Hier quasi seine aktuelle Antwort dazu:
(Quelle: Martin Brosy, Link siehe unten)
"Journalistisch die falsche Entscheidung.
Privat die richtige Entscheidung.
Obwohl ich den Einschlag einer Shahed Drohne auf das Gelände des Fairmont Hotel und das erfolgreiche Abfangen diverser Raketen aus dem Iran korrekt eingeordnet habe, habe ich die Videos mit knapp drei Millionen Aufrufen von meinem Account entfernt.
Die VAE hat mich nicht darum gebeten und ich wurde deshalb auch nicht von entsprechender Stelle kontaktiert.
Was mir zumindest Hoffnung gibt.
Und dennoch habe ich mich für diesen Schritt entschieden.
Dafür gibt es fünf Gründe.
Warnungen: Die VAE hat mit Beginn des Krieges zwischen den USA/Israel und dem Iran in hoher Frequenz darauf hingewiesen, dass keine Aufnahmen von Situationen im Zusammenhang mit Krieg, die gegen die Cybercrime-Gesetze verstoßen, gemacht werden dürfen. Egal ob als Hinweis in unserem Fahrstuhl oder als Post in den sozialen Medien. Nicht das ich dagegen verstoßen hätte, nur ich befinde mich in einem fremden Land und bin kein mit den Gesetzen der VAE vertrauter Anwalt. Das Risiko einer Verhaftung möchte ich nicht eingehen.
35 Verhaftungen: Am 14.03. wurden 10 Personen und am 15.03. weitere 25 Personen festgenommen. Darunter 19 Inder, 3 Pakistaner, 3 Philippiner, 3 Nepalesen, 2 Bangladeshis, 2 Ägypter, 1 Iraner, 1 Vietnamese und eine Person aus Kamerun. Die Tatvorwürfe lauten irreführende, erfundene und/oder verherrlichende Inhalte veröffentlicht zu haben. Zudem haben einige Tatverdächtige Luftverteidigungssysteme beim Abfangen von iranischen Kampfmitteln, den Durchflug von Raketen und die Folgen von den iranischen Angriffen gefilmt. Sechs der inhaftierten Personen haben die iranischen Militäraktionen als Erfolge glorifiziert. [1] Als Journalist habe ich nicht mit KI gearbeitet, keine Videos bearbeitet, keine militärischen Einheiten der VAE gefilmt, keine Falschinformationen verbreitet oder Videos durch Kameraführung und Emotionen dramatisiert. Ich habe die Realität abgebildet. Nüchtern und sachlich. Nur was passiert, wenn ich die Folgen eines direkten Treffers oder von herabfallenden Trümmerteilen auf Social Media poste. Erzeuge ich dann einen falschen Eindruck von der Lage in Dubai und werde dafür zur Verantwortung gezogen? Die Frage konnte ich für mich noch nicht abschließend beantworten. Und da Vorsicht besser als Nachsicht ist, habe ich die Videos entfernt.
Brite verhaftet: Ein 60-jähriger Brite soll mit seinem Smartphone iranische Raketen über der Stadt gefilmt und auf Social Media verbreitet haben. [2] Das Video kenne ich persönlich nicht, weshalb ich die Verhaftung wegen des Verstoßes gegen die Cybercrime-Gesetze nicht einordnen kann. Rada Stirling (Geschäftsführerin von „Detained in Dubai“) sagte gegenüber BBC, dass aus der Anklageschrift kaum hervorgeht, was der Brite falsch gemacht haben soll. Solche Meldungen bleiben im Kopf.
Private Nachrichten: Vor einigen Tagen wurde der Address Creek Harbour Tower 2 von einer Shahed Drohne getroffen. [3] Laut New York Post und Krone wurden drei Männer nach einer Einsicht durch die Polizei in ihre Smartphones verhaftet. Sie sollen Fotos von der Explosion an ihre Familien verschickt haben, um ihnen zu versichern, dass es ihnen gut geht. [5] [6] Auch wenn ich die Meldungen nicht verifizieren kann, so erhöht sich für mich die Wahrscheinlichkeit, dasselbe zu erfahren. Einen Umstand, den ich mir als Familienvater und Ehemann nicht leisten kann.
Dubai Police: Seit Tag 1 des Krieges befinde ich mich in Dubai. Was Fake und was Echt ist kann ich problemlos unterscheiden. Selbst bei echten Videos wird in den Kommentaren immer häufiger die Dubai Police erwähnt. Mit Videos zum Krieg fliegt man nicht unter dem Radar. Es wird wahrgenommen. Durch die Kommentare wird allerdings Druck auf die örtliche Polizei aufgebaut. Sie sollen reagieren. Unter meinen Videos habe ich solche Kommentare noch nicht gelesen, allerdings habe ich das bei der Vielzahl an Kommentaren auch nicht mehr im Blick.
Verstöße gegen die Cybercrime-Gesetze können zu hohen Geldstrafen und mehreren Jahren Haft oder Abschiebungen führen.
Ich möchte mit meiner Tätigkeit hier ein differenziertes Bild von Dubai zeigen.
Ein Dubai, welches es laut einigen Influencer nicht gibt.
Genau das ist doch der Job eines Journalisten.
Mir läuft es täglich kalt den Rücken herunter, wenn ich mir die Videos der Influencer anschaue.
Ich wurde heute durch zwei Luftalarme und den Explosionen durch die Abfangraketen geweckt.
Schlafen die Influencer hier wie ein Stein?
Ich schaue in den Himmel und sehe eine Rakete fliegen.
Bereitet das den Influencern keine Sorgen?
Ich habe in den letzten Wochen mehrmals Einschläge live erlebt.
Bin ich zu sensibel und die Influencer einfach nur abgeklärt?
Die Hinweise der Behörden tragen bereits Früchte.
Es werden immer weniger Fotos und Videos gepostet.
Selbstverständlich werde ich weiter aus Dubai berichten.
Aber eben anders.
Ohne Panik. Ohne die Situation zu überzeichnen oder zu unterschätzen.
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Hinweis: Es handelt sich um einen Meinungsbeitrag
Quellen
[1] UAE Cracks Down on Digital Misinformation: Who Are the 35 Arrested, What Did They Share
[2] https://www.blick.ch/ausland/strenge-cyber-crime-gesetze-in-dubai-tourist-filmt-rakete-nun-droht-ihm-der-knast-id21779665.html
[3] British man charged in Dubai for alleged filming of Iranian missiles
[4] https://www.khaleejtimes.com/uae/emergencies/dubai-creek-harbour-drone-falls-on-building-residents-evacuated-no-injuries?_refresh=true
[5] Survivors of Iranian drone strike in Dubai arrested for sending photos of the aftermath
[6] Fotos von Explosion - Lebenszeichen aus Dubai – und schon verhaftet | krone.at"
