Rund einen Kilometer vor der kleinen Fortune Island vor der Küste von Nasugbu in der Provinz Batangas liegt in mehr als 50 Metern Tiefe ein Schiffswrack, das fast vier Jahrhunderte lang auf dem Meeresgrund verborgen blieb.
Dieses Bild wurde mit Hilfe einer KI erstellt
Es handelt sich um die San Diego, eine spanische Handelsgaleone, die im Jahr 1600 kurzfristig zu einem Kriegsschiff umgerüstet wurde. Ihr Untergang steht im Zusammenhang mit einem der frühen Konflikte zwischen Spanien und den Niederlanden im Raum der Philippinen. Fast 400 Jahre später wurde das Wrack entdeckt und zwischen 1992 und 1993 archäologisch untersucht. Dabei kamen mehr als 34.000 archäologische Objekte und weitere organische Überreste ans Tageslicht.
Damit wurde die San Diego zu einem außergewöhnlichen Fenster in die Welt der Philippinen am Ende des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts.
Eine Handelsgaleone wird zum Kriegsschiff
Ursprünglich war die San Diego kein Kriegsschiff. Sie war als Handelsschiff unterwegs und Teil jener weitreichenden Handelswelt, die Manila mit China, Südostasien und über den Pazifik mit dem spanischen Amerika verband.
Manila war zu dieser Zeit bereits ein wichtiger Umschlagplatz. Chinesische Waren gelangten auf spanischen Schiffen über die Philippinen nach Mexiko, während Silber aus den spanischen Besitzungen in Amerika in den asiatischen Handel floss.
Als im Jahr 1600 niederländische Schiffe unter dem Kommando von Olivier van Noort in die Gewässer vor Manila kamen, verfügten die Spanier jedoch nicht über eine ausreichend starke Flotte, um ihnen mit regulären Kriegsschiffen entgegenzutreten.
Deshalb wurde die San Diego kurzfristig requiriert und bewaffnet.
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Die Umwandlung eines Handelsschiffes in ein Kriegsschiff musste unter großem Zeitdruck erfolgen. Insgesamt wurden 14 Geschütze an Bord gebracht. Die San Diego war damit erheblich schwerer beladen als zuvor.
Kommandiert wurde das Schiff von Antonio de Morga, einem hohen spanischen Beamten in Manila. Morga war kein erfahrener Marineoffizier, wurde aber mit dem Kommando über die spanische Flotte betraut.
Der niederländische Gegner
Der Gegner war die niederländische Flotte unter Olivier van Noort, einem Seefahrer und Freibeuter, der zu den ersten Niederländern gehörte, die eine Weltumsegelung durchführten.
Van Noort war mit mehreren Schiffen in den philippinischen Gewässern erschienen. Sein Flaggschiff war die Mauritius.
Am 14. Dezember 1600 kam es vor der Küste von Batangas zur Auseinandersetzung zwischen den niederländischen und spanischen Schiffen.
Die San Diego lief dabei gemeinsam mit weiteren spanischen Einheiten aus, um die Niederländer abzufangen. Die entscheidende Begegnung fand in der Nähe der heutigen Fortune Island statt.
Die Schlacht vor Fortune Island
Über den Ablauf der Schlacht existieren Berichte aus der damaligen Zeit, die später von Historikern ausgewertet wurden. Sicher ist, dass die San Diego mit der niederländischen Mauritius in einen Kampf geriet.
Während des Gefechts wurde die San Diego schwer beschädigt. Die zusätzliche Bewaffnung und die noch an Bord befindliche Ladung hatten das Schiff stark belastet.
Schließlich drang Wasser in den Rumpf ein.
Die San Diego sank am 14. Dezember 1600 vor der Küste von Nasugbu in Batangas.
Mehr als 350 Menschen sollen beim Untergang ums Leben gekommen sein. Antonio de Morga überlebte und konnte später über die Ereignisse berichten. Auch Olivier van Noort überlebte die Auseinandersetzung.
Für die Spanier war der Untergang nicht nur ein militärischer Verlust. Mit dem Schiff verschwand auch ein großer Teil seiner Ladung auf dem Meeresgrund.
Und genau diese Ladung sollte fast vier Jahrhunderte später zu einer der bedeutendsten archäologischen Entdeckungen der Philippinen werden.
Fast 400 Jahre unter Wasser
Nach dem Untergang geriet der genaue Standort des Schiffes in Vergessenheit.
Erst im 20. Jahrhundert begannen Archäologen und Unterwasserforscher, systematisch nach dem Wrack zu suchen. Die Suche stützte sich dabei nicht nur auf technische Untersuchungen, sondern auch auf historische Dokumente und Berichte über die damalige Schlacht.
1991 wurde das Wrack schließlich gefunden.
Es lag etwa 1,2 Kilometer von Fortune Island entfernt und mehr als 50 Meter unter der Meeresoberfläche. Große Teile des Schiffes waren von Sedimenten bedeckt. An manchen Stellen lagen bis zu drei Meter Ablagerungen über den Überresten.
Die Suche und anschließende Untersuchung wurden vom National Museum of the Philippines gemeinsam mit der von dem französischen Unterwasserarchäologen Franck Goddio geleiteten Organisation World Wide First durchgeführt.
Eine archäologische Zeitkapsel
Die Ausgrabungen von 1992 und 1993 brachten eine geradezu erstaunliche Vielfalt an Gegenständen ans Tageslicht.
Geborgen wurden mehr als 34.000 archäologische Objekte beziehungsweise Fundstücke und organische Überreste. Dazu gehörten Keramik, Porzellan, Metallgegenstände, Glas, Waffen, Münzen und Teile der Schiffsausrüstung. Auch Überreste von Pflanzen und Tieren wurden gefunden.
Gerade diese Mischung macht die San Diego so interessant.
Man findet hier nicht einfach nur Gegenstände eines spanischen Schiffes. Das Wrack dokumentiert vielmehr die internationalen Verbindungen, die bereits um 1600 in Südostasien bestanden.
Porzellan aus China
Zu den bedeutendsten Fundgruppen gehören chinesische Keramiken aus der Ming-Zeit.
Viele der Stücke stammen aus der sogenannten Wanli-Zeit, die von 1573 bis 1620 dauerte. Gefunden wurden unter anderem chinesisches Blau-Weiß-Porzellan und verschiedene Gefäße.
Einige dieser Stücke waren vermutlich für wohlhabende Spanier und Offiziere an Bord bestimmt. Andere gehörten zur Handelsladung.
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Das National Museum of the Philippines weist darauf hin, dass die San Diego eine besonders umfangreiche Sammlung von Keramiken dieser Epoche enthielt. Darunter befanden sich auch Gefäße und Flaschenformen, die für die Untersuchung der damaligen Keramikproduktion von Bedeutung sind.
Damit zeigt das Wrack auch, wie stark China bereits in die Handelswelt der Philippinen eingebunden war.
Gold aus verschiedenen Kulturkreisen
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Besonders bemerkenswert sind die Goldfunde.
Unter den geborgenen Gegenständen befinden sich Schmuckstücke und persönliche Gegenstände aus Gold, die unterschiedliche kulturelle Einflüsse erkennen lassen.
Das National Museum nennt beispielsweise einen Halsreif, der möglicherweise auf südostasiatische Traditionen zurückgeht, sowie ein kunstvoll gearbeitetes Schmuckstück mit europäischen Renaissance-Einflüssen.
Besonders interessant ist eine Goldmünze, die islamischen Ursprungs ist und in Johor geprägt wurde.
Noch wichtiger für die Identifizierung des Wracks war jedoch ein goldenes Siegel von Antonio de Morga.
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Dieses Siegel gilt als National Cultural Treasure und lieferte einen besonders überzeugenden Beleg dafür, dass es sich bei dem gefundenen Wrack tatsächlich um die San Diego handelt.
Ein einzelnes kleines Objekt konnte damit helfen, ein fast 400 Jahre altes Rätsel endgültig zu lösen.
Waffen und Kanonen
Die San Diego war nur wenige Monate zuvor noch ein Handelsschiff gewesen. Für den Einsatz gegen die niederländischen Schiffe wurde sie hastig bewaffnet.
Bei den archäologischen Untersuchungen wurden insgesamt 14 Geschütze geborgen beziehungsweise dokumentiert.
Darunter befanden sich verschiedene Bronze- und andere Geschütztypen. Das National Museum of the Philippines hat mehrere dieser Waffen eingehend untersucht und dokumentiert.
Die Kanonen erzählen dabei ihre eigene Geschichte.
Sie zeigen, wie ein Handelsschiff innerhalb kurzer Zeit für einen militärischen Einsatz vorbereitet wurde. Gleichzeitig geben die Geschütze Hinweise auf die internationale Herkunft der damaligen Waffentechnik.
Ein Schiff voller verschiedener Welten
Vielleicht ist gerade diese Mischung das Faszinierendste an der San Diego.
Auf einem einzigen Schiff befanden sich Gegenstände aus unterschiedlichen Teilen der damaligen Welt:
- chinesisches Porzellan,
- südostasiatische Goldarbeiten,
- islamische Münzen,
- europäische Gegenstände,
- spanische Ausrüstung,
- Waffen unterschiedlicher Herkunft,
- japanische Objekte,
- und Waren aus dem internationalen Handel.
Das Wrack zeigt damit auf sehr anschauliche Weise, dass die Philippinen um 1600 bereits Teil eines weit verzweigten internationalen Netzwerks waren.
Man sollte sich die Welt des Jahres 1600 nicht als voneinander isolierte Regionen vorstellen. Über Schiffe, Händler, Soldaten und politische Mächte waren Europa, Asien und Amerika bereits miteinander verbunden.
Die San Diego ist gewissermaßen eine Momentaufnahme dieses globalen Netzes – konserviert auf dem Meeresgrund.
Was die San Diego über Manila verrät
Der Fund ist auch für die Geschichte Manilas von großer Bedeutung.
Seit der Etablierung der spanischen Herrschaft in den Philippinen war Manila zu einem zentralen Knotenpunkt des Handels zwischen Asien und dem spanischen Amerika geworden.
Chinesische Waren gelangten nach Manila, wurden dort gehandelt und teilweise über die sogenannte Manila-Galeonenroute nach Acapulco transportiert.
Dort trafen asiatische Waren auf amerikanisches Silber.
Die San Diego befand sich genau in dieser Welt.
Sie war ursprünglich ein Handelsschiff und trug noch einen Teil ihrer Ladung, als sie zum Kriegsschiff gemacht wurde. Dadurch blieb im Wrack ein ungewöhnlich umfangreicher Querschnitt der materiellen Kultur jener Zeit erhalten.
Die Entdeckung verändert die Geschichte
Die archäologische Untersuchung war nicht nur eine Schatzsuche.
Für die Wissenschaft war vor allem wichtig, dass die Fundstücke an ihrem ursprünglichen Fundort dokumentiert werden konnten.
Ein einzelnes Porzellangefäß in einem Museum erzählt bereits etwas über seine Herstellung. Wenn jedoch tausende Gegenstände gemeinsam in einem Schiffswrack gefunden werden, lässt sich viel mehr rekonstruieren:
Woher kamen die Waren?
Welche Gegenstände wurden gemeinsam transportiert?
Welche Materialien wurden gehandelt?
Was befand sich im Besitz der Passagiere und Offiziere?
Welche unterschiedlichen Kulturen begegneten sich auf diesem Schiff?
Und welche Waren waren damals wertvoll genug, um über weite Entfernungen transportiert zu werden?
Die San Diego lieferte auf viele dieser Fragen Antworten.
Der Unterwasserarchäologe Eusebio Dizon vom National Museum of the Philippines bezeichnete die Ausgrabung deshalb als besonders bedeutendes Projekt für die Erforschung der maritimen Geschichte der Philippinen.
Vom Meeresgrund ins Museum
Nach der Bergung wurden die Funde wissenschaftlich untersucht, konserviert und teilweise in internationalen Ausstellungen gezeigt.
Die Geschichte der San Diego wurde dadurch nicht nur für Archäologen interessant. Aus den Funden entstand eine umfangreiche Ausstellung, die unter anderem in Paris, Madrid, New York, Berlin und Manila zu sehen war.
Heute befinden sich bedeutende Teile des Fundmaterials in den Sammlungen des National Museum of the Philippines.
Dort gehören die Objekte der San Diego zum maritimen und archäologischen Erbe des Landes.
Ein Wrack vor Batangas und seine globale Geschichte
Wer heute auf die Gewässer vor Nasugbu und Fortune Island blickt, sieht zunächst nur Meer.
Unter dieser Wasseroberfläche liegt jedoch der Schauplatz eines Ereignisses, das weit über die Geschichte von Batangas hinausreicht.
Hier begegneten sich vor mehr als 400 Jahren spanische Kolonialmacht, niederländische Expansion und die asiatischen Handelsnetzwerke, in die Manila bereits fest eingebunden war.
Die San Diego war ursprünglich ein Handelsschiff.
Dann wurde sie in großer Eile zum Kriegsschiff.
Sie nahm an einer Schlacht teil, sank vor Batangas und verschwand für Jahrhunderte.
Als sie 1991 wiedergefunden wurde, kam mit ihr nicht nur ein Schiffswrack ans Licht. Es wurde eine ganze historische Welt geborgen.
Chinesisches Porzellan, Gold aus Südostasien, islamische Münzen, europäische Gegenstände und spanische Waffen lagen jahrhundertelang gemeinsam auf dem Meeresgrund.
Gerade deshalb ist die San Diego weit mehr als ein untergegangenes spanisches Schiff.
Sie ist eine Art Zeitkapsel des Jahres 1600 – und eine der eindrucksvollsten archäologischen Quellen für die internationale Geschichte der Philippinen.
Quellen
Für diesen Beitrag wurden insbesondere die Veröffentlichungen des National Museum of the Philippines, die wissenschaftlichen Arbeiten des National-Museum-Archäologen Eusebio Z. Dizon zur Unterwasserarchäologie der San Diego sowie die Dokumentation des Unterwasserarchäologen Franck Goddio herangezogen.




