Artikel: Inquirer, 10/09/2026
LGUs auf Siquijor suchen nach echten Lösungen gegen den wachsenden Plastikmüll
Die philippinische Insel Siquijor steht vor einer gravierenden ökologischen und infrastrukturellen Herausforderung: Während der Tourismus auf der Insel boomt, nehmen die Müllmengen drastisch zu. Die bestehenden Entsorgungs- und Verwertungsanlagen stoßen längst an ihre Kapazitätsgrenzen, weshalb die Kommunalverwaltungen der Insel dringend nach nachhaltigen und langfristigen Lösungen suchen.
Die aktuelle Notlage und Hilferufe.
Lhermie P. Areja, die Beauftragte für Umwelt und natürliche Ressourcen der Gemeinde Siquijor, verdeutlichte auf dem von der Umweltorganisation Oceana organisierten Forum „Taking Back Paradise“ am 8. September die dramatische Lage vor Ort. Zwar setze die Kommunalverwaltung das Mülltrennungsgebot konsequent um und sammle Plastikverpackungen separat, doch fehle es schlichtweg an Lager- und Verarbeitungskapazitäten.
Die Wertstoffrückgewinnungsanlagen (Materials Recovery Facilities) der Insel sind vollständig überfüllt. Insbesondere Einweg-Plastikflaschen großer Konzerne wie Coca-Cola oder Nature Spring häufen sich unkontrolliert an. Die Kommunalverwaltung sieht sich außerstande, diese Müllmengen eigenständig abzutransportieren oder zu lagern, und richtet einen dringenden Appell an andere Stellen, Verantwortung zu übernehmen.
Müllzusammensetzung und Herstellerverantwortung
Im Rahmen einer Abfallbewertung und Markenprüfung (Waste Assessment and Brand Audit, WABA) – durchgeführt von der Mother Earth Foundation (MEF), Oceana und Break Free from Plastic (BFFP) – wurden die Müllströme auf Siquijor detailliert analysiert. Die Ergebnisse zeigen:
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Über 70 % des Abfalls sind biologisch abbaubar und könnten theoretisch problemlos durch Kompostierung oder in Biogasanlagen verwertet werden.
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Ein beträchtlicher Teil des verbleibenden Abfalls besteht jedoch aus nicht biologisch abbaubaren Einweg-Plastikverpackungen internationaler und nationaler Großkonzerne.
Die Forumsteilnehmer forderten daher eine strikte Anwendung des philippinischen Gesetzes zur erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility Act, Republic Act Nr. 11898). Dieses Gesetz verpflichtet produzierende Unternehmen dazu, Verantwortung für den Lebenszyklus ihrer Produkte zu übernehmen und von ihnen in Umlauf gebrachte Kunststoffverpackungen zurückzunehmen sowie deren Sammlung und Umleitung finanziell und logistisch zu unterstützen.
Grenzen lokaler Maßnahmen und Systemkritik
Froilan Grate, Geschäftsführer der Global Alliance for Incinerator Alternatives (GAIA), lobte zwar das Engagement der lokalen Behörden ausdrücklich. Die Kommunen leisteten Vorbildliches bei der Aufklärung der Bevölkerung, der Einführung von Trennsystemen auf Dorf- und Gemeindeebene (Barangay-Ebene) und der Durchsetzung von Abfalldisziplin.
Dennoch betonte Grate, dass selbst die vorbildlichste lokale Mülltrennung die Krise nicht lösen kann, solange die weltweite Produktion und der ungebremste Verbrauch von Einwegplastik unvermindert anhalten. Die Flut an Plastikmüll übersteige schlichtweg die physischen Verwertungsmöglichkeiten einer kleinen Inselgemeinschaft.
Absage an Müllverbrennungsanlagen (WTE)
Um der Müllschwemme Herr zu werden, wurde von einigen Seiten der Einsatz thermischer Müllverbrennungsanlagen zur Energiegewinnung (Waste-to-Energy, WTE) ins Spiel gebracht. Dem traten Wissenschaftler, Umweltverbände und Gemeindevertreter auf dem Forum jedoch entschieden entgegen:
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Finanzielle Risiken: Die Betriebskosten solcher Verbrennungsanlagen sind für Inselkommunen enorm hoch und oft nicht tragfähig.
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Gesundheitliche und ökologische Gefahren: Dr. Jorge Emmanuel, ein Experte mit umfassender Erfahrung bei der Bewertung von WTE-Anlagen, warnte vor hochgiftigen Emissionen und gefährlicher Asche. Diese Giftstoffe verbleiben langfristig in der Umwelt und gefährden die Gesundheit von Anwohnern, Touristen sowie künftigen Generationen.
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Imageverlust: Siquijor ist bekannt als „Insel der Heilung“ und für seine traditionelle Heilkunst. Die durch Müllverbrennung verursachte Umweltverschmutzung würde diesen geschätzten Ruf nachhaltig zerstören und dem Tourismus schaden.
Ausbau von Wiederverwendungs- und Nachfüllsystemen
Als zukunftsfähige Alternative wird eine fundamentale Ausrichtung auf Vermeidung und Wiederverwendung gefordert. Als Vorbild dienen erfolgreiche Programme aus Quezon City. Von Hernandez, Vizepräsident von Oceana, sowie weitere Experten schlagen folgende Kernmaßnahmen vor:
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Fokus auf Vermeidung: Maßnahmen müssen ansetzen, bevor der Müll entsteht, anstatt rein symptomatisch die Entsorgung zu organisieren.
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Mehrweg- & Nachfüllsysteme: Die Verankerung und rechtliche Institutionalisierung von Wiederverwendungs- und Nachfüllsystemen – insbesondere im Tourismus-, Gastronomie- und Hotelgewerbe – ist unerlässlich.
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Zusammenarbeit: Die Umweltbeauftragte Lhermie P. Areja bestätigte die Bereitschaft der Kommunalverwaltung, solche Wiederverwendungssysteme aktiv zu fördern und umzusetzen, um den Zufluss neuer Plastikflaschen zu stoppen.
Tourismuswachstum als Treiber und Risiko
Die Notwendigkeit schnellen Handelns wird durch aktuelle Tourismuszahlen unterstrichen. Krisma Rodriguez, Regionaldirektorin des Tourismusministeriums auf der Insel Negros, berichtete von einem Anstieg der Besucherzahlen um 17 % – von 241.529 Touristen im Jahr 2024 auf 282.269 im Jahr 2025.
Dieser wirtschaftliche Erfolg birgt Schattenseiten: Ein steigender Verbrauch führt direkt zu mehr Abfall. Wenn dieses Wachstum nicht ökologisch gesteuert wird, zerstört der Tourismus genau die natürlichen Ressourcen – weiße Strände, klares Wasser und unberührte Natur –, die seine Grundlage bilden. Investitionen in eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft sind daher der beste Weg, um die Lebensgrundlage der Einheimischen zu sichern und die Wettbewerbsfähigkeit Siquijors als Reiseziel langfristig zu erhalten.