Wenn ich heute an meine ersten Flugreisen von Deutschland auf die Philippinen zurückdenke, kommt mir manches fast wie aus einer anderen Zeit vor. Nicht nur die Flugzeuge waren andere, sondern auch die Art, wie man reiste, die Zwischenstopps auf langen Strecken und die persönlichen Begegnungen, die damals ganz selbstverständlich zum Reisen gehörten.
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Mit der Twin Otter über das Sauerland
Unsere Reise begann Ende der 1970er Jahre am damaligen Regionalflughafen Münster-Osnabrück. Von dort flogen wir zunächst mit einer kleinen De Havilland Canada DHC-6 Twin Otter. Dieses Flugzeug war für kurze Strecken ausgelegt und flog entsprechend niedrig.
Der Flug führte über das bewaldete Sauerland. Ich erinnere mich noch gut daran, wie deutlich man von oben die einzelnen Baumwipfel erkennen konnte. Auch Ortschaften, einzelne Häuser und sogar Autos auf den Straßen waren gut zu sehen. Das war kein Blick auf eine Landschaft aus großer Höhe, wie man ihn von heutigen Linienflügen kennt. Man hatte vielmehr das Gefühl, unmittelbar über dem Land zu schweben.
Die Sitze bestanden, soweit ich mich erinnere, aus Segeltuch, das in einen Rahmen gespannt war. Von dem Komfort, den man später aus größeren Verkehrsflugzeugen kannte, war das weit entfernt. Ob uns auf diesem kurzen Flug eine Erfrischung angeboten wurde, weiß ich heute nicht mehr.
Aber diese erste Etappe ist mir in Erinnerung geblieben. Sie war ein ungewöhnlicher Auftakt zu einer Reise, die uns schließlich bis nach Mindanao führen sollte.
Die Philippine Airlines und ihr Büro in Köln
Wir flogen damals immer mit der Philippine Airlines, kurz PAL. Das hatte auch einen praktischen Grund: Die Fluggesellschaft unterhielt zu jener Zeit noch ein Büro in Köln.
Der deutsche Bürovorsteher kümmerte sich persönlich um seine Kunden. Wenn ein Flug bevorstand, kam er sogar nach Frankfurt, um beim Einchecken zu helfen. Besonders beim Übergepäck war das nützlich, denn er konnte für seine Kunden regeln, dass dieses kostenlos mitgenommen wurde.
Heute würde man sich vielleicht wundern, wenn ein Mitarbeiter eines Flugunternehmens seine Kunden persönlich bis zum Flughafen begleitete und sich dort um solche Einzelheiten kümmerte. Damals war das für uns ein Teil des Services, den wir zu schätzen wussten.
Nach dem Abflug in Frankfurt ging es mit einem großen Langstreckenflugzeug weiter. Ich vermute, dass es sich bei einem dieser Flüge um eine McDonnell Douglas DC-10-30 handelte. Sicher sagen kann ich das nach so vielen Jahren allerdings nicht mehr.
Die Reise führte über Karachi und Bangkok nach Manila. Die Fluggesellschaften hatten ihre Strecken und Zwischenlandungen, und eine Reise nach Südostasien war eben nicht unbedingt mit einem einzigen langen Flug erledigt.
An den Zwischenstopps mussten wir meistens aussteigen. Nur gelegentlich durfte man im Flugzeug sitzen bleiben. Beides hatte seine Nachteile: War man erst einmal ausgestiegen, wartete man in einem Flughafenbereich, bis es weiterging. Durfte man an Bord bleiben, saß man dagegen im Flugzeug und wartete dort auf den nächsten Abschnitt.
Rückblickend gehörten diese Unterbrechungen einfach zur Reise. Damals nahm man sie hin, auch wenn sie manchmal ziemlich lästig waren.
Anfang der 1980er Jahre änderte sich das Bild allmählich. Soweit ich mich erinnere, wurde bei unseren Reisen zunehmend mit der Boeing 747 geflogen. Der große Jumbo Jet stand für eine neue Dimension des Langstreckenverkehrs. Wann genau die einzelnen Flugzeugtypen bei der PAL eingeführt wurden, kann ich heute nicht mehr zuverlässig sagen.
Von Manila weiter nach Mindanao
In Manila war die Reise noch nicht zu Ende. Von dort mussten wir weiter nach Cebu oder nach Cagayan de Oro, je nachdem, wohin wir wollten. Ich erinnere mich an die kleineren Flugzeuge, unter anderem an die BAC One-Eleven, die wir auf solchen Inlandsstrecken mit der PAL nutzten. Welche Maschine wir auf welcher einzelnen Reise hatten, kann ich heute nicht mehr mit Sicherheit zuordnen.
Für uns war die Verbindung nach Cagayan de Oro besonders wichtig. Dort lag der Flughafen Lumbia, der damals etwa zehn Kilometer außerhalb der Stadt lag.
Wir hatten auch eine persönliche Verbindung zur PAL vor Ort. Der damalige Flughafenleiter war ein Freund von uns. Allerdings gab es dabei noch eine andere Geschichte: Er war in die Schwester meiner damaligen Freundin verliebt, die heute meine Frau ist.
Und sie verstand es offenbar ausgezeichnet, diese Situation zu ihrem Vorteil zu nutzen. Der arme Mann wollte sie beeindrucken, und sie nutzte das gnadenlos aus. So hatten wir manchmal Vorteile, die andere Passagiere vermutlich nicht genossen.
Einmal kam es sogar vor, dass ein Flugzeug nicht freigegeben wurde, weil einige Passagiere noch nicht eingetroffen waren. Ob das nun tatsächlich mit dieser persönlichen Verbindung zusammenhing, kann ich nicht sagen. Aber die Geschichte passt durchaus zu jener Zeit, in der man vieles noch persönlicher regelte als heute.
Lumbia Airport – eine Landung mit Aussicht
Der Anflug auf Lumbia ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Das Wetter spielte dort nicht immer mit, und die Wind- und Wetterverhältnisse bestimmten häufig, aus welcher Richtung das Flugzeug landen konnte.
Wenn es die Bedingungen erlaubten, kam die Maschine von der Seeseite her herein und startete später auch wieder in diese Richtung. Bei einem solchen Anflug war die Landung vergleichsweise unkompliziert. Man konnte die Stadt auf der linken Seite sehen und bei guter Sicht sogar die Hügel von Malasag erkennen, wo wir wohnten.
Auch die Landschaft rund um den Flughafen war damals eine ganz andere als heute. Auf der Strecke zwischen Lumbia und Cagayan de Oro gab es noch nicht viel Bebauung. Hier und da stand ein einzelnes Haus. Bei Kilometer fünf lag die Schule, und auch die Sägemühle von Oloy Roa war ein markanter Punkt entlang der Strecke.
Wer die Gegend heute kennt, kann sich vielleicht kaum vorstellen, wie wenig dort damals zu sehen war. Die Fahrt vom Flughafen in die Stadt führte durch eine Landschaft, in der einzelne Gebäude noch auffielen, weil sie eben nicht Teil einer durchgehenden Bebauung waren.
Doch wehe, das Flugzeug musste von der anderen Seite anfliegen und dazu noch durch turbulente Wolken hindurch.
Dann wurde es ungemütlich. Über den Hügeln mit dem hohen Cogon-Gras fühlte sich der Anflug für mich manchmal wie eine Achterbahnfahrt an. Das Flugzeug wurde durchgeschüttelt, und statt eines ruhigen Landeanflugs erlebte man ein ständiges Auf und Ab.
Einmal geriet ich in eine Situation, die mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist.
Der Pilot versuchte zweimal, in Lumbia zu landen. Es gelang ihm nicht. Schließlich kam die Durchsage, dass er den Flughafen nicht finden könne und wir nach Cebu zum Flughafen Mactan ausweichen würden.
Damit war die Reise erst einmal unterbrochen. Wir landeten in Cebu und verbrachten dort eine gewisse Zeit im Flugzeug, während offenbar auf einen erneuten Versuch gewartet wurde.
Dann ging es wieder zurück nach Lumbia.
Diesmal klappte die Landung.
Man kann sich vorstellen, dass man nach einer solchen Erfahrung froh war, endlich festen Boden unter den Füßen zu haben. Für den Piloten war es eine schwierige Wettersituation, für uns Passagiere eine ziemlich nervenaufreibende Angelegenheit.
Eine andere Zeit des Reisens
Wenn ich heute auf diese Reisen zurückblicke, erinnere ich mich nicht nur an die Flugzeuge und die langen Strecken. Ich denke auch an den persönlichen Service in Köln, die Zwischenstopps in Karachi und Bangkok, die kleinen Maschinen auf den Inlandsstrecken und den damaligen Flughafen Lumbia mit seiner noch weitgehend offenen Umgebung.
Es war eine Zeit, in der eine Reise von Deutschland nach Mindanao aus vielen Etappen bestand. Man musste Zeit mitbringen und mit Unvorhergesehenem rechnen. Manchmal gab es lange Wartezeiten, manchmal schwierige Landungen und manchmal halfen persönliche Kontakte dabei, dass eine Reise überhaupt so verlief, wie man es sich vorgestellt hatte.
Heute sind die Flugzeuge größer, die Verbindungen anders organisiert und viele Strecken leichter zu planen. Aber mit den alten Flugreisen verbinde ich auch Erinnerungen an Landschaften, Begegnungen und Erlebnisse, die sich nicht wiederholen lassen.
Und wenn ich an Lumbia zurückdenke, sehe ich noch immer die Hügel von Malasag, die wenigen Häuser entlang der Straße und das Flugzeug, das sich bei gutem Wetter ruhig dem Flughafen näherte.
Nur bei schlechtem Wetter war es mit der Ruhe schnell vorbei.
