- Dezember 2025 – Negros Oriental
Sonntag. 6 Uhr morgens. Die Hähne krähten, die Nachbarn gähnten – und das ganze südliche Negros Oriental ging erst einmal zack ins digitale Mittelalter zurück. Geplanter Brownout von 6 bis 18 Uhr, weil entlang der Hauptleitung von San Jose bis Siaton mal wieder „Grünwuchs“ gestutzt werden musste. Ein wunderschön tropischer Begriff dafür, dass Lianen und Bäume Strommasten und Leitungen umarmen, als wären sie lang vermisste Familienmitglieder.
Was macht man also an so einem Tag? Genau: Man flieht.
Und zwar dahin, wo es ohnehin keinen Strom gibt – in die Berge von Zamboanguita, Richtung Najandig, an den Ausläufern des Mount Talinis.
Foto-Expedition mit sozialem Auftrag
Gegen 14 Uhr packten wir unser kleines Abenteuer-Mobil: Klappstühle, Falttisch, Snacks – und einen ganzen Stapel Fotos. Denn mein Schwiegersohn Gary, äußerst gewissenhafter Naturfotograf und Teilzeit-Berggeist, bringt die schönsten Bilder später zu den Menschen zurück, die er fotografiert hat. Ein kleines Dankeschön – und ein riesiger Türöffner für herzliche Gespräche.
Der mittlere Teil dieser 17 Kilometer langen Strecke ist oft nichts anderes als ein Feldweg und nach den vielen durchgezogenen Tiefdruckgebieten mit Starkregen oft ausgewaschen und teilweise wirklich nur noch mit dem Motorrad, Lkw oder einem Allrad-Fahrzeug zu bewältigen.
Also kurvten wir die Bergstraßen hoch, suchten die Hütten, die Gesichter, die Namen – und landeten prompt wieder mitten im üblichen Berg-Palawer:
In all diesen Bildern sind wir in einem kleinen Sitio (Siedlung), mit nur ein paar Häusern. Aber man erinnert sich sehr gut an den Tag, als Gary hier zum Fotografieren war.
Als nächstes kommen wir jetzt in die größere Siedlung, wo ich vor einiger Zeit auch eines meiner Videos gedreht habe, welches ich euch hier verlinke:
Mountain Village - NAJANDIG - People + Peak + Valley
Viel Lachen, neugierige Fragen, „Oh, ako ni!“ („Das bin ja ich!“), und die eine oder andere improvisierte Foto-Ausstellung auf Bambusveranden. Die Menschen dort leben bescheiden, aber ihre Freundlichkeit könnte locker ein eigenes Kraftwerk betreiben – dann hätte man sich den Brownout sparen können.
Picknick über den Wolken
Nachdem der Fotodienst erfüllt war, suchten wir uns einen Platz, an dem der Blick aufging wie eine Postkarte auf Koffeingetrip. Vor uns ein weites Tal, dahinter das Meer – und am Horizont die Silhouette von Apo Island, als hätte jemand sie extra für uns frisch abgepinselt.
Da in den Wolken versteckt sich unser Hausberg ‚Mount Talinis‘.
Tisch aufgebaut, Stühle ausgeklappt, Snacks hergerichtet. Fertig war unser kleines Bergrestaurant mit Panoramablick und 0% WLAN. Ruhe. Vogelgezwitscher. Entferntes Hundegebell. Und gelegentlich der röhrende Auspuff eines Motorrads, dessen Fahrer neugierig herüberschielte, was die zwei Langnasen da mitten in der Wildnis veranstalten. Wahrscheinlich hätten wir Eintritt verlangen können.
Unsere Frauen haben derweil in Garys Kamera mit Film ein neues Spielzeug entdeckt und haben ihren Spaß am manuellen Fokus gefunden, der ihre Gesichter verzerrt.
Die Berg-Disco auf Rädern
Kurz vor Dämmerung dann das Highlight:
Ein Lastwagen, beladen mit Zuckerrohr bis in die Wolken, kam uns entgegen – und ich schwöre, das Ding klang und blinkte wie eine fahrende Disco. Man kann über vieles auf Negros diskutieren, aber nicht über die Tatsache, dass Zuckerrohrtransporteure die wahren Nachtschwärmer sind. Durch die letzten Tiefdruckgebiete und Starkregen-Eskapaden ist das Zuckerrohr reif – und jede Stunde zählt, bevor das nächste Tief über die Berge rollt.
An dieser Stelle würde ich euch gern mein Video zur Zuckerrohrernte verlinken:
SWEAT, SUN and SUGAR | Sugar cane Harvest in the Philippines
Rückweg durch die Dunkelheit
Irgendwann packten wir zusammen und machten uns auf den Heimweg. Den Zuckerrohr-Lkw hatten wir schnell eingeholt – und der Fahrer hielt sogar an, um uns vorbeizulassen. Wir bedankten uns artig mit einem lauten „Salamat!“ durchs offene Fenster.
Negros-Anstand: robust, unkompliziert, herzlich.
Die Rückfahrt war dann ein Slalom durch die Nachtlichter der Motorräder, die aus der Dunkelheit auftauchten. Manche fuhren ohne Licht – klassische Herausforderung – aber diese hielten immerhin kurz an, um nicht als Überraschungspaket mitten auf der Straße zu stehen. Wir machten meist Platz, die Bergfahrer bedankten sich mit einem kurzen Handheben, und so ruckelten wir schließlich wieder hinunter zur Nationalstraße.
Fazit:
Mehr braucht man nicht für ein echtes Negros-Abenteuer:
Ein geplanter Brownout, ein paar Klappstühle, freundliche Bergbewohner, Fotos als kleine Geschenke, eine Zuckerrohr-Disco auf Rädern – und das Gefühl, dass man hier jeden Tag Dinge erlebt, die man kaum planen könnte, selbst wenn man es wollte.
Das ist Negros. Das sind unsere Berge. Und das sind die kleinen Abenteuer, die jeden Stromausfall wettmachen.






























