Sonntag in Valencia: Ein Foodtrip zwischen spanischem Omelett, Lugaw und süßem Käsepulver

Wer an einem Sonntagmorgen in die kleine Bergstadt Valencia fährt, merkt schnell, dass hier etwas Besonderes passiert. Rund um den öffentlichen Markt verwandelt sich der Ort jeden Sonntag in eine Mischung aus Bauernmarkt, Street-Food-Festival und sozialem Treffpunkt. Der berühmte Sunday Market von Valencia ist längst mehr als nur ein Markt zum Einkaufen – er ist ein Ritual.

Viele Besucher kommen aus Dumaguete City oder den umliegenden Gemeinden. Familien, Studenten, Motorradgruppen und neugierige Expats schlendern durch die Reihen der Stände. Es gibt frisches Gemüse aus den kühleren Berglagen von Valencia, lokale Produkte, Pflanzen, Snacks und vor allem eines: unglaublich viel Essen.

Der Markt ist daher ein idealer Ort für das, was die jüngere Generation heute gerne „Foodtrip“ nennt. Ich musste allerdings erst lernen, was das eigentlich bedeutet.


Der Plan: Essen. Viel Essen.

Unser Familien-Sonntagsausflug hatte genau dieses Ziel: ein Foodtrip auf dem Sonntagsmarkt.

Schon nach wenigen Metern wurden wir uns einig, dass wir uns zunächst an einem spanischen Essensstand niederlassen sollten. Das klang für einen Sonntagmorgen zwar international, aber immerhin gab es dort Sitzgelegenheiten – ein nicht zu unterschätzender Luxus auf einem philippinischen Markt.

Jeder bekam ein spanisches Omelett, was ich bis dahin nur dem Namen nach kannte. Im Grunde ist es eine dicke Tortilla aus Ei, Kartoffeln und Gewürzen. Überraschend sättigend für ein Frühstück.

Eigentlich wollten wir ja beim Nachbarstand essen. Der hatte allerdings keine Sitzplätze. Das hinderte uns jedoch nicht daran, dort trotzdem zu bestellen. Nach einiger Zubereitungszeit kam dann für jeden ein „Pinoy Philly Brisket“ – eine philippinische Interpretation des amerikanischen Sandwich-Klassikers, gefüllt mit Rindfleisch, Zwiebeln und allerlei herzhaften Zutaten.

Damit war der Tisch bereits gut gefüllt.


Getränke und erste Lektionen eines Foodtrips

Die jüngeren Familienmitglieder bestellten sich dazu irgendwelche Getränke, die offenbar zur modernen Grundausstattung gehören: Milch, grüner Tee, Eiswürfel und vermutlich noch ein paar Instagram-taugliche Extras.

Ich entschied mich für etwas Bodenständigeres: einen gebrühten Kaffee mit Milch, aber ohne Zucker.

Während ich noch darüber nachdachte, wie man Frühstück und Mittagessen gleichzeitig essen kann, wurde schon über das Dessert diskutiert.

Einige wollten unbedingt noch ein großes Bibingka – ein traditioneller philippinischer Reiskuchen, der meist warm serviert wird.

Zwischendurch fand man dann noch die Zeit ein paar Pflanzen von einem der fliegenden Händler zu kaufen.

An diesem Punkt lernte ich meine erste wichtige Lektion über den Begriff „Foodtrip“:
Man isst nicht alles auf.

Ein beträchtlicher Teil der Speisen wird für später eingepackt. Offenbar gehört es zum Konzept, möglichst viel zu probieren und den Rest nach Hause zu tragen.


Sitzen bleiben? Keine Chance.

Ich hatte mich inzwischen ganz bequem auf meinem Hocker eingerichtet und beobachtete das Treiben um mich herum.

Marktbesucher zogen vorbei, Kinder balancierten Plastikbecher mit bunten Getränken, und hinter den Ständen arbeiteten die Verkäufer mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Bratpfannen zischten, Messer hackten, und irgendwo klapperte ständig Eis in Metallbechern.

Gerade als ich mich in diese Beobachterrolle eingelebt hatte, kam das Kommando:
Wir gehen weiter.


Zweite Runde: Lugaw

Der nächste Halt sollte wieder etwas typisch Philippinisches sein: Lugaw.

Diese dicke Reissuppe ist eigentlich ein einfaches Gericht, wird aber auf Märkten oft frisch gekocht und mit verschiedenen Zutaten serviert. Unsere Version kam mit gekochtem Ei und fein geschnittenen Frühlingszwiebeln obendrauf.

Sie war warm, würzig und überraschend gut – vor allem, wenn man vorher schon zwei andere Mahlzeiten gegessen hat.

Gegenüber befand sich ein Stand mit koreanischen Hotdogs und Fruchtshakes. Irgendwo zwischen diesen internationalen Einflüssen beschloss ich spontan, etwas ganz anderes zu bestellen.

Pommes.

Das war ein Fehler.


Pommes auf philippinisch

Die Pommes kamen nicht einfach so. Sie wurden großzügig bestreut – mit einer Sauce oder einem Pulver.

Man hatte zwei Optionen:
sauer oder süß.

Da ich vorher nicht genau angegeben hatte, was ich wollte, bekam ich automatisch die süße Variante: Käsepulver.

Wer es noch nie erlebt hat: süßliches Käsepulver auf Pommes ist eine kulinarische Erfahrung, die man nicht unbedingt wiederholen muss.

Ich aß tapfer ein paar Stücke und beschloss, dass kulturelle Offenheit manchmal auch ihre Grenzen hat.


Rettung in Form von Eis

Am Ende unseres Rundgangs stand ein Eisverkäufer mit großen Edelstahlbehältern. Mit einer geübten Bewegung formte er Kugeln und setzte sie auf Waffelhörnchen.

Hier war ich wieder voll dabei.


Ich bekam eine große Portion gemischtes Eis – die perfekte Abkühlung nach diesem kulinarischen Marathon.


Der große Plan, der nie stattfand

Irgendwo während unseres Spaziergangs hatte jemand noch die Idee, zum Abschluss Lechon oder gegrillten Schweinebauch zu essen.

Eine hervorragende Idee – nur leider hatte niemand mehr auch nur ansatzweise Platz im Magen.

Der Plan wurde daher stillschweigend aufgegeben.


Zum Abschluss noch über den Gemüsemarkt

Stattdessen ging es noch über den Gemüsebereich des Marktes.

Hier zeigt sich eine andere Seite des Valencia Sunday Markets: Bauern aus der Umgebung verkaufen frische Produkte aus den kühleren Bergregionen. Salat, Karotten, Kräuter, Mais, Süßkartoffeln und vieles mehr.

Viele Besucher kombinieren daher zwei Dinge:
erst Foodtrip – dann Gemüse einkaufen.

Eine erstaunlich praktische Strategie.


Fazit eines Lernenden

Mein persönliches Fazit dieses Sonntags:

  1. Ein Foodtrip bedeutet nicht, alles aufzuessen.
  2. Sitzplätze sind ein wertvoller Luxus.
  3. Man sollte bei Pommes immer vorher sagen, was man darauf haben möchte.
  4. Eis geht immer.

Und so endete unser Familienausflug zum Sonntagsmarkt in Valencia – mit vollen Taschen, teilweise vollen Mägen und der festen Erkenntnis, dass man für einen echten philippinischen Foodtrip offenbar mehr Ausdauer braucht als gedacht.

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