Die Vulkane der Philippinen – Giganten aus Feuer und Stein

Der faszinierende Vulkan Camiguin de Babuyanes – ein kaum bekannter Riese im äußersten Norden der Philippinen

Wer sich intensiver mit den Vulkanen der Philippinen beschäftigt, stößt irgendwann auf einen Namen, der selbst unter Einheimischen nur selten bekannt ist: Camiguin de Babuyanes (auch Camiguin Island, Camiguin Norte oder Camiguin Volcano genannt). Und nein – dieser Vulkan hat nichts mit der touristischen Insel Camiguin nördlich von Mindanao zu tun. Camiguin de Babuyanes ist ein weit abgelegenes, geologisch hochinteressantes Eiland ganz im Norden von Luzon, mitten im Babuyan-Archipel. Seine Abgeschiedenheit macht ihn zu einem der mystischsten und am wenigsten erforschten Vulkane des Landes.

Lage und geologischer Kontext

Camiguin de Babuyanes liegt rund 120 km nördlich von Luzon und ist Teil der Babuyan-Inselgruppe – einem Gebiet, das vulkanologisch äußerst aktiv ist. Zu den Nachbarn gehören:

  • Babuyan Claro, einer der am besten dokumentierten Vulkane des Archipels
  • Didicas, der 1952 nach einem Unterwasserausbruch förmlich „neu entstanden“ ist
  • Smith Volcano (Iraya)
  • Kapanayan

Camiguin selbst erhebt sich majestätisch aus dem Meer und ist nahezu vollständig vulkanischen Ursprungs. Der dominierende Stratovulkan überragt die Insel mit knapp über 700 Metern Höhe (je nach Quelle etwas unterschiedlich), wobei die gesamte Inselfläche aus erkalteten Lavaströmen, pyroklastischen Ablagerungen und vulkanischen Plateaus besteht.


Bildnachweis: https://www.funinthephilippines.com/

Aktivität und Eruptionsgeschichte

Camiguin de Babuyanes gilt als potenziell aktiver Vulkan, auch wenn er in historischen Zeiten lediglich wenige dokumentierte Ausbrüche aufweist.

Die bedeutendste bekannte Eruption fand 1857 statt, als Dampfausbrüche und Vulkanaktivität von Seeleuten gemeldet wurden. Anzeichen hydrothermaler Aktivität zeigen, dass der Vulkan nicht erloschen ist – es gibt:

  • Fumarolen
  • Heiße Quellen
  • Dampföffnungen im oberen Kraterbereich

Weil die Insel abgelegen ist und nur wenige Bewohner hat, fehlen verlässliche Aufzeichnungen. Dies macht Camiguin zu einem „schlafenden Giganten“, der jederzeit wieder aktiv werden könnte.


Bildnachweis: Facebook - Explore LASAM, Cagayan

Landschaft und Natur – ein unberührtes Paradies

Die Insel bietet eine spektakuläre Kombination aus Vulkantopografie und tropischer Flora. Typisch sind:

1. Steile Küsten und schwarze Strände

Lavafelsen, Basaltsäulen und dunkle Sandstrände prägen die Küstenlinie.

2. Dschungel und Nebelwälder

In höheren Lagen ändert sich das Mikroklima: Mooswälder, wildes Farnwerk und dichtes Grün bilden eine urige, fast mystische Atmosphäre.

3. Reiche Meereswelt

Da die Insel geologisch jung und eher selten betreten ist, gilt das umgebende Meer als eines der klarsten im Norden der Philippinen. Die vulkanischen Böden fördern zudem Korallenwachstum und nährstoffreiche Küstenabschnitte.


Bildnachweis: Facebook - Camiguin Norte Philippines

Bevölkerung und Erreichbarkeit

Camiguin de Babuyanes ist sehr dünn besiedelt. Einfache Fischerdörfer, traditionelles Leben und fehlende touristische Infrastruktur machen den Vulkan zu einem Ort, der nur abenteuerlustigen Reisenden vorbehalten ist.

Hinzu kommt:

  • Es gibt keine regulären Fähren.
  • Die Überfahrt erfolgt meist per Charterboot von Aparri oder Claveria (Cagayan).
  • Die See kann je nach Jahreszeit extrem rau sein.

Dadurch bleibt die Insel weitgehend unberührt und authentisch.


Bildnachweis: https://mindtrip.ai/

Besteigung des Vulkans

Der Aufstieg ist anspruchsvoll – nicht wegen der Höhe, sondern wegen des Terrains:

  • unmarkierte Wege
  • dichter Regenwald
  • feuchte und rutschige Hänge
  • kaum gesicherte Pfade

Für Geologen und Abenteuerreisende ist die Insel allerdings ein kleines Juwel: Man findet Basaltströme, vulkanische Terrassen, junge Lavastrukturen und alte Kraterformen.

Lokale Führer sind Pflicht, schon allein aufgrund fehlender Infrastruktur und begrenzter medizinischer Versorgung.


Kulturelle und historische Aspekte

Die Inselbewohner gehören größtenteils zu den Ilocano- und Itawit-Gruppen. Traditionelle Fischerei, kleine Landwirtschaft und tiefer Respekt vor der Natur prägen das Leben. Der Vulkan spielt – wie viele Berge auf den Philippinen – eine gewisse symbolische Rolle im Alltagsglauben; Naturphänomene werden teils spirituell interpretiert.


Bedeutung für Wissenschaft und Forschung

Camiguin de Babuyanes ist einer der am wenigsten erforschten philippinischen Vulkane, obwohl er:

  • in einer tektonisch aktiven Zone liegt
  • Teil des Luzon-Vulkanbogens ist
  • geologisch wertvolle Hinweise auf Plattentektonik und Magmenbildung liefert

Weil Ausbrüche in den Babuyan Islands schwer vorherzusagen sind, wäre mehr seismologische und geodätische Überwachung wichtig. Bisher gibt es allerdings nur sporadische Messungen.


Bildnachweis: https://lexicalcrown.blogspot.com/

Fazit

Camiguin de Babuyanes ist ein faszinierender Vulkan, der abseits aller touristischen Pfade liegt und trotzdem – oder gerade deswegen – eine unglaubliche Anziehungskraft besitzt. Er ist ein Stück ursprünglicher Philippinen, ein Ort, an dem Natur noch wirklich wild ist.

Wer sich für vulkanische Geologie, abgelegene Inselwelten und unberührte Landschaften interessiert, findet hier eine wahre Schatzkammer. Gleichzeitig erinnert der Vulkan daran, wie vielfältig und beeindruckend das philippinische Archipel abseits der bekannten Inseln wirklich ist.**

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