Heilerin, Priesterin und moralischer Kompass

Artikel: Südostasien, Stiftung Asienhaus
Zeitschrift für Politik, Kultur, Dialog
01/2026


Heilerin, Priesterin und moralischer Kompass

Das Wissen der Medizinfrauen (Babaylanes) ist existentiell für die Gemeinschaft.
Zugleich ist es von Biopiraterie bedroht.

Die meisten ländlichen und indigenen Haushalte verfügen über einen reichen Schatz an Erfahrung
zur Behandlung häufiger, alltäglicher Krankheiten. Wenn die Krankheit zu schwer ist oder die
Betroffenen spezialisiertes Wissen benötigen, suchen sie die Babaylanes auf.

Eine Babaylan – auch Balyan, Catalanon oder Kagun genannt – ist in der Regel eine Frau, deren
Rolle über die einer informellen medizinischen Grundversorgerin, Kräuterkundlerin und Hebamme
hinausgeht. Sie ist Trösterin, Therapeutin, Beraterin, Sozialarbeiterin und vor allem eine
Vermittlerin zur Geisterwelt. Dem Volksglauben zufolge ist alles, was geschieht, einem Anito (Geist) zurechenbar, der entweder wohlwollend oder böswillig ist und in der Welt umherwandert. Die Anitos werden von der Babaylan gerufen, um für Segen und Schutz zu danken oder in Zeiten von Krankheiten oder Dürren um Gnade zu bitten. Heilung ist spirituell, wie ein religiöses Ritual.
Deshalb wird die Babaylan als Heilerin, Priesterin und moralischer Kompass betrachtet.

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