Bulalo – Die philippinische Antwort auf einen langen Abend

Wer schon einmal einen ausgedehnten Abend mit Freunden, guter Stimmung und vielleicht dem einen oder anderen Bier auf den Philippinen verbracht hat, kennt möglicherweise dieses Gefühl: Irgendwann zwischen den letzten Gesprächen der Nacht und den ersten Sonnenstrahlen des Morgens meldet sich der Magen. Genau dann kommt oft ein Gericht ins Spiel, das für viele Filipinos weit mehr ist als nur eine Suppe – Bulalo.

Ich erinnere mich noch gut an solche Nächte. Wenn der Himmel langsam heller wurde und die ersten Hähne zu krähen begannen, führte der Weg nicht selten direkt zu einer kleinen Carinderia oder einem Restaurant, das bereits einen großen Topf Bulalo auf dem Herd stehen hatte. Nach einer langen Nacht schmeckte diese kräftige Brühe fast wie Medizin – nur deutlich leckerer.

Obwohl Bulalo ursprünglich eng mit der Provinz Batangas verbunden wird und insbesondere in Tagaytay einen legendären Ruf genießt, findet man das Gericht heute praktisch überall auf den Philippinen. Von einfachen Straßenrestaurants bis hin zu gehobenen Lokalen gehört Bulalo längst zu den beliebtesten Wohlfühlgerichten des Landes.

Die Zubereitung klingt zunächst erstaunlich simpel. Verwendet werden vor allem Rinderbeinscheiben mit Knochen und Mark. Diese werden über viele Stunden langsam gekocht. Doch genau darin liegt das Geheimnis. Während der langen Garzeit lösen sich Kollagen, Fett und Aromen aus Fleisch und Knochen und verwandeln das Kochwasser in eine kräftige, goldfarbene Brühe mit unverwechselbarem Geschmack.

Typischerweise kommen Maiskolbenstücke, Pechay oder Kohl hinzu. Das eigentliche Highlight für viele Liebhaber befindet sich jedoch im Inneren der Knochen: das weiche Knochenmark. Mit einem kleinen Löffel wird es herausgelöst und entweder direkt gegessen oder in die Suppe eingerührt. Nicht jeder mag es, aber wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, betrachtet das Mark oft als unverzichtbaren Bestandteil eines echten Bulalo.

Besonders berühmt ist Bulalo in Tagaytay. Die Stadt liegt auf einem Höhenrücken rund 700 Meter über dem Meeresspiegel und bietet ein deutlich kühleres Klima als das oft heiße Manila. An nebligen Morgen oder während eines kühlen Nachmittags entfaltet eine dampfende Schüssel Bulalo dort ihren ganz besonderen Reiz. Viele Filipinos fahren deshalb nicht nur wegen der Aussicht auf den Taal-See und den Vulkan nach Tagaytay, sondern ganz gezielt wegen des Essens.


Alle Bilder wurden mit einer KI erstellt

Interessanterweise ist Batangas nicht nur für sein Bulalo bekannt, sondern auch für seinen kräftigen Kaffee. Beides passt hervorragend zusammen und spiegelt die kulinarische Identität der Region wider. Erst eine herzhafte Schüssel Bulalo und später eine Tasse Batangas-Kaffee – damit lässt sich ein Tag durchaus beginnen.

Doch auch außerhalb von Batangas hat jede Region, jede Familie und oft sogar jede Carinderia ihre eigene Vorstellung vom perfekten Bulalo. Manche mögen eine besonders kräftige Brühe, andere legen Wert auf viel Mais oder extra Gemüse. Und beim Knochenmark scheiden sich ohnehin die Geister.

Für mich bleibt Bulalo vor allem eine Erinnerung an die Philippinen selbst: an lange Gespräche, gemeinsame Nächte, frühe Morgenstunden und das besondere Gefühl, wenn eine heiße Schüssel Suppe genau zur richtigen Zeit auf dem Tisch landet.

Wie sieht es bei euch aus? Wo habt ihr euer bestes Bulalo gegessen? In Tagaytay, irgendwo in Batangas oder vielleicht ganz woanders auf den Philippinen? Und gehört für euch das Knochenmark unbedingt dazu – oder lasst ihr es lieber im Knochen?

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Ob es nun Bulalo genannt wird oder, wie bei mir, einfach nur Rindfleischsuppe… die Zubereitung ist gleich… und bei uns zuhause ‚Chefsache‘!

Denn immer wenn eine lange Fußballnacht ansteht (also ziemlich oft), setze ich ein paar Beinscheiben und Markknochen auf, die bis in den Morgen vor sich hinsimmern dürfen…

Und derweil ich dann die Brühe - hier mal nur mit etwas Kohl - und ein paar Fleischbrocken zusammen mit dem Mark (stets gerecht verteilt nach dem Schlüssel: ich 80 du 20) gleich auf den Reis in eine Schüssel bekomme, steht vor der Gattin (und manchmal frühem Verwandtschaftsbesuch) der Topf mit dem Rest an Knochen, Fleisch und Brühe, wovon sich jeder nach und nach etwas auf den Berg von Reis auf seinen Teller löffelt…

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Ich habe Bulalo öfters (vor Jahren) in Cebu City gegessen. Das Restaurant war im Erdgeschoss des Kan Irag Hotels (gibt es nicht mehr) und war 24 Stunden offen. Es war bekannt für Bulalo und immer gut besucht vor allem während der Nacht.

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gibts bei uns auch öfter mal :heart_eyes:

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Bulalo koche ich auch gerne ab und zu, mal deftig, mal etwas feiner. Hier im Bild mal die letztere Variante. Einen großen Unterschied macht es insofern auch, ob man eine Beinscheibe vom Rind oder vom Kalb nimmt. „Original“ dürfte natürlich Rind sein aber die Variante vom Kalb ist auch außerordentlich „sarap, sarap!“…

Ein Tip: wenn man, wie normalerweise übliche, große Maiskolben als Einlage verwendet, empfiehlt es sich diese getrennt zu kochen und erst am Schluss zum Bulalo hinzuzufügen, da ansonsten der Maisgeschmack das Aroma der Rinderbrühe sehr leicht beeinträchtig. Wenn man möchte, kann man so auch mit den übrigen Einlagen verfahren, dann bleibt der Geschmack der Boullion ganz unverfälscht.

Einer meiner Lieblingssprüche auf philippinischen Golfplätzen, der regelmäßig für Erheiterung sorgt, lautet zudem bei einem zu kurz gelassenen, „verhungerten“ Put: „Thou shalt eat more Bulalo!“ - oder umgekehrt bei einem Put, der deutlich über das Loch hinausschießt: „Oh, too much Bulalo!“ :slight_smile:

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