5. Motorradtour durch die philippinische Inselwelt, Luzon – Samar – Leyte – Mindanao – Negros - Bohol – Leyte

Allen – Borongan – McArthur – Surigao

Von Allen bis Borongan waren es noch einmal ca. 250 Kilometer. Die ersten 150 Kilometer verliefen über den Maharlika Highway. Das bedeutete noch einmal übler Verkehr und schlimmer Straßenzustand. Dazu führt der Highway mitten durch die Großstädte Calbayog und Catbalogan. Dementsprechend quälend lief (oder besser stand) in den Städten der Verkehr.

Als ich die Gabelung erreichte, wo die Straße zur Pazifikküste beginnt, verbesserte sich die Situation sofort. Guter Straßenzustand, kaum Verkehr und wunderschöne Landschaft, jede Menge üppiges Grün. Die Insel Samar hat immer noch einen recht großen Bestand an Regenwald. Auf den ersten Blick erschien mir der Wald mindestens noch in dem Zustand wie vor 20 Jahren, vielleicht sogar besser. Mittlerweile gibt es den „Samar Island Natural Park“. Vielleicht hat die Errichtung des Parks hier etwas nachgeholfen. Nur das Wetter spielte nicht so gut mit, zwischendurch gab es immer wieder heftige Schauer.

Ich erreichte Borongan City am Nachmittag. Als Unterkunft hatte ich das Domsowir Hotel gewählt. Meine Frau hatte telefonisch ein Zimmer reserviert. Die Chefin ist unsere Trauzeugin, somit ging das auf kurzem Dienstweg. Das Hotel war vor 25 Jahren eine der wenigen überhaupt existierenden Unterkünfte in Borongan. Vor 8 Jahren hat man an anderer Stelle ein neues Hotel gebaut, das alte, direkt am Loom River gelegene, modert so langsam vor sich hin.

Ich war morgens früh auf. Zu früh um im Hotel zu frühstücken. Zu dieser Zeit war der Jollibee die einzige Option. Zumindest gab es dort guten Kaffee und kleine, recht leckere Pfannkuchen. Ich kurvte nach dem Frühstück etwas durch den Ort um zu schauen, was sich in den letzten Jahren so getan hat. Besonders die Strandpromenade hat sich durchaus positiv entwickelt. Der Stadtstrand ist knapp zwei Kilometer lang, die Promenade entsprechend.

Danach ging es zur Grundstücksbesichtigung. Zuerst zum ca. 7 Kilometer südlich des Zentrums gelegenen Barangay Lalawigan zu unserem Strandgrundstück. Ich hatte gehört, dass man dort eine „Seawall“, also eine Mauer die vor Sturmfluten schützen soll, bauen würde. Was man da hin gestellt hat, ließ mich fassungslos zurück. Ich hatte bereits an anderer Stelle davon berichtet, daher gehe ich hier nicht weiter darauf ein. Etwas frustriert zog ich von dannen.

Ich fuhr zum Markt um Reis und Fisch zu kaufen und dann weiter zum Brgy. San Jose, um einen Blick auf unser kleines Waldgrundstück zu werfen. Dieser liegt ca. 8 KM „inland“. Bereits gegen 9:00 war ich vor Ort. Der Erste, der mich entdeckte, schrie laut „Papa Martin“ und schwankte auf mich zu. Er hatte wohl schon um halb 7 mit der Sauferei begonnen. Eine etwas unentspannte Situation. Nach einiger Zeit hatte ich genug und machte ihm unmissverständlich klar, dass es Zeit fürs Bett sei. Es dauerte ein wenig, dann zog er von dannen. Die Frauen der (mittlerweile) Großfamilie sind alle recht fleißig, bei den Männern kann man das leider nicht von allen sagen. Der Sohn des Säufers ist von ganz anderer Natur. Er ist erst 14 Jahre, spricht fast fließend englisch, hat Pläne, will zum College, er klagte, seine Mutter arbeitet in Manila, der Vater würde jeden Tag trinken. Ich frage mich in solchen Fällen, warum man Typen wie diesen in der Familie duldet und nicht aus dem Haus jagt.

Wir gingen zusammen durch die Reisfelder zu unserem Grundstück. Ich war das letzte mal im Januar 2017 dort, es war kaum wieder zu erkennen. Manche der Bäume sind regelrechte Baumriesen geworden, es gibt allerdings auch ein paar Verluste, was bei solch einem Projekt aber durchaus vorkommen kann.

Das nächste Teilstück ging bis McArthur auf Leyte, eine Strecke von ca. 250 Kilometern. Es war für die nächsten Tage schlechtes Wetter angekündigt, besonders für den Heutigen. Das Frühstück ließ ich ausfallen und zog mich vorsichtshalber wasserdicht an. Ich war bereits um 6:30 Uhr unterwegs. Verkehr gab es um die Uhrzeit so gut wie nicht. Somit kam ich gut voran. Das Regenzeug zeigte Wirkung, bis auf ein paar Tropfen kam ich bei regenfreiem Wetter bis Leyte. Das sollte zum Glück die nächsten Tage so bleiben. In der Nähe von Tacloban quälte ich mich aus dem wasserdichten Zwirn. Der Streckenabschnitt von Abuyog bis Sogod war eine top Strecke fürs Motorrad, auch wenn es in den Bergen teils recht wolkig war. Auf dieser Strecke steht auch die Agas-Agas Brücke. Diese wollte ich mir immer schon einmal anschauen. An der Brücke machte ich eine kurze Pause.

Am frühen Nachmittag erreichte ich die vorab ausgesuchte Unterkunft, die „DelFel Haven Suites“. Bekanntermaßen ist das Preis/Leistung bei philippinischen Hotels schon mal schwierig, hier war das anders. Ich habe in den nächsten Wochen selten eine so gute Unterkunft im Verhältnis zum Preis bekommen.

Am Nachmittag fuhr ich ein wenig durchs Städtchen. Zu sehen gab es nicht viel. Die Suche nach einem Geldautomaten gestaltete sich etwas schwierig. Google Maps führte mich zu Bankfilialen, die tatsächlich nicht existierten. Rettung kam in Form des 7/Eleven. Die meisten Läden der Kette haben mittlerweile auch einen Geldautomaten.
Das Frühstück im Hotel war inkludiert, morgens um 7:00 Uhr ging aber nur Room Service. Völlig OK, um 6:45 Uhr klingelte jemand, ich öffnete die Tür und ein höflicher junger Mann stand vor mir, mit einem Tablett mit meinem Frühstück. Garlic Rice, Spiegeleier, etwas Obstsalat und Kaffee. Ich hatte schon gepackt, musste also nur noch das Frühstück verspeisen und schon konnte es los gehen.

Die Fahrt zum Fährhafen „San Ricardo“ war sehr angenehm. Landschaftlich sehr schön, herrliches Wetter, fürs Motorrad wunderbare Streckenführung, kaum Verkehr. Die Fähren nach Mindanao fuhren nicht nach Fahrplan. Dazu musste ich kurz vor Weihnachten damit rechnen, dass es voller als üblich werden würde. Daher versuchte ich, zeitig am Hafen „San Ricardo“ anzukommen.
Am Hafen steuerte ich direkt das Büro der Fährgesellschaft an. Dort hatte sich bereits eine Warteschlange gebildet. Das ganze Prozedere wirkt für jemanden, der noch nie eine philippinische Fähre samt Fahrzeug genutzt hat, recht chaotisch. Trotzdem hat das Ganze durchaus ein System, wenn sich dieses auch nicht sofort erschließt. Ich parkte das Mopped und stellte mich in die Schlange. Nach einiger Wartezeit rief einer der beiden Mitarbeiter „Motor Motor“. Das war das Signal, dass Passagiere mit Motorrad ihre Papiere abgeben sollen. Motorräder werden oft bevorzugt, der Fahrer ist inkludiert. Ich reichte die Registrierung rüber, das war’s dann aber erst mal. Der Gute meinte, jetzt wäre Zeit fürs Frühstück. OK, auch das muss sein. Die Frühstückspause war nicht allzu lang. Als die Herrschaften wieder ihr kleines Büro aufsuchten, konnte ich kurz darauf mein Ticket im Empfang nehmen. Damit war der Prozess aber noch nicht abgeschlossen. Ich musste noch zu drei weiteren „Fensterchen“, um, wie meistens, weitere Gebühren zu entrichten. Im Anschluss konnte ich das Motorrad auf dem Hafengelände parken und dann hieß es erst mal warten. Nach gut zwei Stunden Wartezeit trudelte die Fähre ein. Die Entladung ging recht flott, auch mein Mopped war zügig verstaut. Dann passierte aber für einige Zeit nichts. Es war noch viel Platz auf dem Kahn, ich vermutete, dass man die Fähre komplett befüllen wollte und daher wartete, bis ausreichend Fahrzeuge vor Ort waren.

Wir erreichten den Hafen von Surigao (Lipata) erst im Dunkeln. Die ausgesuchte Unterkunft, das „Bayview Inn“, war schnell gefunden. Ich hatte hier etwas anderes erwartet. Die Bewertungen waren recht gut, das „Zimmer“ stellte sich aber eher als Absteige heraus. Zumindest war die Lage gut, direkt am Wasser, mit ausreichend Auswahl an Lokalen oder Essständen fürs Abendessen. Nach dem Essen suchte ich noch einen 7Eleven auf und haut mich recht früh ins Bett. Ich freute mich auf die bevorstehenden Tage auf Mindanao.

11 „Gefällt mir“