Davao – Eine Stadt zwischen den Welten: Bagobo, Spanier, Amerikaner und die größte japanische Siedlung Südostasiens

Wer sich mit der Geschichte der Philippinen beschäftigt, verbindet Davao meist mit Durian, Mount Apo oder der wirtschaftlichen Bedeutung der Stadt für Mindanao. Dabei besitzt Davao eine außergewöhnliche Vergangenheit, die sich deutlich von vielen anderen philippinischen Städten unterscheidet. Hier trafen indigene Kulturen, spanische Kolonialpolitik, amerikanische Wirtschaftsinteressen und japanische Einwanderung in einer Weise aufeinander, die ihresgleichen sucht.

Die ursprünglichen Bewohner

Lange bevor europäische Kolonialmächte Mindanao erreichten, war das Gebiet um das heutige Davao die Heimat verschiedener indigener Volksgruppen. Besonders die Bagobo, aber auch Manobo, Ata, Mandaya und weitere Lumad-Gemeinschaften lebten seit Jahrhunderten in dieser Region.

Die Bagobo betrieben Landwirtschaft, pflegten ein ausgeprägtes Handelsnetz mit den Küstenbewohnern und entwickelten eine eigenständige Kultur mit eigenen Sprachen, religiösen Vorstellungen und politischen Strukturen. Der Name „Davao“ selbst geht auf verschiedene Aussprachen der Bagobo-Untergruppen zurück und ist somit ein deutliches Zeugnis des indigenen Ursprungs der Region.

Spanien hatte Davao nie vollständig unter Kontrolle

Während Luzon und die Visayas bereits seit dem 16. Jahrhundert zunehmend unter spanischer Herrschaft standen, blieb Mindanao über Jahrhunderte weitgehend außerhalb der tatsächlichen Kontrolle Spaniens.

Erst 1848 gelang dem spanischen Offizier José Oyanguren nach Kämpfen gegen den lokalen Herrscher Datu Bago die Gründung einer spanischen Siedlung. Er benannte die Stadt zunächst in „Nueva Vergara“ und die Provinz in „Nueva Guipúzcoa“ um.

Doch der spanische Einfluss blieb begrenzt. Viele Lumad-Gruppen sowie muslimische Gemeinschaften widersetzten sich dauerhaft der Kolonialverwaltung. Die Spanier kontrollierten im Wesentlichen nur kleinere Gebiete rund um ihre Garnisonen und konnten große Teile des Hinterlandes niemals dauerhaft beherrschen. Historiker beschreiben die spanische Herrschaft in Davao deshalb als ausgesprochen instabil.

Die Amerikaner verändern Davao grundlegend

Nach dem Ende der spanischen Herrschaft übernahmen die Vereinigten Staaten die Philippinen.

Die Amerikaner erkannten schnell das enorme landwirtschaftliche Potenzial der Region. Besonders der Anbau von Abacá – international als Manila-Hanf bekannt – versprach hohe Gewinne.

Allerdings entstand ein großes Problem:

Für die riesigen Plantagen wurden Arbeitskräfte benötigt.

Die einheimischen Bagobo und Manobo zeigten jedoch wenig Interesse daran, als Lohnarbeiter auf kolonialen Großplantagen tätig zu werden. Ihre traditionelle Wirtschaftsweise unterschied sich grundlegend vom Plantagensystem der Amerikaner.

Die ersten japanischen Einwanderer

1903 erreichte eine erste Gruppe japanischer Arbeiter Davao. Sie wurde von Ryosuke Suda angeworben und arbeitete zunächst auf den neuen Abacá-Plantagen.

In den folgenden Jahrzehnten wuchs diese Einwanderung kontinuierlich.

Der japanische Unternehmer Ota Kyōzaburō erkannte früh das wirtschaftliche Potenzial Davaos. Er investierte massiv in den Abacá-Anbau, entwickelte moderne Verfahren zur Fasergewinnung und trug entscheidend zum wirtschaftlichen Aufschwung der Region bei. Bis heute gilt er vielen Historikern als einer der bedeutendsten Pioniere der wirtschaftlichen Entwicklung Davaos.

„Little Tokyo“ auf den Philippinen


Alle Bilder wurden mit KI erstellt

In den 1930er Jahren entwickelte sich Davao zur größten japanischen Siedlung in ganz Südostasien.

Schätzungen gehen von nahezu 20.000 japanischen Einwohnern aus.

Die japanische Gemeinschaft errichtete:

  • 13 japanische Schulen
  • Krankenhäuser
  • Geschäfte
  • Restaurants
  • Zeitungen
  • Fotoateliers
  • Vereine
  • Straßen
  • einen Shinto-Schrein
  • zahlreiche Unternehmen

Vor allem der Stadtteil Mintal entwickelte sich zum Zentrum dieser Gemeinschaft und erhielt den Spitznamen „Little Tokyo“.

Viele Japaner heirateten Filipinas, gründeten Familien und lebten dauerhaft in Davao. Die wirtschaftliche Blüte des Abacá-Anbaus machte die Region zu einem der bedeutendsten Zentren der philippinischen Landwirtschaft.

Der Zweite Weltkrieg verändert alles

Mit dem Angriff Japans auf die Philippinen Ende 1941 änderte sich die Situation schlagartig.

Aus der großen japanischen Zivilbevölkerung wurde nun teilweise die Infrastruktur einer Besatzungsmacht.

Dabei darf jedoch nicht der Fehler gemacht werden, sämtliche japanischen Einwohner mit den militärischen Besatzern gleichzusetzen. Viele lebten bereits seit Jahrzehnten friedlich in Davao, hatten Familien gegründet und betrachteten die Stadt als ihre Heimat.

Dennoch gerieten sie während des Krieges zwischen alle Fronten. Nach Kriegsende wurden zahlreiche Japaner repatriiert oder verloren ihren Besitz. Die einst blühende japanische Gemeinde zerfiel weitgehend.

Was heute geblieben ist

Auch wenn das frühere „Little Tokyo“ weitgehend verschwunden ist, finden sich bis heute zahlreiche Spuren dieser Epoche.

Dazu gehören unter anderem:

  • der japanische Friedhof in Mintal,
  • das Philippine-Japan Historical Museum,
  • Nachkommen japanisch-philippinischer Familien,
  • historische Gebäude,
  • Ortsnamen sowie
  • zahlreiche Erinnerungen an die Zeit des Abacá-Booms.

Die Beziehungen zwischen Japan und Davao werden heute bewusst gepflegt und sind Bestandteil der lokalen Stadtgeschichte.

Mehr als nur Kolonialgeschichte

Die Geschichte Davaos zeigt eindrucksvoll, dass sich die Vergangenheit Mindanaos nicht allein auf die klassische Abfolge spanischer und amerikanischer Kolonialherrschaft reduzieren lässt.

Die eigentlichen Wurzeln der Region reichen weit in die Geschichte der Bagobo und anderer Lumad-Völker zurück. Die Spanier konnten Davao nie vollständig kontrollieren. Erst die amerikanische Kolonialverwaltung leitete mit der Plantagenwirtschaft einen tiefgreifenden Wandel ein, der wiederum die größte japanische Einwanderungsgemeinschaft Südostasiens entstehen ließ.

Davao ist damit ein außergewöhnliches Beispiel dafür, wie indigene Kulturen, Kolonialmächte und Einwanderer gemeinsam die Geschichte einer Stadt geprägt haben – oft in enger Wechselwirkung, manchmal friedlich, manchmal konfliktreich.

Gerade diese Vielschichtigkeit macht Davao bis heute zu einer der historisch interessantesten Städte der Philippinen.

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Danke für den sehr interessanten geschichtlichen Excurs von Davao. Darf man fragen, welche Quellen du benutzt?

Ich stöbere in den sozialen Medien und dabei stolpere ich dann über etwas, was eine interessante Geschichte ergeben könnte im Zusammenhang mit den Philippinen. Danach schaue ich, was die Suchmaschinenresultate für einige Schlüsselwörter ergeben und dann befrage ich eine KI, ob es genügend Material für einen Forenbeitrag gibt. Als Quellen kommen, wie in diesem Beitrag zum Beispiel „https://pia.gov.ph/features/imin-museum-remembering-the-near-forgotten-little-tokyo/“, Wikipedia und weitere Webseiten zum Tragen.

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