Tambo – Der traditionelle Besen der Philippinen
Wer länger auf den Philippinen lebt oder regelmäßig philippinische Haushalte besucht, kennt ihn: den Tambo-Besen. Auf den ersten Blick unscheinbar, ist er doch aus dem Alltag kaum wegzudenken. Ob in einfachen Nipa-Häusern, städtischen Wohnungen oder sogar in Hotels – der Tambo gehört zu den am häufigsten verwendeten Haushaltsgegenständen des Landes.
Doch hinter diesem einfachen Besen steckt traditionelles Handwerk, harte Arbeit und oft auch das Einkommen ganzer Familien, besonders in abgelegenen ländlichen Regionen.
Das Material: Spezielles Gras mit begrenztem Vorkommen
Der klassische Tambo wird aus einer bestimmten Grasart hergestellt, meist Tiger Grass (Thysanolaena maxima). Dieses Gras wächst nicht überall, sondern bevorzugt hügelige, teilweise abgelegene Regionen mit bestimmten Boden- und Klimabedingungen. Typische Anbau- und Sammelgebiete liegen unter anderem in Teilen von:
- Luzon (z. B. Abra, Kalinga, Quezon)
- den Visayas
- einigen Regionen Mindanaos
Wo dieses Gras gut wächst, hat sich über Generationen hinweg eine kleine, aber wichtige lokale Industrie entwickelt.
Aufwendige Verarbeitung – mehr als nur Bündeln
Die Herstellung eines Tambo-Besens ist reine Handarbeit und deutlich arbeitsintensiver, als viele vermuten:
- Ernten
Das Gras wird von Hand geschnitten, oft an steilen Hängen oder abgelegenen Flächen.
- Trocknen
Nach der Ernte muss das Gras sorgfältig in der Sonne getrocknet werden. Dieser Schritt ist entscheidend, damit der Besen später haltbar bleibt und nicht schimmelt.
- Schlagen und Reinigen
Das getrocknete Gras wird anschließend geschlagen, um Samenreste, Staub und lose Teile zu entfernen. Dieser Arbeitsschritt ist körperlich anstrengend und wird oft über mehrere Tage hinweg durchgeführt.
- Sortieren
Die Halme werden nach Länge und Qualität sortiert – nur gleichmäßige Fasern ergeben einen guten Besen.
- Binden
Schließlich werden die Grasbüschel fest an einen kurzen Stiel gebunden, der meist aus Rattan oder einfachem Holz besteht. Traditionell geschieht das mit Draht oder starken Naturfasern.
Familienarbeit und soziale Realität
In vielen Dörfern ist die Tambo-Herstellung Familiensache. Erwachsene, ältere Menschen – und leider oft auch Kinder – helfen mit.
Nach der Schule unterstützen Kinder häufig beim Trocknen, Sortieren oder Bündeln des Grases. In ärmeren Gegenden kommt es jedoch auch vor, dass Kinder während der Schulzeit mitarbeiten müssen, besonders in Erntephasen oder wenn das Einkommen sonst nicht reicht.
Für viele Familien ist der Tambo keine Nebentätigkeit, sondern eine der wenigen verfügbaren Einnahmequellen. Der Verdienst ist gering, aber konstant – vorausgesetzt, es gibt Abnehmer.
Wofür Tambo-Besen verwendet werden
Der klassische Tambo ist ein Innenbesen:
- ideal für feinen Staub
- schonend für glatte Böden, Fliesen oder Holz
- leise und flexibel
- perfekt für Ecken und schwer zugängliche Stellen
Für groben Schmutz oder den Außenbereich gibt es einen anderen Besentyp, den Walis Tambo aus Kokosblattstielen. Der hier beschriebene Tambo hingegen ist der „Feinstaub-Spezialist“ für Innenräume.
Allgegenwärtig – aber oft unterschätzt
Tambo-Besen werden:
- auf Märkten verkauft
- von Haus zu Haus gehandelt
- in kleinen Bündeln am Straßenrand angeboten
- manchmal sogar direkt von den Familien selbst vermarktet
Trotz ihrer Allgegenwärtigkeit sind sie ein stilles Produkt: billig, funktional, langlebig – aber selten wertgeschätzt.
Zwischen Tradition und Moderne
In Zeiten von Plastikbesen und Staubsaugern gerät der Tambo unter Druck. Dennoch hat er klare Vorteile:
- 100 % natürliches Material
- biologisch abbaubar
- keine Elektrizität nötig
- lokal produziert
Gerade im Kontext von Nachhaltigkeit und traditionellem Handwerk erlebt der Tambo mancherorts eine kleine Renaissance – zumindest bei Menschen, die bewusst konsumieren.
Fazit
Der philippinische Tambo-Besen ist weit mehr als ein Haushaltsgegenstand. Er steht für:
- ländliche Lebensrealitäten
- familiären Zusammenhalt
- traditionelle Handarbeit
- aber auch für soziale Herausforderungen
Wer einen Tambo benutzt, hält ein Stück philippinischer Alltagskultur in der Hand – gefertigt mit Geduld, Muskelkraft und oft unter schwierigen Bedingungen.**