Beim Schlendern durch einen der kleinen, oft vollgestopften Variety Stores auf einem philippinischen Markt bleibt der Blick ja gern an den unscheinbaren Dingen hängen. Plastikschüsseln, bunte Seifen, lose Zigaretten – und dann plötzlich etwas, das so gar nicht in die heutige Zeit zu passen scheint.
Genau so ein Moment war es, als ich dieses merkwürdige Objekt entdeckte: eine halbe Kokosnuss, die Innenseite nach oben gedreht, mit einer Art borstiger Struktur. Kein Griff, kein Stiel, kein modernes Design. Einfach nur ein Stück Natur, offensichtlich zweckentfremdet – oder besser gesagt: genial genutzt.
Ich habe ein Foto gemacht, eine Nahaufnahme, die die borstenartige Struktur deutlich zeigt. Und sofort kam mir eine Frage in den Kopf:
Wer kennt so etwas noch?
In visayan-sprechenden Gebieten, besonders auf Mindanao, wird dieses Gerät ebenfalls „Lampaso“ genannt – allerdings nicht im Sinne eines einfachen Wischlappens, sondern als Werkzeug zum Bohnern von Böden.
Früher, als viele Häuser noch Holzfußböden hatten, gehörte das Bohnern zum Alltag. Oft kam dabei ein rotes Bohnerwachs zum Einsatz, das tief in das Holz eingerieben wurde. Aber auch glatte Estrichböden, die nicht selten selbst rötlich eingefärbt waren, wurden später auf die gleiche Weise behandelt: gewachst und anschließend auf Hochglanz gebracht.
Und genau hier kommt dieser besondere Lampaso ins Spiel.
Die Herstellung ist ebenso simpel wie einfallsreich: Man nimmt eine reife, möglichst große Kokosnuss – idealerweise noch mit ihrer äußeren Hülle. Diese wird sauber in der Mitte durchgesägt. Das Kokosfleisch wird vollständig entfernt. Anschließend wird die harte innere Schale rundum ein Stück weit aufgebrochen, etwa einen halben bis einen Zentimeter tief. Dabei entstehen unregelmäßige, feste „Borsten“.
Das Ergebnis ist ein erstaunlich robustes Werkzeug.
Benutzt wird es nicht mit der Hand, sondern mit dem Fuß. Man stellt den Fuß auf die glattere Innenseite der Schale – oft wurde dieser Bereich sogar etwas geglättet, damit man besseren Halt hat – und bewegt den Lampaso dann mit Druck vor und zurück über den Boden.
Durch die Kombination aus Gewicht, Bewegung und den harten, natürlichen Borsten entsteht genau der Effekt, den man braucht: Das Wachs wird gleichmäßig verteilt und anschließend auf Glanz poliert.
Ein einfaches Prinzip, aber äußerst effektiv.
Heute ist so etwas fast verschwunden. Moderne Böden, andere Materialien und elektrische Hilfsmittel haben diese Technik weitgehend verdrängt. Umso erstaunlicher ist es, wenn man in einem kleinen Laden plötzlich noch auf so ein Stück gelebter Vergangenheit stößt.
Deshalb meine Frage in die Runde:
Wer kennt diesen „Lampaso“ noch in dieser Form?
Wer hat vielleicht selbst einmal damit gearbeitet – oder es zumindest bei Eltern oder Großeltern gesehen?
Und gibt es ihn irgendwo noch im regelmäßigen Einsatz?
Ich bin gespannt auf eure Geschichten – denn manchmal sind es genau diese unscheinbaren Dinge, die am meisten über den Alltag früherer Zeiten erzählen.
