Focus Online, 21/12/2025
Der große Emirates-Krimi am BER: Bundesländer-Zoff um Landerechte eskaliert
Die Golf-Airline Emirates will den BER anfliegen. Doch zwischen den Bundesländern tobt ein erbitterter Machtkampf um Landerechte und die Zukunft der Lufthansa.
Der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) könnte bald einen prominenten Neuzugang begrüßen. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, steht die Weltklasse-Airline Emirates aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) in den Startlöchern, um die deutsche Hauptstadt direkt mit Dubai zu verbinden. Doch was für Reisende nach einem Gewinn klingt, hat politisch eine Schlammschlacht zwischen den Bundesländern ausgelöst.
Flughafen Berlin Brandenburg: Der Osten fordert Welt-Anschluss
Bisher ist die Präsenz von Emirates in Deutschland durch ein Luftverkehrsabkommen aus dem Jahr 1994 streng limitiert. Die Airline darf lediglich vier Ziele ansteuern: Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg. Berlin blieb bisher außen vor.
Die ostdeutschen Bundesländer sehen darin einen massiven Standortnachteil. In einem gemeinsamen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) werben Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner und seine Amtskollegen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen für die Freigabe der Landerechte. Ihre Argumente laut „Bild“:
- Krasse Schieflage: Während im Westen täglich über 170 Langstreckenflüge starten, sind es im Osten lediglich fünf.
- Wirtschaftsfaktor: Eine direkte Anbindung an das Drehkreuz Dubai würde die internationale Konnektivität und die Attraktivität des BER massiv steigern.
- Wettbewerb: Deutsche Flughäfen hinken im europäischen Vergleich bei den Passagierzahlen noch immer dem Vor-Corona-Niveau hinterher.
Lufthansa-Schutzschirm? Söder und Rhein laufen Sturm
Wo es Gewinner gibt, befürchten andere herbe Verluste. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und sein hessischer Kollege Boris Rhein (CDU) stellen sich quer. Sie fürchten um die Vormachtstellung ihrer Drehkreuze München und Frankfurt – und um die Lufthansa.
In einem Warnschreiben an den Kanzler betonen sie, dass zusätzliche Landerechte für die staatlich gestützte Konkurrenz vom Golf die heimische Airline schwächen würden. Lufthansa-Chef Carsten Spohr vertritt eine klare Linie: Emirates könne jederzeit Berlin anfliegen – müsse dafür aber eines der bisherigen vier Ziele aufgeben. Neue Zugeständnisse seien nicht nötig.
Besonders brisant: Laut „Bild“-Informationen soll die Bundesregierung der Lufthansa intern bereits zugesichert haben, keine weiteren Slots an arabische Airlines zu vergeben.
Während die Politik streitet, wächst der Markt für Flugreisen in die VAE stetig. Interessant ist hierbei die Strategie der Lufthansa-Gruppe: Die Tochter Eurowings baut ihr Angebot vom BER nach Abu Dhabi und Dubai zum Winterflugplan 25/26 massiv aus. Möglicherweise versucht man, den Markt zu besetzen, bevor Emirates die Tür endgültig aufstößt.
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