An dieser Stelle werde ich nach und nach, so wie es meine Zeit sowie Lust zulässt, einen Bericht über meine letzte Motorradtour auf den Philippinen einstellen.
Die ersten 4 längeren Touren per Zweirad hatte ich immer auf kleinen Leih-Motorrädern gemacht. Diesmal dann zum ersten Mal mit dem eigenen Mopped, eine „Baby“ VStrom, also einer Suzuki VStrom 250 SX. Ich hatte es an anderer Stelle schon geschrieben, ich bin sehr zufrieden mit meinem Kauf.
Das Motorrad stand in San Jose del Monte City, Bulacan, somit war SJDM mein erstes Ziel. Von dort sollte es Richtung Matnog gehen, um die Fähre nach Samar zu nehmen. Ich bin die Strecke vor drei Jahren in entgegengesetzter Richtung gefahren. Der Highway war teils in einem miserablen Zustand, dazu noch absolut überfüllt. Das machte keinen Spaß. Daher wollte ich die Strecke eigentlich nicht mehr fahren. Da die Moppedbeschaffung aber nur durch die Verwandschaft in Bulacan zu verwirklichen war und ich bei dieser Tour auch Borongan, also den Ort, wo unsere Grundstücke liegen, besuchen wollte, musste ich mir das leider noch einmal antun.
FRA – MNL – San Jose del Monte - Plaridel/Quezon - Matnog - Allen/Samar
Die Anreise erfolgte mit Singapore Airlines, erwartungsgemäß in Ordnung. Der Flieger kam pünktlich am frühen Nachmittag an, erste Amsthandlung wie üblich Geld ziehen und eine SIM Karte kaufen. Globe, 1.500 Peso, 30 Tage, 80 GB (zu viel, habe ich nicht verbraucht). Praktischerweise verkaufte mir das Mädel hinterm Tresen eine „normale“ Karte und keine Touristenkarte, sie erledigte auch die Registrierung. Per Grab ging es nach Malate zur Pension Natividad, meine bevorzugte Unterkunft. Hier gibt es auch noch Fan Zimmer, ich bin nicht der große AC Fan. Dazu kann man vor der Unterkunft recht entspannt sitzen, man ist weit genug vom Manila-Rummel entfernt.
Ich bummelte etwas durch die Robinson Mall Ermita. Danach wanderte ich zum Roxas Boulevard. Etwas irritiert musste ich festeellen, dass dieser komplett abgezäunt und somit nicht mehr erreichbar war. Warum, keine Ahnung. Vielleicht wissen unsere Member, die in Manila leben, mehr darüber. Das Abendessen gab’s im Super 6 Grille House in der Remedios Street. Man sitzt an der Straße, wer Luxus und besonderen Komfort sucht ist hier falsch.
Am nächsten Morgen gönnte ich mir ein Grab bis San Jose del Monte, ich hatte mit meinem ganzen Gepäck keine Lust nach Cubao oder Pasay zu fahren um einen Bus zu nehmen. Der Spaß per Grab kostete 1.350,-- Peso. Für die 50 Kilometer lange Strecke durchaus OK. Ein kleiner Obulus für den Highway kam noch dazu, sowie wie ein anständiges Trinkgeld für den Fahrer.
Das Hotel in San Jose del Monte, das JForest Hotel, war eine ziemliche Ranzbude, aber es gab keine Auswahl. Mein Motorrad stand nicht allzu weit weg vom Hotel. Der Nachmittag war der Familie gewidmet. Als Erstes trafen der Enkel meiner Frau samt Mutter ein, dann Nichte mit Partner (er brachte das Mopped mit), zum Schluss meine Stieftochter mit Sohn und Enkel, also unser Urenkel. Man kümmerte sich um mich, brachte etwas zu Essen mit, und als „Proviant“ für meine bevorstehende Tour eine Tanduay Media und einmal Longneck. Zuviel Gewicht, das musste zügig reduziert werden.
Die Nichte und ihr Lebensgefährte hatten entschieden, mich auf dem ersten Stück zu begleiten. Sie kamen am nächsten Morgen philippinisch pünktlich an. Die Beiden hatten noch was fürs Frühstück gekocht, was zu einer kleinen Verspätung führte. Kaffee brachten sie auch mit. Betreutes Reisen sozusagen.
Wir starteten gegen 7:00 Uhr, wir wollten östlich der Laguna de Bay entlang, Richtung Plaridel / Quezon. Wir passierten San Mateo und Antipolo, wie zu erwarten war der Verkehr brutal, dazu fing es an zu regnen. Wir machten kaum Pausen. Auch nicht im Quezon National Park. Die „Zig Zag Road“ kannte ich bislang nur von Bildern. Aufgrund des schlechten Wetters und der hohen Anzahl der selbsternannten „Verkehrshelfer“ am Straßenrand hielt ich nicht an. Als wir die Küste erreichten stabilisierte sich das Wetter etwas. Am Nachmittag erreichten wir die ausgewählte Unterkunft, die Gregoreous by the Sea Apartelle in Plaridel, Quezon. Eine eher auf philippinische Wochenendgäste ausgerichtete Unterkunft. Preis-/Leistungsverhältnis waren aber soweit in Ordnung. Wir waren die einzigen Gäste. Meine Begleiter hatten in weiser Voraussicht ausreichend Essbares mitgebracht und machten sich nach einem Anlegebier sowie Dusche daran, Reis zu kochen und das Essen aufzuwärmen. Wir leerten die kleine Tanduayflasche und ein paar SMB, bis die nötige Bettschwere erreicht war.
Auch am nächsten Morgen wurde ich gut versorgt, Kaffee war vorhanden, es gab Fried eggs und Reis. Die Nichte und ihr Lebensgefährte mussten wieder zurück nach Bulacan, ich machte mich nach dem Frühstück auf Richung Daraga/Albay. Laut Google Maps sollten es ca. 280 Kilometer sein. Das Wetter war immer noch durchwachsen, der Straßenzustand teilweise noch genauso bescheiden wie auf der ersten Etappe. Ich wollte nur zügig in Daraga ankommen, also fuhr ich die Strecke ohne nennenswerte Pausen durch. Ein Zimmerchen bekam ich in den „Casa Bicolandia Suites“. Die Zimmer verteilen sich auf zwei gegenüberliegende Gebäude. Single rooms gab es nicht mehr, ich wählte daher einen Double room, Kostenpunkt 1.850,-- Peso. Das Hotel war bereits vor drei Jahren die Unterkunft meiner Wahl. Die Zimmer sind sauber und in Ordnung, Frühstück ist inklusive und das Hotel verfügt über eine sichere Abstellmöglichkeit für Fahrzeuge aller Art.
Man hatte mir beim einchecken ein Zettelchen gegeben, auf dem ich meinen Frühstückswunsch hätte aufschreiben sollen. Ich hatte das natürlich vergessen. Ich dämmerte in meinem Zimmer schon vor mich hin, als auf einmal das Zimmertelefon klingelte. Etwas irritiert nahm ich den Hörer ab und die freundliche Dame von der Rezeption fragte mich nach meinem Wunsch fürs Frühstück. Die Auswahl war überschaubar. Reis mit Spiegelei, dazu Wurst oder Corned Beef. Ich bat die Dame, doch bitte anstatt der Fleischprodukte 2 Spiegeleier zu bestellen, natürlich mit dem obligatorischen Reis. Das hatte auf jeden Fall geklappt, ohne weitere Nachfrage bekam am nächsten Morgen das bestellte Frühstück.
Danach packte ich meine weitgehend getrockneten Sachen und startete Richtung Matnog. Das Wetter hatte sich erheblich gebessert. Der Zustand des Maharlika Highway änderte sich von „eher bescheiden“ zu „gut“ in dem Moment, wo ich die Provinzgrenze nach Sorsogon überquerte. Es ist immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich die Qualität der Straßen in den verschiedenen Provinzen sein kann. Vielleicht ist das ja ein Hinweis, wie hemmungslos es mit der Korruption in den einzelnen Provinzen getrieben wird, oder ob, falls da der „falsche“ Governor regiert, weniger Geld von der Zentralregierung ankommt? Ich weiß es nicht.
Der Straßenzustand und das gute Wetter ließen meine Laune entsprechend steigen. Ich machte hinter Daraga noch einmal kurz halt, um einen letzten Blick auf den Mayon zu werfen.
Ich näherte mich langsam aber sicher dem Kilometerstand von 1000 Kilometern. Also Zeit für den Ölwechsel. Laut meiner Recherche sollte es in Sorsogon einen Suzuki Händler mit Werkstatt geben. Ich war pünktlich vor Ort, als der Laden öffnete. Es dauerte einen Moment bis der Monteur verfügbar war. Öl war vorhanden, den Ölfilter hatte ich selbst dabei. Das Ganze war recht zügig erledigt, der zu entrichtende Obulus sehr überschaubar (800 Peso, einschl. Öl und Arbeitszeit). Ein paar hundert Meter weiter fand ich einen kleinen Laden für Zweiradzubehör, wo ich Kettenspray kaufen konnte.
Nachdem ich alles Notwendige soweit erledigt hatte, fuhr ich gut gelaunt nach Matnog, wo die Fähren nach Samar ablegen.
Das Prozedere für die Ticket Besorgung und was sonst noch dazu gehört, um die Insel Luzon zu verlassen, ist für uns, als eher an Effizienz gewöhnte Menschen, etwas verwunderlich. Wobei man auch hier versucht, den Prozess etwas einfacher zu gestalten, als es früher einmal war.
Einige Kilometer vor dem Hafen befindet sich eine Kontrollstation. Hier ist halten angesagt. Die Registrierung des Fahrzeugs und der Führerschein müssen vorgezeigt werden. Die Daten, also was für ein Vehikel, Name, Führerscheindaten etc. werden eingetippt. Man erhält ein ausgedrucktes Zettelchen, da steht der Name drauf sowie was für ein Fahrzeug von Luzon auf die Visayas bzw. Samar bringen möchte. Dann wird noch das Reiseziel abgefragt, da kann man alles Mögliche angeben, da das ohnehin niemand kontrolliert.
Ist das Prozedere erledigt, geht es zu nächsten Station. Die liegt ein paar hundert Meter weiter. Hier hat man ein Gebäude errichtet, in dem sich einige Offices befinden. Mein erste Anlaufstation war Fenster 1. Ich gab der Mitarbeiterin mein Zettelchen, sie füllte in paar Papiere aus, ich entrichtete einen Obulus (Betrag habe ich vergessen), dann auf zum nächsten Fenster. Auch hier gab’s ein weiteres Papier, ein kleiner Betrag musste bezahlt werden, und so ging es weiter. Insgesamt sind es 5 Stationen. Da die alle nebeneinander liegen, ist das nicht so schlimm. Man könnte natürlich die ganzen verschiedenen Gebühren in das Ticket inkludieren. Dann hätte man aber direkt etliche Jobs vernichtet. Nach der Erledigung aller Formalitäten konnte ich weiter zum Hafen fahren. Hier noch ein kurzer Besuch bei der Coast Guard, ein weiteres Zettelchen (dieses war umsonst), damit war der Bürokratie Genüge getan.
Einen konkreten Fahrplan für die Fähren gab es nicht. Nach 4 Stunden Warterei kam „meine“ Fähre aus Allen, Samar an. Das Ent- und Beladen ging recht flott. Bis die Fähre dann endgültig Richtung Samar ablegte, dauerte es noch etwas. Ich beobachtete derweil das Treiben im Hafen. Da es sich hier um die Hauptverbindung vom östlichen Mindanao sowie Samar und Leyte nach Luzon (bzw. umgekehrt) handelt, geht es entsprechend turbulent zu.
Als wir Samar erreichten, gab es anscheinend keinen freien Anlegeplatz. Die Fähre dümpelte im Hafenbecken gut anderthalb Stunden vor sich hin. Es wurde bereits dunkel. Ich hatte mir eine Unterkunft nicht allzu weit vom Hafen ausgesucht, da ich nicht gerne im dunkeln unterwegs bin. Die paar Kilometer musste ich nun trotzdem im dunkeln fahren. Die Kontaktaufnahme lief wie so oft über Facebook. Im Hotel gab es kaltes Bier und ein Restaurant mit einer eher bescheidenen Auswahl an Gerichten. Außer mir sah ich im Restaurant keine anderen Gäste.
Von Allen bis Borongan waren es noch einmal ca. 250 Kilometer. Die ersten 150 Kilometer verliefen über den Maharlika Highway. Das bedeutete noch einmal übler Verkehr und schlimmer Straßenzustand. Dazu führt der Highway mitten durch die Großstädte Calbayog und Catbalogan. Dementsprechend quälend lief (oder besser stand) in den Städten der Verkehr.
Als ich die Gabelung erreichte, wo die Straße zur Pazifikküste beginnt, verbesserte sich die Situation sofort. Guter Straßenzustand, kaum Verkehr und wunderschöne Landschaft, jede Menge üppiges Grün. Die Insel Samar hat immer noch einen recht großen Bestand an Regenwald. Auf den ersten Blick erschien mir der Wald mindestens noch in dem Zustand wie vor 20 Jahren, vielleicht sogar besser. Mittlerweile gibt es den „Samar Island Natural Park“. Vielleicht hat die Errichtung des Parks hier etwas nachgeholfen. Nur das Wetter spielte nicht so gut mit, zwischendurch gab es immer wieder heftige Schauer.
Ich erreichte Borongan City am Nachmittag. Als Unterkunft hatte ich das Domsowir Hotel gewählt. Meine Frau hatte telefonisch ein Zimmer reserviert. Die Chefin ist unsere Trauzeugin, somit ging das auf kurzem Dienstweg. Das Hotel war vor 25 Jahren eine der wenigen überhaupt existierenden Unterkünfte in Borongan. Vor 8 Jahren hat man an anderer Stelle ein neues Hotel gebaut, das alte, direkt am Loom River gelegene, modert so langsam vor sich hin.
Ich war morgens früh auf. Zu früh um im Hotel zu frühstücken. Zu dieser Zeit war der Jollibee die einzige Option. Zumindest gab es dort guten Kaffee und kleine, recht leckere Pfannkuchen. Ich kurvte nach dem Frühstück etwas durch den Ort um zu schauen, was sich in den letzten Jahren so getan hat. Besonders die Strandpromenade hat sich durchaus positiv entwickelt. Der Stadtstrand ist knapp zwei Kilometer lang, die Promenade entsprechend.
Danach ging es zur Grundstücksbesichtigung. Zuerst zum ca. 7 Kilometer südlich des Zentrums gelegenen Barangay Lalawigan zu unserem Strandgrundstück. Ich hatte gehört, dass man dort eine „Seawall“, also eine Mauer die vor Sturmfluten schützen soll, bauen würde. Was man da hin gestellt hat, ließ mich fassungslos zurück. Ich hatte bereits an anderer Stelle davon berichtet, daher gehe ich hier nicht weiter darauf ein. Etwas frustriert zog ich von dannen.
Ich fuhr zum Markt um Reis und Fisch zu kaufen und dann weiter zum Brgy. San Jose, um einen Blick auf unser kleines Waldgrundstück zu werfen. Dieser liegt ca. 8 KM „inland“. Bereits gegen 9:00 war ich vor Ort. Der Erste, der mich entdeckte, schrie laut „Papa Martin“ und schwankte auf mich zu. Er hatte wohl schon um halb 7 mit der Sauferei begonnen. Eine etwas unentspannte Situation. Nach einiger Zeit hatte ich genug und machte ihm unmissverständlich klar, dass es Zeit fürs Bett sei. Es dauerte ein wenig, dann zog er von dannen. Die Frauen der (mittlerweile) Großfamilie sind alle recht fleißig, bei den Männern kann man das leider nicht von allen sagen. Der Sohn des Säufers ist von ganz anderer Natur. Er ist erst 14 Jahre, spricht fast fließend englisch, hat Pläne, will zum College, er klagte, seine Mutter arbeitet in Manila, der Vater würde jeden Tag trinken. Ich frage mich in solchen Fällen, warum man Typen wie diesen in der Familie duldet und nicht aus dem Haus jagt.
Wir gingen zusammen durch die Reisfelder zu unserem Grundstück. Ich war das letzte mal im Januar 2017 dort, es war kaum wieder zu erkennen. Manche der Bäume sind regelrechte Baumriesen geworden, es gibt allerdings auch ein paar Verluste, was bei solch einem Projekt aber durchaus vorkommen kann.
Das nächste Teilstück ging bis McArthur auf Leyte, eine Strecke von ca. 250 Kilometern. Es war für die nächsten Tage schlechtes Wetter angekündigt, besonders für den Heutigen. Das Frühstück ließ ich ausfallen und zog mich vorsichtshalber wasserdicht an. Ich war bereits um 6:30 Uhr unterwegs. Verkehr gab es um die Uhrzeit so gut wie nicht. Somit kam ich gut voran. Das Regenzeug zeigte Wirkung, bis auf ein paar Tropfen kam ich bei regenfreiem Wetter bis Leyte. Das sollte zum Glück die nächsten Tage so bleiben. In der Nähe von Tacloban quälte ich mich aus dem wasserdichten Zwirn. Der Streckenabschnitt von Abuyog bis Sogod war eine top Strecke fürs Motorrad, auch wenn es in den Bergen teils recht wolkig war. Auf dieser Strecke steht auch die Agas-Agas Brücke. Diese wollte ich mir immer schon einmal anschauen. An der Brücke machte ich eine kurze Pause.
Am frühen Nachmittag erreichte ich die vorab ausgesuchte Unterkunft, die „DelFel Haven Suites“. Bekanntermaßen ist das Preis/Leistung bei philippinischen Hotels schon mal schwierig, hier war das anders. Ich habe in den nächsten Wochen selten eine so gute Unterkunft im Verhältnis zum Preis bekommen.
Am Nachmittag fuhr ich ein wenig durchs Städtchen. Zu sehen gab es nicht viel. Die Suche nach einem Geldautomaten gestaltete sich etwas schwierig. Google Maps führte mich zu Bankfilialen, die tatsächlich nicht existierten. Rettung kam in Form des 7/Eleven. Die meisten Läden der Kette haben mittlerweile auch einen Geldautomaten.
Das Frühstück im Hotel war inkludiert, morgens um 7:00 Uhr ging aber nur Room Service. Völlig OK, um 6:45 Uhr klingelte jemand, ich öffnete die Tür und ein höflicher junger Mann stand vor mir, mit einem Tablett mit meinem Frühstück. Garlic Rice, Spiegeleier, etwas Obstsalat und Kaffee. Ich hatte schon gepackt, musste also nur noch das Frühstück verspeisen und schon konnte es los gehen.
Die Fahrt zum Fährhafen „San Ricardo“ war sehr angenehm. Landschaftlich sehr schön, herrliches Wetter, fürs Motorrad wunderbare Streckenführung, kaum Verkehr. Die Fähren nach Mindanao fuhren nicht nach Fahrplan. Dazu musste ich kurz vor Weihnachten damit rechnen, dass es voller als üblich werden würde. Daher versuchte ich, zeitig am Hafen „San Ricardo“ anzukommen.
Am Hafen steuerte ich direkt das Büro der Fährgesellschaft an. Dort hatte sich bereits eine Warteschlange gebildet. Das ganze Prozedere wirkt für jemanden, der noch nie eine philippinische Fähre samt Fahrzeug genutzt hat, recht chaotisch. Trotzdem hat das Ganze durchaus ein System, wenn sich dieses auch nicht sofort erschließt. Ich parkte das Mopped und stellte mich in die Schlange. Nach einiger Wartezeit rief einer der beiden Mitarbeiter „Motor Motor“. Das war das Signal, dass Passagiere mit Motorrad ihre Papiere abgeben sollen. Motorräder werden oft bevorzugt, der Fahrer ist inkludiert. Ich reichte die Registrierung rüber, das war’s dann aber erst mal. Der Gute meinte, jetzt wäre Zeit fürs Frühstück. OK, auch das muss sein. Die Frühstückspause war nicht allzu lang. Als die Herrschaften wieder ihr kleines Büro aufsuchten, konnte ich kurz darauf mein Ticket im Empfang nehmen. Damit war der Prozess aber noch nicht abgeschlossen. Ich musste noch zu drei weiteren „Fensterchen“, um, wie meistens, weitere Gebühren zu entrichten. Im Anschluss konnte ich das Motorrad auf dem Hafengelände parken und dann hieß es erst mal warten. Nach gut zwei Stunden Wartezeit trudelte die Fähre ein. Die Entladung ging recht flott, auch mein Mopped war zügig verstaut. Dann passierte aber für einige Zeit nichts. Es war noch viel Platz auf dem Kahn, ich vermutete, dass man die Fähre komplett befüllen wollte und daher wartete, bis ausreichend Fahrzeuge vor Ort waren.
Wir erreichten den Hafen von Surigao (Lipata) erst im Dunkeln. Die ausgesuchte Unterkunft, das „Bayview Inn“, war schnell gefunden. Ich hatte hier etwas anderes erwartet. Die Bewertungen waren recht gut, das „Zimmer“ stellte sich aber eher als Absteige heraus. Zumindest war die Lage gut, direkt am Wasser, mit ausreichend Auswahl an Lokalen oder Essständen fürs Abendessen. Nach dem Essen suchte ich noch einen 7Eleven auf und haut mich recht früh ins Bett. Ich freute mich auf die bevorstehenden Tage auf Mindanao.
Die Vorfreude auf die bevorstehende Zeit auf Mindanao war groß. Eine gewisse Anspannung war ebenfalls vorhanden, da ich geplant hatte, bis Zamboanga zu fahren. Zwar hatte ich versucht, so viele Information wie möglich bzgl. der Situation in Muslim Mindanao zu bekommen, wie es dann tatsächlich vor Ort ist, ist immer eine andere Frage. Im Großen und Ganzen hatte ich die Strecke vorab geplant sowie mögliche Unterkünfte per Google gesucht. Der erste Teil (Ost und Zentral Mindanao) sollte weitgehend risikolos sein. Vom Straßenverkehr mal abgesehen. Für Motorradfahrer stelle ich ein paar kurze Videoclips ein, um einen Eindruck über die Strecken zu vermitteln. Nicht-Motorradfahrer mögen das evtl. ignorieren.
Ich wachte früh auf und ich machte mich auf die Suche nach einem Kaffee und einer Kleinigkeit zu essen. In direkter Nähe zum Hotel fand ich einen Bakeshop wo ich einen Kaffee und etwas Cheese Bread kaufen konnte. Gegenüber lagen moderne Outrigger, die die vor Surigao liegenden Inseln als Ziel hatten. Es war schon reichlich Betrieb, die ersten Boote legten bereits ab.
Ich verließ Surigao Richtung Butuan. Der Highway war von guter Qualität, wie so häufig auf Mindanao. Ich fuhr am Lake Mainit vorbei, landschaftlich war die Gegend nicht sonderlich spannend. Butuan umfuhr ich auf der südlichen Umgehungsstraße. Ab Nasipit verläuft der Highway immer mal wieder am Meer entlang, Verkehr gab es genügend. Immerhin ist dies die Hauptverbindung von Cagayan de Oro nach Butuan und Surigao. Aber von Zuständen wie auf Luzons Maharlika Highway ist man noch weit entfernt. Die Highways auf Mindanao sind häufig 4- oder auch 6-spurig. Wenn man es jetzt noch schaffen würde, den Fahrern von Tricycles, langsamen Trucks und sonstigen „slow vehicles“ begreiflich zu machen, das sie doch bitte die rechte Spur nutzen sollen, würde das noch etwas mehr helfen.
In Gingoog City verließ ich den Highway Richtung Claveria. Die „Claveria Road“ ist ein teilweise 4.spuriger Highway von exzellenter Qualität und hervorragender Streckenführung. Spaßfaktor fürs Motorrad fahren auf höchstem Level. Der Highway führt über die Berge, weiter oben fühlte ich mich an die Umgebung von Baguio erinnert, nicht zuletzt wegen der Vegetation, die sehr anders ist als im Tiefland. Die Aussuchtspunkte waren gut von Filipinos besucht. Nachdem ich bei Villanueva wieder die Butuan-Cagayan de Oro-Iligan Road erreicht hatte, änderte sich dies, es gab wieder erheblich mehr Verkehr. Ich war zurück auf der Hauptverbdindungsstraße Cagayan de Oro – Butuan.
Als Ort für die Nacht hatte ich den Ort Tagoloan ausgesucht, da ich nicht bis Cagayan fahren wollte. Hinter Tagoloan geht die Straße nach Malaybay ab. Unterkunft fand ich in „Paula’s Hotel“. Nichts besonderes, aber akzeptabel. Zu „Paula’s“ schien der ganze Komplex samt 7Eleven und Tankstelle zu gehören. Die Lobby war den ganzen Tag voll mit aufgetakelten Filipinas und Herren in Anzügen. Man ist auch im Heirats Business gut unterwegs.
Tagoloan selbst fand ich nicht sonderlich angenehm, eine typische überfüllte Stadt entlang des Highways mit den üblichen Verkehrsproblemen.
Der nächste geplante Streckenabschnitt nach Malaybalay betrug nur 85 Kilometer. Malaybalay ist die Hauptstadt der Provinz die Hauptstadt der Provinz Bukidnon. Bukidnon soll in den letzten Jahren die 5. wohlhabendste Provinz des Landes gewesen sein. Der Highway ist recht gut ausgebaut, auch hier wieder weitgehend vierspurig. Da der Highway weiter nach Davao City führt, ist dieser recht stark befahren, auch von schweren LKW.
Die Stadt liegt auf ca. 600 Meter Höhe, es ist also nicht ganz so heiß wie im Tiefland. In der Nähe befinden sich die eine große Ananas Plantagen der Firma Del Monte. Diese soll mit 20.000 Hektar die größte Del Monte Plantage weltweit sein. Es gibt allerdings nicht nur Del Monte, es werden auch alle möglichen weiteren landwirtschaftlichen Produkte angebaut.
Ich kam bereits gegen 11:00 Uhr in Malaybalay an. Check-In im Hotel sollte eigentlich frühestens um 13:00 Uhr möglich sein, ich konnte aber freundlicherweise direkt mein Zimmerchen beziehen. Das Hotel lag mitten im wuseligen Zentrum der Stadt. Parken musste ich das Motorrad im öffentlichen Bereich. Es gab selbst erklärte „Parkwächter“, die sich kümmerten. Die Sitzbank wurde gegen Sonneneinstrahlung durch Kartons geschützt. Ich gab dem „Kümmerer“ etwas Kleingeld mit der Bitte, gut auf das Mopped aufzupassen. Ich ging davon aus, dass das funktionieren würde.
Es war wieder Zeit meine Dreckwäsche zu einer Wäscherei zu bringen. Dank Google Maps war schnell eine solche gefunden. Es dauerte eine Weile, bis sich die Damen vor Ort einig waren, wer die eher rudimentären Englischkenntnisse testen sollte. Zusätzlich mit den paar Brocken Tagalog, die ich beherrsche, konnte die Aktion erfolgreich beendet werden.
Ich bummelte noch einige Zeit durch einen Park in der Nähe des Zentrums. Hier war schon alles für Weihnachten vorbereitet. Es stand an verschiedenen Stellen Weihnachtsdekoration herum, einschl. Schildchen, wer die Deko gespendet hatte. Die wohlhabenden Familien scheinen sich hier gern einzubringen.
Ich startete meinen ersten Tag in Malaybalay wie immer früh. Malaybalay schlief noch, nur der Dunkin Donuts in der Nähe des Hotels hatte schon geöffnet. Dunkin Donuts ist ein ganz guter Ort, um einen anständigen „Brewed coffee“ zu bekommen. Auf dem Weg dorthin war ich ein wenig irritiert. Da wo gestern noch mein Mopped und viele andere standen, befanden sich auf einmal jede Menge Obststände. Ich schaute mich um und erspähte mein Motorrad auf der anderen Straßenseite in der Reihen mit den ganzen anderen geparkten Moppeds. Irgendjemand hatte es an diese Stelle bugsiert, aber nicht ohne die Sonnenschutz Pappe wieder ordentlich auf der Sitzbank zu platzieren. Nun gut, schien normal zu sein.
Nach einem Kaffee und einem Donut wollte ich das Motorrad putzen lassen. Nicht allzu weit entfernt fand sich ein solcher Laden. 150 Peso sollte das kosten, nach aktuellem Wechselkurs 2,16 €. Ich konnte mich entspannt setzen und dem jungen Burschen zusehen, wie er sein Werk verrichtete. Die Jungs in diesen Läden geben alles! Die Prozedur dauerte über eine halbe Stunde, danach sah das Mopped wieder wie neu aus. Die Wartezeit vertrieb ich mir mit etwas Smalltalk mit einem anderen Kunden. Dieser stellte sich als ehemaliger Polizist vor und meinte zu meinem Vorhaben, bis Zamboanga zu fahren, das wäre OK, nur in Muslim Mindanao sollte ich etwas aufpassen.
Nach der Moppedreinigung wollte ich etwas die Umgebung von Malaybalay erkunden. Schon nach ein paar Kilometern fanden sich reichlich landwirtschaftliche Flächen. Massenhaft Bananen und natürlich hektarweise Ananas Plantagen. Allerdings zur Zeit ohne Früchte.
In der Stadt selbst herrschte mittlerweile absoluter Trubel. Auf den Philippinen ist der 24 Dezember noch ein normaler Arbeitstag, aber für viele Menschen schon ganz im Zeichen der Weihnachtsvorbereitung. Auffällig war die sehr große Anzahl an Bettlern, vermutlich hauptsächlich Angehörige der indigenous tribes. Scheinbar kommen besonders vor Weihnachten viele in die Stadt, um ein paar Peso zu ergattern. Mir war das viel zu viel Theater, nach dem Abendessen verzog ich mich in mein Hotelzimmer.
Von Malaybalay bis nach Digos im Süden der Philippinen sind es etwas mehr als 220 KM. Um 6:00 machte der Dunkin Donuts auf und es gab für mich wieder einen guten Kaffee samt Donut. In der Stadt war noch tote Hose. Weihnachten, Feiertag. Es wird anscheinend länger geschlafen. So mancher Stadtbewohner war vermutlich etwas zu lange wach geblieben.
Um 6:45 war alles verpackt und ich war abfahrbereit. Ein großer Teil der Strecke verlief durchs Hochland. Sehr schöne Landschaft und wieder einmal eine unglaubliche Streckenführung. Auch der Straßenbelag ließ kein Wünsche übrig. Ich kam an einen Teil, wo der Highway sich in großzügigen Serpentinen den Berg hoch schlängelt. Hier ist vor ein paar Monaten ein Teil des Highways ins Tal abgerutscht. Es wurde bereits eine „Detour“, also eine Umleitung gebaut. Busse und schwere LKW durften die Stelle nicht mehr passieren. Busse standen auf beiden Seiten des Erdrutschs, die Passagiere mussten hier umsteigen. Auf dem Berg gab es verschiedene Lokale und alle mögliche Läden, wo alles nur erdenkliche angeboten wurde. Ich machte eine kurze Pause, gönnte mir eine Cola und genoss den Blick in die Umgebung.
Im weiteren Verlauf der Strecke kam ich durch weitläufige Gemüseanbau Regionen. Hier gab es dann auch die ersten Schilder, auf denen Erdbeeren angepriesen wurden. An einem Aussichtspunkt nahm ich eine kleine Mahlzeit zu mir, Suppe mit Rind und natürlich Reis.
Ca. 70 Kilometer vor Davao City verließ der Highway das Hochland, die Temperaturen stiegen merklich an. Auch der Verkehr wurde erheblich mehr, je näher ich Richtung Großstadt kam. Weitgehend 6-spuriger Highway, trotz starkem Verkehr kam ich zügig voran. Ich erreichte Digos bereits gegen Mittag. Mein Zimmer konnte ich bereits beziehen. Ich spazierte durch die Stadt. Sonderlich spannend fand ich Digos nicht, ein richtiges Zentrum war irgendwie nicht vorhanden. Interessant finde ich immer wieder, dass der Verwendung der Farbe "
Um 5:30 war ich wach und stand auf. Da wie meistens noch nirgendwo etwas zum frühstücken zu bekommen war, fuhr ich zum örtlichen Jollibee um meinen Morgenkaffee zu bekommen.
Die übliche Strecke von Digos nach Gen San ist die AH26. Also der Maharlika Highway. Über diese Route sind es ca. 90 Kilometer. Die Strecke ist nicht schön, recht stark befahren und landschaftlich auch nicht sonderlich herausragend. Ich wollte als Alternative die Küstenstraße via Jose Abad Santos und Glan nehmen. Die Strecke ist mit ca. 330 Kilometern erheblich länger. Eigentlich in einem Tag zu bewältigen. Da ich aber nicht so recht wusste, was auf mich zukommen würde, teilte ich die Strecke in zwei Abschnitte ein. Übernachten wollte ich in Jose Abad Santos. Hier sollte es eine einfache Unterkunft geben. Ich hatte schon in Deutschland viel Kontakt zu einem in Davao lebenden Engländer, der Mindanao intensiv per Motorrad bereist hat und mir viele wertvolle Tipps geben konnte. Nach meinen Infos sollte es noch vereinzelte unbefestigte Abschnitte geben, aber zumindest sollten mittlerweile die Brücken fertig sein.
Die Streckenabschnitt nach Jose Abad Santos betrug nur 150 KM. Die ersten 50 Kilometer fuhr ich über einen super ausgebauten Highway. Das änderte sich. Teilweise war der Belag in Ordnung, wechselte aber auch von sich auflösendem Beton über abgefahrenen Asphalt bis zu Teilstücken ohne jeglichen Belag. Die Ausblicke auf die Küste waren teils wirklich bombastisch. Die Streckenführung auch. Kurven ohne Ende und teilweise extrem steil. Berg rauf, Berg runter, immer wieder.
Diese Region ist tatsächlich auch für philippinische Verhältnisse sehr abgelegen. Langnasen kommen vermutlich sehr selten hier her. Das ließen zumindest die fragenden Gesichter erahnen. Ich war so sehr aufs Fahren konzentriert, dass ich im Nachgang sagen muss, ich habe viel zu wenig Pausen gemacht, um die Ausblicke zu genießen und mehr Bilder zu machen. In Jose Abad Santos gibt es eine Unterkunft, das JAS Travellers Inn. Ich hatte vorab versucht, die Unterkunft per Facebook Messenger zu erreichen. Leider bekam ich keine Antwort. Nach einer recht anstrengenden Fahrt erreichte ich Jose Abad Santos gegen Mittag. Falls ich keine Unterkunft finden würde, wäre zumindest noch Zeit, bis Gen San zu kommen, wenn auch mit Stress.
Das JAS Travellers Inn war schnell gefunden. Ich suchte jemanden, den ich nach einer Übernachtungsmöglichkeit fragen konnte. Das dauerte etwas. Die Person die ich fand machte nicht den pfiffigsten Eindruck, aber zumindest verstand sie, dass ich was zum Übernachten suchte. Die Dame zeigte auf eine Hütte. 1.500,- per night. Uff. Erheblich zu viel für das Gebotene. Es gab 4 Schlafplätze, eine Art Bad und AC. Eine klassische Absteige für einheimische Wochenendbesucher, die ein solches Zimmer dann mit 10 Leuten bewohnen. Man kann sicherlich besser übernachten. Da ich wenig Lust hatte, die Strecke nach Gen San mit Stress hinter mich zu bringen, nahm ich das Zimmer. Zumindest lag die Unterkunft direkt am Meer, ich hörte die Wellen rauschen. Ich fragte nach der Möglichkeit Getränke oder gar ein Frühstück zu bekommen. Beides wurde verneint. Zumindest gab es in der Nachbarschaft ein paar Sari Sari Stores.
Ich hatte langsam Hunger bekommen und machte mich auf die Suche nach einer Carenderia. Die in Google Maps aufgeführten Lokale waren entweder geschlossen oder existierten nicht mehr. Ich fragte verschiedene Leute, wo ich was zu essen bekommen könnte, erntete aber nur Schulterzucken. Anscheinend gab es tatsächlich keine Carenderia oder Restaurant. So blieb mir nur der Weg zum Sari Sari Store, um Instant Süppchen, Obst und ein paar Backwaren für den nächsten Morgen zu kaufen. Ich verbrachte den Rest des Tages damit, aufs Meer zu schauen, etwas spazieren zu gehen und zu lesen.
Als ich am nächsten Morgen aufstand, hatten alle Läden noch geschlossen. Heißes Wasser für einen 3in1 Kaffee konnte ich auch nirgends auftreiben. Also bestand das Frühstück nur aus etwas Gebäck und Wasser. Zumindest konnte ich mein „Frühstück“ beim Anblick der aufgehenden Sonne zu mir nehmen.
Die gesamte Reststrecke waren gut 170 Kilometer, ich gab fürs Erste die Stadt „Glan“ ins Navi ein. Bis dahin sollten es 120 Kilometer sein. Google Maps gab ca. dreieinhalb Stunden Fahrzeit an. Das konnte bedeuten, dass der Straßenbelag teilweise schwierig sein würde. An zu viel Verkehr konnte es definitiv nicht liegen. Busse, Vans oder größere LKW sah ich überhaupt nicht mehr.
Der Anfang der Piste war noch einigermaßen OK, wenn auch schon recht holprig. Dann kam aber schnell das erste unbefestigte Stück „Straße“. Das ging im Wechsel weiter. Immer mal ein paar hundert Meter unbefestigt, dann hin und wieder abgefahrener Beton. Asphaltierte Abschnitte gab es gar nicht mehr. Mehr als herausfordernd war die Topographie. Viele Abschnitte waren extrem steil, dazu noch sehr kurvig. Diese Kombination dann noch mit unbefestigter Straßenoberfläche war durchaus herausfordernd.
Nach den ersten 25 Kilometern Strecke kam ich an ein Teilstück, wo früher einmal die „Straße“ für eine Weile über den Strand verlief. Diese hatte man mittlerweile auf ein etwas höheres Niveau verlegt. Nur der Belag wartete aber noch auf Fertigstellung. Ohnehin sah ich viele Baustellen, an denen aber nicht gebaut wurde.
So ging es ungefähr noch 100 Kilometer weiter. Verschiedene Oberflächen im Wechsel. Die Ausblicke von den Höhenlagen auf das Meer und die Küsten waren oft überwältigend. Ich war zu sehr mit dem Fahren beschäftigt und machte leider wieder kaum Fotostopps.
Die Dörfer durch die ich kam wirkten teils sehr ärmlich. Öffentlicher Verkehr findet nur sehr begrenzt statt. Ich gehe davon aus, dass bei mehrtägigen Regenfällen manche Orte regelrecht abgeschnitten vom Rest der Welt sind. Ich dachte an die Kinder die hier aufwachsen. Die Wenigsten haben eine rosige Zukunft vor sich.
Nach geschätzt 80 Kilometern waren wieder die ersten Vans zu sehen, auch schon mal ein kleiner Bus. Das war ein Zeichen, dass der Zustand der Piste nicht mehr viel schlimmer werden würde. Die Offroad Stücke wurden seltener. Die letzten 40 Kilometer bis Glan waren dann weitgehend passabel.
In Glan gönnte ich mir eine längere Pause mit Fried Chicken und einem Getränk. Die restlichen 55 Kilometer von Glan bis General Santos waren gut fahrbar. Eine gut ausgebaute Straße, oft mit Blick aufs Meer. Vor Gen San wurde der Highway breiter, meistens 6-spurig und der Verkehr immer dichter. In Gen San sind die Auswirkungen aber nicht ganz so schlimm wie in anderen Großstädten, da die Straßen sehr großzügig angelegt sind.
In Gen San checkte ich im Columbus Plaza Hotel ein. Hier hatte ich bereits vor 6 Jahren übernachtet. Preislich OK, man merkte aber, dass das Hotel langsam etwas die Jahre kommt.
Nach einer kurzen Pause wanderte ich zur nicht weit entfernt gelegenen SM Mall. Nach der etwas asketischen Phase bzgl. der Essmöglichkeiten in Jose Abad Santos durchstreifte ich den Food Court und gönnte mir etwas vernünftiges zu Essen, einschl. gutem Kaffee.
Auf dem Rückweg zum Hotel machte ich noch einen Rundgang über den Nachtmarkt, der langsam öffnete. Ich hätte dort gerne irgendwo ein Bier getrunken. Leider gab es nirgendwo alkoholische Getränke zu kaufen. Ein alkoholfreier Nachtmarkt mag gute Gründe haben. Also musste ich noch einen kurzen Abstecher zum nahegelegenen 7-Eleven machen, um ein paar Bier zu kaufen.
Sehr schöne Strassen mit am Ende etwas Abenteuer! Sehr schön, ich beneide dich gerade
Aber gut daß du einen Zwischenstopp eingelegt hast, die offroad Einlagen bei Dunkelheit wären echt scheiße geworden! Deswegen plane ich auch nie Tagesetappen die weit über 200km hinaus gehen, das kann dumm ausgehen!
Ich versuche immer unter 300 Kilometern zu bleiben, um die 200 sind mir aber auch am angenehmsten. Frühaufsteher zu sein, ist in dieser Hinsicht positiv. Ich komme gerne am frühen Vormittag an, damit ich noch etwas Zeit für ein paar Erkundungen habe, falls ich nur eine Nacht bleiben möchte.
Kiamba liegt in der Provinz Sarangani. Die Bevölkerung von Sarangani ist mehrheitlich christlich, es gibt auch eine große Gruppe Lumads (indigene Bevölkerung), hauptsächlich T’Boli und B’laan, der Anteil der Muslime in der Provinz liegt bei 9 %. Die muslimische Bevölkerung gehört größtenteils zu den ethnischen Gruppen der Sangil, Maguindanao und Kalagan. Obwohl Sarangani nicht zur BARMM (Bangsamoro Autonomous Region in Muslim Mindanao) gehört, mehrheitlich von Filipinos, deren Wurzeln in den Visayas liegen, bewohnt wird, gibt es immer wieder verallgemeinernde Warnhinweise. Häufig wird die Auffassung geäußert, dass man Mindanao westlich einer gedachten Linie von Cagayan de Oro bis General Santos City aus Sicherheitsgründen nicht bereisen sollte (siehe angehängte Karte von Mindanao). Ich halte das so verallgemeinernd für ziemlichen Unsinn. Es gibt sicherlich bis heute Gebiete, die man meiden sollte, dazu später mehr.
Von Gen San bis Kiamba sind es knapp 100 Kilometer. Ich ließ den Morgen ruhig angehen. Zum Frühstück war es etwas zu weit zum Laufen, also bemühte ich das Motorrad. Am Sonntag sind anscheinend dann auch die lokalen Motorradfahrer auf Tour. Es waren einige Gruppen mit größeren Fahrzeugen unterwegs. Auf den Philippinen eigentlich eher selten zu sehen. Alleine eine neue 750er Transalp kostet locker drei bis vier Jahresgehälter eines Durchschnittsverdieners. Aber auch hier gibt es eine Klientel, die sich solche Motorräder leisten kann.
Gegen halb 10 machte ich mich auf den Weg Richtung Kiamba. Da ich nicht einschätzen konnte, wie es in den Orten, die ich in den nächsten Tagen aufsuchen wollte, mit der Bargeldversorgung aussehen würde, suchte ich vorsichtshalber noch einen Geldautomaten auf. Gleiches galt fürs Tanken. Auch jetzt waren noch einige Tankstellen nach Weihnachten „ausverkauft“, dann lieber vor der Abfahrt noch einmal voll tanken.
Die ersten 40 Kilometer waren nicht wirklich angenehm. Sehr staubig, extrem heiß, wenig grün, keine Palmen, sehr schlechte Luft. Zumindest konnte ich zügig unterwegs sein. Die letzten 60 Kilometer waren viel angenehmer. Langsam wurde der Bewuchs entlang der Straße wieder dichter. Es waren reichlich Beach Resorts ausgeschildert. Allerdings ist ein Abstecher zum Strand, ohne ein Resort zu besuchen, so gut wie nicht möglich. Die Strände sind weitgehend abgesperrt.
Kiamba stellte sich als angenehmes Städtchen mit netten Bewohnern heraus. Das Hotel, das ich mir ausgesucht hatte, war ein sehr positiver Sonderfall im Vergleich zu manchen abderen Unterkünften. Gut geführt, preislich mehr als fair, 890,-- Peso, einschl. Frühstück. Ich wollte eigentlich zwei Nächte bleiben, leider war das Hotel aber für den kommenden Tag bereits ausgebucht. Also änderte ich meinen Plan.
Ich ging zur Tourist Info am Hafen und fragte nach, wie es mit einem Besuch des Strands, dem Tuka Beach aussehen würde. Am Tuka Beach hat Manny Pacquiao ein Strandhäuschen, seine Frau kommt aus Kiamba. Man kommt nur per Boot hin. Für den Tag gab es leider keine Möglichkeit mehr, um zum Strand zu gelangen, erst wieder am nächsten Morgen. Das passte leider nicht. Somit verbrachte ich den Nachmittag in der Stadt. Auch in Kiamba merkte ich, dass westliche Ausländer selten her kommen. Ich fand ein anständiges Restaurant, wo ich in Ruhe sitzen konnte. Einziges „Problem“ war, dass es die meisten Gerichte nur in der Größe „good for two, three or four“ gab. Die Nachfrage, evtl. auch kleinere Portionen zuzubereiten, überfordert manchmal die Flexibiliät der Angestellten.
Die Stadt Lebak liegt bereits in der Provinz Sultan Kudarat (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Stadt, diese liegt nördlich von Cotabato City. Bei dem Provinznamen könnte man vermuten, dass man schon in Muslim Mindanao angekommen ist, das ist aber nicht der Fall. Wenn auch der Anteil der muslimischen Bevölkerung schon etwas höher ist als in Sarangani. Muslime sind aber auch in Sultan Kudarat in der Minderheit, laut Census von 2020 soll dieser bei 30 % liegen.
Mein Frühstück kam ohne weitere Aktivität meinerseits am recht frühen morgen zu mir aufs Zimmer. Zimmerservice hat auch was Angenehmes. Ich ließ mir Zeit und packte dann in aller Ruhe meine Sachen. Von Kiamba bis Lebak sollten es 140 Kilometer sein. Angezeigte Fahrzeit etwas über drei Stunden. Landschaftlich war die Strecke wunderschön. In der Provinz Sarangani war der Straßenzustand noch soweit gut. In der Provinz Sulan Kudarat sah das etwas anders aus. Zwar noch durchgehend befestigt, aber schon ziemlich in die Jahre gekommen. Dazu hatte ich das Gefühl, dass durchaus ein Wohlstandsgefälle zwischen den beiden Provinzen vorhanden ist. Das kann ich aber nicht belegen. Ich machte einige Fotostops, da ich nicht in Eile war. Die Blicke der anderen Verkehrsteilnehmer verrieten mal wieder, dass Langnasen hier eher nicht vorbei kommen.
Ich erreichte Lebak gegen Mittag. Ich war mir nicht sicher, ob meine Zimmerreservierung im Vegas Transient Inn geklappt hatte, da die Chefin mir per Facebook Messenger geschrieben hatte, dass sie ihr Personal fragen würde, ob ein Zimmer frei sei, sie selber sei gerade nicht in der Stadt.
Als ich auf den Hof der Unterkunft trat, rief aber direkt jemand vom Balkon herab, ob ich der Martin sei. Ja, der bin ich. Gibt’s ein Zimmer? Ja. Somit hatte das dann doch geklappt. Etwas später erhielt ich noch eine Facebook Nachricht mit der Frage, ob ich schon hätte einchecken können. Facebook ist bei Reisen auf den Philippinen tatsächlich ein guter und wichtiger Begleiter. Ob man die Plattform nun mag oder nicht. Man kommt kaum dran vorbei.
Als die Chefin am Nachmittag eintraf, unterhielten wir uns recht lang. Die Sicherheitslage wurde natürlich auch Thema. Die Dame war offensichtlich etwas frustriert darüber, dass Mindanao oft verallgemeinernd als sehr gefährlich bezeichnet wird. Für die Küstenregion von Sultan Kudarat bedeutet das, dass man das touristische Potential nicht voll ausschöpfen kann. Das betrifft zur Zeit noch hauptsächlich den einheimischen Tourismus.
Lebak hat eine Einwohnerzahl von knapp 90.000. Wie viele davon tatsächlich in der Stadt selbst leben, kann ich nicht sagen. Das ganze wirkt eher überschaubar. Trotzdem geht es tagsüber recht turbulent zu. Tricycles verstopfen die Straßen, der Verkehr fließt anarchistisch wie üblich. Da aber alles recht langsam läuft, kommt man problemlos damit klar. Man findet alles was man braucht, auch eine Wäscherei. Es gibt auch ein paar ganz passable Lokale und auch Kaffeebuden.
Den Silvestertag verbrachte ich mit ein paar Erledigungen und ansonsten faulenzen. Ich holte meine Wäsche ab und gönnte mir einen Kaffee beim Coffeeshop „Kopikuys“. Man sitzt auf kleinen Stühlchen vor dem Laden. Viele junge Leute waren dort, gemischte Mädchengruppen, mit und ohne Kopftuch. Es wirkte auf mich schon so, dass die verschiedenen Bevölkerungsgruppen recht unverkrampft miteinander leben. Ich wurde natürlich noch zu einem Foto genötigt, das auf der Facebookseite des Shops Verwendung finden sollte.
Faulenzen konnte ich gut im gegenüber des Hotels liegenden Beach Resort. Lesen, etwas schwimmen, ansonsten nur dösen. Etwas Entspannung bevor es morgen wieder auf die Piste Richtung Cotabato City gehen würde.
Da unten möglicherweise nicht, auf Luzon sieht man davon richtig viele, die fahren dann am Wochenende von Luzon in die nahen Provinzen. Sind öfter mal so Gruppen von 15, 20 Leuten und alle mit „Tito Bikes“ (BMW GS etc), natürlich die Front voll mit Blitzlichtern und fahren oft wie bekloppte Rollerfahrer, denen man noch mal extra in den Kopp gekackt und dann ein dickes Bike gegeben hat. Muss man nicht verstehen. Die Adventure-Bikes bleiben natürlich schön auf Asphalt. Da sind mir Deine Pfade tausendmal lieber
Auf dem Weg zurück von Zamboanga Richtung Ipil traf ich auf eine Gruppe Ducati Fahrer. Um die 10 Personen, die meisten mit Multistrada, ein paar mit Scramblern. Hatte ich auf den Philippinen noch nie gesehen, wenn dann meistens GS.
Aber es gibt auch einige Off Road Gruppen, die schon ordentliche Touren machen. Dafür ist die grossen GS eigentlich… ja… zu gross. Und diese Jungs sind da wo Du nicht bist.
Du meinst vermutlich eher die Umgebung von Manila? Auf der Fahrt von Bulacan bis Matnog habe ich nicht ein großes Motorrad gesehen. Geben wird’s da sicher irgendwo welche.
Kurze Anmerkung: Ich habe weiter oben eine kleine Korrektur gemacht, ich war bei den Tagen ein wenig durcheinander gekommen. Am 1.1. war die Fahrt nach Cotabato.
Das nächste Ziel meiner Reise war Cotabato City und lag somit in Muslim Mindanao, genauer in der BARMM (Bangsamoro Autonomous Region in Muslim Mindanao), der autonomen Muslim Region der Philippinen. Ich habe bereits in Deutschland versucht, mich gut auf „Muslim Mindanao“ vorzubereiten. Brauchbare Informationen zur aktuellen Sicherheitslage zu bekommen war schwierig. Die offiziellen Informationen westlicher Regierungen sind wenig hilfreich, da diese mehr oder weniger die Hälfte der Insel Mindanao pauschal als gefährlich einsortieren. Wie schon weiter oben geschrieben hatte ich viel Kontakt zu einem in Davao lebenden Engländer. Dieser hatte bereits alle Gebiete, die ich durchfahren wollte, vor nicht allzu langer Zeit selbst besucht. Ich bin durch meine Recherchen zu dem Ergebnis gekommen, dass ich folgende Gebiete zur Zeit nicht bereisen würde (siehe Karte): Umgebung von Mamasapano, Pikit, östlicher Bereich das Lake Lanao, Liguasan Marsh, auf der Zamboanga Halbinsel die Gegend um Sibuco. Dies darf nicht als Empfehlung aufgefasst werden sondern betrifft lediglich meine persönliche Einschätzung. Oft liegen die Gefahren auch nicht in direkten (religiös motivierten) Angriffen auf Fremde, teils können Übergriffe schlicht krimineller Natur sein. Es gibt ebenso das Risiko, bei Auseinandersetzung zwischen politischen Clans zwischen die Fronten zu geraten.
Um den Konflikt in West Mindanao und Sulu etwas besser zu verstehen, macht es Sinn, sich mit den geschichtlichen Gegebenheiten sowie mit den verschiedenen Gruppierungen und deren Entstehung zu befassen. Es gibt keine homogene muslimische Gruppe in Mindanao und Sulu. Verschiedene Gruppierungen haben ihre Wurzeln in Sulu, Maguindanao oder Lanao. Auch wenn es muslimische Gruppen sind, bedeutet dies nicht, dass sich diese unbedingt gut verstehen.
Ein paar Zeilen zu den Hauptakteuren (und deren Herkunft) in dem seit über einem halben Jahrhundert andauernden Konflikt:
MNLF (Moro National Liberation Front), gegründet 1970 von Abul Khayr Alonto und Jallaludin Santos mit der Intention, einen unabhängigen Staat zu schaffen. Nur Misuari, gebürtig aus Jolo, war Professor an der UP und trat der MNLF durch das Drängen von Abul Khayr bei.
MILF (Moro Islamic Liberation Front), gegründet von Salamat Hashim, gebürtig aus Midsayap, Provinz Cotabato, bildete sich Ende der 70er als Fraktion der MNLF mit radikalerer Ausrichtung. 1984 endgültige Abspaltung von der MNLF.
BIFF (Bangsamoro Islamic Freedom Fighters), Abspaltung von der MILF, Islamisten und Jihadisten, ab 2015 Bekennung zu ISIS, danach Abspaltung einer Gruppe unter Führung von Ustadz Karialan. Dieser bestand auf die Durchsetzung der Belange der Moros und weniger des IS. Von dieser Fraktion spaltete sich wieder eine Gruppe ab (Jamaatul al-Muhajireen wal-Ansar), denen der Kurs von Ustadz Karialan nicht radikal genug war. Aktiv hauptsächlich im Bereich Maguindanao del Sur bis nach Lanao.
Die drei BIFF Fraktionen koordinierten ihre Aktionen nicht mit einander. BIFF gilt mittlerweile als stark geschwächt, auch durch die Aufgabe vieler Mitglieder.
Abu Sayyaf Group, radikale, islamistische Gruppe, Abspaltung von der MNLF 1991. Einige Mitglieder der Gruppe hatten in Afghanistan Kampferfahrung gesammelt. Anfänglich gab es das Ziel einen unabhängigen Staat zu gründen, später verlegte sich die Gruppe auf Entführungen und terroristische Attacken. Aktionsgebiet hauptsächlich Sulu und Zamboanga Halbinsel. Abu Sayyaf gilt heute als weitestgehend ausgeschaltet.
Maute Gruppe, Terrormiliz, die von den Brüdern und MILF Mitgliedern Abdullah Maute und Omar Maute 2012 gegründet wurden. Hauptsächliche Aktivität in der Region um Butig, östlich des Lake Lanao.
Dawlah Islamiyah (DI), Dawlah Islamiyah ist der arabische Begriff für „Islamischer Staat“ und wird von den philippinischen Behörden als übergeordneter Begriff für radikale islamistische Splittergruppen wie BIFF, Maute oder Abu Sayaf benutzt.
Die Maute Gruppe war führend bei Besetzung Marawis, die wenigsten haben überlebt, Maute ist im Grunde nicht mehr existent. Gleiches soll für Abu Sayaf gelten, zumindest wurde mir das in Tawi Tawi immer wieder bestätigt. BIFF ist stark dezimiert, vereinzelte Gruppen sollen noch aktiv sein. Wenn letzte Berichte korrekt sind, sind die letzten Akteure der BIFF in den Gebieten um Pikit, Mamasapano und dem Liguasan Marsh aktiv.
Allgemein hatte ich das Gefühl, dass der Friedensprozess auf einem recht guten Weg ist. Das ist natürlich eine sehr subjektive Einschätzung. Wichtig ist natürlich wirtschaftlicher Aufschwung, die Infrastruktur muss erheblich verbessert werden. In manchen Orten hatte ich das Gefühl, dass die Entwicklung 30-40 Jahre hinter den Visayas oder Luzon zurück liegt. Korruption wird wie überall ein Problem sein. Es gibt auch in Muslim Mindanao ein paar dominierende, konkurrierende und wirtschaftlich mächtige Familien bzw. Clans. Bewaffnete Auseinandersetzungen, Attentate etc. kamen und kommen vor. Hier sei an das Ampatuan Massaker am 23 November 2009 in der gleichnamigen Stadt erinnert.
Lebak – Cotabato City
Die Straße von Lebak führt, nachdem man Sultan Kudarat verlassen hat, durch die Provinzen Maguindanao del Sur und Maguindanao del Norte. Diese sind erst 2022 durch Teilung der Provinz Maguindanao entstanden. Beide Provinzen gehören zur Region ). BARMM (Bangsamoro Autonomous Region in Muslim Mindanao.
Nachdem es gestern Abend noch heftig geregnet hatte, war heute morgen wieder alles gut. Blauer Himmel, ein paar Wölkchen, also gute Aussichten für die Fahrt nach Cotabato City. Bis ich mein Frühstück bekam dauerte es etwas. Die Familie hatte zum Jahreswechsel Besuch von der Verwandtschaft aus Davao bekommen, ich schätze man hatte etwas zu tief ins Glas geschaut. Zumindest war noch Kaffee vorhanden (instant natürlich), der war kostenlos. Vor der Abfahrt gab’s noch ein Schwätzchen mit der Chefin und das obligatorische Foto für Facebook.
Der Highway war die ersten 40 Kilometer noch recht passabel. Ab dem Ort „South Upi“ änderte sich das etwas. Zwar durchgehend betoniert, aber schon stark in die Jahre gekommen. Aber wieder einmal eine unglaubliche Berg-Tal Strecke mit teils schönen Ausblicken. Obwohl die Orte „South Upi“ und „Upi“ in Maguindanao del Sur bzw. Maguindanao del Norte und somit in der autonomen Muslimregion BARMM (Bangsamoro Autonomous Region in Muslim Mindanao) liegen, sind hier die Muslime in der Minderheit (+/- 20 %), die Mehrheit der Bewohner gehört der indigenen Gruppe der Teduray an. So richtig einladend wirkte Upi auf mich nicht. Auffällig waren entlang des Highways die vielen großen Werbeschilder der KCC Mall Cotabato City. Es wurde für ein Preisausschreiben geworben. Gewinnen konnte man Reisen nach Mekka.
Die wirtschaftliche Entwicklung scheint hier stark hinter den Provinzen im zentralen und östlichen Mindanao hinterher zu hinken. Die Infrastruktur zeigte sich teilweise in einem recht desolaten Zustand. Die abgelegenen Dörfer wirkten sehr ärmlich. Immerhin gab es viele Baustellen. Allerdings stand bei vielen kein Equipment.
Auf der Strecke gab es einige Armee oder Polizei Checkpoints. Nicht alle waren besetzt, aber die meisten. Wo Personal vorhanden war, war dieses in voller Kampfmontur samt Schnellfeuergewehr. Angehalten wurde ich nirgendwo. Der letzte Checkpoint, den ich passierte, befand sich an einem Aussichtspunkt, von dem ich einen grandiosen Blick auf Cotabato City und das Umland hatte. Auch viele Filipinos hielten hier an um ihre Selfies zu schießen. An dieser Stelle stand auch das erste Schild, das auf die Ausgangssperre von 22:00 bis 4:00 Uhr hin wies.
Das Hotel in Cotabato City, das Paragon Hotel, hatte ich bereits per Booking.com reserviert. Als ich ankam war ich erst mal etwas verwundert. Alles verriegelt und verrammelt. Auf einem Schild standen die Öffnungszeiten des Restaurants und des Hotels. Beim Hotel stand 24/7. Ich suchte die Facebookseite des Hotels und rief die dort aufgeführte Telefonnummer an. Wie sollte es anders sein, „the person you are calling is not available“. Was tun? Ich wartete einen Moment. Plötzlich waren von innen Geräusche zu hören und das Tor öffnete sich. Ein junger Mann erschien und entschuldigte sich. Er musste für eine Weile schließen, da er beten musste. Na gut. Ich zeigte ihm auf dem Handy die Buchung und der Gute wurde sofort aktiv. Er rief seinen Kollegen und es wurde telefoniert. Ein paar Brocken konnte ich verstehen. „Hier ist ein Americano mit Motorrad“. Nach einigem Hin- und Her konnte ich mein Zimmer beziehen. Das Zimmer war ausreichend groß, AC, Bad und Wasserkocher waren vorhanden, ansonsten hatte das Hotel die besten Jahre bereits hinter sich. Der reguläre Check-In konnte erst am nächsten Tag erfolgen, da die zuständige Damen nicht vor Ort war.
Nachdem ich mein Zimmer bezogen hatte, machte ich mich direkt zur Grand Mosque auf, zur größten Moschee der Philippinen. Korrekter Name ist „Sultan Haji Hassanal Bolkiah Masjid“. Die Moschee liegt außerhalb der Stadt am Tamontaka River und ist eine der nicht allzu zahlreichen Sehenswürdigkeiten von Cotabato City. An den Baukosten hat sich mit 53 % der Sultan von Brunei beteiligt, daher der Name. Die Moschee liegt ca. 10 Kilometer außerhalb der Stadt, an der Mündung des Tamontaka Rivers. Man hat dort ein imposantes Bauwerk hin gestellt. Beim genaueren Hinsehen fällt allerdings auf, dass gelegentliche Renovierungsarbeiten eher stümperhaft ausgeführt werden, oder auch gar nicht. Nun ja, Maintenance ist auf den Philippinen immer so ein Problem. Ich musste mich vor dem Betreten des Geländes in ein Buch eintragen, so wie die lokalen Besucher auch. Der diensthabende Mitarbeiter war sichtlich erfreut, einen Langnasenbesucher begrüßen zu dürfen. Er wies mich freundlich darauf hin, dass der Eintritt frei sei. Ich könnte aber, wenn ich möchte, vor dem Verlassen des Geländes, eine kleine Spende in die dafür vorgesehene Büchse einwerfen.
Nach dem Moschee Besuch fuhr ich in die Stadt um was Essbares zu suchen. Am 1.1. ist natürlich auch hier Feiertag und es war fast alles geschlossen. Auch Restaurants. Bei der KCC Mall gab es einen McDonalds, der hatte natürlich geöffnet. Ich wählte Fried Chicken mit Reis, das war mir lieber als ein Burger. Die Apfeltaschen beim Mc finde ich auch ganz OK. Nach dem Essen schaute ich mir noch ein wenig die Stadt an. Allzu viel war nicht zu sehen.
Zurück im Hotel war es Zeit für eine Dusche. Ein paar hundert Meter weiter fand ich einen 7/Eleven. In der Hoffnung dort ein kühles Bier zu bekommen fuhr ich hin. Fehlanzeige, kein Bier zu bekommen. Somit hatte ich schon eine Aufgabe für den folgenden Tag: Supermarkt mit Bierverkauf finden.
Auffällig war, dass große Handels- oder Fastfoodketten in Cotabato City investieren. Im Außenbereich gab es erste Läden wie Hardware- oder Appliance Shops, in der Stadt gibt es die ersten Filialen von McDo, KFC oder Mang Inasal. Konzerne investieren erst, wenn es eine gewisse Stabilität gibt. Egal ob man Läden wie McDo nun mag oder nicht, für die Menschen vor Ort bedeutet das etwas Normalität, man kann den Bewohnern nur wünschen, dass die ersten Blüten des Friedensprozesses nicht verwelken.
Seit langer Zeit kenne ich Bilder einer Moschee, die gänzlich dunkel-rosa angemalt ist. Diese liegt ca. 50 Kilometer südlich von Cotabato City. Da ich nun einmal in der Gegend war, wollte ich mir natürlich diese Moschee einmal live anschauen.
Ich war gar nicht lange unterwegs, da wurde ich noch in Cotabato an einer Kreuzung von einem „Traffic Enforcer“ angehalten. Ich war erheblich zu weit über die (nicht vorhandene) Anhalte Linie gefahren. Es war klar was kommt. Führerschein zeigen, kurze Erklärung, was ich falsch gemacht hatte. Kostenpunkt, 500 Peso. Ich sagte nein. Ich stritt das „Fehlverhalten“ nicht ab, sagte dem Typen aber, dass 500 Peso in keinem Verhältnis stehen. Und wenn, nur gegen Quittung. Dann würde er meinen Führerschein zur LTO bringen. OK, da kann man das ja klären, auch mit der nicht ausgestellten Quittung. Ich fragte ihn, ob das die übliche Verhaltensweise ist, Touristen zu begrüßen. Es ging noch etwas hin und her, dann kam Traffic Enforcer Nr. 2. Nr 1 hatte anscheinend verstanden, das kein Geld zu holen war und gab mir den Führerschein zurück. Kollege Nr. 2 trug ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Security“ und war weitgehend zahnlos. Sehr vertrauensvoller Auftritt. Er meinte, 300 Peso wären auch OK. Nein sagte ich, ist nicht OK. Er fragte mich dann nach einem Selfie. Ich sagte OK, umso besser, einen Beweis zu haben, dass man mich hier abzocken möchte. Dann war er doch nicht mehr so scharf auf das Selfie. Mir wurde das Ganze dann zu blöd und ich bin dann einfach los gefahren. Meinen Führerschein hatte ich ja wieder. Später recherchierte ich kurz, auch die Einheimischen beklagen sich wohl regelmäßig über dieses Verhalten. Es richtet sich also nicht nur gegen Langnasen (von denen es ohnehin in der Stadt viel zu wenige gibt, um gut Kasse zu machen).
Ich ließ die Stadt schnell hinter mir. Ich hatte es bereits weiter oben angemerkt, die Gegend außerhalb der Stadt wirkte teilweise wie die Philippinen in anderen Regionen vor 30 oder 40 Jahren. Der Dauerkonflikt zwischen Rebellen und der Staatsmacht haben die Entwicklung nachhaltig gestört oder gar verhindert. Man merkte zwar einen gewissen Aufbruch, aber wann die Region zu anderen Regionen auf Mindanao wirtschaftlich aufschließen kann, ist mehr als unklar.
Nach gut einer Stunde Fahrzeit erreichte ich die Moschee. Diese liegt am Rande des Ortes Datu Saudi-Ampatuan, nah am Highway der über Shariff Aguak nach Isulan führt und liegt bereits in der Nachbarprovinz Maguindanao del Sur. Sie trägt natürlich den Spitznamen „Pink Mosque“, heißt offiziell aber Masjid Dimaukom. Die Moschee trägt den Namen des früheren Bürgermeisters der Stadt, wurde auf einem Grundstück der Familie Dimaukom von christlichen Handwerkern erbaut und soll Einheit und interreligiöse Bruderschaft symbolisieren. Eröffnet wurde die Moschee im Jahr 2014. Die Farbe blättert teilweise ab, das tropische Klima fordert seinen Preis. Hier ist Handlungsbedarf angesagt.
Es waren einige einheimische Besucher da, die Moschee ist aufgrund der auffälligen Farbe auch für Filipinos eine Sehenswürdigkeit. Ich plauderte eine Weile mit einem Besucher aus Midsayap. Auf meine Frage bzgl. der Sicherheit in Midsayap meinte er, die Gegend sei mittlerweile sicher.
Etwa 20 Kilometer weiter südlich befindet sich der Ort, an dem am 23. November 2009 das Maguindanao Massaker (auch Ampatuan Massaker) stattgefunden hat. Mitglieder der Familie Ampatuan waren verantwortlich. Der Ampatuan Klan war (und ist vermutlich noch) eine politisch und wirtschaftlich mächtige Familie in Maguindanao. Der Aufstieg des Klans begann bereits unter Marcos und war auch ein wichtiger Verbündeter von Gloria Macapagal Arroyo.
Auf der Fahrt zurück in die Stadt sah ich reichlich Moscheen. Die ganz Kleinen machten einen recht heruntergekommenen Eindruck.
Am Nachmittag schaute ich mir die KCC Mall an. Die Mall ist (noch) die drittgrößte Mall auf Mindanao, scheint aber noch nicht gänzlich fertig gestellt zu sein. Auf jeden Fall ist die Mall ein Publikumsmagnet, es war brechend voll. Auch hier hingen wieder die Banner, die für das Preisausschreiben zur Mekka Fahrt warben. Zum Essen ging ich in die Filiale von Mang Inasal. Die Auswahl war etwas anders als in den Filialen in christlichen Regionen, die Schweinespieße fehlten natürlich gänzlich. Die muslimische Dominanz bemerkt man auch in den Supermärkten. Ich hatte bereits geschrieben, dass ein 7Eleven kein Bier führte. Ich bin noch einmal hin gefahren und habe nach Bier gefragt. Man verwies mich auf eine andere Filiale, dort wurde ich auch fündig.
In Cotabato City lebt eine nicht so kleine christliche Minderheit. Diese wird Produkte wie Schweinefleisch und Alkohol schon irgendwo zu kaufen wissen.
Die Strecke von Cotabato City nach Zamboanga City hatte ich zwei Etappen aufgeteilt, da es insgesamt ca. 450 Kilometer waren. Als Zwischenstopp wählte ich Kabasalan in der Provinz Zamboanga Sibugay, Entfernung knapp 300 Kilometer.
Ab 7:00 Uhr sollte es Frühstück geben, zumindest theoretisch. Es rührte sich nichts. Ich hatte noch zwei Päckchen 3in1 Kaffee und eine Packung „Cup noodles“, ein Wasserkocher war vorhanden. Also wurde das „Frühstück“ selbst zubereitet. Es gibt sicherlich Besseres, aber das reichte erst mal.
Die ersten 120 Kilometer gingen noch durch die beiden BARMM Provinzen Maguindanao del Norte und Lanao del Sur. Das war schon alleine anhand des Straßenzustands zu merken. Manche Teile sind einigermaßen OK, aber sicherlich weit über 50% eine ziemliche Katastrophe. In einem Städtchen gab es gar keinen Beton mehr sondern die Fahrbahn war mit einer Art dunkelbrauner Sandschicht bedeckt. Ich kam an eine Stelle, die auf gefühlt 100 Metern komplett unter Wasser stand. Das Wasser war tiefbraun. Die Tiefe konnte man nur erahnen. Ich zögerte kurz und ließ einen mutigen Filipino überholen und somit vorfahren. Er stoppte kurz, steuerte dann aber mutig den überschwemmten Bereich an. Ich folgte ihm, aber vorsichtshalber nicht direkt in der gleichen Spur. Zumindest versuchte ich es. Ein seltsames Gefühl, wenn man so gar nicht weiß, wie tief das Wasser und wie fest der Untergrund ist. Nur jetzt nicht stecken bleiben und umkippen, dachte ich mir. Ich kam gut durch das Wasser, allerdings mit ziemlich nassen Füßen. Eine Aufnahme habe ich davon leider nicht.
Eine Pause legte ich am sogenannten Picong Tunnel (oder einfach Lanau Tunnel) ein. Der Tunnel wurde bereits von den Amerikanern gebaut, um die Verbindung der Städte Cotabato und Pagadian zu ermöglichen. Für uns ist das nicht Besonderes. Es ist aber der einzige Tunnel dieser Art in der Region. Die Filipinos halten hier reihenweise an um zu fotografieren. Ich gesellte mich dazu. Landschaftlich war die Strecke eigentlich recht schön, aber aufgrund der meist miserablen Straßen war erhöhte Konzentration angesagt. Zumindest war der Verkehr überschaubar.
Nicht weit hinter dem Tunnel erreichte ich Lanao del Norte und hatte somit die BARMM Region hinter mir gelassen. Der Zustand des Highways verbesserte sich allmählich. In den Provinzen Zamboanga del Sur und Zamboanga del Norte war der Zustabnd des Highways wieder weitgehend in Ordnung. Auch die Orte die ich durchfuhr wirkten auch nicht mehr so ärmlich und rückständig, wie in den muslimisch dominierten Provinzen.
In Pagadian machte ich eine kurze Pause um etwas zu essen. Gegen 16:00 Uhr erreichte ich mein Ziel, die G&J Apartelle im Städtchen Kabasalan. Auch den den Tipp hatte ich von dem Engländer aus Davao bekommen. Ich hatte mich am Vortag telefonisch angekündigt. Es gab auch tatsächlich ein Zimmerchen für mich, der dazugehörige Laden hatte auch ausreichend kaltes Bier, wenn auch nur die Light Variante. Ich fragte, ob es auch San Mig Pilsen geben würde. Man verneinte. Harten Alkohol hätten sie nicht. Da beide Biere 5% Alkoholgehalt haben schmunzelte ich ein wenig, verkniff mir dann aber weitere Fragen oder Kommentare und kaufte zwei Flaschen „Light“. Das Abendessen nahm ich im angrenzenden Lokal ein. Ein Ort den man hier so nicht erwarten würde.
Am nächsten Morgen schaute ich, ob es in irgend einem Laden schon ein Lebenszeichen gab. Nirgendwo rührte sich etwas. Also sattelte ich das Motorrad und startete zeitig. Natürlich musste auch hier noch ein Foto für die Facebookseite der Unterkunft gemacht werden.
Die nächste Stadt (Ipil) war nur 20 Kilometer entfernt. Hier fand ich problemlos einen anständigen Kaffee und etwas zu essen. Die Städte Pagadian und Ipil hatten länger den Ruf, zu den eher kritischen Gegenden zu gehören. Weniger aufgrund religiös motivierter Gewalt sondern schlicht aufgrund einer recht hohen Kriminalitätsrate. Beim Durchfahren der Städte sowie kurzem Halt stellte sich kein Gefühl der Unsicherheit ein. Entlang des Highways wirkten beide Städte nicht anders als irgendwelche anderen Großstädte im Land. In den Außenbezirken waren Filialen der üblichen Ketten angesiedelt, von Fastfood bis Hardware Shops.
Von Ipil waren es nur 140 Kilometer bis Zamboanga. Gegen Mittag erreichte ich die Stadt. Bis ca. 30 Kilometer vor Zamboanga war der Verkehr überschaubar, dann wurde es langsam voller. In der Stadt selbst herrschte krasser Verkehr. Und das an einem Sonntag. Gar nicht auszudenken, was hier unter der Woche abgeht. Zamboanga City ist gewaltig gewachsen und soll mittlerweile über 1.000.000 Einwohner haben und gehört somit zu den größten Städten im Land.
Mein letzter Besuch in Zamboanga war zum Jahreswechsel 2009/10. Ich erkannte das Rathaus wieder sowie den davor liegenden Platz, die Plaza Pershing und die Straße zum früheren Lantaka Hotel. Hier schließt sich der Paseo del Mar an, ein dem Meer abgerungener Bereich. Hier gab es vor 16 Jahren nur provisorische Buden. Der Bereich ist noch vergrößert worden, mittlerweile gepflastert und mit gepflegter Grünanlage. Es gibt reihenweise Lokale, die alle möglichen Leckereien anbieten. Viele waren am frühen Nachmittag leider noch geschlossen. Ich traf mich am Paseo del Mar auf ein Schwätzchen mit unserem Forenmitglied Karl.
Vom Paseo del Mar hat man einen guten Blick auf die vorgelagerten Inseln, dahinter erkennt man die Silhouette der Insel Basilan. Die Insel war bekanntermaßen lange eine No-Go area für Touristen. Auch das soll sich mittlerweile etwas geändert. Wobei empfohlen wird, einen Besuch am besten mit ortskundiger Begleitung zu machen, allein schon, um möglichst viele Fettnäpfchen zu umgehen.
Neben dem Paseo del Mar liegt das Fort Pilar, eine von den Spaniern gebaute Festung. Hier befindet sich auch ein recht gut gemachtes Museum. Dieses war bei meinem letzten Besuch geschlossen, also schaute ich es mir diesmal an. Es sind Erläuterungen und Ausstellungsstücke zur Geschichte der Stadt zu finden sowie reichlich Infos zu den verschiedenen Volksgruppen, die aus dieser Region kommen. Es gab hier schon lange bevor die Spanier kamen Handel und Austausch zwischen China oder dem heutigen Malaysia und Indonesien. Manche Volksgruppen findet man auch in den Nachbarländern. Dazu stellen auch Künstler ihre Werke aus.
In Zamboanga war Moppedwartung angesagt. 4.000 Kilometer waren fast erreicht. Zum Kauf des Motorrads erhielt ich ein Heftchen mit Abreiß-Zettelchen, wo jeweils der Kilometerstand für den Ölwechsel aufgeführt war. Interessanterweise stimmen diese Kilometerangaben nicht mit den ansonsten von Suzuki angegebenen Wartungsintervallen überein. Da ein Ölwechsel nicht viel kostet, spielte es keine wirkliche Rolle, wenn dieser etwas zu früh erledigt wird.
Ein Suzuki Händler war schnell gefunden. Öl und Filter bezahlt, damit ein Häuschen weiter, wo dann der Ölwechsel erledigt wurde. Da gab ich den Coupon für die 4000er Wartung ab. Der Kollege, der die Arbeiten erledigt hatte, füllte das Zettelchen aus, ich musste unterschreiben und fertig. Der Service selbst kostete nichts. Ich habe dem Schrauber ein Trinkgeld da gelassen.
Nicht weit vom Suzuki Händler befindet sich eine etwas außergewöhnliche Moschee, die Masjid Al-Islamia, auch „Rainbow Mosque“genannt. Den Anstrich erhielt die Moschee nach dem Ende der Belagerung der Stadt Marawi (Marawi Siege) im Jahr 2017. Die Farben sollen für Frieden stehen.
In Zamboanga entstand gerade eine neue SM Mall. Nicht weit von meinem Hotel entfernt befand sich bereits eine ältere Mall, die SM vor einiger Zeit übernommen hatte. Nicht so riesig, aber groß genug. Es gab das ganze Angebot, welches diese Malls üblicherweise vorhalten. Beim Beobachten des Treibens in der Mall musste ich zeitweise daran denken, dass für diese Stadt und die ganze Region eine Teilreisewarnung der deutschen Behörden besteht. Schüler- und Studentengruppen und Familien verschiedener Religionsgruppen bummelten gut gelaunt durch die Mall. In den Restaurants sah man durchaus „Kopftuch neben Minirock“ und auf mich wirkte es so, dass ein problemloses, friedliches Zusammenleben der vielen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen funktioniert. Dies ist natürlich nur meine subjektive Einschätzung.
Es sollten drei Tage ohne Motorrad folgen, für den nächsten Tag war mein Flug nach Tawi Tawi geplant.
Tawi Tawi zu besuchen war schon lange auf meiner Wunschliste. Tawi Tawi gehört zur autonomen Muslim Region BARMM. Die Provinz umfasst 107 Inseln und reicht bis kurz vor den malaysischen Bundesstaat Sabah. Tawi Tawi liegt zwar in der Sulusee, gehört aber nicht zu „Sulu“. Die Provinz Sulu umfasst Jolo und weitere umliegende Inseln und gehört seit 2024 nach einer Entscheidung des Supreme Courts nicht mehr zur BARMM.
In Tawi Tawi leben verschiedenen Volksgruppen, Tausug, Sama, Bajao und auch aus den Visayas zugewanderte Filipinos. Dementsprechend sind viele Sprachen und Dialekte verbreitet. Tawi Tawi ist nicht das Ursprungsgebiet der radikalen Gruppen wie der Abu Sayaff. Trotzdem wurde der Konflikt von außen auch nach Tawi Tawi getragen. Mittlerweile wird die Provinz als befriedet eingestuft. Der Tourismus beginnt langsam, es sind hauptsächlich einheimische Touristen, die in Gruppen in die Provinz kommen. Auf selbständig reisende Touristen ist man nicht wirklich eingestellt.
Ich hatte für 5:15 Uhr über mein Hotel ein Taxi zum Flughafen bestellt. Alles was ich nicht benötigte konnte ich im Hotel lassen. Das Motorrad stand sicher auf dem hoteleigenen Parkplatz. Mein Taxi kam pünktlich. Am Flughafen war noch nicht allzu viel los. Der Check-In war schnell erledigt, ebenso der Security Check. Da ich noch nicht gefrühstückt hatte, folgte ich den Schildern „Food Court“. Dieser befand sich in der ersten Etage. Was ich vor fand war eine größere Halle mit ein paar kleinen Läden. Food Court ist in diesem Zusammenhang eine etwas irreführende Bezeichnung. Zumindest konnte ich einen richtigen Kaffee erwerben. Die Auswahl an Essbarem war überschaubar, so wurde es wieder mal ein Schälchen „Cup Noodles“. Besser als nichts.
Der Flieger hob wieder erwarten sehr pünktlich ab. Als nur noch 20 Minuten Flugzeit verblieben, konnte man schon über der Insel einen tief schwarzen Himmel sehen. Sicht nicht mehr vorhanden. Das Flugzeug war schon im Landeanflug. Der Pilot startete aber noch einmal durch. Nach einigen Minuten kam die Durchsage, dass aufgrund des Wetters eine Landung nicht möglich sei und es zurück nach Zamboanga gehen würde. I was not amused! Aber Sicherheit geht nun einmal vor.
In Zamboanga im Ankunftsbereich fand ich eine mit einem Funkgerät ausgestattete Mitarbeiterin der Airline (Cebu Pacific). Ich hatte vorher bereits eine Email erhalten, in welcher der Termin für den neuen Flugtermin stand: 10.1.2026. Aus verschiedenen Gründen nicht möglich, unter anderem, da mein Rückflug ja bereits am 9.1. erfolgen sollte. Ich zeigte der Dame die Email und fragte, ob es möglich sei, beide Flüge um einen Tag zu verschieben, also vom 6. auf den 7., den Rückflug dann vom 9. auf den 10. Die Mitarbeiterin der Airline fragte per Funkgerät nach und bestätigte mir dann, dass das OK sei. Ich fragte nach einer Bestätigung, sie sagte das sei OK, ich sollte am nächsten Morgen einfach zum Flughafen kommen.
Etwas misstrauisch zog ich von dannen. Tatsächlich kam kurz danach kam die Bestätigungsmail. Ich suchte mir ein Taxi. Die Fahrer wollten nicht per Meter fahren sondern wollten einen Pauschalpreis. Ich war gerade nicht in der Laune, diese Diskussion zu führen, Gesichtsverlust war mir in dem Moment auch egal. Dann erklärte sich ein Fahrer bereit, mich zu fahren. Ich erklärte ihm, dass ein netter, fairer Fahrer ein Trinkgeld erhält. Nicht nette, nervige Fahrer grundsätzlich nicht. Das schien den Guten zu überzeugen. Er entschuldigte sich etliche Male. Für mich war das erledigt, er bekam, wie versprochen, ein anständiges Trinkgeld.
Zurück im Hotel legte ich mich erst mal einen Moment hin. Eine geplante Ausfahrt zu einem in der Nähe gelegenen Ausflugsziel cancelte ich, da sich der Himmel zuzog, ich wollte nicht nass werden. Also ging ich in die Mall. Irgendetwas musste ich ja mit seiner Zeit anfangen, also ging ich zum Friseur und ließ die paar verbliebenen Haare gänzlich abrasieren.
Der zweite Versuch nach Tawi Tawi zu gelangen war erfolgreich. Der Taxifahrer, der mir am Vortag seine Telefonnummer gegeben hatte, damit ich ihn kontaktieren kann, so dass er mich zum Flughafen bringt, schrieb mir auf meine Frage, ob er gegen 6:45 am Hotel sein könnte, kurz und bündig, er hätte keine Zeit. Der Airport liegt mehr oder weniger in der Stadt, also ließ ich mich von einem älteren Herrn im Tricycle hin bringen.
Das Mädel am Check-in erkannte mich anscheinend wieder (es gibt nur zwei Schalter), sie meinte schmunzelnd, ich sei gestern ja wohl wieder nach Zamboanga zurückgeflogen. Ja, richtig. So richtig lustig fand ich das nicht. Aber egal. Sie war ansonsten sehr freundlich und zuvorkommend.
Der Flieger hob mit 30 Minuten Verspätung ab. Das Wetter auf Tawi Tawi war noch etwas durchwachsen. Kein starker Regen, eher Niesel, aber recht starker Wind. Der Flughafen liegt auf der Insel Sanga Sanga, Brücken verbinden die Inseln Bongao, Sanga Sanga und Tawi Tawi. Die Gepäckausgabe lief hier etwas anders als wir das kennen. Vor dem Flughafen hatte man eine großes Zelt aufgebaut, wo man auf sein Gepäck warten musste. Nach ca. 20 Minuten kam das Gepäck auf den üblichen Gepäckwagen angerumpelt. Nachdem das Vehikel zum Stillstand gekommen war, ging der „Run“ aufs Gepäck los. Man bediente sich selbst. Meine Tasche war schnell gefunden, noch kurz ins Tourist Office zum registrieren und es ging per Tricycle Richtung „Resort“.
Der Fahrer fand das zuerst nicht, aber Google Maps half. Die Bezeichnung Resort kann man so eigentlich nicht gelten lassen. Der Laden ist anscheinend nie ganz fertig geworden, teilweise auch schon wieder am Verfallen. Hauptkundschaft scheinen eher Gruppen zu Anlässen wie Hochzeiten oder Geburtstagen zu sein. Allein reisende Langnasen kommen hier in der Regel nicht hin. Trotz der frühzeitigen Reservierung hat man sich nicht um ein paar grundlegende Dinge gekümmert, wie evtl. ein paar Flaschen Wasser oder andere Getränke zu besorgen, die man dem Touristen verkaufen könnte. Aber egal. Der Tourismus hier fängt gerade erst an, und das auch sehr langsam. Ich schaute mir ein wenig die Umgebung an. Später bekam ich zumindest etwas zum Abendessen.
Die Provinz Tawi Tawi hat den gleichen Namen wie die größte Insel der Provinz, die Hauptstadt Bongao liegt auf der gleichnamigen Insel, zwischen den Inseln Tawi Tawi und Bongao liegt Sanga Sanga. Hier befindet auch der Flughafen.
Ich hatte einen Aufenthalt von 2 Tagen und drei Nächten geplant. Als Erstes stand der Aufstieg auf den Bud Bongao an (Bud heißt auf Tausug Berg). Viele lokale Touristen gehen mit einem Guide auf den Berg, was völlig unnötig ist. Es gibt dort kein Sicherheitsproblem, es sei denn man beginnt einen Kampf mit den Makakken, die in großer Zahl entlang des Weges rumlungern. Verlaufen kann man sich eigentlich auch nicht, der Weg ist bis zum Gipfel befestigt.
Vor dem Aufstieg wollte ich gerne etwas frühstücken. Es dauerte eine Weile, bis ich jemanden fand, der bereit war, etwas Reis und ein paar Spiegeleier zu machen.
Das Wetter war wieder in Ordnung. Gegen 8:30 machte ich mich auf den Weg. Das Registration Office war nur etwas mehr als 1 Kilometer von meiner Unterkunft entfernt, also eine Strecke, die ich zu Fuß hinter mich brachte. Vor dem eigentlichen Aufstieg musste ich mich registrieren. Ich wurde nach einem ID gefragt. Ich hatte weder Pass noch Perso dabei. Man zuckte mit den Schultern und meinte, dann wäre es auch so OK.
Der Berg ist nur 342 m hoch, es sollen aber ca. 1890 Stufen sein. Obwohl ich recht früh unterwegs war, lag die Temperatur schon bei 29°. Der Aufstieg wurde eine sehr anstrengende, schweißtreibende Angelegenheit. Ich musste reichlich Pausen einlegen. Der alte Mann ist ziemlich aus dem Training, die Beinmuskulatur anscheinend auch. Die schon weiter oben erwähnten Makakken, warteten entlang des Weges darauf, von den Besuchern gefüttert zu werden. Die Affen werden als „Guardians of the mountain“ bezeichnet, sind aber nicht aggressiv. Anscheinend fällt immer genug ab.
Der Ausblick vom „Gipfel“ entschädigte für die Strapazen. Es gab zwei Aussichtspunkte. Vom Höheren blickte ich Richtung Flughafen und zur Sulusee. Von der anderen Aussichtsplattform hatte ich einen Blick auf Bongao Stadt, die Celebessee und viele vorgelagerte Inseln. Die Sulusee ist eine stark befahrenen Seeroute, es gab lange Probleme mit Piraterie. Auf dem Meer sieht man viele große Schiffe. Bei der Wanderung nach unten wurde ich mehrmals von „Wandergruppen“ zu gemeinschaftlichen Fotos genötigt.
Nach dem Abstieg gönnte ich mir in einem recht modernen Lokal ein gutes Mittagessen bestehend aus ausgezeichneten Calamares. Auf dem Rückweg zum Resort sah ich einen ins Wasser gebauten, langen Steg. Ich lief den Steg entlang, bis zu einer Art Unterstand. Dort standen drei junge Filipinos. Die Jungs sprachen passables englisch, sie kamen eigentlich von der Insel Jolo, arbeiteten für das „Bureau of fire protection“ und waren für ein paar Wochen auf Tawi Tawi stationiert. Sie berichteten mir, dass der Steg im Grunde ein privater Steg ist und zu einem Häuschen gehört, dass sich der Provinz Governor dort hat hin bauen lassen. Schon krass, wenn man bedenkt, dass Tawi Tawi eine der ärmsten Provinzen im Land ist. Das der Governor den Steg aus eigener Tasche bezahlt hat, halte ich für unwahrscheinlich. Wieder im Resort angekommen brauchte ich erst mal eine kalte Dusche. Mangels richtiger Dusche wurde es eine „Schöpfkellendusche“.
Später spazierte ich zu einem Ressort, das ca. 500 m entfernt lag. Das machte einen wesentlich professionelleren Eindruck. Ich sprach mit den Damen an der Rezeption und entschied dann, dass ich am nächsten Tag dorthin umziehen würde. Ich fragte auch ob es evtl. die Möglichkeit gäbe, für den nächsten Tag ein Tricycle zu chartern, vorzugsweise mit einem Fahrer, der etwas englisch spricht. Versprechen wollte man das nicht, aber man sicherte mir zu, dass man sich kümmern wollte.
Am nächsten Morgen erledigte ich wie geplant als Erstes den Umzug in das andere Resort. Ich ließ noch ein paar Dinge in der bisherigen Unterkunft, da noch niemand wach war und ich somit meine Rechnung noch nicht begleichen konnte. Mein Zimmer war bereits bezugsfertig. Am Eingang des Resorts wartete ein Tricy-Fahrer. Er fragte, ob ich derjenige sei, der einen Tricy Fahrer bräuchte. Ich bejahte kurz, bat ihn aber um etwas Geduld, da ich noch frühstücken wollte.
Bevor wir los fuhren, nannte ich ihm ein paar Ziele, wo ich gerne hin wollte, ansonsten gab ich ihm bzgl. der Routenplanung freie Hand.
Als erstes Ziel steuerten wir die Masjid Raayit an, vermutlich die größte Moschee in Bongao. Hier zeigte sich, dass ein lokaler Begleiter Sinn macht, da das den Zugang zu vielen Dingen erleichtert. An manchen Ecken wird noch an der Moschee gebaut. Manches wirkt eher einfach zusammen gebastelt. Das wird auch einen finanziellen Hintergrund haben.
Das zweite Ziel war das Provincial Capitol. Auf dem Weg dorthin machte mein Fahrer einen kurzen Abstecher zum Wohnhaus des früheren Governors der Provinz. Das Gebäude ist ein größerer Komplex und passt irgendwie gar nicht in die ansonsten doch sehr ärmliche Umgebung. Das Haus wollte ich nicht fotografieren. Man weiß nicht, ob das so gut ankommt. Direkt neben dem Wohnhaus befinden sich zwei Fabriken, die der Governor Familie gehören. In einer wird Eis hergestellt, in der anderen wird Seaweed verarbeitet.
Das Provincial Capitol liegt auf einem Hügel, von dem man einen schönen Blick über die Stadt hat. Es tummelten sich dort viele Schüler und Studenten. Es gab sehr viele „Hello Sir“ und einige „Hey Joe“ zu hören. Man hat auf dem Hügel einige Fitness Geräte verbaut.
Nach dem Besuch des Capitols fuhren wir Richtung Zentrum. Hier befinden sich der Markt und zwei Häfen, von denen man verschiedene Inseln und auch Zamboanga erreichen kann. Manche Boote fahren wohl auch nach Malaysia. Ob das tatsächlich stimmt, kann ich nicht beurteilen. Für Ausländer ist dieser Weg vermutlich nicht möglich.
Der Markt ist nur etwas für abgehärtete Gemüter. Sauberkeit definieren wir anders. Die Häfen sind absolut überfüllt, es ist so quirlig und umtriebig, das Ganze überforderte mich ein wenig. Absolute Reizüberflutung.Hier finden sich auch die ganzen verschiedenen ethnischen Gruppen, die auf Tawi Tawi leben. Dazu gehören die Sama und Badjao, die Tausugs und auch zugewanderte Menschen aus den Visayas.
Nach dem Besuch der Hafengebiete machten wir auf dem Weg zum Mittagessen einen kurzen Stopp beim Mayors Office. Anscheinend kannte mein Fahrer jemanden vor Ort. Wir konnten rein und vom Balkon einen Blick auf die darunter liegende Straße werfen. Im Anschluss schauten wir uns eine kleine Moschee an.
Nach dem Mittagessen fuhren wir über die neue, von Chinesen gebaute Brücke zur Insel Sanga Sanga. Hier befindet sich auch der Flughafen. Unser Ziel war die Baloboc Cave. Es handelt sich hier nicht wirklich um eine Höhle, sondern eher um eine Art Felsbrücke. Geht man unter dieser hindurch, gelangt man an einen kleinen Strand. Ganz nett, aber die krasse Vermüllung ließ bei mir eher weniger Begeisterung aufkommen. Ein großes Problem auf Tawi Tawi.
Auf dem Rückweg machten wir einen kurzen Stopp beim Marine Science Museum. Angeblich das einzige „Marine Science Museum“ im Land. Es werden neben einem Skelett eines Pottwals haufenweise Korallen, Muscheln und Schneckengehäuse präsentiert. Diese aber gut sortiert, in einem sehr guten Zustand, mit wissenschaftlichem Namen beschrieben. Ein Mitarbeiter, selbst auch Taucher (so sagte er), war ganz begeistert über mein Erscheinen und führte mich durch die Ausstellung.
Ich ließ mich von meinem Fahrer bei der ersten Unterkunft absetzen, um meine restlichen Sachen zu holen und meine Rechnung zu bezahlen. Die Chefin hinterfragte nicht, warum ich umziehen würde. Da ich alle drei Nächte bezahlte, war ihr das anscheinend auch egal.
Nachdem ich im „neuen“ Resort angekommen war, gönnte ich mir zuerst ein kühles Bier. Gegenüber vom Resort gab es einen Sari Sari Store der Bier verkaufte. Die ganzen Eindrücke musste ich jetzt erst mal sacken lassen.