Labor costs für Mauerbau

Ich habe einen umtriebigen Philippino gebeten eine kleine Mauer mit 36 Holoblocks zu bauen. Nebenbei ist er auch noch Direktor einer Schule mit 600 Schülern und hat die Aufsicht über eine riesige Shrimpfarm. Keine Ahnung wie er das managt. Jedenfalls war ja klar was das Material für die Mauer kostet. Nun ging es noch um die labor costs. Er wollte 4K dafür, seine Kalkulation war 3 worker für 3 Tage. Da musste ich etwas schmunzeln. Ich hab ihm dann 2k angeboten, also 2 worker für 2 Tage, macht 500 Piso per day. Und was soll ich sagen, nach einem Tag war alles fertig. Ich habe ihn dann darauf angesprochen, und die Antwort war: Sie haben halt zu schnell gearbeitet :flushed_face::rofl:

Ich finde ein feste Pauschale für ein Gewerk sehr hilfreich und gut. Bei uns ist es umgekehrt: wir zahlen Tageslöhne und ich habe das Gefühl, dass es daher endlos in die Länge gezogen wird. Hättest Du also Stunden- oder Tageslohn vereinbart, hätte die Mauer sicher 3 Tage gedauert. :laughing:

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Ja, das habe ich schon gelernt, Tageslohn ist kritisch. Das dauert dann halt ewig. Kann ich gut nachvollziehen, eine Quelle für langsames Arbeiten. Ich mache immer contracts aber es ist schwierig die labor costs vorab zu definieren. Siehe mein Beispiel. Da hilft nur Erfahrung. Habe schon einige Geschichten über Tageslohn gehört, das ist für den Auftraggeber ein programmierter Verlust. Nebenbei, wie hoch sind die Tageslöhne bei Euch? Hier auf Negros zwischen 300 und 500 Piso für workers. Der expert bekommt 700 bis 800.

Wir haben alles in Tageslohn gebaut.
Man muss dabei sein und aufpassen.

Eine feste Pauschale hat den Nachteil dass oft zu schnell und schlampig gearbeitet wird.

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Ein wenig Erfahrung mit dem Bauen auf den Inseln habe ich ja schon gemacht und ich werde auch in Zukunft das Tageslohnsystem verwenden, wenn wieder was ansteht.

Bei Pauschalen kann man schnell übervorteilt werden, als nicht Fachmann kann man auch gar nicht zeitgerecht die Qualität beurteilen, um evtl. rechtzeitig einschreiten zu können.

Bei der eigenen Auswahl der Materialien (u.U. mit Hilfe eines Fachmannes) und der täglichen Beaufsichtigung der Baustelle kann man schon das vertrödeln von Zeit einigermaßen managen.

Das kann ich nachvollziehen. Es erfordert aber eine permanente Kontrolle und Anwesenheit. Und ja, beim contract wird versucht den Auftraggeber zu übervorteilen. Noch eine Frage zu den Tagessätzen, sicher regional unterschiedlich, aber trotzdem interessant. Wieviel bekommt denn ein helper und expert pro Tag. Ist die Verpflegung dann schon inbegriffen oder geht das extra?

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Hier in der Provinz Iloilo bekommt der Vorarbeiter bis zu 750, Arbeiter je nach Qualifikation zwischen 400 und 600 pro Tag.
Verpflegung - Mittagessen und ein paar Kleinigkeiten am Nachmittag kommen dazu - ist aber oft nur was einfaches, fallen keine größeren Kosten dafür an.

Danke für die Info. Hier, 10 km von Bacolod in Sum ag sind die Löhne auf dem gleichen Level.

Die Kosten für unqualifizierte Helfer sind ähnlich, aber der Foreman bekommt 1000/day; er ist allerdings ein echtes Multitalent mit abgebrochenen Ingenieurstudium. Wir bauen derzeit eine Funktions Halle ohne Architekten Unterstützung.

Wor würden in Cabatuan auch Vorarbeiter um die 500 Peso/Tag bekommen, aber ich warte gern auch ein wenig bis „unser“ Vorarbeiter Zeit hat und zahle ihm gerne seine 750, da er gut ist, seine Mannschaft im Griff hat und man sich einfach auf ihn verlassen kann.

Ja, verlässliche und gut qualifizierte Facharbeiter zu finden, ist ein echtes Glücksspiel. Unser Vorarbeiter ist von Maurer- über Installations- bis hin zu Elektroarbeiten vielseitig einsetzbar.

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Wir haben grad ne Crew am Arbeiten, muss die Frau fragen was die bekommen, aber die sind recht brauchbar. Ich habe gesagt „ich will hier keine Kabel sehen“, zack bumm alles Unterputz verlegt.

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Zuletzt bei uns in Oz Vorarbeiter 700, Arbeiter 400 pro Tag.
Manchmal hat Frau volles Mittagessen gemacht, manchmal brachten sie eigenes Essen mit.

Überhaupt noch jemanden zu finden der im Tageslohn arbeiten will, das ist bei uns das Problem.
Und wenn erst mal die letzten Alten nicht mehr können, von den Jungen arbeitet keiner mehr körperlich.

Ich weiß nicht ob das überall so ist. In den Provinzen gibt es oft kaum Arbeit, nicht jede Famile kann die Kids aufs College schicken. Zumal es auch heute in den ländlichen Gegenden jede Menge junge Leute gibt.
Ob hier gute Handwerker heranwachsen ist natürlich eine andere Frage. In der Stadt wo wir gelebt haben, sind viele nach den letzten schweren Taifunen weg gegangen, um Arbeit zu finden, viele nach Mindanao. Also nicht nur Manila und Cebu ziehen Leute an.

Ich kann nur für uns sprechen, bei uns ist das so.
Das Studium wird hier bei uns bezahlt, nur das Zimmer und die Verpflegung für die Kids muss man selbst bezahlen.
Es ist ein Drama.
Familienangehörige schalten inzwischen auf Facebook, im Internet Anzeigen, weil sie auch niemanden mehr zum bei ihnen im Tageslohn zum arbeiten finden.
Denen geht es inzwischen genau so wie es uns die ganze letzte Zeit gegangen ist.
Die wenigen der Alten die noch im Handwerk arbeiten, haben inzwischen alle feste Anstellungen.
Ich erfinde das nicht oder spinne gar, das ist in Oz bei uns eine Tatsache.

Das immer mehr Menschen nicht als Tagelöhner schuften wollen sondern eine seriöse Beschäftigung vorziehen (sofern eine solche zu finden ist), ist mehr als verständlich. Die Standards bei einer „richtigen“ Beschäftigung sind schon niedrig (SSS, Phil Health), als Tagelöhner fällt das meistens komplett weg. Oder hat hier schonmal jemand diese Abgaben bezahlt?

Wir haben einen Contractor mit einem mehr oder weniger festen Team, der kümmert sich drum und im Wesentlichen sprechen wir mit dem Vorarbeiter oder dem Contractor, zumindest wenn es darum geht was wie gemacht werden soll.
Die arbeiten projektweise, und er hat mehrere Teams auf mehreren Baustellen. Einer der Jungs die grad bei uns schaffen, hat mal im Deutschen Club gearbeitet. „For a German Contractor from Switzerland“ :man_shrugging:

Den Haufen die ganze Zeit in der Übersicht zu behalten wäre mir echt zu anstrengend. Es reicht schon, dass es unmöglich scheint, Materialeinsatz zu planen oder zu berechnen – wobei sich diese Truppe bei weiten nicht so dumm anstellt wie andere, die morgens plötzlich merkten, dass die Farbe alle ist und sie nicht weiterarbeiten können. Die war natürlich auch abends schon alle, und hätte mir das jemand gesagt, dann hätte man auch was dagegen tun können. So haben sie auf einen halben Tag Lohn verzichten müssen, weil erst nachmittags sich jemand darum kümmern konnte. (Der Hardware-Shop ist in Laufweite - wenn man will)

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Da frage ich mich warum es keine Genossenschaften gibt. Die könnten ja die Expertise bündeln und dann gemeinsam anbieten. Ich kann natürlich nicht in die Gehirne von philippinischen Auftraggebern schauen, aber für mich wäre das attraktiv. Da hätte ich auch kein Problem mit der Bezahlung der Sozialkosten. Mein Verdacht ist aber das jeder zunächst auf sich selbst fokussiert ist und mit den Regeln einer Genossenschaft wenig vertraut. Da wäre noch Aufklärungspotential.

Eine Genossenschaft würde aber auch wieder Overheadkosten produzieren, die von den Genossen zu tragen wären und an die Auftragnehmer durchgereicht würden. Vermutlich noch entscheidender erscheint mir jedoch der Umstand, dass eine Genossenschaft ggf. die Aufmerksamkeit des Finanzamts (BIR) auf sich ziehen würde.