Wenn ich heute an KampoJuan in Manolo Fortich, Bukidnon denke, dann denke ich nicht zuerst an das Resort, das man heute auf Bildern und in Reiseberichten sieht. Ich denke an eine Zeit, in der KampoJuan noch ganz am Anfang stand – und genau das machte den Ort für uns so besonders.
Wir haben KampoJuan damals mehrmals besucht, noch während sich der kleine Abenteuerpark entwickelte. Vieles von dem, was heute selbstverständlich zum Resort gehört, gab es damals noch gar nicht. Das Schwimmbad war noch im Bau, andere Gebäude existierten bestenfalls auf den Plänen. Was bereits vorhanden war, waren die Dinge, die den Charakter des Ortes ausmachten: die Schlucht, die Hängebrücke, die ersten Abenteuerangebote – und eine Seilrutsche, die uns damals ziemlich beeindruckte.
Bildnachweis: https://www.pinoytravelogue.com/
Besonders interessant war für uns das Radfahren über die Schlucht. Soweit ich mich erinnere, war das damals eine der ersten Möglichkeiten dieser Art auf Mindanao. Mit einem Fahrrad über ein Stahlseil beziehungsweise eine gespannte Konstruktion über einen Canyon zu fahren, war noch lange keine alltägliche touristische Attraktion. Heute würde man das wahrscheinlich einfach als eine weitere Adventure-Aktivität abhaken. Damals war es etwas Besonderes.
Und natürlich waren wir nicht allein dort.
Wir hatten unsere drei Enkel dabei. Für Kinder ist ein solcher Ort ohnehin eine Einladung zum Abenteuer – und für Großeltern ist es gleichzeitig eine Mischung aus Freude und der Frage: „Warum müssen die eigentlich unbedingt dort oben herumklettern?“ ![]()
Ein Abenteuerpark in seinen Kinderschuhen
KampoJuan wurde 2011 als Adventure Park eröffnet. Zu den frühen Attraktionen gehörten die Hängebrücke und eine rund 250 Meter lange Zipline über die Schlucht.
Bildnachweis: https://www.thebackpackadventures.com/
Wenn man heute darüber liest, klingt das zunächst nicht nach etwas Außergewöhnlichem. Aber man muss sich vorstellen, wie die Gegend damals aussah und wie sich der Adventure-Tourismus auf den Philippinen gerade entwickelte.
Manolo Fortich wurde später immer stärker als „Adventure Capital“ von Bukidnon bekannt. Dahilayan entwickelte sich ebenfalls zu einem großen Namen des philippinischen Abenteuer-Tourismus. KampoJuan hatte für mich jedoch von Anfang an einen anderen Charakter.
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Es war kleiner.
Ruhiger.
Und irgendwie persönlicher.
Während sich der ebenfalls in Manolo Fortich gelegene Dahilayan Adventure Park immer stärker zu einem großen Freizeit- und Abenteuerzentrum entwickelte, hatte KampoJuan für mich etwas von einem Abenteuerpark im Grünen, der noch nicht vergessen hatte, dass die Landschaft selbst die eigentliche Attraktion ist.
Vielleicht war genau das der Grund, weshalb mir KampoJuan damals sogar besser gefiel als das ungefähr zur gleichen Zeit entstehende Dahilayan.
Unsere drei Enkel und die ersten Abenteuer
Unsere Besuche dort gehören zu den Erinnerungen, bei denen man heute im Nachhinein manchmal denkt: Das war eigentlich eine schöne Zeit.
Die Enkel konnten sich austoben, während wir Erwachsenen zuschauten und die Umgebung genossen.
Ein 15 Jahre altes Videos aus der Anfangszeit
Die Hängebrücke war dabei natürlich ein besonderer Anziehungspunkt. Sie führte über die Schlucht und gab einem einen ganz anderen Blick auf das Gelände. Auch die Zipline sorgte für den nötigen Nervenkitzel.
Und dann war da dieses Fahrrad.
Heute gibt es an vielen philippinischen Adventure Parks Aktivitäten, bei denen man über Abgründe fährt, schwebt oder sich über Schluchten bewegt. Damals war das für uns noch etwas, das man nicht jeden Tag zu sehen bekam.
KampoJuan zeigte damit schon früh, wohin sich der Tourismus in dieser Region entwickeln konnte: Natur nicht einfach nur anschauen, sondern sie erleben.
Eine Übernachtung mit einem ziemlich ungewöhnlichen Badezimmer
Eine unserer Erinnerungen an KampoJuan ist allerdings noch viel ungewöhnlicher als Zipline und Hängebrücke.
Auf einer Rückfahrt von Davao nach Cagayan de Oro machten wir dort Station und übernachteten in KampoJuan.
Das Zimmer selbst war gar nicht das eigentlich Besondere.
Das Badezimmer war es.
Oder besser gesagt: die Toilette.
Denn die Toilette befand sich praktisch direkt an der Kante des Canyons.
Das Bild wurde mit KI erstellt und entspricht nicht dem Originalausblick
Man saß dort zwar unter einem Dach und war damit vor Sonne und Regen geschützt, aber ansonsten war man beinahe mitten in der Natur. Vor einem ging es in die Schlucht hinunter.
Und das Beste – beziehungsweise für manche vielleicht das Beunruhigendste – war der Blick.
Von dort konnte man durch das Gebüsch die Hängebrücke sehen.
Man konnte also tatsächlich auf der Toilette sitzen und beobachten, wie andere Menschen über die Hängebrücke gingen.
Umgekehrt konnten die Menschen auf der Brücke uns allerdings nicht sehen. Das dichte Gebüsch sorgte für die nötige Privatsphäre.
Man könnte sagen: Das war ein Badezimmer mit Panoramablick, nur eben auf eine etwas ungewöhnliche Art.
Ich glaube nicht, dass viele Hotels auf den Philippinen damals mit einem solchen „Canyon View Bathroom“ werben konnten.
Und wahrscheinlich wäre es heute sogar eine der Attraktionen, die man ausdrücklich fotografieren würde.
Vom Abenteuerpark zum Resort
Wenn ich heute Bilder und Berichte über KampoJuan sehe, ist der Unterschied zu unseren damaligen Besuchen ziemlich deutlich.
Aus dem ursprünglichen Adventure Park ist inzwischen ein Eco-Adventure- und Heritage-Resort geworden. Besonders die Heritage House hat KampoJuan eine ganz andere Dimension gegeben.
Bildnachweis: Kampo Juan's A Hundred and Eight year-old House in PH — Steemit
Das historische Haus stammt ursprünglich aus Pangasinan und soll etwa 120 Jahre alt sein. 2014 wurde es von der Familie Acosta erworben, Stück für Stück zerlegt und über eine rund 2.000 Kilometer lange Strecke nach Bukidnon transportiert. 2016 war der Wiederaufbau abgeschlossen.
Das ist eine Geschichte für sich.
Denn damit kam zu dem Abenteuerpark plötzlich ein Stück philippinischer Architekturgeschichte hinzu.
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Heute verbindet KampoJuan deshalb mehrere Dinge miteinander:
Natur – Abenteuer – Geschichte – Architektur – Übernachtung.
Das ursprüngliche Konzept ist dabei aber noch immer erkennbar.
Wer war eigentlich Juan?
Der Name KampoJuan geht auf Don Juan Acosta zurück, den Patriarchen der Familie Acosta. Er war Agriculturist, Farmer und Wissenschaftler und beschäftigte sich unter anderem mit Pflanzenzüchtung und Landwirtschaft.
Damit passt der Name eigentlich sehr gut zu diesem Ort.
Denn KampoJuan ist nicht einfach irgendwo ein künstlich angelegter Freizeitpark. Die Geschichte der Familie, die Landwirtschaft und die Landschaft von Bukidnon gehören zusammen.
Und genau diese Verbindung von Natur und Geschichte macht den Ort heute interessanter, als es ein reiner Adventure Park wäre.
Und dann ist da noch General MacArthur
Nur wenige Kilometer beziehungsweise ganz in der Nähe von KampoJuan befindet sich außerdem ein Ort, an dem sich eine der dramatischsten Episoden der philippinischen Geschichte abgespielt hat.
Bildnachweis: https://www.metrocagayandemisamis.com/
In Barangay Dicklum, Manolo Fortich, erinnert ein Marker an den letzten Aufenthalt von General Douglas MacArthur auf den Philippinen, bevor er während des Zweiten Weltkriegs nach Australien ausgeflogen wurde.
MacArthur, seine Familie und sein Stab hatten Mindanao erreicht und hielten sich zunächst im Bereich des Del-Monte-Flugfeldes auf. Am 17. März 1942 verließen sie von dort aus die Philippinen an Bord zweier B-17 Flying Fortress in Richtung Australien.
Bildnachweis: Facebook Netzfund
Es ist ein erstaunlicher Gedanke:
Man kommt heute nach Manolo Fortich, um Zipline zu fahren, über eine Hängebrücke zu laufen oder ein altes philippinisches Haus zu besichtigen – und gleichzeitig befindet man sich in einer Landschaft, die während des Zweiten Weltkriegs eine wichtige Rolle spielte.
Der Marker erinnert daran, dass MacArthur hier tatsächlich seinen letzten Abschied von den Philippinen nahm.
Auch das nahegelegene ehemalige Del-Monte-Airstrip ist inzwischen als historische Stätte anerkannt worden. Das Flugfeld spielte während des Krieges eine wichtige Rolle und diente unter anderem als Ausweich- und Operationsflugplatz.
Zwei völlig unterschiedliche Geschichten an einem Ort
Genau diese Kombination finde ich bis heute faszinierend.
Auf der einen Seite:
Zipline, Canyon, Hängebrücke, Fahrrad über der Schlucht und Abenteuer.
Auf der anderen:
MacArthur, Zweiter Weltkrieg, Flugfeld, Flucht nach Australien und philippinische Geschichte.
Und dazwischen liegt die Geschichte von KampoJuan selbst.
Ein kleiner Abenteuerpark, den wir damals noch in seiner Entstehungsphase erlebt haben und der sich im Laufe der Jahre zu einem wesentlich umfangreicheren Resort entwickelt hat.
Wenn ich mich heute an unsere Besuche zurückerinnere, bin ich deshalb fast ein wenig froh, dass wir KampoJuan damals gesehen haben, bevor es das KampoJuan von heute war.
Wir haben nicht nur eine fertige Touristenattraktion besucht.
Wir konnten beobachten, wie sie entstand.
Das Schwimmbad war noch eine Baustelle. Andere Gebäude waren noch nicht vorhanden. Die Attraktionen waren überschaubar. Und trotzdem hatte der Ort bereits etwas, das mir gefiel.
Vielleicht sogar gerade deshalb.
KampoJuan und Dahilayan – zwei Wege des Adventure-Tourismus
Zur gleichen Zeit entwickelte sich in derselben Gemeinde mit dem Dahilayan Adventure Park ein weiterer großer Anziehungspunkt.
Dahilayan wurde später vor allem durch seine spektakulären Adventure-Angebote bekannt. KampoJuan ging dagegen einen etwas anderen Weg und verband Abenteuer stärker mit Natur, Heritage und Unterkunft.
Ich persönlich hatte damals trotzdem eine klare Präferenz:
Mir gefiel KampoJuan besser.
Nicht unbedingt, weil es größer oder spektakulärer gewesen wäre – im Gegenteil.
Bildnachweis: https://www.thebackpackadventures.com/
Vielleicht gefiel es mir gerade deshalb, weil es kleiner wirkte und man das Gefühl hatte, dass hier noch die Landschaft und die Menschen im Mittelpunkt standen und nicht allein die Attraktion.
Es war ein Ort, an dem man mit seinen Kindern oder Enkeln einen Tag verbringen konnte, ein bisschen Abenteuer erleben und anschließend einfach die Umgebung genießen.
Und offenbar war diese Grundidee gut genug, um bis heute zu funktionieren.
Was von damals geblieben ist
Wenn man einen Ort nach vielen Jahren wiederfindet, ist es immer ein wenig wie ein Treffen mit einem alten Bekannten.
Man erkennt ihn wieder – aber er hat sich verändert.
Bei KampoJuan dürfte das heute ganz besonders zutreffen.
Aus dem kleinen Adventure Park unserer Erinnerungen ist ein Resort mit Heritage House, Übernachtungsmöglichkeiten und einem deutlich umfangreicheren Angebot geworden.
Aber irgendwo darunter liegt noch immer der Ort, den wir damals kennengelernt haben:
die Schlucht,
die Hängebrücke,
die Abenteuer,
das Grün von Bukidnon
und natürlich dieses legendäre Badezimmer direkt am Canyon.
Und wenn ich daran zurückdenke, wie unsere drei Enkel damals dort unterwegs waren, dann wird mir wieder bewusst, wie schnell die Jahre vergangen sind.
KampoJuan war für uns damals ein kleiner Abenteuerpark.
Bildnachweis: https://www.pinoytravelogue.com/
Heute ist es ein Stück Tourismusgeschichte von Manolo Fortich.
Und vielleicht ist genau das das Interessante daran: Man kann einen Ort fotografieren, wenn er fertig ist – oder man kann das Glück haben, ihn kennenzulernen, als er gerade erst begann, zu dem zu werden, was er heute ist.
Für mich gehört KampoJuan eindeutig zur zweiten Kategorie.










