**Suroy-Suroys kleine Erlebnisse**

Dieses Thema ist eine kleine Sammelstelle für all die unscheinbaren, manchmal kuriosen, manchmal nachdenklichen Momente meines Alltags als Expat auf den Philippinen. Keine großen Reportagen, keine langen Abhandlungen – sondern kleine Beobachtungen am Wegesrand, Begegnungen, Missverständnisse, Überraschungen und Situationen, die man so nur hier erlebt.


Bild mit KI erstellt

Die Beiträge werden meist mit einem einzelnen Bild, gelegentlich mit einer kleinen Bilderserie oder auch einem kurzen Videoclip ergänzt – einfach zur besseren Erklärung oder weil Worte allein manchmal nicht reichen.

Mal humorvoll, mal ruhig, mal typisch philippinisch – aber immer echt und direkt aus dem Leben.

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** Ohne Navi, aber nicht verloren

Eine kleine Wegsuche zwischen Ananasfeldern

Als ich vor vielen Jahren in die Philippinen kam, gab es weder Navigationsgeräte auf dem Handy noch im Auto. Wer irgendwohin wollte, fragte nach dem Weg – ganz einfach. Diese Gewohnheit habe ich mir bis heute bewahrt, auch wenn die Technik längst anderes erlaubt.

Auf dem Bild ist es nicht ich, sondern mein Stiefsohn, der nach dem Weg fragt. An diesem Tag war er der Fahrer. Wir stecken tief im Labyrinth der nur notdürftig befestigten Wege der riesigen Del-Monte-Ananasplantage in der Gemeinde Libona, Provinz Bukidnon. Zwischen endlosen Ananasfeldern tauchen hier und da auch private Bananenplantagen auf – Orientierung inklusive Gefühl für Entfernungen geht dabei schnell verloren.

Eigentlich suche ich eine große Gemüsefarm, die ich bei einer früheren Fahrt zufällig entdeckt hatte. Schon damals hatten wir uns hier gründlich verfahren und fanden erst mit Hilfe zweier Habal-Habal-Fahrer – gegen ein kleines Trinkgeld – zurück auf eine richtige Straße.

Heute bin ich meist alleine unterwegs, vor allem zum Filmen. Dann steige ich selbst aus, halte an Kreuzungen inne und versuche, auf dem richtigen Pfad zu bleiben. Und ich nehme mir bewusst Zeit, mit den Menschen zu plaudern, nachzufragen, zuzuhören. Genau diese Begegnungen machen für mich den Unterschied – sie runden die Geschichte ab und machen aus einer einfachen Wegsuche ein kleines persönliches Erlebnis.

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:broom: Tambo – Der traditionelle Besen der Philippinen

Wer länger auf den Philippinen lebt oder regelmäßig philippinische Haushalte besucht, kennt ihn: den Tambo-Besen. Auf den ersten Blick unscheinbar, ist er doch aus dem Alltag kaum wegzudenken. Ob in einfachen Nipa-Häusern, städtischen Wohnungen oder sogar in Hotels – der Tambo gehört zu den am häufigsten verwendeten Haushaltsgegenständen des Landes.

Doch hinter diesem einfachen Besen steckt traditionelles Handwerk, harte Arbeit und oft auch das Einkommen ganzer Familien, besonders in abgelegenen ländlichen Regionen.

Das Material: Spezielles Gras mit begrenztem Vorkommen

Der klassische Tambo wird aus einer bestimmten Grasart hergestellt, meist Tiger Grass (Thysanolaena maxima). Dieses Gras wächst nicht überall, sondern bevorzugt hügelige, teilweise abgelegene Regionen mit bestimmten Boden- und Klimabedingungen. Typische Anbau- und Sammelgebiete liegen unter anderem in Teilen von:

  • Luzon (z. B. Abra, Kalinga, Quezon)
  • den Visayas
  • einigen Regionen Mindanaos

Wo dieses Gras gut wächst, hat sich über Generationen hinweg eine kleine, aber wichtige lokale Industrie entwickelt.


Aufwendige Verarbeitung – mehr als nur Bündeln

Die Herstellung eines Tambo-Besens ist reine Handarbeit und deutlich arbeitsintensiver, als viele vermuten:

  1. Ernten
    Das Gras wird von Hand geschnitten, oft an steilen Hängen oder abgelegenen Flächen.
  2. Trocknen
    Nach der Ernte muss das Gras sorgfältig in der Sonne getrocknet werden. Dieser Schritt ist entscheidend, damit der Besen später haltbar bleibt und nicht schimmelt.
  3. Schlagen und Reinigen
    Das getrocknete Gras wird anschließend geschlagen, um Samenreste, Staub und lose Teile zu entfernen. Dieser Arbeitsschritt ist körperlich anstrengend und wird oft über mehrere Tage hinweg durchgeführt.
  4. Sortieren
    Die Halme werden nach Länge und Qualität sortiert – nur gleichmäßige Fasern ergeben einen guten Besen.
  5. Binden
    Schließlich werden die Grasbüschel fest an einen kurzen Stiel gebunden, der meist aus Rattan oder einfachem Holz besteht. Traditionell geschieht das mit Draht oder starken Naturfasern.

Familienarbeit und soziale Realität

In vielen Dörfern ist die Tambo-Herstellung Familiensache. Erwachsene, ältere Menschen – und leider oft auch Kinder – helfen mit.
Nach der Schule unterstützen Kinder häufig beim Trocknen, Sortieren oder Bündeln des Grases. In ärmeren Gegenden kommt es jedoch auch vor, dass Kinder während der Schulzeit mitarbeiten müssen, besonders in Erntephasen oder wenn das Einkommen sonst nicht reicht.

Für viele Familien ist der Tambo keine Nebentätigkeit, sondern eine der wenigen verfügbaren Einnahmequellen. Der Verdienst ist gering, aber konstant – vorausgesetzt, es gibt Abnehmer.


Wofür Tambo-Besen verwendet werden

Der klassische Tambo ist ein Innenbesen:

  • ideal für feinen Staub
  • schonend für glatte Böden, Fliesen oder Holz
  • leise und flexibel
  • perfekt für Ecken und schwer zugängliche Stellen

Für groben Schmutz oder den Außenbereich gibt es einen anderen Besentyp, den Walis Tambo aus Kokosblattstielen. Der hier beschriebene Tambo hingegen ist der „Feinstaub-Spezialist“ für Innenräume.


Allgegenwärtig – aber oft unterschätzt

Tambo-Besen werden:

  • auf Märkten verkauft
  • von Haus zu Haus gehandelt
  • in kleinen Bündeln am Straßenrand angeboten
  • manchmal sogar direkt von den Familien selbst vermarktet

Trotz ihrer Allgegenwärtigkeit sind sie ein stilles Produkt: billig, funktional, langlebig – aber selten wertgeschätzt.

Zwischen Tradition und Moderne

In Zeiten von Plastikbesen und Staubsaugern gerät der Tambo unter Druck. Dennoch hat er klare Vorteile:

  • 100 % natürliches Material
  • biologisch abbaubar
  • keine Elektrizität nötig
  • lokal produziert

Gerade im Kontext von Nachhaltigkeit und traditionellem Handwerk erlebt der Tambo mancherorts eine kleine Renaissance – zumindest bei Menschen, die bewusst konsumieren.


Fazit

Der philippinische Tambo-Besen ist weit mehr als ein Haushaltsgegenstand. Er steht für:

  • ländliche Lebensrealitäten
  • familiären Zusammenhalt
  • traditionelle Handarbeit
  • aber auch für soziale Herausforderungen

Wer einen Tambo benutzt, hält ein Stück philippinischer Alltagskultur in der Hand – gefertigt mit Geduld, Muskelkraft und oft unter schwierigen Bedingungen.**

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So einer ist auch bei uns im Gebrauch, denke beim nächsten Besuch werden wohl einige gekauft werden? … :face_with_raised_eyebrow: … der Zoll wundert sich immer … :joy:

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Ich bin in einer Provinz an etlichen Ständen, die die Dinger verkauften, vorbei gefahren. Da gab’s so viele zu kaufen, ich weiß gar nicht wer diese Massen an Besen am Straßenrand kaufen soll. War aber nicht in Quezon. Kann Camarines oder Albay gewesen sein, ich weiß es nicht mehr genau.

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Ich hatte mir auch mehrere mitgebracht. Ideal, um all das unterm Sofa oder Schränken hervorzuholen, was Kater Jakob so freudig verspielt hat :grinning_cat_with_smiling_eyes:
Nicht nur praktisch, sie sehen auch noch gut aus.

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Mir ist der Stiel zu kurz.

der Stiel ist nicht kurz, deine Arme sind zu kurz … :sweat_smile:

Aber mal im Ernst, ich habe mich auch gefragt, wieso es nicht länger geht? … man bekommt ja einen krummen Buckel, selbst kleine Ponays … :thinking:

Dann kann man den Besen aber nicht mehr mit einer Hand führen (Hebelgesetz).
Ausserdem sollte man die meditative Komponente nicht unterschätzen. Den Rücken demütig gebeugt, eine Hand entspannt auf dem Rücken, die andere führt in aller Ruhe den Besen. Meditation pur.

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