Asong Gubat – Der geheimnisvolle Hund aus den philippinischen Wäldern


Dieses Titelbild wurde mit Hilfe einer KI erstellt

Wer in den Philippinen einen Hund mit tigerähnlicher Fellzeichnung sieht, könnte zunächst an einen gewöhnlichen Straßenhund denken. Doch in den Bergregionen Mindanaos gibt es Hunde, um die sich seit Langem ungewöhnliche Geschichten ranken. Sie werden Asong Gubat genannt – wörtlich übersetzt etwa „Waldhund“. Bekannt sind sie auch unter den Namen Philippine Forest Dog oder Witch Dog.

Was steckt hinter diesen Bezeichnungen? Und handelt es sich tatsächlich um eine besondere einheimische Hunderasse?

Ein Hund mit ungewöhnlichen Eigenschaften

Der Asong Gubat unterscheidet sich in seinem Erscheinungsbild von vielen Hunden, die man gewöhnlich in philippinischen Ortschaften antrifft.


Bildnachweis: Facebook - Turismo Central Luzon

Besonders auffällig ist sein kurzes Fell mit dunklen, tigerähnlichen Streifen auf gelblichem oder braunem Untergrund. Diese Zeichnung hat ihm auch den Beinamen Tiger Dog eingebracht. Dazu kommen aufrecht stehende, spitze Ohren und ein eher athletischer Körperbau.

Seine auffälligsten Eigenschaften werden allerdings weniger durch sein Aussehen als durch sein Verhalten beschrieben.

Aus den Regionen Bukidnon und anderen Teilen Mindanaos gibt es Berichte über seine außergewöhnliche Beweglichkeit. So soll er in der Lage sein, auf Bäume zu klettern und steile Hindernisse zu überwinden, die für gewöhnliche Haushunde kaum zu bewältigen wären.

Auch seine Krallen gelten als ungewöhnlich. Nach Berichten von Hundekennern und Haltern sollen sie sich regelmäßig lösen und erneuern. Diese Besonderheit wird häufig als eine seiner charakteristischen Eigenschaften beschrieben.

Ob alle diese Merkmale tatsächlich für eine klar abgrenzbare Hundepopulation typisch sind, muss allerdings noch genauer wissenschaftlich untersucht werden.

Warum nennt man ihn Witch Dog?

Der Name Witch Dog klingt zunächst etwas unheimlich. Er hat jedoch weniger mit einem gefährlichen Tier als mit überlieferten Vorstellungen und Erzählungen zu tun.

Insbesondere bei indigenen Gemeinschaften Mindanaos gibt es Geschichten über diesen Hund. Seine ungewöhnlichen Fähigkeiten, seine nächtlichen Rufe und sein Verhalten haben ihm eine besondere Stellung in den lokalen Überlieferungen verschafft.

Manche Erzählungen verbinden ihn sogar mit Vorstellungen, nach denen man einer solchen Kreatur besser keinen Schaden zufügen sollte, weil dies Unglück über die eigene Familie bringen könne.

Solche Geschichten gehören zum überlieferten kulturellen Umfeld des Asong Gubat. Sie sind allerdings nicht mit zoologischen Erkenntnissen zu verwechseln.

Ein Begleiter bei der Jagd

Die Verbindung zwischen dem Asong Gubat und den indigenen Gemeinschaften ist besonders interessant.

Berichten zufolge wurden diese Hunde von einheimischen Jägern als Begleiter mitgenommen. Ihre Beweglichkeit, ihr ausgeprägter Jagdinstinkt und ihre Fähigkeit, sich in schwierigem Gelände zu bewegen, sollen dabei von Vorteil gewesen sein.

Als mögliche Beute werden unter anderem Warane genannt.


Bildnachweis: Nicht zuzuordnender Facebook-Fund

Anders als viele Haushunde, die über Generationen als Begleit- und Familienhunde gehalten wurden, wird dem Asong Gubat ein stärker ausgeprägtes selbstständiges Verhalten zugeschrieben.

Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Hunde grundsätzlich keine enge Beziehung zu Menschen aufbauen können. Auch von zutraulichen und gut erzogenen Tieren wird berichtet.

Wer einen solchen Hund halten möchte, muss jedoch seine natürlichen Verhaltensweisen berücksichtigen. Ein ausgeprägter Jagdtrieb und ein hoher Bewegungsbedarf können das Zusammenleben mit anderen Haustieren erschweren.

Vom wenig bekannten Waldhund zum möglichen Nationalstolz

In den vergangenen Jahren ist der Asong Gubat zunehmend in das öffentliche Interesse gerückt.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der Philippine Canine Club Inc. (PCCI), der sich für die Dokumentation und Anerkennung einer einheimischen philippinischen Hunderasse einsetzt.

Im Januar 2023 wurde der Philippine Forest Dog auf der Philippine Circuit Dog Show in Manila einem größeren Publikum vorgestellt. Damit begann eine neue Phase der Bemühungen, diesen Hund auch international bekannt zu machen.


Bildnachweis: Facebook - The Manila Times

Das Ziel ist eine Anerkennung durch die Fédération Cynologique Internationale (FCI), den internationalen Dachverband der nationalen Hundezuchtverbände.

Dabei geht es nicht allein darum, einem Hund einen offiziellen Namen zu geben. Für die Anerkennung einer Rasse müssen unter anderem einheitliche Merkmale, Abstammung, Zuchtlinien und genetische Eigenschaften nachvollziehbar dokumentiert werden.

Hier liegt auch eine interessante Herausforderung: Nicht alle Hunde, die als Asong Gubat oder Witch Dog bezeichnet werden, müssen zwangsläufig derselben eindeutig definierten Population angehören.

Die Bezeichnungen und die Geschichte dieser Hunde werden in der Literatur und unter den beteiligten Züchtern teilweise unterschiedlich verwendet.

Auch die gelegentlich genannten Altersangaben von 30.000 oder sogar 36.000 Jahren sind bislang nicht wissenschaftlich ausreichend belegt.

Ein Stück philippinisches Erbe?

Die Geschichte des Asong Gubat zeigt, dass die Natur- und Kulturgeschichte der Philippinen noch manche interessante Überraschung bereithält.

Während die meisten Menschen bei philippinischen Hunden zunächst an die allgegenwärtigen Aspins denken, gibt es offenbar auch regionale Hundepopulationen mit besonderen Merkmalen und einer eigenen überlieferten Geschichte.

Ob der Philippine Forest Dog eines Tages international als eigenständige philippinische Hunderasse anerkannt wird, bleibt abzuwarten.

Interessant ist jedenfalls der Versuch, eine solche einheimische Hundepopulation genauer zu erfassen und ihre Geschichte zu dokumentieren.

Vielleicht ist der Asong Gubat tatsächlich ein kleines Stück Natur- und Kulturerbe, das lange Zeit außerhalb seiner Heimatregion kaum jemand wahrgenommen hat.

Und manchmal lohnt es sich eben, auch den weniger bekannten Bewohnern der philippinischen Wälder etwas Aufmerksamkeit zu schenken.

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