BRICS und Philippinen

Ich hatte gestern Abend kurz den Gedanken, ob die Philippinen unter D. nicht schon an BRICS geschnuppert hatten…

…und habe dann rechechieren lassen. :grimacing:

Mit einem durchaus überraschendem Ergebnis:

Es gab und gibt in den Philippinen tatsächlich Überlegungen, Debatten und konkrete diplomatische Annäherungen bezüglich einer Beteiligung an den BRICS-Staaten (BRICS+). Entgegen der Vermutung fanden die stärksten offiziellen Annäherungen jedoch nicht unter Rodrigo Duterte statt, sondern unter der aktuellen Regierung von Ferdinand „Bongbong“ Marcos Jr. [1, 2, 3, 4]

1. Die Ära Duterte (2016–2022): Rhetorischer Pivot, aber kein BRICS-Antrag

Unter Rodrigo Duterte vollzogen die Philippinen eine drastische außenpolitische Kehrtwende. Er distanzierte sich rhetorisch scharf von den USA und suchte die Nähe zu China und Russland. [1, 2, 3]

  • Hinweise und Gespräche: In geopolitischen Fachforen und Analystenkreisen wurde damals intensiv darüber spekuliert, ob die Philippinen BRICS beitreten würden. Duterte reiste mehrfach nach China, vereinbarte milliardenschwere Wirtschaftsdeals und betonte den Aufbau einer „neuen Achse“ abseits der westlichen Hegemonie. [1]
  • Das Ergebnis: Trotz der engen bilateralen Gespräche mit Peking und Moskau stellte Dutertes Regierung keinen offiziellen Antrag auf eine BRICS-Mitgliedschaft. Der Fokus lag damals primär auf direkten Abkommen mit China (z. B. im Rahmen der Belt and Road Initiative) und nicht auf dem Beitritt zu multilateralen Blöcken. [1]

2. Die Ära Marcos Jr. (seit 2022): Offizielle BRICS-Teilnahme als ASEAN-Chef

Obwohl Präsident Ferdinand Marcos Jr. die militärische Allianz mit den USA massiv wiederbelebt und ausgebaut hat, zeigen die Philippinen geopolitisch vermehrt Interesse an BRICS+, um ihre wirtschaftlichen Partnerschaften zu diversifizieren. [1, 2, 3]

  • Historische Teilnahme am BRICS-Gipfel: Im September 2026 nahm Ferdinand Marcos Jr. als erster philippinischer Präsident überhaupt aktiv an einem BRICS-Gipfel (dem 18. Gipfel in Neu-Delhi, Indien) teil. Er reiste in seiner Funktion als amtierender Vorsitzender der südostasiatischen Staatengemeinschaft (ASEAN) an. [1, 2, 3, 4]
  • Offizielle Statements zur Offenheit: Marcos Jr. und philippinische Regierungsvertreter (wie der Botschafter in Indien) betonten im Rahmen des Gipfels, dass die Philippinen „offen für eine BRICS-Mitgliedschaft“ seien und die wirtschaftlichen Chancen genau prüfen. [1, 2]
  • Inländischer Druck: Führende philippinische Politiker, wie der oppositionelle Senator Koko Pimentel, forderten die Regierung öffentlich dazu auf, formell die BRICS-Mitgliedschaft zu beantragen. Sie argumentieren, dass das Land inmitten der US-China-Rivalität Neutralität wahren und vom globalen Süden profitieren müsse. [1, 2]

Das große Dilemma: Der Territorialstreit mit China

Der Hauptgrund, warum die Philippinen im Gegensatz zu ihren Nachbarn (wie Indonesien, Thailand, Vietnam oder Malaysia) bei BRICS+ zögern, ist der Südchinesische Seerechtsstreit. [1, 2]

China beansprucht weite Teile der philippinischen Ausschließlichen Wirtschaftszone (EEZ) für sich, was fast wöchentlich zu gefährlichen Konfrontationen zwischen den Küstenwachen beider Länder führt. Kritiker in Manila warnen daher, dass ein Beitritt zu einem von China dominierten Block das falsche Signal an den engen Verteidigungspartner USA senden würde. Die aktuelle Strategie von Marcos Jr. wird von Analysten deshalb als „Sondierung mit geringem Risiko“ beschrieben: Man nutzt die BRICS-Plattform für Wirtschaftsbeziehungen (insbesondere mit Indien), meidet jedoch vorerst eine feste politische Bindung unter Chinas Führung. [1, 2, 3, 4]