Es gibt in den Philippinen Früchte, die man kaum in großen Supermärkten findet und die dennoch für viele Menschen untrennbar zum Sommer gehören. Dazu zählen Lomboy und Sineguelas. Sobald die heiße Jahreszeit beginnt und die Bäume ihre Früchte tragen, tauchen sie überall am Straßenrand auf: an Kreuzungen, vor Schulen, auf öffentlichen Märkten oder entlang viel befahrener Straßen.
Auf einem Foto, das ich vor kurzem aufgenommen habe, hocken drei Straßenverkäuferinnen mit ihren Körben voller bereits abgepackter Früchte. In kleinen Plastiktüten und -schalen warten Lomboy und Sineguelas auf Käufer. Es ist eine Szene, die jedes Jahr aufs Neue zu sehen ist und die viel über das Leben auf den Philippinen erzählt.
Anders als Mangos, Bananen oder Ananas stammen diese Früchte meist nicht aus großen Plantagen. Sie wachsen in privaten Gärten, auf kleinen Grundstücken oder in den Obstgärten von Familien. Wenn die Bäume reichlich tragen, wird geerntet, sortiert und anschließend verkauft. Oft übernehmen Familienmitglieder oder Nachbarn den Verkauf direkt an der Straße. So entsteht jedes Jahr ein kleines saisonales Geschäft, das vielen Menschen ein willkommenes Zusatzeinkommen verschafft.
Lomboy, auch als Java Plum bekannt, fällt durch seine dunkelviolette bis fast schwarze Farbe auf. Die Früchte sind saftig und besitzen einen leicht süßlichen, aber auch herben Geschmack. Wer sie isst, kennt den Effekt: Zunge und Lippen verfärben sich oft für kurze Zeit violett. Gerade Kinder haben daran ihren Spaß.
Sineguelas dagegen leuchten je nach Reifegrad in Gelb-, Orange- oder Rottönen. Ihr Geschmack reicht von angenehm säuerlich bis süß und erinnert viele Filipinos an ihre Kindheit. Oft werden die Früchte direkt vom Baum gegessen oder mit etwas Salz serviert.
Bemerkenswert ist, dass diese Früchte trotz ihrer Beliebtheit kaum industrialisiert vermarktet werden. Es gibt nur wenige größere Anbauflächen, und die Ernte erfolgt meist von Hand. Die Saison ist begrenzt, und genau das macht ihren besonderen Reiz aus. Wer Lomboy oder Sineguelas kaufen möchte, muss zugreifen, solange sie erhältlich sind. Einige Wochen später sind die Straßenstände wieder verschwunden.
Für Besucher der Philippinen sind solche Verkaufsstände oft eine interessante Begegnung mit dem Alltagsleben. Während viele Touristen gezielt nach bekannten tropischen Früchten suchen, entdecken sie hier Produkte, die überwiegend für den lokalen Markt bestimmt sind. Gleichzeitig unterstützen sie mit ihrem Kauf direkt die Menschen, die die Früchte geerntet oder den Verkauf organisiert haben.
Die drei Verkäuferinnen auf dem Foto stehen deshalb stellvertretend für eine Tradition, die vielerorts noch lebendig ist. Sie zeigen, dass Landwirtschaft auf den Philippinen nicht nur aus großen Reisfeldern oder Kokosnussplantagen besteht. Oft sind es die kleinen Ernten aus privaten Gärten, die in der jeweiligen Saison für zusätzliches Einkommen sorgen und gleichzeitig ein Stück regionaler Kultur bewahren.
Wenn man im philippinischen Sommer an einem Straßenstand vorbeikommt und die kleinen Tüten mit Lomboy oder Sineguelas entdeckt, sollte man die Gelegenheit nutzen. Man bekommt nicht nur frisches Obst, sondern auch einen kleinen Einblick in das ländliche Leben und die saisonalen Traditionen des Landes.
