Salakot – Vom einfachen Strohhut zum Symbol philippinischer Geschichte

Wer ältere Darstellungen des philippinischen Alltags betrachtet, begegnet immer wieder einer auffälligen Kopfbedeckung: dem Salakot.


Ein Ivatan-Mann trägt einen „Talugong“ sowie eine „Kanay-i“-Weste. „Kanay-i“ ist eine traditionelle Kopfbedeckung der Ivatan-Männer, die dazu dient, den Träger vor Witterungseinflüssen zu schützen. Sie praktizieren dies auch heute noch, um den nachhaltigen Tourismus zu fördern und ihre Kultur zu bewahren.
Bildnachweis: Wikipedia - * CC BY-SA 4.0

Der breite, meist kuppelförmige Hut gehört zu den bekanntesten traditionellen Kleidungsstücken der Philippinen. Auch Juan dela Cruz, die symbolische Figur des einfachen Filipinos, wird häufig mit einem solchen Hut dargestellt.

Doch der Salakot ist weit mehr als ein praktischer Schutz gegen die tropische Sonne. Seine Geschichte reicht weit in die vorspanische Zeit zurück und spiegelt unterschiedliche Abschnitte der philippinischen Gesellschaft wider.

Ein Hut aus den Materialien der Natur


Tagalog-Kleid, frühes 19. Jahrhundert. Originalunterschrift: Kostüm-Tagals. Aus Aventures d’un Gentilhomme Breton aux iles Philippines von Paul de la Gironiere, veröffentlicht 1855.
Bildnachweis: Wikipedia - Dieses Werk ist in seinem Ursprungsland sowie in anderen Ländern und Gebieten, in denen die Schutzfrist die Lebenszeit des Urhebers zuzüglich 70 Jahren oder weniger beträgt, gemeinfrei.

Lange bevor die Spanier 1565 ihre Kolonialherrschaft auf den Philippinen etablierten, gehörte der Salakot bereits zum Alltag der Bevölkerung. Bauern trugen ihn bei der Feldarbeit, Fischer auf ihren Booten und Händler auf ihren Wegen.

Für seine Herstellung verwendete man die Materialien, die in der jeweiligen Region verfügbar waren. Dazu gehörten Bambus, Rattan, Palmblätter und die biegsamen Fasern der Nito-Farne. Je nach Verarbeitung und Verwendungszweck entstanden unterschiedliche Formen: flache, breite Hüte ebenso wie spitz zulaufende oder stärker gewölbte Varianten.

Manche Exemplare erhielten eine Beschichtung aus Naturharz, die sie wasserabweisend machte. Damit schützten sie nicht nur vor der intensiven Sonneneinstrahlung, sondern auch vor tropischen Regenschauern.


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Die Herstellung erforderte einiges handwerkliches Geschick. Interessant ist dabei eine soziale Besonderheit: Bei den Kapampangan und Ilocano war die Hutmacherei traditionell überwiegend Frauenarbeit. Die Frauen fertigten die Hüte an, während Männer häufig die Rohstoffe beschafften und die fertigen Produkte verkauften.

Der Salakot war also nicht nur ein Gebrauchsgegenstand, sondern auch ein wichtiges Erzeugnis des heimischen Handwerks. Im 19. Jahrhundert wurden philippinische Hüte sogar nach Kalifornien exportiert.

Vom Gebrauchsgegenstand zum Statussymbol

Während der spanischen Kolonialzeit veränderte sich die Bedeutung des Salakot. Besonders im 19. Jahrhundert wurde er zunehmend auch von wohlhabenden und gesellschaftlich einflussreichen Filipinos getragen.


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Die Angehörigen der sogenannten Principalia, der einheimischen Oberschicht, ließen ihre Hüte aus besonders wertvollen Materialien herstellen. Neben fein verarbeitetem Bambus und Rattan kamen auch Carabao-Horn und Schildpatt zum Einsatz.

Die Verzierungen konnten ausgesprochen aufwendig sein. Silberne oder goldene Ornamente, filigrane Metallarbeiten und eine kunstvoll gestaltete Spitze auf der Hutkrone machten aus dem einfachen Salakot ein kostbares Schmuckstück.


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Ein solches Exemplar war nicht selten ein Familienerbstück und wurde über Generationen weitergegeben. Die Ausführung und die verwendeten Materialien verrieten viel über den gesellschaftlichen Rang seines Besitzers.

Wie eng diese Geschichte mit der philippinischen Nationalgeschichte verbunden ist, zeigt ein besonderes Exemplar aus dem Besitz von José Rizal. Er schenkte 1888 seinen eigenen Salakot dem deutschen Ethnologen und Sammler Adolf Bastian. Das Stück bestand aus dünnen Platten von Carabao-Horn, die mit Silberarbeiten verbunden und verziert waren. Im Inneren befand sich ein geflochtenes Rattanband.

Heute wird dieser historische Hut im Rahmen der digitalen Ausstellung des National Museum of the Philippines dokumentiert.

Ein Hut in Zeiten des Widerstands

Auch während der philippinischen Revolution gegen die spanische Kolonialherrschaft von 1896 bis 1898 verschwand der Salakot nicht aus dem Straßenbild. Seine robuste Bauweise und die schützende Form machten ihn zu einer geeigneten Kopfbedeckung für Männer, die unter freiem Himmel unterwegs waren und kämpften.


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Er wurde als eine Art Helm getragen und blieb auch während des anschließenden Philippinisch-Amerikanischen Krieges von 1899 bis 1902 in Gebrauch.

Damit erhielt eine Kopfbedeckung, die ursprünglich vor allem dem Schutz vor Sonne und Regen diente, eine weitere historische Bedeutung. Sie begegnet uns sowohl im bäuerlichen Alltag als auch in Darstellungen der philippinischen Unabhängigkeitskämpfe.

Ein Stück lebendiges Kulturerbe

Heute ist der Salakot längst nicht mehr die alltägliche Kopfbedeckung, die er früher für viele Filipinos war. Im Straßenbild sieht man ihn nur noch gelegentlich, während er bei kulturellen Veranstaltungen, traditionellen Festen und in historischen Darstellungen weiterhin präsent ist.

Seine Bedeutung ist jedoch nicht verloren gegangen. Der Salakot steht für ein Handwerk, das natürliche Materialien mit praktischer Erfahrung und gestalterischem Können verbindet. Gleichzeitig erinnert er an eine Gesellschaft, in der selbst ein einfacher Gebrauchsgegenstand unterschiedliche soziale und politische Bedeutungen annehmen konnte.

Vielleicht macht gerade das seine besondere Stellung aus: Ein Hut, der Bauern und Fischern Schutz bot, zum kostbaren Statussymbol der einheimischen Oberschicht wurde und schließlich auch von Männern getragen wurde, die für die Unabhängigkeit ihres Landes kämpften.

Der Salakot ist damit ein kleines, aber bemerkenswertes Stück philippinischer Geschichte.

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