Immer häufiger fällt mir die exzessive Handynutzung in Philippinen auf.
Zu wirklich jeder Gelegenheit wird auf das Display gestarrt.
Warteschlange vorm Aufzug, 7 Leute gezählt, 7 glotzen auf ihr Handy.
Dito im Krankenhaus. Vorm Fahrstuhl ein Pfleger der eine Oma im Rollstuhl schiebt, Handy in der Hand, kein Wort zur Patientin.
Im Restaurant sitzt eine Gruppe junger Männer.
8 Personen, 8 spielen am Handy rum.
2 kommen dazu, Hände (nicht Handy) schütteln,
die 2 setzen sich, Handy müssen sie gar nicht auspacken, sie haben sie eh schon in der Hand.
Wir treffen uns mit einem Paar im Restaurant. Die jüngere Frau holt ihr Handy raus und ist jede Sekunde damit befasst.
Ein gängiges Gespräch ist mit ihr nicht möglich, auch nicht in Landessprache mit meiner Frau, wie sie mir später bestätigt.
Wir betreten ein Café direkt morgens nach Öffnung.
2 Bedienungen sitzen hinterm Tresen mit dem Handy in der Hand, eine ältere, offensichtlich die Managerin, sitzt an einem Tisch natürlich mit dem Handy.
Draußen vor der Glasfront sitzen 2 Angestellte, erkennbar an der Kleidung und spielen mit dem Handy.
Der Kaffee dauert ewig lang trotz modernster Maschine.
Und so könnte ich Seiten füllen.
Als früherer Unternehmer und immer noch ökonomisch denkender Mensch, sehe ich eine düstere Zukunft kommen durch Verblödung, Desinteresse, Bewegungsmangel und Verlust von Umfeldwahrnehmung.
Das kann ich zu % bestätigen. Inzwischen kommt die jüngere Generation der Verwandtschaft extra 15km von deren Wohnort (wo die Internetqualität noch immer grottenschlecht ist) hierher zu uns. Wenn die dann hier sind, kannst Du kaum ein VERNÜNFTIGES Wort mit ihnen sprechen. Außer „hmmmm“ und „yes uncle“ keine Kommunikation möglich. Übrigens auch bei meiner Frau ein Problem - Storys im Internet (vorzugsweise Facebook und TikTok) saugt auch sie auf, wie ein Kamel nach der Wüstendurchquerung ein ganzes Fass Wasser.
Aber auch in D ist das ähnlich, wenn auch nicht ganz so krass (jedenfalls in meinem Umfeld).
Meinen inzwischen erwachsenen Kindern habe ich früh versucht beizubringen, daß es ein Zeichen von Desinteresse ist, sich in Anwesenheit anderer mit Dingen zu beschäftigen, an denen das „Gegenüber“ nicht teilhaben kann.
Und die „Verblödung der Gesellschaft“ hat aus meiner Sicht inzwischen so zugenommen, daß man meinen könnte, die Vernünftigen befinden sich schon in der Minderheit.
Rein subjektiv betrachtet ist das auf den Philippinen erheblich extremer als z.B. in Deutschland.
Ein paar Ausnahmen gibt es, z.B. bei den großen Fastfood Ketten. Da kann man das meine ich nicht so krass sehen.
Es liegt auch an der Führung eines Geschäftes, Restaurant o.ä.
In meiner Lieblingsstrandunterkunft am Sugar Beach z.B. gibt es das überhaupt nicht.
Es gibt (zumindest in D schon gesehen) ein paar Restaurants, die ausdrücklich dafür werben, das Handy abzuschalten oder wegzustecken.
Clevere Restaurants sorgen dafür, daß der Empfang so gestört wird, daß eine Nutzung gar nicht möglich ist. Und wieder andere schreiben auf ihre Menutafel, die ja oft vor dem Restaurant steht, einen lustigen Spruch zum Thema.
Z.B.„…Bei uns befinden Sie sich auf einer Zeitreise in die 80er Jahre - kein Internet, kein Handy, stattdessen gute Unterhaltung mit den anderen Gästen…“ - oder ähnlich😆
Ja, da ist leider einiges dran; vor allem bei der Jugend. Bewegungsmangel und die einseitige Ernährung führen dann zu Adipositas. Im ländlichen Raum ist es etwas besser, insbesondere wenn noch körperlicher Einsatz für den eigene Agraranbau erforderlich ist.
Mir ist es auch ein Rätsel warum die jungen Leute alle erpicht sind auf ein College-Studium, das meist ohne Job-Perspektiven endet bzw. oft vorzeitig abgebrochen wird. Anstatt einen handwerklichen Beruf zu ergreifen, Carpenter sind zum Beispiel sehr gefragt, aber Mangelware. Aber es ist halt wie in Europa, niemand will mehr eine körperliche Tätigkeit ausüben - was zugleich eine gute Therapie gegen exzessive Handynutzung wäre
Das Driftwood village ist zwar super in die Natur integriert, mir aber zu dunkel.Bin 2-3 pro Jahr im Sulu sunset. Das nächste Mal wohl im April wenn es dann noch Sprit für die Ceres Busse gibt
Warum ohne Job-Perspektiven? Man kann dann alles mögliche machen, muss nicht immer das sein was man studiert hat. Selbst Automechaniker kann man werden im „College“, und das ist jetzt nicht unbedingt eine bewegungsarme Tätigkeit
Weil das ein Tagelöhner-Beruf ist, ohne jegliche Sicherheit. Nicht ideal, wenn man z.B. eine junge Familie versorgen will. Selbst die lächerlichen Einstiegsgehälter die für z.B. Accountant gezahlt werden (~18k) helfen mehr als heute mal nen Job für 500, morgen wieder keinen usw.
Ordentliche Ausbildung gibts auch keine, man kann also nicht im Ausland arbeiten. Die Bereitschaft, für qualitativ gute Arbeit auch gutes Geld zu bezahlen, ist überschaubar und damit bleibt man auf niedrigem Niveau.
In Deutschland / Europa würde ich mir das mittlerweile überlegen. Wobei – ich wollte ja auch mal für 20 Sekunden Dachdecker oder Gerüstbauer werden, dann habe ich zum Glück die Gelegenheit gehabt mit Älteren aus der Baubranche zu reden und die hatten alle eine sehr starke Meinung zu ihrer Arbeit und den Folgen.
Zum Thema: die Eltern in der Schule gucken mich ganz verwundert an wenn ich ihnen erzähle, dass das Kind an Schultagen keine Screentime hat. Ist aber so (wenn auch schwer manchmal)
Klar es ist eher ein strukturelles Problem, da es z.B. keine duale Berufsausbildung auf den Philippinen gibt, sondern in den meisten Fällen nur eine 6-monatige TESDA-Ausbildung. Daher ist ein Collegestudium für die meisten Berufe zwingend. Ich finde es z.B. auch nicht schlecht, dass mit Stipendien geförderte Studenten nach Studienabschluss erstmal verpflichtet werden, zwei Jahre im öffentlichen Sektor zu arbeiten oder sonst die Stipendienmittel zurückzahlen müssen. Hiermit wird versucht dem “Brain Drain”etwas entgegen zu wirken.
Zurück zum Thema „Exzessive Smartphonenutzung“. Ich empfinde die Nutzung auf den Philippinen auch extrem. Gerade bei Kindern, die hocken oft den ganzen Tag (wenn die Schule wieder mal ausgefallen ist) vor dem Cellphone und spielen irgendwas. In der Family habe ich versucht feste Zeiten für die Nutzung für die Söhne (7 und 14 Jahre alt) meiner Partnerin einzuführen. Dafür gabs nur Unverständnis und Kopfschütteln. So wird das natürlich nicht besser, wenn die Mütter nicht mitziehen. Schade für die Kinder, die in eine mobile Abhängigkeit geraten ohne es zu merken.
Nebenbei noch eine andere Geschichte aus eigenem Erleben. Vor etwa 15 Jahren war ich in Singapur in der Metro unterwegs. Damals war ich verblüfft das fast alle Fahrgäste nur auf ihr Handy geschaut haben. Das gab es damals in Deutschland noch nicht. Mittlerweile ergibt sich das gleiche Bild im deutschen ÖPNV.