Wer zum ersten Mal auf Negros Oriental unterwegs ist, wird früher oder später Bekanntschaft mit ihnen machen: den allgegenwärtigen Tricycles. Diese motorisierten Seitenwagen-Gespanne sind das Rückgrat des Nahverkehrs – und gleichzeitig ein fahrender Beweis dafür, dass Kreativität, Improvisation und eine ordentliche Portion Mut zum Risiko wunderbar zusammenpassen.
Was viele dabei vergessen: Bevor das Ganze motorisiert wurde, gab es die guten alten Pedicabs. Muskelkraft statt Zweitakt, Schweiß statt Benzin. Irgendwann muss dann jemand gedacht haben: „Warum treten, wenn man auch knattern kann?“ – und so wurde aus dem Pedicab das Tricycle. Eine Evolution, die vermutlich weniger von Ingenieuren als von Pragmatikern vorangetrieben wurde.
Doch wo entstehen diese Gefährte eigentlich? Vom Himmel fallen sie jedenfalls nicht.
Diese Frage hat mich eine Weile beschäftigt, bis ich schließlich entlang des National Highway in Bacong fündig wurde. Zwischen kleinen Sari-Sari-Stores, vulkanischen Steinhaufen und improvisierten Werkstätten entdeckte ich genau das, was ich gesucht hatte: eine kleine, unscheinbare Metallwerkstatt, in der aus Rohren, Blechen und viel Erfahrung genau diese Seitenwagen entstehen.
Der Besitzer – ein freundlicher Mann mit ölverschmierten Händen und einem Blick, der schon alles gesehen hat – erlaubte mir, zu filmen. Und was sich dort abspielte, war weit mehr als nur Handwerk. Es war gelebter Alltag.
In einer Ecke wurde ein komplett neuer Seitenwagen zusammengeschweißt. Funken flogen, während Metallrohre Stück für Stück zu einer stabilen – oder sagen wir besser: stabil wirkenden – Konstruktion verbunden wurden. Gleich daneben lag ein alter Seitenwagen, dessen Schutzblech mehr aus Rost als aus Metall bestand. Kein Problem: Das alte Blech wurde kurzerhand herausgetrennt und durch ein neues ersetzt. Maßarbeit im besten Sinne – also „passt schon irgendwie“.
Ein paar Meter weiter kümmerte sich ein Mechaniker um ein Tricycle, dessen Federung offenbar den philippinischen Alltag nicht mehr ganz verkraftet hatte. Überladung ist hier schließlich kein Ausnahmezustand, sondern eher die Regel. Gebrochene Federn wurden wieder zusammengeschweißt – ein Vorgang, der in Europa vermutlich mehrere Sicherheitsbeauftragte in Ohnmacht fallen lassen würde. Hier hingegen: Routine.
Was mich besonders beeindruckt hat, war die Kommunikation zwischen Mechanikern und Fahrern. Da wurde nicht einfach etwas „repariert“, sondern gemeinsam analysiert. Der Fahrer erklärte mit Händen, Füßen und viel Ausdruck, wo es klappert, quietscht oder gefährlich knarzt. Der Mechaniker hörte zu, nickte, kratzte sich am Kopf – und legte los. Diagnose nach Gefühl und Erfahrung.
Und überall diese kleinen Improvisationen: Draht, wo eigentlich Schrauben hingehören. Holzklötze als temporäre Stütze. Alte Teile, die irgendwie wiederverwendet werden. Nichts wird weggeworfen, solange es noch irgendwie seinen Zweck erfüllen kann.
Diese Werkstatt ist kein Einzelfall. Sie steht stellvertretend für unzählige kleine Betriebe entlang des Highways, die dafür sorgen, dass das System am Laufen bleibt. Denn ohne diese Männer mit Schweißgerät und Hammer würde auf den Straßen von Negros Oriental vermutlich ziemlich schnell Stillstand herrschen.
Ein Teil dieser Eindrücke ist übrigens in mein Video „Life Along NEGROS ORIENTAL’s National Highway“ eingeflossen. Dort habe ich versucht, genau diese kleinen Geschichten am Straßenrand einzufangen – die Dinge, an denen man sonst einfach vorbeifährt.
Wer also das nächste Mal in einem Tricycle sitzt und sich fragt, warum es bei jeder Bodenwelle ein wenig anders klingt: Die Antwort liegt wahrscheinlich in einer kleinen Werkstatt wie der in Bacong. Und genau das macht den Charme dieser Fahrzeuge aus.










