Zwischen Negros und Cebu – Alltag auf den Fähren der Zentralphilippinen

Wer auf den Philippinen lebt oder länger reist, merkt schnell, dass Fähren hier weit mehr sind als nur Transportmittel. Sie verbinden Inseln, Familien, Warenströme, Arbeitsplätze und ganze Lebensrealitäten miteinander. Besonders deutlich wird das auf der kurzen, aber enorm wichtigen Verbindung zwischen Sibulan in Negros Oriental und Santander auf Cebu.

Vor einigen Tagen habe ich mich früh am Morgen auf den Weg gemacht, um genau diesen Alltag rund um die Fähren zu dokumentieren. Daraus entwickelte sich jedoch schnell eine längere dokumentarische Reise über den täglichen Rhythmus zwischen zwei Inseln.

Schon der Start war typisch philippinisch-chaotisch. Am Ticketschalter fragte ich noch schnell nach, welche Fähre schneller sei – die große RoRo-Fähre oder die kleine Personenfähre. Die Antwort kam prompt: die Personenfähre. Was man mir allerdings nicht erklärte: Beide Fähren gehören unterschiedlichen Gesellschaften und nutzen in Santander zwei verschiedene Anleger. Erst später erzählte mir ein Hafenarbeiter, dass beide Piers zwar zu Fuß erreichbar seien, aber doch ein gutes Stück auseinanderliegen.

Viel Zeit zum Nachdenken blieb ohnehin nicht. Nachdem ich mein Ticket gekauft hatte, sagte die Verkäuferin nur noch: „Run, you’re the last passenger!“ Kurz darauf lief ich bereits über die Rampe und wenige Minuten später war die Fähre schon unterwegs zwischen Negros und Cebu.

Genau das macht den Reiz solcher Überfahrten aus. Alles ist ständig in Bewegung. Während Touristen die Fahrt oft nur als kurzen Transfer wahrnehmen, zeigt sich bei genauerem Hinsehen ein komplexes Zusammenspiel aus Menschen, Fahrzeugen, Waren und Arbeit.

Auf der kleinen Personenfähre herrschte schon früh am Morgen reges Leben. Passagiere verstauten Gepäck, manche frühstückten noch schnell, andere blickten schweigend hinaus auf das Meer zwischen den Inseln. Das schäumende Wasser hinter dem Heck, das tiefe Dröhnen der Maschinen und der Wind auf dem offenen Deck erzeugten sofort diese typische Atmosphäre philippinischer Fährverbindungen.

In Santander angekommen, wurde schnell klar, dass auch auf der Cebu-Seite alles vom Rhythmus der Fähren bestimmt wird. Direkt am Anleger wartete bereits ein Bus nach Cebu City auf die ankommenden Passagiere. Trisikads, Habal-Habal-Fahrer und kleine Händler warteten auf Kundschaft. Menschen mit Kartons, Taschen und Rucksäcken bewegten sich zwischen Pier, Straße und Terminal hin und her.

Besonders interessant fand ich den kurzen Fußweg zwischen dem Anleger der Personenfähre und dem Pier der großen RoRo-Fähren. Dieser führt durch schmale Barangaystraßen direkt am Wasser entlang. Dort begegnet man nicht nur Reisenden, sondern auch ganz normalem Küstenalltag.

So traf ich unterwegs auf eine Fischerfamilie, die gerade ihr Frühstück vorbereitete. Der Fisch war bereits gebraten, nun wartete man auf den gebratenen Reis. Im Hintergrund lag bereits die neue große RoRo-Fähre am Pier. Genau solche Momente zeigen auf den Philippinen oft den direkten Kontrast zwischen moderner Infrastruktur und einfachem Alltagsleben.

Später an der RoRo-Fähre wurde es deutlich geschäftiger. Fahrzeuge sammelten sich vor dem Boarding, Gepäckträger transportierten Waren zum Schiff, Verkäufer boten Snacks und Pasalubong an, während hinter geschlossenen Toren bereits die nächsten Passagiere warteten.

Besonders beeindruckend war die Beladung der neuen Fähre. Motorräder standen dicht an dicht entlang der Seiten, Pkw wurden millimetergenau eingewiesen und selbst eine Ambulanz mit eingeschaltetem Rot- und Grünlicht musste sich noch in die verbleibenden Lücken einfügen. Kurz vor dem Ablegen erschien dann sogar noch ein Fahrzeug der Tourist Police, das einige Leute direkt bis an die Fähre brachte.

An Bord herrschte anschließend wieder eine ganz andere Stimmung. Manche Passagiere suchten sich sofort einen Platz im zweistöckigen Passagierraum, andere blieben draußen an Deck. In der kleinen Bordkantine wurde diesmal nichts verkauft. Währenddessen arbeiteten die Männer an den Tauen und der Winde bereits am Ablegemanöver.

Ein besonderes Highlight war für mich schließlich die Möglichkeit, für einige Minuten auf der Brücke der neuen RoRo-Fähre filmen zu dürfen. Von dort oben bekommt man einen ganz anderen Eindruck davon, wie präzise und routiniert diese täglichen Überfahrten ablaufen.

Interessant ist dabei vor allem, wie unterschiedlich die Menschen diese Fähren nutzen. Für manche ist es eine kurze Heimfahrt, für andere Teil langer Transportketten zwischen mehreren Inseln. Trucks bringen Waren von Mindanao über Negros bis nach Cebu oder Luzon, Händler transportieren Produkte zwischen den Provinzen und kleine Verkäufer reisen mit einfachen Waren von Insel zu Insel.

Kurz bevor ich mich schließlich wieder auf den Heimweg machte, begegnete ich noch zwei Motorradfahrern, deren Maschinen bis oben mit traditionellen Grasbesen beladen waren. Sie kamen aus Bindoy in Negros Oriental und waren unterwegs nach Cebu, um dort ihre Ware zu verkaufen. Dieses kleine Detail wurde am Ende fast zum Sinnbild des gesamten Morgens: Nicht nur Menschen überqueren täglich die Inseln, sondern auch Arbeit, Waren und kleine Existenzen.

Gerade solche unspektakulären Szenen machen für mich den besonderen Reiz der Philippinen aus. Hinter den touristischen Bildern existiert ein enorm komplexer Alltag aus Transport, Logistik, Arbeit und Improvisation, der selten bewusst wahrgenommen wird, aber das tägliche Leben auf den Inseln überhaupt erst möglich macht.

Hier mein Video

Überfahrt zwischen den Inseln | Fährleben auf den Philippinen

5 „Gefällt mir“