Wer länger auf den Philippinen unterwegs ist – besonders abseits der großen Städte – wird früher oder später einen Satz hören, der zunächst ein wenig mysteriös wirkt: „Tabi-tabi po.“ Leise gemurmelt, manchmal fast ehrfürchtig, manchmal ganz beiläufig. Und das Beste daran: Es wird oft gesagt, obwohl weit und breit kein Mensch zu sehen ist.
Was also steckt dahinter?
Respekt vor dem Unsichtbaren
„Tabi-tabi po“ bedeutet sinngemäß so viel wie: „Entschuldigung, ich gehe nur kurz vorbei, bitte macht Platz.“ Allerdings richtet sich dieser Satz nicht an sichtbare Personen, sondern an die sogenannten „kleinen Leute“ – Naturgeister aus der philippinischen Folklore.
Dazu gehören unter anderem:
- Duwende – kleine, oft unsichtbare Wesen, die in Bäumen, Steinen oder im Boden leben sollen
- Nuno sa Punso – ein alter, meist unsichtbarer Geist, der in Ameisenhügeln (Punso) wohnt
Gerade große Bäume, verlassene Orte oder diese unscheinbaren Erdhügel am Wegesrand gelten als potenzielle „Wohnsitze“. Und wer dort einfach drübertrampelt oder – schlimmer noch – respektlos handelt, riskiert nach lokalem Glauben… sagen wir mal: „unangenehme Konsequenzen“.
Zwischen Aberglaube und Alltagskultur
Ob man nun daran glaubt oder nicht – „tabi-tabi po“ ist tief in der Kultur verwurzelt. Es ist weniger eine Frage des Glaubens als vielmehr des Respekts. Ähnlich wie man bei uns „Guten Tag“ sagt, obwohl man den Nachbarn vielleicht gar nicht leiden kann.
Viele Filipinos wachsen damit auf, dass man die Natur nicht einfach als „leer“ betrachtet. Sie ist belebt – wenn auch nicht immer sichtbar. Und selbst moderne, aufgeklärte Menschen sagen den Satz manchmal noch. Sicher ist sicher.
Denn Hand aufs Herz: Wenn es auch nur eine kleine Chance gibt, dass da jemand wohnt… warum nicht höflich sein?
Die Sache mit dem Urinieren im Freien
Jetzt kommen wir zu einem Thema, das in keinem ernsthaften Kulturbeitrag fehlen darf – zumindest nicht in diesem.
Stellen wir uns folgende Situation vor:
Man ist unterwegs, irgendwo zwischen Kokospalmen, Reisfeldern oder Buschwerk. Die nächste Toilette? Kilometer entfernt. Der Druck steigt. Die Natur ruft. Laut.
Was tun?
Richtig – man sucht sich ein halbwegs diskretes Plätzchen. Und genau hier kommt die kulturelle Feinheit ins Spiel, die viele Ausländer zunächst nicht auf dem Schirm haben:
Auch in diesem Moment sollte man nicht einfach drauflos… äh… laufen lassen.
Warum?
Alle Bilder wurden von der KI erstellt. Bei diesem Bild hat die KI sich etwas besonderes einfallen lassen
Weil man – zumindest nach traditioneller Vorstellung – gerade dabei sein könnte, direkt auf das Wohnzimmer eines Nuno sa Punso zu zielen. Oder schlimmer noch: auf den Kopf eines unsichtbaren Duwende, der dort friedlich seinen Nachmittag verbringt.
Die höfliche (und dringend empfohlene) Vorgehensweise lautet also:
Ein kurzes, respektvolles:
„Tabi-tabi po…“
Sinngemäß:
„Achtung, ich muss hier mal kurz… ihr wisst schon… bitte nicht persönlich nehmen.“
Das Ganze wirkt für Außenstehende vielleicht leicht skurril – hat aber einen ganz praktischen Nebeneffekt:
Man wird automatisch achtsamer gegenüber seiner Umgebung. Und ganz ehrlich: Ein bisschen Demut vor der Natur hat noch niemandem geschadet.
Wenn man es nicht tut…
Die Geschichten, die man dazu hört, sind vielfältig:
- Plötzliche Hautausschläge
- Unerklärliche Schmerzen
- „Verfluchtes“ Pech über mehrere Tage
Ob psychosomatisch, Zufall oder doch ein verärgerter Geist – das bleibt jedem selbst überlassen. Fakt ist: Die lokale Bevölkerung nimmt solche Dinge ernst genug, um lieber einmal zu viel als zu wenig „tabi-tabi po“ zu sagen.
Fazit: Höflichkeit kostet nichts – auch gegenüber Unsichtbaren
„Tabi-tabi po“ ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie tief Respekt und Rücksichtnahme in der philippinischen Kultur verankert sind – sogar gegenüber Dingen, die man nicht sehen kann.
Und selbst wenn man nicht an Duwende oder den Nuno sa Punso glaubt:
Ein kurzer Gruß schadet nicht.
Ein bisschen Respekt gegenüber der Natur auch nicht.
Und im Zweifelsfall erspart man sich vielleicht sehr… unangenehme Überraschungen.
Oder, um es ganz praktisch zu sagen:
Wenn es irgendwo in Busch oder Feld dringend wird – erst „tabi-tabi po“, dann loslegen.
Man weiß ja nie, wer da unten gerade wohnt.


