Die Eheschließung ist auf den Philippinen nicht mehr so selbstverständlich wie früher – die Zahlen belegen dies. Laut Daten der philippinischen Statistikbehörde (PSA) sank die Zahl der registrierten Eheschließungen im Jahr 2023 auf 414 213. Das ist ein Rückgang von 7,8 % gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2024 verstärkte sich dieser Trend mit 371.825 Eheschließungen noch einmal deutlich: Ein Rückgang von 10,2 % gegenüber 2023.
Auch die allgemeine Heiratsrate fiel innerhalb eines Jahres von 3,7 auf 3,3 pro 1.000 Einwohner. Dies ist keine geringfügige Veränderung. Es ist ein klares Zeichen dafür, dass junge Filipinos die traditionellen Erwartungen an die Ehe ablehnen.
Ein wesentlicher Grund hierfür ist das auf den Philippinen weiterhin geltende Scheidungsverbot, das die Ehe für junge Menschen zu einem rechtlich riskanten Unterfangen macht. Sie haben miterlebt, wie ältere Generationen in missbräuchlichen, lieblosen oder zerrütteten Ehen gefangen waren und keinen rechtlichen Ausweg sahen. Eheannullierungen sind nach wie vor langwierig, teuer und emotional belastend, sodass viele Familien in ungesunden Situationen zurückgelassen werden. Junge Paare sind daher vorsichtiger: Warum sollten sie einen lebenslangen Ehevertrag in einem Land eingehen, das ihnen keinen humanen Ausweg bietet?
Diese rechtliche Realität treibt viele in eine eheähnliche Gemeinschaft oder dazu, die Heirat so lange aufzuschieben, bis sie emotionale und finanzielle Sicherheit erreicht haben. Wirtschaftlicher Druck verstärkt diese Entwicklung zusätzlich. Junge Filipinos sehen sich heute mit unsicheren Arbeitsverhältnissen, steigenden Mieten, höheren Lebenshaltungskosten und begrenzter finanzieller Stabilität konfrontiert. All das macht die traditionelle Ehe unpraktisch und belastend.
Anstatt sich in Zeremonien und rechtliche Verpflichtungen zu stürzen, priorisieren junge Paare Karriere, Stabilität und persönliche Weiterentwicklung. Der Rückgang der Eheschließungen ist demnach kein Zeichen moralischen Verfalls, sondern eine logische Reaktion auf veraltete Gesetze, hohe wirtschaftliche Belastungen sowie eine moderne Generation, die sich nicht mehr an Traditionen binden will, die für sie keinen Zweck mehr erfüllen.
Dies dürfte mit Sicherheit einer der wesentlichen Gründe sein. Da muss man mittelfristig einfach umdenken.
Dies ist aber ein allgemeiner Trend auch bei uns.
Aber jüngere Filipinos stellen traditionelle Erwartungen in Frage. Sie wollen die Ehe häufiger auf einen späteren Zeitpunkt verschieben und priorisieren Karriereziele, emotionale Reife und finanzielle Unabhängigkeit über das Befolgen der Traditionen.
Sehr berechtigte Frage. Das liegt eindeutig im Auge des Betrachters. Ich sehe das auch nicht als „besorgniserregend“ an. Das ist einfach nur das Resultat, dass sich der Gesetzgeber bis heute dem Druck der katholischen Kirche beugt und keine Scheidung zulässt.
Ich kann das gut nachvollziehen das junge Leute sich nicht diesen strikten Regeln unterordnen wollen. Zumindest rechtlich theoretisch ist ja sogar der Ehebruch strafbar. Da ist es ja besser eine Lebensgemeinschaft zu bilden und vielleicht später zu heiraten. Abgesehen davon kostet eine Hochzeit eine ganze Menge Geld. Das fehlt dann später fürs Leben.
Das kommt darauf an wie man das veranstaltet. Unsere Hochzeit (auf den Philippinen) war eine recht pragmatische Veranstaltung. Ohne Kirche, ohne dicke Party in irgendeinem Resort.
Meine Frau ist Filipina. Die Hochzeit so einfach durchzuziehen war unsere gemeinsame Entscheidung. Aber im Grunde hast Du Recht. Das war eher ungewöhnlich.
Korreliert ein höheres Alter für die Eheschließung nicht auch mit dem steigenden Wohlstand einer Gesellschaft? Zum Vergleich: in Deutschland liegt das durchschnittliche Alter bei der ersten Eheschließung bei 32,6 Jahren für Frauen und 35,1 Jahren für Männer. (Zahlen aus 2022).
Damit erreichte das Heiratsalter einen Höchststand; gegenüber etwa 20 Jahren zuvor stieg das Erstheiratsalter bei Frauen um 3,8 Jahre und bei Männern um 3,3
Laut der OECD liegt der durchschnittliche Erstheiratsalter quer durch viele Mitgliedsstaaten mittlerweile bei etwa 32 Jahren für Frauen und 34 Jahren für Männer (Stand 2021). Gemäß einer aktuellen Übersicht für 2023 lag das höchste mittlere Heiratsalter für Frauen u.a. in Spanien (36,9 Jahre) und für Männer in Schweden (37,0 Jahre). D.h. in manchen westeuropäischen bzw. nordeuropäischen Ländern (Nord- und Südeuropa) ist das Heiratsalter tendenziell noch höher — oft deutlich über 30 Jahren — während in Teilen Osteuropas das Heiratsalter teils noch niedriger liegt.