Motorradtour durch Mindanao und die Visayas, 2019/20

Bislig – Mati

Noch zwei Tage bis Neujahr. Als Ort, um Silvester zu verbringen, wählten wir Mati in Davao Oriental. Die Fahrt dorthin auf der Küstenstraße ist fürs Motorradfahren ein Traum und gehört definitiv zu den besten Straßen, die ich im Land bisher auf dem Zweirand gefahren bin. Eine Kurve nach der anderen, mit teils unglaublichen Gefällstrecken, die Außenkurven oft extrem hochgezogen, dazu relativ wenig Verkehr.

Wir legten einige Fotostopps ein, unter anderem oberhalb des Städtchens Boston. Auf dem weiteren Weg nach Mati machten wir noch zwei kleine Abstecher. Der Erste führte uns zu den Aliwagwag Falls. Bei der Stadt Cateel bogen wir nach Westen ab und erreichten die Wasserfälle nach ca. 17 KM. Diese erstrecken sich über 84 Stufen, zusammen sollen sie eine Fallhöhe von über 300 Metern haben. Was wir von der Straße sehen konnten, war eher unspektakulär. Um mehr zu sehen, muss man etwas wandern, dazu hatten wir leider keine Zeit.

Der Zweite Abstecher führte uns zum Pusan Point, den östlichsten Punkt der Philippinen. Der Ort liegt 8 KM östlich vom Highway entfernt, in der Nähe von Caraga. Die Straße dorthin ist durchgehend betoniert, bis auf die letzten 50 Meter. Am Pusan Point hat man erstaunliche Dinge hingestellt. Neben einem Swimmingpool, der aber kein Wasser hat weil es dort kein Wasser gibt (was auch die Toiletten betrifft), gibt es einen Leuchtturm, ein kleines Amphitheater und ein interaktives, allgemeines Wissenschaftsmuseum. Dieses hat die besten Zeiten bereits hinter sich, vieles funktionierte nicht mehr. Man fragt sich ohnehin, warum man so etwas an einen so abgelegenen Ort baut. Wie auch immer, die Szenerie der Küste, wo der Pazifik mit seiner ganzen Wucht auf die dortige Steilküste trifft, hat etwas.

Auf dem weiteren Weg nach Mati fanden wir zufällig noch einen netten Strand, an dem wir lecker gegrillten Fisch mit Reis aßen.
Wir erreichten Mati ausreichend früh, also bei Tageslicht. In dichtem Verkehr quälten wir uns in die Stadt. Von vielen Verkehrsteilnehmern wurden wir freundlich gegrüßt, Autofenster öffneten sich und herausgestreckte Hände zeigten „Thumbs up“. Was für eine Begrüßung!

Wir hatten uns entschieden, Silvester in der Stadt zu verbringen und nicht am Strand, was sich als die absolut richtige Entscheidung herausstellen sollte. Wir nahmen ein Zimmer im Baywalk Hotel, direkt am Hafen und am Baywalk gelegen. Einigermaßen passabel. ich erinnere mich nicht genau, irgendwas um 1000,-- Peso fürs DZ mit AC und Bad.

Mati

Am ersten Abend in Mati sucht wir fürs erste den Baywalk auf. Wir setzten uns auf die Seawall und schauten den Einheimischen bei der abendlichen Freizeitgestaltung zu. Wir hatte uns ein paar Dosen Bier mitgebracht. Niemand nahm Anstoß am dortigen Verzehr. Ein paar Kids kamen an und fragten nach „money“. Wir verneinten. Die Kinder waren durchaus gut gekleidet, für uns schwierig einzusortieren. Sie setzten sich ungefragt zu uns und begannen etwas small talk auf Englisch. Ich versuchte im Gegenzug ein paar Brocken Tagalog/Cebuano gemischt los zu werden. Nach einiger Zeit wurde es den Bengeln anscheinend zu langweilig mit uns Langnasen und sie versuchten bei den anderen Leuten ihr Glück (durchweg Filipinos). Zum Abendessen gingen wir ins Ciangi Resto gegenüber vom Baywalk. Essen OK, preislich eher etwas höher angesiedelt. Dementsprechend war die Bierversorgung etwas langsam.

Den Silvestertag nutzten wir für einen kurzen Ausflug zu einem erhöhten Punkt des Highways, den wir schon auf unserer Fahrt nach Mati gesehen hatten. Der Aussichtspunkt liegt ca. 30 KM östlich der Stadt. Also noch einmal ein Teilstück dieser genialen Motorradstrecke rauf und wieder runter :).

An einem Verkaufsstand gab’s Getränke und Obst. Wir pausierten etwas und beobachteten den vorbeikommenden Verkehr. So entdeckten wir zum ersten Mal einen „surfenden“ Hund. Ein Filipino kam zügig mit seiner 150er um die Kurve gebrettert, auf zweien davon ein Gepäckträger mit diversem Krempel beladen. Und oben drauf ein Hund, stehend mit wehenden Ohren. Wir trauten unseren Augen nicht. Wir waren so baff, dass wir nicht schnell genug waren, die Kameras zu zücken. Unglaublich. Von dort oben hatten wir einen grandiosen Blick über die Bucht bis zum Dahican Beach.

Dieser war das nächste Ziel. Der Strand ist einige Kilometer lang, aber meist recht schmal. Leider ist an vielen Stellen der Zugang zum Strand durch Resorts verwehrt. Häufig (oder vielleicht sogar überall?) wird Eintritt oder verpflichtende Cottagemiete verlangt, so zumindest unser subjektiver Eindruck. Wir entschieden uns für ein etwas abgelegenes Resort und verbummelten dort einige Stunden. Dahican ist ganz nett, aber für mein Empfinden wird der Strand etwas überbewertet. Aber da hat jeder seine eigenen Vorstellungen.

Am Silvesterabend hatten viele Restaurants in Mati geschlossen. Wir fanden einen Laden, der diverse Grillsachen anbot, wir konnten im ersten Stock sitzen und über den Baywalk blicken. Um 22:00 Uhr wurden wir freundlich darauf hingewiesen, dass man jetzt schließen würde. Wir bummelten noch etwas über den Baywalk, beobachteten für eine Weile das Treiben und wanderten dann zurück zum Hotel, mit einem kleinen Abstecher zum 24-hour Shop, um noch etwas zu trinken zu kaufen. Am Hotel bereitete sich schon das Hotel- und Securitypersonal auf Neujahr vor. Meine Frage, ob es denn ein öffentliches Feuerwerk gäbe, wurde bejaht. Dieses würde um 22:30 stattfinden. Fragezeichen in unseren Gesichtern. An Silvester das Feuerwerk anderthalb Stunden zu früh? Eine Erklärung dazu gab es nicht, wozu auch.
Wir setzten uns mit unserem Bier auf die Hoteltreppe und beobachteten, was vor sich ging. Das Personal kümmerte sich sofort, brachte einen Tisch samt Decke und zwei Stühlen. Somit hatten wir unseren Logenplatz. Um 23:00 begann dann tatsächlich das Feuerwerk.
Die Mitarbeiter des Hotels bereiteten sich mit lauter Musik (einer Mischung aus Filipino-Pop, Rap und Techno) und ausreichend Red Horse auf Mitternacht vor. Einige Feuerwerkskörper wurden vor dem Hotel aufgebaut. Das übliche Rauchverbot rückte zu dieser Stunde in den Hintergrund, in diesem Moment kümmerte das niemanden mehr. Um Mitternacht gab es über Mati etwas Feuerwerk, einige der Hotelmitarbeiter hatten ihre Scooter aufgebockt und ließen die Motoren lange Zeit auf Hochtouren aufheulen, was mit entsprechender Geruchsbelästigung einherging.

Wir hatten beschlossen, am nächsten Tag weiterzufahren. Wir wollten den Feiertag nutzen, um bei hoffentlich nicht so starkem Verkehr direkt bis General Santos durchzufahren. Einen längeren Aufenthalt in Davao cancelten wir, zumal ich Davao von meinem letzten Besuch als eher langweilig in Erinnerung hatte (wie üblich meine ganz subjektive Meinung, ich denke so manche würden das so nicht unterschreiben). Da wir zeitig abreisen wollten, beendeten wir den Abend gegen 0:30 Uhr.

Mati – General Santos City

Wir standen zeitig auf. Entgegen der Ankündigung des Hotelpersonals war sogar schon jemand in der Lage, uns einen Kaffee und ein schnelles Frühstück zuzubereiten. Gegen 8:00 Uhr morgens waren wir dann unterwegs. Das erste Teilstück ist noch sehr schön zu fahren, tolle Streckenführung mit reichlich Kurven. Schon fast zu viel in Anbetracht des gestrigen Abends. Wir hielten am bekannten Aussichtspunkt für den „Sleeping Dinosaur“. Der Verkehr war noch überschaubar, einige Gruppen jüngerer Filipinos waren mit ihren Scootern auf Feiertagsausflug. Zumindest kaum Busse und Trucks.

Ab dem Abzweig nach Tagum verdichtete sich der Verkehr recht stark. Was auf dem Teilstück von Tagum bis Digos an einem normalen Wochentag verkehrsmäßig abgeht, wollten wir uns gar nicht erst vorstellen. Wir waren sehr froh, diese Strecke an einem Feiertag fahren zu können. Besonders krass empfanden wir den Verkehr bei und in Davao. Der Highway ist weitgehend 4 – 6 spurig ausgebaut, es fährt aber alles drauf rum, was Räder hat. Die Auswahl der richtigen Spur erfolgt nach Kriterien, die wir auch nach dieser Tour nicht erkennen können.

Vor Davao kamen wir an den ersten Army Checkpoint, an dem wir angehalten wurden. Motor aus, Helm ab, Führerschein. Die Registrierung wollte man nicht sehen. Wo wir herkommen? Welche Nationalität? Wo wir denn hin wollen. Was wir in Davao machen möchten. Nein nein, wir leben hier nicht und wollen eigentlich nur weiter nach Gen San. Achso. Was ist in Euren Taschen? Ja unser Gepäck, was man halt so braucht im Urlaub, Kleidung etc. Achso, ihr macht Urlaub. Ja!
Ich dachte schon wir müssten jetzt noch unsere Taschen aufmachen, aber der diensthabende Soldat war fürs erste zufrieden und wir konnten weiterfahren. Zwischenzeitlich hatte sich ein längere Schlange von Motorrädern und Scootern gebildet.
Kurz danach die nächste Kontrolle, diesmal Polizei. Alle Zweiräder wurden angehalten. Das gleiche Prozedere wie vorher. Führerschein, wo wollt ihr hin etc. Gefühlt mehr als ein Dutzend Polizisten und Polizistinnen waren an der Kontrolle beteiligt. „Meine“ Polizistin war eine noch junge und äußerst attraktive Beamtin :).

Zur Mittagszeit legten wir dann doch in Davao eine kurze Pause ein. Der Crocodile Park liegt nicht weit vom Highway, wir entschieden uns, dort zu Mittag zu essen und noch kurz den Park anzusehen.

Nach Digos wurde der Verkehr merklich weniger, in Sarangani war es dann recht entspannt. Je näher wir Gen San kamen, desto dichter wurde der Verkehr wieder, also wie üblich in den größeren Städten. Als Hotel hatten wir das „Columbus Hotel“ ins Auge gefasst. Das Hotel liegt nicht weit von der City Hall. Ein guter Griff, gut geführt, alles noch recht neu, Preis-Leistung gut. Promo lag bei ca. 1300 Peso fürs DZ mit AC und Bad.

Gumasa Beach / Glan, Sarangani

Wir hatten uns in Deutschland mit ausreichend Regenkleidung eingedeckt. Bisher ergab es sich nicht, diese einmal ausgiebig zu testen. Heute war der Tag gekommen! Es regnete schon, als wir uns zum Frühstück begaben. Der eigentliche Plan war, den Gumasa Beach ca. 60 KM weiter südlich, an der Ostseite der Sarangani Bay aufzusuchen. Ich erkundigte mich im Hotel, ob in Richtung Glan/Sarangani alles OK und sicher sei. Ich hatte das Gefühl, dass der Rezeptionist mit meiner Frage nicht viel anfangen konnte. Ja klar, alles OK da unten. Trotz Regen wollten wir unseren Plan nicht aufgeben, immer positiv zu denken. Vorab machten wir noch ein paar Einkäufe in der nahe gelegenen SM Mall, welche wie üblich mehr als ausreichend dimensioniert ist. Wieder im Hotel zogen wir Regenjacke und Regenschuhe an. Die Regenhose ließen wir weg. Man soll die Hoffnung ja nie aufgeben dass es vielleicht nicht doch besser wird. Der Selbstversuch begann. Im Nachhinein muss ich sagen, dass der Ausflug eine ziemlich bescheuerte Aktion war. Aber man muss ja nicht nur sinnvolle Dinge tun.

Eigentlich ist der Gumasa Beach ein Traum, zehn Jahre vorher hatte ich den Strand bereits einmal besucht. Trotz des Wetters war der Strand gut besucht. Die Resorts langen bei der Cottage Miete gnadenlos zu, aber man hat keine Wahl. Entweder wieder abfahren oder in den sauren Apfel beißen. Aufgrund des Regens war ein Aufenthalt am Strand selbst ausgeschlossen. Und da wir schon einmal da waren, entschieden wir uns für Variante 2. Die Cottages sind auf große Gruppen ausgerichtet. Wir bestellten schon direkt etwas zum Mittagessen und bezogen unser Cottage. Zumindest hatten wir ausreichend Platz, ich denke üblicherweise teilen sich mehr als 20 Personen das Cottage. Ein kurzes Bad im lauwarmen Meer, anschließend essen, noch ein Stündchen relaxen und dann ging es auch schon wieder zurück nach General Santos, um bei Tageslicht wieder zurück zu sein. Das Ganze natürlich im strömenden Regen. Das Personal im Hotel konnte sich bei unserer Ankunft ein Schmunzeln nicht verkneifen. Das Bad wurde zum Trockenraum umfunktioniert.

Ins T‘Boli Land – Der Lake Sebu

Unser eigentliches Ziel in der Provinz South Cotabato war der Lake Sebu im Westen von General Santos City. Die Gegend um den See wird von der Minorität der T‘Boli bewohnt, islamischer Einfluss ist dort so gut wie nicht vorhanden.
Vor der Abfahrt mussten wir uns noch etwas um die Mopeds kümmern, ein paar Leuchtmittel waren defekt und der Bremslichtschalter an meinem Motorrad hatte den Geist aufgegeben. Wir steuerten eine Honda-Werkstatt in der Nähe an. Man half sofort. Die defekten Leuchtmittel wurden ausgebaut und uns in die Hand gedrückt. Damit konnten wir erst mal nichts anfangen. Man sah unsere fragenden Gesichter und wir wurden aufgefordert, ein paar Häuser weiter zu gehen und die entsprechenden Leuchtmittel zu kaufen. Gesagt getan. Wir fanden einen Laden, der die passenden Teile auf Lager hatte. Zurück in der Werkstatt machte man sich sofort an den Einbau. Den defekten Bremslichtschalter musste ich im Ersatzteillager der Werkstatt selbst kaufen und dann dem Monteur bringen. Ein seltsames System, denn genau am gleichen Schalter bezahlte ich am Ende den Arbeitslohn. Auch der Schalter war flott eingebaut, dann noch schnell die Ketten schmieren lassen und schon war die erste Aufgabe des Tages erledigt. Interessant ist die Aufteilung der Kosten:

3 Stck. Leuchtmittel (1xH4, 1xRücklicht, 1xStandlicht) 300,-- Peso
1 Stck. Bremslichtschalter 250,-- Peso
Arbeitslohn 150,-- Peso für alles.

Die 100 KM zum See waren zügig abgespult. Nach den ersten Kilometern hinter Gen San erhebt sich auf der rechten Seite der Mount Matutum. Die ersten 80 KM fuhren wir wie so häufig über einen 4 – 6 spurigen Highway mit teils heftigem Verkehr, meistens geradeaus. Also eher langweilig. Die Strecke führt über Koronadal und Surallah. Auch in den Städten sind Muslime in der Unterzahl.

Die letzten 20 Kilometer führen dann ins hügelige, sehr schöne T‘Boli-Land. Wir wählten das „Punta Isla Lake Resort“ als Unterkunft. Kostenpunkt 1350 Peso für ein simples Zimmer mit Fan und kleinem Bad. An weniger touristischen Orten kostet so ein Zimmer eher 800 – 900 Peso. Das Resort ist in den letzten Jahren erheblich größer geworden. Es liegt oberhalb des Sees, vom Restaurant hat man einen sehr schönen Ausblick über den Lake Sebu. Das Essen fanden wir ziemlich gut, wir haben die Tilapia-Karte rauf und runter probiert.

Im „Jens Peters Reisehandbuch“ steht noch „Ein Abstecher zum Lake Sebu lohnt sich in erster Linie für Leute, die ein ehrliches Interesse an der genügsamen, überlieferten Lebensweise der Ansässigen haben“. Das lässt sich mittlerweile m. E. so nicht mehr unterschreiben. Die Masse der Touristen (an Wochenenden und zu Ferienzeiten kann man tatsächlich von Massen sprechen) sind Locals, man hat eher den Eindruck, dass das traditionelle Leben der T‘boli mittlerweile gnadenlos vermarktet wird. Das Ganze verkommt irgendwie zum Folklore-Zirkus. So zumindest unser Eindruck, der zugegebenermaßen rein subjektiv ist. Beim Betreten des Eingangsbereichs des Resorts fing sofort eine T’Boli Musikgruppe an zu spielen. Die Dame an der Rezeption war kaum zu verstehen. Ich bat meinen Kumpel ein paar Peso ins Körbchen zu werfen damit erst mal Ruhe ist. Gesagt, getan. Etwas Bares ins Körbchen und schon hörte die Musik auf. Die Prozedur wird anscheinend bei so gut wie allen neuen Gästen durchgezogen, was irgendwann etwas ermüdend ist, wenn man in der Nähe im Restaurant sitzt.

Trotzdem ist der Lake Sebu noch ein lohnendes Ziel. In der Nähe des Sees befinden sich die sogenannten 7 Falls, das sind 7 Wasserfälle an einem Flusslauf. Einige davon kann man vom Parkplatz zu Fuß erreichen, oder auch per Zipline drüber fliegen.
Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg dorthin. Der Ort ist ein beliebtes Wochenendziel und so befanden wir uns wieder mitten drin im philippinischen Sonntagsausflug. Die Wasserfälle sind recht beeindruckend, aber aufgrund der ungünstigen Lichtverhältnisse morgens nicht optimal abzulichten.
Wir wollten einige der Wasserfälle aus der Vogelperspektive sehen und gingen zur Zipline. Beim ersten Wasserfall startet die Erste. Länge über 800 Meter. In dieser Zipline liegt man, was dem Gefühl des Fliegens näher kommt als wir es von anderen Ziplines in Europa kennen. Man rauscht von Wasserfall 1 bis zu Nr. 5, schaut man nach unten und später etwas nach rechts unten, lassen sich 4 der 7 Wasserfälle erkennen. Mit Maximalgeschwindigkeit geht es dem Ende der Zipline entgegen, man wird spät, aber dafür umso abrupter abgebremst. Die zweite Zipline bringt einen zum Wasserfall Nr. 2. Nur knapp über 400 Meter lang, also weniger spektakulär als die Erste. Von dort kann man sich per Habal habal zum Ausgangspunkt bringen lasse, oder einen 20 minütigen Spaziergang zurück machen. Da wir ja die meiste Zeit auf zwei Rädern unterwegs waren, entschieden wir uns für die schweißtreibende Variante.

Nach der Aktivphase umrundeten wir mit den Moppeds noch den See. Die nördliche Seite des Lake Sebu, wo kaum Tourismus vorhanden ist, sieht dann auch erheblich ärmer aus, der Straßenbeton hat seinen Weg bis dort noch nicht gefunden, ein Großteil der Straßen ist nicht befestigt.

Zurück im Resort gönnten wir uns nach all dieser Aktivität ein Feierabendbier und wurden mal wieder zum begehrten Fotoobjekt, diesmal für eine muslimische Großfamilie, die einen Ausflug zum See machten. Die Session dauerte etwas länger, da so gut wie jeder aus der Gruppe jeweils ein Foto mit uns wollte, von den Teenies bis zur Großmutter. Möglicherweise findet man unsere Gesichter mittlerweile auf diversen Facebook Seiten, nach dem Motto „unsere deutschen Freunde“…… :).

Lake Sebu – Maramag

Über die nächste Etappe hatten wir länger nachgedacht, da die Weiterfahrt uns evtl. recht nah an Gebiete führen würde, deren Besuch nicht unbedingt empfohlen wird. Ziel: Cagayan de Oro. 3 Optionen hatten wir überlegt:

  1. Zurück Richtung Digos und dann via Kidapawan, Kabacan und Carmen nach Maramag. Über 170 KM wieder die gleiche Strecke zurück fahren war keine wünschenswerte Option. Zumal wir die Umgebung von Digos nicht sonderlich prickelnd fanden.

  2. Richtung Cotabato City und von dort nach Osten über Libungan und weiter nach Maramag. Unklare Sicherheitslage bei einigen Abschnitten, also eher nicht. Wobei mich Cotabato City sehr interessiert hätte.

  3. Über Isulan und Tacurong nach Buluan und Datu Paglas nach Kabacan und Carmen nach Maramag. Ein kurzes Stück geht durch Maguindanao. Allerdings nur 15 KM.

Bevor wir endgültig entschieden, welche Strecke wir nehmen wollten, fuhren wir nach Isulan um einen Cousin meiner Frau zu treffen. Er ist bei der Polizei und Deputy Chief der Nachbarstadt und sollte sich also einigermaßen auskennen. Leider hatte er im Herbst einen leichten Schlaganfall und war gesundheitlich noch ziemlich angeschlagen. Immerhin konnte er wieder gehen, wenn auch nur mit Unterstützung. Wir trafen uns im Jollibee, wo ein bewaffneter Polizist Wache schob. Etwas Small Talk über die Familien und über unsere Tour.

Aus seiner Sicht sollten wir Variante 2 nicht fahren, es gäbe einige Stellen auf dem Weg die unsicher seien. Variante 3 sei unproblematisch, auch der kleine Abschnitt durch Maguindanao sei kein Problem. MILF Checkpoints würde es dort nicht geben.

Somit stand die Route fest. Wir plauderten noch eine Weile, verabschiedeten uns und machten uns auf den Weg. Isulan und Tacurong sind aufstrebende Städte. Wie üblich heftiger Verkehr, die Wirtschaft scheint zu brummen. Auch wenn der Provinzname „Sultan Kudarat“ was anderes vermuten lässt, man befindet sich nicht in Muslim Mindanao, auch wenn man gelegentlich eine Moschee sieht.

Einige Kilometer hinter Tacurong erreichten wir die Provinzgrenze zu Maguindanao. Abrupt befanden wir uns in einer stark unterentwickelten Region. Der Highway in miserablem Zustand, alles wirkte extrem ärmlich. Zum ersten Mal sahen wir als Gotteshäuser hauptsächlich kleine Moscheen. Wer auch immer die Rückständigkeit zu verantworten hat, dass die Bewohner mit der Situation unzufrieden sind, liegt auf der Hand.
Nach 15 KM kamen wir nach Cotabato (Provinz). Hier wirkte alles wieder so, wie wir es gewohnt waren. Der Highway weitgehend in Ordnung, die Orte recht aufgeräumt. Wir durchfuhren die Städte Kabacan und Carmen. In beiden gibt es seit dem Referendum über die Autonomie ein Kuriosum. Die Bewohner der Provinz Cotabato entschieden sich mehrheitlich gegen einen Beitritt zur neu zu schaffenden BARMM (Bangsamoro Autonomous Region in Muslim Mindanao). In Kabacan und Carmen stimmten jedoch die Bewohner einzelner Barangays für den Beitritt zur neuen Region. Wie das verwaltungstechnisch vollzogen wird, bleibt interessant.

Bis ca. 10 KM vor Carmen war die Strecke eher langweilig, es ging hauptsächlich geradeaus. Bevor es bei Carmen in die Berge ging, machten wir eine kurze Pause, vorbeifahrende Filipinos grüßten und winkten uns freundlich zu. Wir freuten uns auf die nächsten kurvigen Kilometer und stiegen wieder auf die Mopeds und fuhren weiter. Man kennt sie, die Schilder die warnen: „Accident Prone Area!“. Nach den ersten Kilometern der kurvigen Strecke bei Carmen stand wieder ein solches Schild am Straßenrand. Bei genauerem Hinsehen war der Text aber etwas anders: „Crime Prone Area“ stand dort in großen Buchstaben. Ups. Wie sollen wir das jetzt einsortieren? Auf den nächsten Kilometern standen mehrere Schilder mit diesem Hinweis.

Wir fuhren durch bis zur Provinzgrenze zu Bukidnon. Der Verkehr staute sich. Wir wollten wie üblich mit den Motorrädern dran vorbei fahren, wurden aber aufgehalten und zum „Footbath“ aufgefordert. Footbath? Dann sah ich die Schilder. Wegen der Schweinepest müssen alle Fahrer und Passagiere, bevor sie nach Bukidnon einfahren dürfen, aussteigen und über eine nasse Matte zum Desinfizieren der Schuhsohlen laufen. Ähnliches gibt es auch gelegentlich in Seehäfen. Wir folgten der Anweisung, währenddessen sprühte ein sehr engagierter Desinfizierer die Räder der Moppeds ein. Wir nutzten die Pause um eine Cola zu trinken und etwas Obst zu kaufen. Nun konnte nichts mehr schief gehen, frisch desinfiziert fuhren wir weiter Richtung Maramag über eine wunderschöne Motorradstrecke. Gut ausgebaut, schön kurvig, Verkehr mäßig.

In Maramag angekommen steuerten wir das Hotel D‘Alexa an. 1300,-- fürs DZ mit AC und Bad einschl. Frühstück. Es ist immer wieder erstaunlich, an welchen Orten viel Geld investiert wird. Es waren nur ein paar Gäste im Hotel, es wirkte etwas überdimensioniert für das kleine Städtchen. Aber Preis-Leistung hervorragend, eiskaltes Bier gab‘s auch zu unserer Ankunft. Das Hotel gehörte zu den besten Unterkünften auf unserer Tour. Ansonsten gibt es in Maramag nicht viel zu tun. Wir hatten die Stadt lediglich als Übernachtungsort ausgesucht, weil wir keine Lust hatten, in der Großstadt Valencia zu übernachten. Malaybalay fiel aus, weil wir als letztes Teilstück nach Cagayan de Oro die Aglayan-Ticalaan-Route nach Westen nehmen wollten.

Maramag – Cagayan de Oro

Von Maramag starteten wir nach dem Frühstück Richtung Cagayan de Oro. Der erste Teil der Strecke ging über den gut ausgebauten Highway Richtung Malaybalay. Einige Kilometer vor Malaybalay bogen wir nach Westen auf den Aglayan-Ticalaan-Highway ab. Die Straße verläuft zwischen dem Mount Kitanglad Range Natural Park und den Kalatungan Mountains. Es ging zügig in die Berge. Der Verkehr nahm spürbar ab. Landwirtschaft soweit das Auge sehen kann. In den niedrigeren Lagen werden noch viel Bananen und sonstige tropische Früchte angebaut, weiter im Hochland dann eher Kohl und sonstiges Gemüse. Wir erreichten teilweise fast 1400 Meter Höhe. Erinnerungen an die Mountain Province auf Luzon wurden wach. Und mal wieder eine Traumstrecke zum Motorrad fahren. Leider war der Himmel eher grau, und es wurde in den höheren Lagen recht frisch.

Wer die Philippinen kennt, weiß, dass das Land immer wieder für Überraschungen gut ist und dies besonders an Stellen, wo man es nicht vermuten würde. Nach vielen Eindrücken, die von Gemüseanbau geprägt waren, standen wir plötzlich im Nirgendwo in einem Freizeitpark mit überlebensgroßen Comicfiguren zum Anfassen. Micky Mouse, Hulk, Spiderman, Batman, Catwoman, Superman, alle vertreten und noch viele mehr. Warum man solch einen Ort an den A… der Welt baut, weiß nur der Investor……Der Park nennt sich Bonseta’s Fun Ride. Neben den Figuren gibt es noch Cottages, eine Hängebrücke und einen Bereich mit Klettergerüsten.

Am Cagayan River bei der Tal-Uban-Brücke machten wir an einer Carenderia ein kurze Pause. Ein Softdrink und etwas Fried Chicken mit Reis. Als wir wieder zu unseren Motorrädern kamen fanden wir diese blitzblank geputzt vor. Drei junge Burschen grinsten uns an, den Wasserschlauch und die Lappen noch in der Hand. Wir gaben ihnen einen kleinen Obulus für ihren Dienst und starteten Richtung Cagayan.

Schon weit vor Cagayan verdichtete sich der Verkehr, die Luft war zum Schneiden. Die Hotelsuche wurde durch den ein oder anderen Fehler in der Navi-Karte etwas erschwert. Das „Nature Pension House“ hatten wir ausgesucht. Eine eher einfache Unterkunft, aber günstig (980,-- Peso für den Superior Room, AC, Bad) und mit allem Service den wir brauchten. Laundry Service sowie Buchung von Rafting Touren. Die Motorräder konnten auf dem bewachten, hoteleigenen Parkplatz abgestellt werden.

3 „Gefällt mir“