Halo-Halo: Wie japanische Einwanderer in Quiapo eines der bekanntesten philippinischen Desserts mitprägten


Bildnachweis: KI erstellt

Wer an den Stadtteil Quiapo in Manila denkt, hat meist sofort Bilder der Black Nazarene-Prozession, des geschäftigen Marktes, der engen Straßen und des ununterbrochenen Menschenstroms vor Augen. Doch nur wenige wissen, dass dieser Stadtteil auch eine wichtige Rolle bei der Entstehung eines Desserts spielte, das heute als inoffizielles Nationaldessert der Philippinen gilt: Halo-Halo.

Die Geschichte beginnt nicht mit Filipinos, sondern mit japanischen Einwanderern.

Die japanische Gemeinde in Quiapo

Bereits in den 1920er- und 1930er-Jahren lebte in Manila eine bedeutende japanische Gemeinschaft. Viele ihrer Mitglieder betrieben kleine Geschäfte oder Straßenstände. Besonders rund um den Quinta Market in Quiapo verkauften sie eine einfache Erfrischung namens Mongo-ya.


Bildnachweis: KI erstellt

Der Name setzt sich aus dem Tagalog-Wort monggo (Mungbohnen) und der japanischen Endung -ya (Laden oder Geschäft) zusammen. Angeboten wurde ein Dessert aus:

  • fein zerstoßenem Eis,
  • gezuckerten Mungbohnen,
  • Zucker und
  • Milch.

Die Grundidee stammte vom japanischen Kakigōri, einem traditionellen Dessert aus fein geschabtem Eis, das in Japan häufig mit süßen Bohnen serviert wird. Auf den Philippinen wurden die roten Azukibohnen jedoch meist durch einheimische Mungbohnen ersetzt, die leichter erhältlich waren.


Bildnachweis: KI erstellt

Warum gerade Quiapo?

Der Standort war keineswegs zufällig gewählt.

Ganz in der Nähe befand sich die Insular Ice Plant, die 1902 während der amerikanischen Kolonialzeit errichtet wurde. Sie war die erste große kommerzielle Eisfabrik des Landes und machte Eis erstmals in größeren Mengen verfügbar. Dadurch wurde es möglich, kalte Desserts günstig auf den Straßen Manilas zu verkaufen.

Die Eisfabrik entstand ursprünglich zur Versorgung amerikanischer Truppen, entwickelte sich aber rasch zum wichtigsten Lieferanten für Restaurants, Händler und Straßenverkäufer. Ohne diese technische Entwicklung wäre Halo-Halo vermutlich nie in seiner heutigen Form entstanden.

Aus Mongo-ya wird Halo-Halo

Die philippinischen Kunden waren von der eisigen Süßspeise begeistert.

Doch wie so oft blieb es nicht beim Original. Filipino-Köche und Straßenverkäufer begannen, das einfache Rezept nach ihrem eigenen Geschmack zu verändern.

Nach und nach kamen zahlreiche Zutaten hinzu:

  • Kaong (Zuckerpalmensamen)
  • Nata de Coco
  • Sago
  • Gulaman
  • Macapuno
  • kandierte Jackfruit
  • süße Bohnen verschiedener Sorten
  • Kochbananen
  • Ube Halaya
  • Leche Flan
  • Pinipig
  • schließlich sogar eine Kugel Ube-Eis oder anderes Speiseeis.

Ebenso änderte sich die Zubereitung. Während beim japanischen Kakigōri die Zutaten meist auf dem Eis lagen, werden sie beim philippinischen Halo-Halo überwiegend unter das fein geschabte Eis geschichtet und erst beim Essen miteinander vermischt. Genau daraus entwickelte sich schließlich das moderne Halo-Halo.

Ein philippinisches Dessert mit internationalen Wurzeln


Bildnachweis: https://manilastandard.net/

Die Geschichte von Halo-Halo zeigt sehr schön, wie sich die philippinische Küche entwickelt hat.

Spanische, chinesische, amerikanische und japanische Einflüsse verschmolzen im Laufe der Jahrhunderte mit einheimischen Zutaten und regionalen Geschmäckern.

Halo-Halo ist deshalb kein einfach übernommenes japanisches Dessert. Ebenso wenig ist es eine rein philippinische Erfindung. Es entstand vielmehr aus einer kreativen Weiterentwicklung eines importierten Grundkonzepts.

Gerade diese Fähigkeit, fremde Einflüsse aufzunehmen und daraus etwas Eigenständiges zu schaffen, prägt die philippinische Esskultur bis heute.

Das eigentliche „Halo-Halo“-Phänomen

Der Name Halo-Halo stammt aus dem Tagalog und bedeutet wörtlich „gemischt“ oder „durcheinander gemischt“. Entscheidend ist nämlich nicht nur, welche Zutaten verwendet werden, sondern wie das Dessert gegessen wird.

Wer zum ersten Mal Halo-Halo serviert bekommt, sieht oft eine kunstvoll geschichtete Kombination aus Eis, Früchten, Bohnen, Gelees, Flan und Eiscreme. Viele Besucher fotografieren zunächst das perfekt aufgebaute Glas. Doch genau das ist eigentlich nicht der Sinn des Desserts.

Bevor man den ersten Löffel nimmt, wird alles gründlich miteinander vermischt. Das Eis verbindet sich mit der Milch, den Früchten, Bohnen, Wurzeln, Gelees und Süßigkeiten zu einer völlig neuen Mischung aus unterschiedlichen Temperaturen, Konsistenzen und Geschmacksrichtungen.

Dieses bewusste Vermengen aller Bestandteile ist das eigentliche Halo-Halo-Prinzip.

Interessanterweise wird Halo-Halo deshalb von vielen Filipinos auch gerne als Sinnbild für die Philippinen selbst gesehen: Zahlreiche Kulturen, Einflüsse und Traditionen sind im Laufe der Geschichte zusammengekommen und haben etwas Eigenständiges hervorgebracht. So wie jede Familie und jede Region ihr eigenes Halo-Halo-Rezept besitzt, besitzt auch jede Provinz ihre eigene kulturelle Mischung.

Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis dieses Desserts. Nicht eine einzelne Zutat macht Halo-Halo aus, sondern die gelungene Verbindung vieler verschiedener Elemente zu einem harmonischen Ganzen. Das macht Halo-Halo bis heute zu weit mehr als nur einer Erfrischung an heißen Sommertagen – es ist auch ein kleines Stück philippinischer Kulturgeschichte..

3 „Gefällt mir“

Und jetzt schwappt die Welle zurück nach Japan … :wink:

Eine einzigartige Verbindung entsteht, als Marcos Kaiser Naruhito sein Halo-Halo-Rezept verrät

Wie kann ein philippinischer Besucher dem japanischen Kaiser Halo-Halo schenken, wenn der Monarch doch nur Speisen zu sich nehmen darf, die von seinem Koch zubereitet wurden?

Laut Präsident Ferdinand „Bongbong“ Marcos Jr. reicht es aus, Kaiser Naruhito ein hohes Glas zu reichen, aus dem er das philippinische Dessert aus gemischten Früchten, Milch und Eis genießen kann. Dazu noch einen langen Löffel und das Rezept – und schon ist eine „enge Verbindung“ zwischen den beiden Staatschefs und ihren Ländern besiegelt.

„Also isst der japanische Kaiser tatsächlich Halo-Halo. Er isst es nicht nur; Halo-Halo ist sein Lieblingsgericht. Das ist also jetzt unsere innige Verbindung“, sagte Marcos lachend, als er den philippinischen Journalisten, die über seinen Besuch in dieser Stadt berichteten, die Geschichte erzählte.

Marcos berichtete, Naruhito habe ihm bei einer früheren internationalen Veranstaltung erzählt, er habe „schon seit langer Zeit“ philippinische Freunde, die ihn dazu gebracht hätten, Halo-Halo zu essen – etwas, wofür er sich an die Philippinen erinnere.

Er berichtete, er habe Naruhito das Glas und den Löffel überreicht, als er und First Lady Liza Araneta Marcos dem Kaiser und der Kaiserin Masako einen Staatsbesuch abstatteten.

Marcos überreichte dem Kaiser das Halo-Halo-Rezept während des Abschiedsbesuchs am Freitag.

„Ich habe ihm das Rezept gegeben. Sag deinem Koch, er soll das mal zubereiten“, sagte Marcos.

Abgesehen von der Vorliebe für das erfrischende philippinische Dessert, so Marcos, hätten er und der japanische Kaiser sowie die Kaiserin noch weitere Gemeinsamkeiten: Musik und die Zeit in Oxford.

„Wir sprachen über unsere gemeinsamen Erfahrungen an der Universität Oxford, und es stellte sich heraus, dass der Kaiser und die Kaiserin auch Musikliebhaber sind. Deshalb haben wir auch darüber gesprochen, denn unsere Erfahrungen waren wirklich sehr ähnlich. Es war ein sehr, sagen wir mal, herzliches Gespräch“, sagte Marcos.

Unique bond forged as Marcos shares halo-halo recipe with Emperor Naruhito | GMA News Online

2 „Gefällt mir“