Wer die Philippinen nur von weißen Sandstränden, Palmen und tropischen Inseln kennt, wird überrascht sein, wie vielfältig das Leben abseits der touristischen Ziele tatsächlich ist. Zu den Orten, an denen man das ländliche Leben besonders authentisch erleben kann, gehören die traditionellen Viehmärkte, die vielerorts noch immer eine wichtige wirtschaftliche und soziale Rolle spielen.
Einer der größten Viehmärkte in Negros Oriental findet regelmäßig in der Gemeinde Bacong statt, nur wenige Kilometer südlich von Dumaguete City. Bereits lange vor Sonnenaufgang beginnen die ersten Händler, Bauern und Viehtransporter einzutreffen. Während viele Menschen noch schlafen, herrscht hier bereits geschäftiges Treiben.
Zwei Märkte in einem
Der Viehmarkt von Bacong besteht heute aus zwei Bereichen, die durch eine Barangay-Straße voneinander getrennt werden.
Auf der einen Seite findet der traditionelle Handel für den regionalen Markt innerhalb von Negros statt. Hier wechseln Rinder, Wasserbüffel, Schweine, Ziegen und gelegentlich auch Pferde ihre Besitzer. Viele Bauern kommen hierher, um Jungtiere zu kaufen oder gemästete Tiere zu verkaufen. Andere suchen nach einem neuen Arbeitstier für ihre Felder oder für den Transport.
Auf der anderen Seite befindet sich der Bereich für den überregionalen Viehhandel. Hier stehen große Viehtransporter, teilweise sogar doppelstöckige Lastwagen, die Tiere für andere Inseln übernehmen. Die Aufkäufer reisen teilweise von weit her an. An diesem Markttag waren Händler und Transporteure aus Panay, Bohol und sogar Mindanao vertreten.
Während die Tiere verladen werden, entstehen immer wieder interessante Gespräche zwischen Käufern und Verkäufern. Preise werden verhandelt, Tiere begutachtet und schließlich Geschäfte abgeschlossen, die oft mit dicken Bündeln von 1.000-Peso-Scheinen besiegelt werden.
Der Wasserbüffel bleibt ein Symbol des ländlichen Lebens
Obwohl moderne Maschinen auch auf den Philippinen zunehmend Einzug halten, spielt der Wasserbüffel, der Carabao, in vielen Regionen weiterhin eine wichtige Rolle.
Auf dem Markt waren zahlreiche Tiere zu sehen, von jungen Kälbern bis hin zu kräftigen Arbeitstieren. Manche Bauern suchen gezielt nach Wasserbüffeln für die Feldarbeit, andere kaufen Tiere zur Zucht oder zum Weiterverkauf.
Zwischen den vielen grauen Wasserbüffeln fiel an diesem Tag sogar ein ungewöhnlicher Albino-Carabao auf, der die Aufmerksamkeit vieler Besucher auf sich zog.
Auch die Rinderherden boten ein beeindruckendes Bild. Viele Tiere wurden an Nasenringen geführt, was auf philippinischen Viehmärkten eine übliche Methode zur Kontrolle größerer Bullen ist.
Mehr als nur ein Viehmarkt
Wer glaubt, dass sich hier alles nur um Tiere dreht, irrt.
Wie auf vielen philippinischen Märkten hat sich rund um den Viehhandel eine eigene kleine Wirtschaft entwickelt. Händler verkaufen Seile, Werkzeuge und landwirtschaftliche Hilfsmittel. Andere bieten Messer, Fleischbeile oder verschiedene Gebrauchsgegenstände an.
Dazu kommen kleine Eateries und Imbissstände, die Besucher und Händler mit Kaffee, Frühstück und warmen Mahlzeiten versorgen. Manche Menschen verbringen den gesamten Vormittag auf dem Markt, sodass Essen und Getränke eine wichtige Rolle spielen.
Auch fliegende Händler ziehen durch die Reihen und bieten ihre Waren an. Einige verkaufen traditionelle Hausmittel oder sogenannte „Medical Wines“, andere konzentrieren sich auf Werkzeuge oder Messer für Landwirtschaft und Haushalt.
Kleine Geschichten am Wegesrand
Besonders interessant sind oft nicht die großen Geschäfte, sondern die kleinen Szenen dazwischen.
Während Händler konzentriert über Preise verhandeln, schläft ein Hund seelenruhig mitten im Trubel. Ein entlaufenes Ferkel sorgt für Aufregung, als es sich nicht wieder einfangen lassen möchte. Ein Eisverkäufer klingelt sich seinen Weg durch die Menschenmenge, während wenige Meter weiter Wasserbüffel und Rinder begutachtet werden.
An anderer Stelle schleppt eine Händlerin Eimer für Eimer Wasser durch den Morast zu ihrem Verkaufsstand. Solche Szenen machen deutlich, dass der Markt weit mehr ist als ein Ort des Handels. Er ist zugleich Treffpunkt, Arbeitsplatz und sozialer Mittelpunkt vieler Menschen aus der Umgebung.
Der Weg der Tiere
Im Laufe des Vormittags verändert sich das Bild langsam.
Tiere, die am Morgen noch auf dem Markt standen, haben inzwischen neue Besitzer gefunden. Nach und nach werden die Lastwagen beladen. Fahrer kontrollieren ihre Fahrzeuge, Helfer sichern die Tiere für den Transport und die ersten Transporte setzen sich in Bewegung.
Manche Tiere werden nur wenige Kilometer weitergebracht. Andere treten eine deutlich längere Reise an und werden über die Fähren des Landes auf andere Inseln transportiert.
Besonders eindrucksvoll ist dabei die Logistik hinter dem Handel. Ohne die zahlreichen Fahrer, Helfer, Viehaufkäufer und Transporteure wäre ein solcher Markt gar nicht möglich.
Ein Blick auf die ländlichen Philippinen
Für Besucher aus Europa oder Nordamerika wirkt ein solcher Viehmarkt oft wie ein Blick in eine andere Welt. Tatsächlich zeigt er jedoch einen wichtigen Teil des alltäglichen Lebens auf den Philippinen.
Hier treffen Tradition und moderne Transportlogistik aufeinander. Bauern, Händler, Fahrer und Marktverkäufer bilden gemeinsam ein Netzwerk, das die Versorgung vieler Regionen unterstützt.
Der Viehmarkt von Bacong ist deshalb weit mehr als nur ein Ort des Tierhandels. Er ist ein Spiegel des ländlichen Lebens auf Negros und zeigt eindrucksvoll, wie viele Menschen hinter den Kulissen arbeiten, damit Landwirtschaft und Viehzucht funktionieren.
Am Ende des Markttages verlassen die letzten Lastwagen das Gelände, die Händler packen zusammen und die Helfer machen sich auf den Heimweg. Bis zum nächsten Markt, wenn sich die gleiche Szenerie erneut wiederholt und ein weiterer arbeitsreicher Tag beginnt.
Das zugehörige Video zeigt den Viehmarkt von Bacong in bewegten Bildern und begleitet Händler, Bauern, Aufkäufer und Transporteure durch einen kompletten Marktvormittag.


























