wird für öffentliche Veranstaltungen und Zeremonien genutzt. Sie bildet einen der wichtigsten repräsentativen Bereiche des Parks.
Von hier aus öffnet sich der Blick über die Roxas Boulevard-Seite Richtung Manila Bay. Die Lage macht deutlich, weshalb die Luneta nicht nur für die Geschichte, sondern auch für das öffentliche Leben der Hauptstadt eine besondere Bedeutung besitzt.
Gomburza und die Erinnerung an weitere Märtyrer
José Rizal ist nicht die einzige historische Persönlichkeit, an die Luneta erinnert.
Eine besondere Rolle spielt der Gomburza Marker.
Der Name steht für die drei philippinischen Priester Mariano Gómez, José Burgos und Jacinto Zamora, die 1872 nach dem Cavite-Aufstand von der spanischen Kolonialregierung hingerichtet wurden.
Ihre Hinrichtung wurde zu einem wichtigen Ereignis in der Entwicklung des philippinischen Nationalbewusstseins. Rizal selbst widmete ihnen seinen Roman El Filibusterismo.
So erzählt Luneta nicht nur die Geschichte eines einzelnen Nationalhelden. Verschiedene Denkmäler und Erinnerungsorte verbinden hier mehrere Stationen auf dem langen Weg zur philippinischen Nation.
Ein Stück Natur mitten in Manila
Trotz der gewaltigen historischen Bedeutung darf man nicht vergessen, dass Luneta auch ein Stadtpark ist.
Bäume, Rasenflächen, Blumen, Spazierwege und verschiedene Themengärten bilden einen grünen Kontrast zur dicht bebauten Umgebung Manilas.
Das National Parks Development Committee bezeichnet Rizal Park ausdrücklich als einen öffentlichen Park, in dem sich Familien erholen, die Natur erleben und gleichzeitig etwas über Geschichte und Kultur lernen können.
Gerade diese Kombination macht den Charakter der Luneta aus.
Ein Besucher kann sich mit der Geschichte José Rizals beschäftigen, an einem Denkmal stehen, durch einen Garten spazieren, Kindern beim Spielen zusehen oder einfach auf einer Bank sitzen und das Leben einer Millionenstadt beobachten.
Ein Ort für die Menschen
Die Luneta war bereits im 19. Jahrhundert ein sozialer Treffpunkt. Diese Funktion ist bis heute erhalten geblieben.
Das NPDC veranstaltet im Park unter anderem Konzerte, kulturelle Aufführungen, Gespräche und historische Veranstaltungen. Der Park soll ausdrücklich nicht nur ein Denkmalensemble sein, sondern ein öffentlicher Raum, der von der Bevölkerung genutzt wird.
Das ist vielleicht einer der interessantesten Aspekte des Rizal Parks.
Die Geschichte steht hier nicht in einem abgeschlossenen Museum.
Sie befindet sich mitten zwischen Spaziergängern, Familien, Kindern, älteren Menschen, Gärtnern, Sicherheitsleuten, Besuchern und den vielen anderen Menschen, die den Park im Alltag nutzen.
Die Luneta und die philippinische Identität
Der National Parks Development Committee bezeichnet Rizal Park als einen „birthplace of Philippine nationalism“.
Das ist nachvollziehbar, wenn man die Geschichte des Ortes betrachtet.
Hier wurden Menschen während der spanischen Kolonialzeit hingerichtet. Hier starb José Rizal. Später wurde an diesem Ort ein monumentales Erinnerungszeichen für ihn errichtet. Gleichzeitig entstanden weitere Denkmäler, Gärten und Einrichtungen, die verschiedene Kapitel der philippinischen Geschichte darstellen.
Die Luneta ist deshalb weniger ein einzelnes historisches Monument als eine Art Freiluftarchiv der philippinischen Nation.
Man kann durch den Park gehen und dabei buchstäblich von einem Abschnitt der Geschichte zum nächsten gelangen.
Zwischen Geschichte und Gegenwart
Heute wird Rizal Park vom National Parks Development Committee verwaltet, einer dem Department of Tourism angeschlossenen Behörde. Zu den Aufgaben des NPDC gehören die Entwicklung, Pflege und Bewahrung des Rizal Parks und des Paco Parks sowie weiterer ihm zugewiesener Parks.
Der Park ist täglich geöffnet. Nach den aktuellen Angaben des NPDC gelten für Rizal Park Öffnungszeiten von 5:00 Uhr morgens bis 22:00 Uhr, auch an Feiertagen.
Das Gelände wird weiterhin entwickelt und verändert. Gleichzeitig steht die Verwaltung vor der Aufgabe, den Charakter eines historischen Nationalparks mit den Anforderungen eines modernen öffentlichen Parks in Einklang zu bringen.
Denn Luneta soll gleichzeitig Erinnerungsort, Kulturerbe, Grünfläche und lebendiger Bestandteil Manilas bleiben.
Mehr als nur ein Denkmal für Rizal
Wer bei Luneta nur an das Rizal-Monument denkt, sieht deshalb nur einen kleinen Teil des gesamten Ortes.
Die Geschichte des Parks beginnt lange vor Rizal und reicht weit über seine Hinrichtung hinaus. Aus Bagumbayan wurde die spanische Promenade, aus der Promenade ein Ort von Hinrichtungen und politischer Erinnerung, und aus der historischen Luneta schließlich der heutige Rizal Park.
Dabei hat der Ort seine wichtigste Eigenschaft bewahrt:
Er gehört nicht ausschließlich der Geschichte.
Er gehört auch den Menschen, die heute hierherkommen.
Vielleicht ist genau das die besondere Stärke der Luneta. Ein Nationaldenkmal muss nicht zwangsläufig ein stiller, abgeschlossener Ort sein. In Manila kann Geschichte mitten im Alltag stattfinden – zwischen Bäumen und Blumen, auf Spazierwegen, bei Veranstaltungen, unter der philippinischen Flagge und im Schatten des Rizal-Denkmals.
Und so bleibt die Luneta auch mehr als 120 Jahre nach José Rizals Tod ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart unmittelbar nebeneinanderstehen.




