5. Motorradtour durch die philippinische Inselwelt, Luzon – Samar – Leyte – Mindanao – Negros - Bohol – Leyte

General Santos City – Kiamba – Lebak

Richtung Cotabato City wollte ich die Küstenstraße fahren, mit Pausen jeweils in Kiamba und Lebak.

Kiamba liegt in der Provinz Sarangani. Die Bevölkerung von Sarangani ist mehrheitlich christlich, es gibt auch eine große Gruppe Lumads (indigene Bevölkerung), hauptsächlich T’Boli und B’laan, der Anteil der Muslime in der Provinz liegt bei 9 %. Die muslimische Bevölkerung gehört größtenteils zu den ethnischen Gruppen der Sangil, Maguindanao und Kalagan. Obwohl Sarangani nicht zur BARMM (Bangsamoro Autonomous Region in Muslim Mindanao) gehört, mehrheitlich von Filipinos, deren Wurzeln in den Visayas liegen, bewohnt wird, gibt es immer wieder verallgemeinernde Warnhinweise. Häufig wird die Auffassung geäußert, dass man Mindanao westlich einer gedachten Linie von Cagayan de Oro bis General Santos City aus Sicherheitsgründen nicht bereisen sollte (siehe angehängte Karte von Mindanao). Ich halte das so verallgemeinernd für ziemlichen Unsinn. Es gibt sicherlich bis heute Gebiete, die man meiden sollte, dazu später mehr.

Von Gen San bis Kiamba sind es knapp 100 Kilometer. Ich ließ den Morgen ruhig angehen. Zum Frühstück war es etwas zu weit zum Laufen, also bemühte ich das Motorrad. Am Sonntag sind anscheinend dann auch die lokalen Motorradfahrer auf Tour. Es waren einige Gruppen mit größeren Fahrzeugen unterwegs. Auf den Philippinen eigentlich eher selten zu sehen. Alleine eine neue 750er Transalp kostet locker drei bis vier Jahresgehälter eines Durchschnittsverdieners. Aber auch hier gibt es eine Klientel, die sich solche Motorräder leisten kann.

Gegen halb 10 machte ich mich auf den Weg Richtung Kiamba. Da ich nicht einschätzen konnte, wie es in den Orten, die ich in den nächsten Tagen aufsuchen wollte, mit der Bargeldversorgung aussehen würde, suchte ich vorsichtshalber noch einen Geldautomaten auf. Gleiches galt fürs Tanken. Auch jetzt waren noch einige Tankstellen nach Weihnachten „ausverkauft“, dann lieber vor der Abfahrt noch einmal voll tanken.

Die ersten 40 Kilometer waren nicht wirklich angenehm. Sehr staubig, extrem heiß, wenig grün, keine Palmen, sehr schlechte Luft. Zumindest konnte ich zügig unterwegs sein. Die letzten 60 Kilometer waren viel angenehmer. Langsam wurde der Bewuchs entlang der Straße wieder dichter. Es waren reichlich Beach Resorts ausgeschildert. Allerdings ist ein Abstecher zum Strand, ohne ein Resort zu besuchen, so gut wie nicht möglich. Die Strände sind weitgehend abgesperrt.

Kiamba stellte sich als angenehmes Städtchen mit netten Bewohnern heraus. Das Hotel, das ich mir ausgesucht hatte, war ein sehr positiver Sonderfall im Vergleich zu manchen abderen Unterkünften. Gut geführt, preislich mehr als fair, 890,-- Peso, einschl. Frühstück. Ich wollte eigentlich zwei Nächte bleiben, leider war das Hotel aber für den kommenden Tag bereits ausgebucht. Also änderte ich meinen Plan.

Ich ging zur Tourist Info am Hafen und fragte nach, wie es mit einem Besuch des Strands, dem Tuka Beach aussehen würde. Am Tuka Beach hat Manny Pacquiao ein Strandhäuschen, seine Frau kommt aus Kiamba. Man kommt nur per Boot hin. Für den Tag gab es leider keine Möglichkeit mehr, um zum Strand zu gelangen, erst wieder am nächsten Morgen. Das passte leider nicht. Somit verbrachte ich den Nachmittag in der Stadt. Auch in Kiamba merkte ich, dass westliche Ausländer selten her kommen. Ich fand ein anständiges Restaurant, wo ich in Ruhe sitzen konnte. Einziges „Problem“ war, dass es die meisten Gerichte nur in der Größe „good for two, three or four“ gab. Die Nachfrage, evtl. auch kleinere Portionen zuzubereiten, überfordert manchmal die Flexibiliät der Angestellten.

Die Stadt Lebak liegt bereits in der Provinz Sultan Kudarat (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Stadt, diese liegt nördlich von Cotabato City. Bei dem Provinznamen könnte man vermuten, dass man schon in Muslim Mindanao angekommen ist, das ist aber nicht der Fall. Wenn auch der Anteil der muslimischen Bevölkerung schon etwas höher ist als in Sarangani. Muslime sind aber auch in Sultan Kudarat in der Minderheit, laut Census von 2020 soll dieser bei 30 % liegen.

Mein Frühstück kam ohne weitere Aktivität meinerseits am recht frühen morgen zu mir aufs Zimmer. Zimmerservice hat auch was Angenehmes. Ich ließ mir Zeit und packte dann in aller Ruhe meine Sachen. Von Kiamba bis Lebak sollten es 140 Kilometer sein. Angezeigte Fahrzeit etwas über drei Stunden. Landschaftlich war die Strecke wunderschön. In der Provinz Sarangani war der Straßenzustand noch soweit gut. In der Provinz Sulan Kudarat sah das etwas anders aus. Zwar noch durchgehend befestigt, aber schon ziemlich in die Jahre gekommen. Dazu hatte ich das Gefühl, dass durchaus ein Wohlstandsgefälle zwischen den beiden Provinzen vorhanden ist. Das kann ich aber nicht belegen. Ich machte einige Fotostops, da ich nicht in Eile war. Die Blicke der anderen Verkehrsteilnehmer verrieten mal wieder, dass Langnasen hier eher nicht vorbei kommen.

Ich erreichte Lebak gegen Mittag. Ich war mir nicht sicher, ob meine Zimmerreservierung im Vegas Transient Inn geklappt hatte, da die Chefin mir per Facebook Messenger geschrieben hatte, dass sie ihr Personal fragen würde, ob ein Zimmer frei sei, sie selber sei gerade nicht in der Stadt.
Als ich auf den Hof der Unterkunft trat, rief aber direkt jemand vom Balkon herab, ob ich der Martin sei. Ja, der bin ich. Gibt’s ein Zimmer? Ja. Somit hatte das dann doch geklappt. Etwas später erhielt ich noch eine Facebook Nachricht mit der Frage, ob ich schon hätte einchecken können. Facebook ist bei Reisen auf den Philippinen tatsächlich ein guter und wichtiger Begleiter. Ob man die Plattform nun mag oder nicht. Man kommt kaum dran vorbei.

Als die Chefin am Nachmittag eintraf, unterhielten wir uns recht lang. Die Sicherheitslage wurde natürlich auch Thema. Die Dame war offensichtlich etwas frustriert darüber, dass Mindanao oft verallgemeinernd als sehr gefährlich bezeichnet wird. Für die Küstenregion von Sultan Kudarat bedeutet das, dass man das touristische Potential nicht voll ausschöpfen kann. Das betrifft zur Zeit noch hauptsächlich den einheimischen Tourismus.

Lebak hat eine Einwohnerzahl von knapp 90.000. Wie viele davon tatsächlich in der Stadt selbst leben, kann ich nicht sagen. Das ganze wirkt eher überschaubar. Trotzdem geht es tagsüber recht turbulent zu. Tricycles verstopfen die Straßen, der Verkehr fließt anarchistisch wie üblich. Da aber alles recht langsam läuft, kommt man problemlos damit klar. Man findet alles was man braucht, auch eine Wäscherei. Es gibt auch ein paar ganz passable Lokale und auch Kaffeebuden.

9 Kilometer nördlich der Stadt befindet sich ein großes Mangrovengebiet. Hierzu hatte ich bereits an anderer Stelle etwas geschrieben, daher lasse ich das hier (bis auf ein paar Bilder) aus.

Den Silvestertag verbrachte ich mit ein paar Erledigungen und ansonsten faulenzen. Ich holte meine Wäsche ab und gönnte mir einen Kaffee beim Coffeeshop „Kopikuys“. Man sitzt auf kleinen Stühlchen vor dem Laden. Viele junge Leute waren dort, gemischte Mädchengruppen, mit und ohne Kopftuch. Es wirkte auf mich schon so, dass die verschiedenen Bevölkerungsgruppen recht unverkrampft miteinander leben. Ich wurde natürlich noch zu einem Foto genötigt, das auf der Facebookseite des Shops Verwendung finden sollte.

Faulenzen konnte ich gut im gegenüber des Hotels liegenden Beach Resort. Lesen, etwas schwimmen, ansonsten nur dösen. Etwas Entspannung bevor es morgen wieder auf die Piste Richtung Cotabato City gehen würde.

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