Zwischen Glaube und Alltag: Ein Blick auf traditionelle Heilmittel im Markt von Dumaguete

Im Trubel des öffentlichen Marktes von Dumaguete gibt es Orte, die man leicht übersieht. Abseits der großen Gänge, hinter der Halle für die Fischanlieferungen, im schmalen Durchgang zwischen dem alten und dem neuen Marktbereich nahe der Colon Street, befindet sich ein kleiner, provisorischer Stand. Hier sitzt eine Frau neben einer unscheinbaren Auslage – und doch öffnet sich genau an diesem Ort ein faszinierender Einblick in eine Welt, die weit über den reinen Warenverkauf hinausgeht.

In meinem aktuellen Video treffe ich auf Nita Cadiz, eine sogenannte „Herbal“-Händlerin. Ihr Angebot besteht nicht nur aus klassischen Kräutermedizinen, sondern aus einer Mischung aus pflanzlichen Heilmitteln, Ölen, Tinkturen und Objekten, die tief im Volksglauben verwurzelt sind. Es ist genau diese Kombination aus praktischer Anwendung und spiritueller Bedeutung, die solche Stände so besonders macht.

Der Film verzichtet bewusst auf jede Form von erklärender Einordnung. Stattdessen begleitet die Kamera ruhig und beobachtend, während Nita einzelne Produkte in die Hand nimmt und ihre Verwendung beschreibt. Auch wenn sie im Visaya-Dialekt spricht und nicht jedes Detail sofort verständlich ist, wird doch vieles durch ihre Gesten und die Nahaufnahmen deutlich. Es entsteht eine unmittelbare Nähe, die man mit Worten kaum herstellen könnte.

Einige der gezeigten Gegenstände wirken vertraut, andere bleiben rätselhaft. Es gibt Öle gegen Hautprobleme, eine klebrige Medizin zur Einnahme bei Magenbeschwerden und weitere Mittel, die gegen Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit helfen sollen. Daneben finden sich aber auch Objekte, deren Bedeutung eher im Bereich des Glaubens liegt: kleine Beutel mit religiösen Symbolen, gefüllt mit Holzstückchen, Steinen und Flüssigkeiten, die als Schutz dienen sollen, oder glatte, schwarze Steine, die für Massagen verwendet werden.

Besonders interessant ist dabei, wie selbstverständlich all diese Dinge nebeneinander existieren. Für Außenstehende mag die Trennung zwischen medizinischer Wirkung und spirituellem Schutz klar erscheinen, doch im Alltag vieler Menschen auf den Philippinen ist diese Grenze fließend. Heilung wird nicht ausschließlich als körperlicher Prozess verstanden, sondern oft als Zusammenspiel von Körper, Geist und äußeren Einflüssen.

Das Video zeigt genau diesen Aspekt, ohne ihn zu bewerten oder zu erklären. Es geht nicht darum, die Wirksamkeit einzelner Mittel zu hinterfragen oder zu bestätigen, sondern darum, einen authentischen Eindruck davon zu vermitteln, wie solche Praktiken im Alltag präsent sind. Der Markt wird hier nicht nur als Ort des Handels sichtbar, sondern auch als Raum kultureller Weitergabe, in dem Wissen, Tradition und persönliche Überzeugungen zusammenkommen.

Gerade in einer Zeit, in der vieles standardisiert und industrialisiert ist, wirken solche Begegnungen fast wie ein Gegenentwurf. Sie erinnern daran, dass Wissen auch auf andere Weise weitergegeben wird – durch Erfahrung, durch Erzählung und durch direkte Interaktion von Mensch zu Mensch.

Der kurze Film ist bewusst reduziert gehalten. Keine Musik, keine Kommentare, keine erklärenden Texte lenken ab. Stattdessen steht die Begegnung im Mittelpunkt: eine Frau, ihr Wissen und ein Moment des Austauschs inmitten des Marktes.

Wer sich darauf einlässt, bekommt nicht nur einen Einblick in ein Stück philippinischen Alltags, sondern auch in eine Denkweise, die sich nicht immer sofort erschließt, aber gerade deshalb umso spannender ist.

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