Das geheimnisvolle „Geisterpilz“-Leuchten der philippinischen Bergwälder

Wer bei Nacht durch die feuchten Bergwälder der Philippinen streift, kann mit etwas Glück ein seltenes Naturschauspiel erleben: winzige Pilze, die im Dunkeln ein unheimlich wirkendes grünliches Licht ausstrahlen. Einer der bekanntesten Vertreter dieser faszinierenden Erscheinung ist der Pilz Filoboletus manipularis, der gelegentlich auch als „Ghost Mushroom“ oder Geisterpilz bezeichnet wird. Tatsächlich kommt diese Art in den tropischen Regenwäldern Südostasiens vor und wurde auch in den Wäldern rund um die Berge Makiling und Banahaw beobachtet.


Bildnachweis: https://www.instagram.com/

Tagsüber wirkt der Pilz völlig unscheinbar. Die kleinen Fruchtkörper sind weißlich bis cremefarben und wachsen meist in Gruppen auf verrottendem Holz am Waldboden. Erst nach Einbruch der Dunkelheit wird sichtbar, was ihn so besonders macht: Teile oder sogar der gesamte Fruchtkörper können biolumineszieren, also eigenes Licht erzeugen. Das ausgestrahlte Licht erscheint grünlich und ist für das menschliche Auge in völliger Dunkelheit deutlich erkennbar.

Die Ursache liegt in einem biochemischen Prozess innerhalb des Pilzes. Dabei reagieren spezielle lichtbildende Stoffe mit Sauerstoff und erzeugen die charakteristische grüne Lumineszenz. Ähnliche Vorgänge kennt man auch von Glühwürmchen oder bestimmten Tiefseebewohnern. Die Leuchtkraft von Filoboletus manipularis kann allerdings unterschiedlich stark ausfallen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen sogar, dass manche Populationen nur schwach oder gar nicht leuchten.

Besonders passend erscheint das Vorkommen solcher Pilze in den beiden Bergen, die seit Jahrhunderten einen besonderen Platz in der philippinischen Kultur einnehmen.

Mount Makiling gilt als einer der bekanntesten mystischen Berge des Landes. Die Legende der Waldfee Maria Makiling gehört zum festen Bestandteil der philippinischen Folklore. Gleichzeitig ist der Berg ein bedeutendes Schutzgebiet und wurde als ASEAN Heritage Park ausgezeichnet. Seine dichten Regenwälder bieten ideale Bedingungen für eine Vielzahl von Pilzarten, darunter auch biolumineszente Arten.

Auch Mount Banahaw besitzt einen beinahe legendären Ruf. Der Berg wird von vielen Filipinos als heiliger Ort angesehen und zieht Pilger ebenso an wie Naturfreunde. Seine ausgedehnten Waldgebiete gehören zu den artenreichsten Ökosystemen Luzons.

Immer wieder taucht die Behauptung auf, indigene Gemeinschaften hätten die leuchtenden Pilze früher gezielt als natürliche Wegmarkierungen genutzt. Für diese Aussage finden sich jedoch kaum belastbare wissenschaftliche Belege. Wahrscheinlich beruht sie teilweise auf mündlichen Überlieferungen und auf der Tatsache, dass die Pilze in mondlosen Nächten tatsächlich auffallen können. Gesichert ist dagegen, dass biolumineszente Pilze seit Jahrhunderten die Fantasie vieler Kulturen anregen und häufig mit Geistern, Naturwesen oder übernatürlichen Erscheinungen in Verbindung gebracht wurden.

Für Naturfotografen und Wanderer stellen die Geisterpilze eine besondere Herausforderung dar. Ihr Licht ist zwar sichtbar, aber deutlich schwächer als viele Fotos vermuten lassen. Spezielle Langzeitbelichtungen und absolut dunkle Bedingungen sind meist erforderlich, um die geheimnisvolle grüne Aura eindrucksvoll festzuhalten.


Bildnachweis: https://www.instagram.com/

Die Existenz von Filoboletus manipularis erinnert daran, dass die philippinischen Regenwälder noch immer voller Überraschungen sind. Zwischen uralten Bäumen, Farnen und Moosen existieren Lebewesen, die scheinbar direkt aus einer Fantasiewelt stammen. Wer einmal nachts durch die Nebelwälder von Makiling oder Banahaw wandert und plötzlich ein sanftes grünes Leuchten zwischen verrottenden Baumstämmen entdeckt, versteht sofort, warum solche Pilze seit Generationen Stoff für Legenden liefern. Dabei handelt es sich nicht um Magie, sondern um eines der faszinierendsten Naturphänomene der Tropen: lebendiges Licht aus dem Waldboden.

5 „Gefällt mir“

Da sollte ich glatt mal in den Kordilleren nachhören…

:mushroom::mushroom::mushroom::mushroom::mushroom::mushroom::mushroom::mushroom::mushroom::mushroom::mushroom::mushroom::mushroom::mushroom::mushroom::mushroom:

Diese Bioluminiszenz konnte ich schon ein paar Mal im Wald beobachten. Spektakulär und eigentlich gar nicht so selten.
Häufig leuchtet da auch der „Boden“…also so kleine Organismen (Pilze?), die man im Schein einer Taschenlampe gar nicht erkennen kann.

Aber ja, es muss stockfinster sein und der Wald intakt.

1 „Gefällt mir“

„Geisterpilze“ sind bei Fotografen sehr beliebt und es gibt sie auf allen Kontinenten.

>Hier eine Liste der Pilze<

1 „Gefällt mir“