Sabong – Drei Verbote und die Tradition, die sich nicht verbieten ließ

Wer heute auf den Philippinen über Sabong, den traditionellen Hahnenkampf, spricht, denkt zunächst vielleicht an eine beliebte, aber auch umstrittene Freizeitbeschäftigung. Seine Geschichte reicht jedoch sehr viel weiter zurück – und erzählt gleichzeitig eine bemerkenswerte Geschichte über Kultur, Religion, Kolonialherrschaft und staatliche Kontrolle.


Dieses Titelbild wurde mit einer KI erstellt

Denn die spanischen Kolonialherren versuchten mehrfach, den Hahnenkampf auf den Philippinen zu verbieten.

Sie scheiterten.

Und zwar nicht nur einmal.

Eine Tradition, die älter war als die spanische Herrschaft

Als die Spanier im 16. Jahrhundert auf den Philippinen ihre koloniale Herrschaft errichteten und die Christianisierung der Bevölkerung vorantrieben, trafen sie auf eine Gesellschaft, in der Hahnenkämpfe bereits eine lange Tradition besaßen.

Der Hahn war dabei nicht einfach nur ein Tier, das zum Kampf eingesetzt wurde. Der Hahnenkampf war mit sozialen Beziehungen, Wetten, Festen und lokalen Gemeinschaften verbunden.

Eine sabungan – die Hahnenkampfarena – war deshalb nicht lediglich ein Ort, an dem zwei Hähne gegeneinander antraten. Sie war auch ein sozialer Treffpunkt.

Genau diese Verwurzelung machte das Sabong für die neue Kolonialmacht zu einem schwierigen Problem.

1589 – das erste Verbot

Die spanischen Behörden erließen bereits 1589 ein formelles Verbot des Hahnenkampfes.

Die Gründe waren vor allem moralischer und religiöser Natur.

Glücksspiel galt den katholischen Geistlichen als sündhaft, und die spanische Kolonialgesellschaft versuchte generell, bestimmte traditionelle Bräuche der einheimischen Bevölkerung zu kontrollieren oder durch christliche Vorstellungen zu ersetzen.

Doch ein Gesetz allein konnte eine gesellschaftlich tief verwurzelte Tradition nicht verschwinden lassen.

Das Verbot erwies sich als kaum durchsetzbar.

1742 – wieder verboten

Mehr als 150 Jahre später wurde das Thema erneut aufgegriffen.

1742 untersagten die spanischen Behörden den Hahnenkampf erneut.

Doch auch diesmal zeigte sich das gleiche Problem: Sabong war nicht einfach eine Angelegenheit einzelner Personen, die man durch eine Verordnung hätte kontrollieren können.

Zu viele Menschen waren daran beteiligt oder wirtschaftlich damit verbunden.

Und offenbar war die gesellschaftliche Akzeptanz größer als die Bereitschaft, das Verbot tatsächlich durchzusetzen.

1779 – der dritte Versuch

Dann folgte 1779 ein weiterer Versuch, den Hahnenkampf zu unterbinden.

Drei Verbote innerhalb der spanischen Kolonialzeit – und trotzdem verschwand Sabong nicht.

Das ist vielleicht der interessanteste Teil dieser Geschichte.

Denn die Spanier verfügten durchaus über militärische, politische und religiöse Macht. Sie konnten Gesetze erlassen, Steuern erheben und die koloniale Verwaltung bis in viele Bereiche des täglichen Lebens hinein ausdehnen.

Aber sie konnten nicht jede lokale Tradition kontrollieren.

Warum funktionierten die Verbote nicht?

Eine wichtige Erklärung liegt darin, dass Sabong nicht nur Unterhaltung war.

Es verband soziale, kulturelle und wirtschaftliche Interessen.

Für Besitzer, Züchter, Kämpfer, Wettende, Veranstalter und Händler entstanden wirtschaftliche Beziehungen. Gleichzeitig gehörte der Hahnenkampf vielerorts zum gesellschaftlichen Leben und zu lokalen Festen.

Ein Verbot beseitigte diese Beziehungen nicht.

Es verlagerte sie lediglich in einen Bereich, den die Behörden noch schwieriger kontrollieren konnten.

Und damit entstand für die Kolonialverwaltung ein klassisches Problem:

Wenn man etwas nicht erfolgreich verbieten kann, kann man vielleicht davon profitieren.

Vom verbotenen Vergnügen zur besteuerten Einnahmequelle

Irgendwann änderte sich deshalb die Haltung der spanischen Behörden.

Statt Sabong immer wieder vollständig beseitigen zu wollen, begann die Kolonialverwaltung, es zu regulieren und zu lizenzieren.

Aus dem moralischen und religiösen Problem wurde damit zunehmend auch eine Einnahmequelle.

Lizenzen, Gebühren und Steuern konnten erhoben werden.

Das bedeutete einen bemerkenswerten Wandel:

Die koloniale Regierung nahm nun Geld mit einer Aktivität ein, die sie zuvor mehrfach aus moralischen und religiösen Gründen zu verbieten versucht hatte.

Der Hahnenkampf war damit nicht verschwunden.

Er war staatlich kontrolliert worden.

Eine kleine Lektion über koloniale Herrschaft

Die Geschichte des Sabong zeigt deshalb etwas, das über den Hahnenkampf selbst hinausgeht.

Koloniale Herrschaft bedeutet nicht automatisch, dass jede lokale Tradition verschwindet, sobald eine neue Macht Gesetze erlässt.

Manche Bräuche sind so tief in einer Gesellschaft verankert, dass selbst jahrhundertelange religiöse und politische Einflussnahme sie nicht beseitigen kann.

Im Fall des Sabong war das Ergebnis sogar geradezu paradox:

Die spanische Kolonialmacht versuchte dreimal, die Tradition zu verbieten – und endete schließlich damit, sie zuzulassen, zu kontrollieren und zu besteuern.

Sabong nach den Spaniern

Mit dem Ende der spanischen Kolonialherrschaft endete selbstverständlich auch diese Geschichte nicht.

Sabong blieb ein Bestandteil der philippinischen Gesellschaft und entwickelte sich über die folgenden Jahrzehnte weiter. Zucht, Wettwesen und professionelle Kämpfe wurden zunehmend organisiert und kommerzialisiert.

Heute ist der Hahnenkampf allerdings auch ein kontroverses Thema. Tierschutz, Glücksspiel, soziale Folgen und die wirtschaftliche Bedeutung der Branche führen zu einer Diskussion, die weit über die historische Tradition hinausgeht.

Gerade deshalb lohnt sich ein Blick zurück.

Denn unabhängig davon, wie man persönlich zum Sabong steht, erzählt seine Geschichte etwas Bemerkenswertes über die Philippinen:

Eine Tradition muss nicht unbedingt von einer Regierung geschützt werden, um Jahrhunderte zu überleben.

Manchmal reicht es, dass sie in der Gesellschaft selbst verwurzelt ist.

Und genau das scheint beim Sabong bereits lange vor der spanischen Kolonialzeit der Fall gewesen zu sein.

Drei Verbote konnten daran nichts ändern.

Am Ende musste selbst die Kolonialverwaltung erkennen, dass sich diese Tradition offenbar leichter besteuern als beseitigen ließ.

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