Moment mal! – Verknüpfte Geschichten hinter der Linse

** Der fliegende Handel – für viele Filipinos der einzige Weg zum Auskommen

In ganz Südostasien, besonders aber auf den Philippinen, ist der fliegende Handel eine allgegenwärtige Realität – eine Lebensform, die sich nicht selten als überlebenswichtig erweist. Wer durch Städte, Märkte oder selbst abgelegenere Ortschaften reist, begegnet täglich Männern und Frauen, die ihre Waren direkt auf der Straße, an Bushaltestellen, Ampelkreuzungen oder vor öffentlichen Einrichtungen anbieten.


Bildnachweis: PHILIPPINE MAGAZINE

Auf dem Bild seht ihr einen dieser fliegenden Händler – aufgenommen an einem der Eingänge zum öffentlichen Markt von Sibulan, Negros Oriental. Er verkauft Schwitztücher, auch bekannt als Gesichtstücher oder „face towels“ – ein typisches, günstiges Produkt, das sich gut an heißen Tagen an Passanten und Marktkunden verkaufen lässt. Der Verkäufer hat gerade erfolgreich ein Tuch an den Mann gebracht, was man an seinem zufriedenen Gesichtsausdruck erkennt.

Solche kleinen Momente sind es, von denen viele Menschen hier leben – wortwörtlich von der Hand in den Mund. Es geht darum, heute genug zu verdienen, um morgen Essen zu kaufen oder das Schulgeld für die Kinder zu zahlen. Eine feste Anstellung zum Mindestlohn bringt oft weniger ein als ein guter Tag auf der Straße – zumal dieser Mindestlohn (regional unterschiedlich) oft nur bei etwa 350 bis 450 Pesos pro Tag liegt (etwa 5 bis 7 Euro). Nach Abzug der Fahrtkosten, Mahlzeiten und eventueller Gebühren bleibt da nicht viel übrig.

Fliegende Händler sind kreativ, flexibel und belastbar. Sie verkaufen alles, was sich tragen oder auf einem kleinen Wagen transportieren lässt:

  • Frische Mango mit Bagoong (fermentierte Garnelenpaste)
  • Eiswasser in Plastikbeuteln
  • Ladegeräte, Zahnbürsten, Kinderspielzeug
  • Geröstete Maiskolben oder Bananen
  • Gebratene Snacks wie kwek-kwek (frittierte Wachteleier) oder balut
  • Sonnenbrillen, Uhren, Mützen
  • Gebrauchte Kleidung und sogar günstige Parfums

Einige Händler sind zu Fuß unterwegs, andere mit dem Fahrrad, einem umgebauten Tricycle oder einem tragbaren Verkaufsstand auf Rädern. Besonders rund um Märkte, Schulen, Terminals und Kirchengelände ist ihr Geschäft oft lebhaft.

Warum dieser Weg?
Viele Filipinos wählen den informellen Sektor, weil ihnen Alternativen fehlen. Ohne Ausbildung oder Beziehungen sind fest bezahlte Jobs rar, und viele reguläre Arbeitsverhältnisse sind unsicher oder unterbezahlt. Als fliegender Händler kann man zwar keine Reichtümer anhäufen, doch mit Fleiß, einem guten Standort und etwas Verkaufstalent lässt sich oft mehr verdienen als in einem offiziellen Job.

Natürlich bringt diese Arbeit auch Risiken mit sich: Wetter, Behörden, Konkurrenz, keine soziale Absicherung – aber für viele überwiegt der Vorteil der Selbstbestimmung. Man ist sein eigener Chef und lebt von dem, was man schafft.

Weitere Eindrücke davon, wie sich viele Menschen auf den Philippinen mit Kreativität und harter Arbeit über Wasser halten, findet ihr in unserer Video- und Bildergalerie im Forum. Von Straßenköchen bis hin zu Müllsammlern – jede Geschichte erzählt von Überlebenswillen und dem unerschütterlichen Alltagstalent vieler Filipinos.

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Wie Filipinos ihren Lebensunterhalt auf den Philippinen verdienen

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