Fliegende Frösche auf den Philippinen – Wenn Frösche durch den Wald gleiten
Wenn man auf den Philippinen von einem „Flying Frog“ hört, klingt das zunächst wie eine dieser Geschichten, die man vielleicht eher einem tropischen Märchen als einem zoologischen Lexikon zuordnen würde. Tatsächlich gibt es auf den Philippinen mehrere Baumfrösche aus der Familie der Rhacophoridae, die mit erstaunlichen Fähigkeiten ausgestattet sind.
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Und tatsächlich existiert sogar eine Art, die in englischen Quellen ausdrücklich den Namen „Philippine Flying Frog“ trägt: Kurixalus appendiculatus. Der wissenschaftliche Name hat allerdings im Laufe der Zeit gewechselt. Früher wurde die Art unter der Gattung Rhacophorus geführt; heute gehört sie zur Gattung Kurixalus.
Doch ausgerechnet dieser „Philippine Flying Frog“ ist nicht derjenige, der durch besonders spektakuläres Gleiten von Baum zu Baum bekannt ist.
Der eigentliche „Flugkünstler“
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Wenn von einem fliegenden oder gleitenden Frosch der Philippinen gesprochen wird, ist häufig Rhacophorus pardalis gemeint. Die Art wird heute unter anderem Emerald Flying Frog, Panther Flying Frog oder Gliding Tree Frog genannt. Sie kommt nicht nur auf den Philippinen vor, sondern auch in Teilen von Malaysia, Indonesien, Thailand und auf Borneo.
Der Name „fliegend“ ist allerdings nicht ganz wörtlich zu nehmen.
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Der Frosch kann nicht so aktiv wie ein Vogel fliegen. Vielmehr handelt es sich um eine Form des Gleitens. Zwischen seinen langen Fingern und Zehen befinden sich große Hautflächen. Werden die Gliedmaßen beim Sprung ausgebreitet, vergrößern diese Hautflächen die Körperoberfläche und ermöglichen es dem Tier, seinen Fall zu kontrollieren und eine gewisse Strecke seitwärts oder abwärts zu gleiten.
Damit ist der „Flug“ eher mit dem Gleitflug eines Flughörnchens als mit dem Flug eines Vogels vergleichbar.
Untersuchungen auf den Philippinen haben Tiere beispielsweise in mehreren Metern Höhe in der Vegetation beobachtet. Auch stark ausgeprägte Schwimmhäute an Händen und Füßen wurden als Anpassung an das Gleiten beschrieben.
Ein Frosch hoch oben in den Bäumen
Rhacophorus pardalis ist ein ausgesprochener Baum- und Waldbewohner. Auf den Philippinen wurde die Art unter anderem in Waldgebieten von Luzon, Mindanao und anderen Inseln nachgewiesen. Neuere Untersuchungen führen sie sogar für Schutzgebiete wie den Samar Island Natural Park auf.
Das Leben hoch über dem Waldboden hat für einen kleinen Frosch allerdings ein Problem: Irgendwann muss er wieder nach unten – und genau hier kommen seine besonderen Körpermerkmale ins Spiel.
Beim Sprung kann er Arme und Beine weit auseinanderziehen. Die großen Hautflächen zwischen den Zehen wirken dabei wie kleine Gleitschirme. Der Frosch kann dadurch seine Flugbahn beeinflussen und landet nicht einfach senkrecht unter seinem Ausgangspunkt.
Für ein Tier, das ansonsten mehrere Meter über dem Waldboden sitzt, ist das eine bemerkenswerte Möglichkeit, sich zwischen den Bäumen fortzubewegen.
Nicht jeder „Flying Frog“ fliegt
Noch interessanter wird die Geschichte durch Kurixalus appendiculatus, den eigentlichen „Philippine Flying Frog“ in manchen englischen Namenslisten.
Diese Art ist ebenfalls ein Mitglied der Familie der Rhacophoridae, unterscheidet sich aber in ihrer Lebensweise deutlich von Rhacophorus pardalis. Sie wurde auf verschiedenen Inseln des philippinischen Archipels nachgewiesen, unter anderem auf Mindanao, Dinagat, Samar, Leyte und im nördlichen Luzon.
Sie ist stärker an Sümpfe, zeitweise vorhandene Wasserstellen und stehendes Wasser gebunden. Über ihre Fortpflanzung ist bei den philippinischen Populationen allerdings noch vergleichsweise wenig bekannt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Tiere ihre Eier unter anderem in schlammigen Bereichen geeigneter Gewässer ablegen können.
Der englische Name „Philippine Flying Frog“ ist also tatsächlich belegt – aber er kann leicht zu falschen Vorstellungen führen.
Warum können Frösche überhaupt gleiten?
Die Fähigkeit ist bei verschiedenen Baumfroscharten Südostasiens unabhängig voneinander entstanden.
Die Grundidee ist einfach: Ein Tier, das in den Baumkronen lebt, kann durch Springen schnell von einem Ast zum nächsten gelangen. Wenn zwischen den Fingern und Zehen zusätzlich große Hautflächen vorhanden sind, lässt sich aus einem einfachen Sprung ein kontrollierter Gleitflug machen.
Bei Rhacophorus pardalis sind diese Häute besonders auffällig. Dazu kommen lange Finger und Zehen sowie Haftscheiben, mit denen sich der Frosch an Blättern und Ästen festhalten kann.
Auch die Fortpflanzung findet über dem Wasser statt
Bei Rhacophorus pardalis ist auch die Fortpflanzung bemerkenswert.
Die Tiere suchen geeignete stehende oder zeitweise vorhandene Wasserstellen auf. Dort können sie ihre bekannten Schaumnester in der Vegetation über dem Wasser anlegen. Wenn sich die Larven entwickeln, gelangen sie schließlich ins Wasser.
Philippinische Untersuchungen beschreiben solche Schaumnester beispielsweise über kleinen Wasserstellen, Seitenarmen von Flüssen oder zeitweiligen Waldtümpeln.
Damit verbindet sich der gesamte Lebenszyklus auf interessante Weise mit der vertikalen Struktur des tropischen Waldes: Der erwachsene Frosch lebt in der Vegetation, springt und gleitet zwischen den Pflanzen – und seine Nachkommen landen schließlich im Wasser unterhalb der Nester.
Kein exklusiver „Philippinen-Frosch“
Trotz der Bezeichnung „Philippine Flying Frog“ sollte man nicht davon ausgehen, dass fliegende Frösche ausschließlich auf den Philippinen vorkommen.
Sowohl Kurixalus appendiculatus als auch Rhacophorus pardalis gehören zu größeren südostasiatischen Verbreitungsgebieten. Besonders Rhacophorus pardalis ist auch von Borneo, Sumatra, Malaysia und Thailand bekannt.
Interessant ist aber, dass die Philippinen zahlreiche eigene Populationen und teilweise noch nicht vollständig geklärte evolutionäre Linien dieser Baumfrösche besitzen. Bei Kurixalus appendiculatus gibt es Hinweise darauf, dass die philippinischen Populationen möglicherweise aus mehreren genetisch unterschiedlichen Linien bestehen.
Die Inselwelt der Philippinen macht die Entwicklung solcher Unterschiede besonders interessant. Berge, Meeresarme und die große Entfernung zwischen einzelnen Inseln können Populationen voneinander isolieren.
Wie gefährdet sind die fliegenden Frösche?
Für Rhacophorus pardalis wird derzeit der IUCN-Status „Least Concern“ angegeben. Das bedeutet nicht, dass die Art überall häufig ist oder keine Probleme hat, sondern dass sie auf globaler Ebene derzeit nicht in eine höhere Gefährdungskategorie eingestuft wird.
Für die philippinischen Populationen von Kurixalus appendiculatus war die wissenschaftliche Situation zeitweise komplizierter. Wegen ungelöster taxonomischer Fragen und möglicher unterschiedlicher Entwicklungslinien wurde die Art beziehungsweise ihre philippinischen Populationen in früheren Untersuchungen als wissenschaftlich unzureichend bekannt eingestuft.
Wie bei vielen Amphibien bleibt der Erhalt ihrer natürlichen Lebensräume entscheidend. Werden Wälder, kleine Feuchtgebiete und natürliche Wasserstellen verändert oder zerstört, verlieren auch unscheinbare Arten ihre Lebensgrundlage.
Ein „fliegender“ Frosch – und ein schönes Beispiel für die Natur der Philippinen
Die Geschichte der Flying Frogs zeigt einmal mehr, wie ungewöhnlich die Tierwelt des philippinischen Archipels ist.
Ein Frosch, der nicht einfach vom Ast fällt, sondern seine Finger und Zehen ausbreitet und damit kontrolliert durch die Baumvegetation gleitet, klingt zunächst unglaublich. Biologisch handelt es sich jedoch um eine erstaunliche Anpassung an das Leben im tropischen Wald.
Und gleichzeitig zeigt die Namensgeschichte, dass man bei englischen Tiernamen vorsichtig sein sollte: Der „Philippine Flying Frog“ ist tatsächlich ein wissenschaftlich belegter Name für Kurixalus appendiculatus. Der Frosch, der den spektakulären Gleitflug besonders eindrucksvoll verkörpert, ist dagegen Rhacophorus pardalis, der heute häufig als Emerald Flying Frog oder Panther Flying Frog bezeichnet wird.
Vielleicht ist gerade diese kleine Verwechslung ein guter Anlass, sich einmal genauer mit den Fröschen der Philippinen zu beschäftigen. Denn hinter dem scheinbar einfachen Wort „Frosch“ verbirgt sich in den tropischen Wäldern eine erstaunliche Vielfalt an Formen, Lebensweisen und Überlebensstrategien.
Bei den Flying Frogs lohnt es sich, auch einmal genauer in die Bäume zu schauen.